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1–5 ENTWÜRFE FÜR JUWELENSCHMUCK VON 6–10 ENTWÜRFE FÜR SILBERSCHMUCK VON HCH DENNIG, PFORZHEIM. K. JUNG, PFORZHEIM.

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Unser Preisausschreiben für Besteckentwürfe.

Das sachliche Ergebnis, das in dem Protokoll niedergelegt ist, wurde an anderer Stelle schon veröffentlicht. Aber so ganz kann die Sache damit für uns nicht abgetan sein. Schon das trockene Protokoll gibt ja zu denken. Es gehört nicht allzuviel Sachkenntnis dazu, um dort zwischen den Zeilen herauszulesen: Die Konkurrenz war im Ganzen mittelgut, mit sehr viel, sagen wir es frei heraus, wertlosen Einsendungen. Ein „Schlager“, der die Stimmen des Preisrichterkollegiums siegreich und zwingend auf sich vereinigt hätte, war nicht darunter; und der Entschluß der Jury, die Preise ausnahmslos zu teilen, ist aus langen und ernsten Erwägungen hervorgegangen. Gewiß, die Aufgabe ist eine der schwierigsten, die man sich für eine Konkurrenz denken kann: Ein beschränkter, in seiner Gesamtform wenig beweglicher Raum; zwingende technische und Gebrauchsbedingnisse; eine Überfülle vorhandener Muster und eine geringe Aufnahmewilligkeit des Publikums für aparte oder etwas gewagte Neuheiten. Das muß Alles zugestanden werden; auch muß und kann man freudig anerkennen, daß die von der Jury prämiierten und anerkannten Arbeiten teilweise Leistungen hocherfreulicher Art darstellen, in denen sich technisches Verständnis mit gereiftem künstlerischen Können paarten. Aber es wäre doch nicht notwendig gewesen, daß so sehr viele Einsendungen da waren, bei deren Anblick man vermuten mußte, der Autor habe sich noch nie einen Löffel oder eine Gabel ernstlich angesehen. Oder die bewiesen, daß er sich über den Begriff Louis XVI. Stil oder Empire vollkommen im Unklaren war, – ganz zu geschweigen von denen, die einfach nicht zeichnen und nicht modellieren konnten. Ungewöhnlich hoch war jedenfalls bei diesem Wettbewerb die Anzahl derjenigen Arbeiten, deren Urheber nicht im Stande waren, sich über die in der Aufgabe enthaltenen Schwierigkeiten vorher Rechenschaft abzulegen, die geglaubt hatten, mit gutem Willen und recht viel Mühe werde auch so etwas gehen. So etwas geht aber nicht mit gutem Willen. Es gehört das notwendige Können und Wissen dazu. Beteiligen sollten sich doch nur solche daran, die Erfahrung im Besteckfach haben oder sich über die dort vorhandenen besonderen Verhältnisse orientiert haben. Jeder derartige Wettbewerb hat einen doppelten Zweck: Einen realen, nämlich brauchbares Material zusammenzubekommen, und einen idealen, Künstlern Gelegenheit zu bieten, mit ihren Leistungen vor einen weiteren Kreis zu treten. Beide Absichten lassen es wünschenswert erscheinen, daß auch Künstler sich beteiligen, die außerhalb des Spezialhandwerks stehen. Allen solchen aber muß der dringende und gute Rat gegeben werden, sich mit der Materie des Wettbewerbes so gut vertraut zu machen, als es irgend möglich ist. Es gibt Leute, die das absichtlich nicht tun, aus lauter Angst „beeinflußt“ zu werden. Das ist die gefährliche Überschätzung des Subjektivismus, die gegenwärtig in Kunst und Kunstgewerbe sich so breit macht. Wohl hat das „Neue“ gerade für die

Kunstindustrie, um die es sich hier handelte, seinen unabhängigen und hohen Wert. Aber dieses Neue muß sich in den Rahmen des Gegebenen und Vorhandenen einfügen, muß entweder im Gegensatz oder Zusammenhang mit diesem stehen, – beides ist nur möglich, wenn der Autor weiß, was und wie in der Praxis gearbeitet wird. Das Studium eines guten und reichhaltigen Fabrikkataloges kann da oft mehr fördern als stundenlanges „selbständiges“ Brüten. Vielleicht sollte unsern jungen Leuten öfter Gelegenheit gegeben werden, während ihrer Ausbildungszeit sich an internen, nicht-öffentlichen Wettbewerben zu beteiligen, um über ihre eigenen Kräfte klar zu werden. An allen österreichischen gewerblichen und kunstgewerblichen Fachschulen sind sogen. Klausurarbeiten eingeführt, d. h. es werden sämtlichen Schülern bestimmte Aufgaben gestellt, die sie unter Aufsicht, aber ohne Anleitung und Beihilfe des Lehrers, in einer bestimmten Zeit zu lösen haben. Das ist ohne Zweifel ein vorzügliches Mittel, um die jungen Leute zur Selbständigkeit oder, was vielleicht noch mehr wert ist, zur Klarheit über ihr eigenes Können und Nichtkönnen zu bringen, – und solche Selbsterkenntnis ist die einzige Tür zum Weiterkommen. Schülerwettbewerbe gibt es ja auch an unsern Kunstgewerbeschulen. Aber die Beteiligung daran ist meistens dem freiwilligen Entschlusse des Einzelnen anheimgestellt. Regelmäßige Zwangswettbewerbe würden doch wohl wirksamer sein, – und die Teilnahme an öffentlichen Wettbewerben vermutlich verringern. Das könnte der Qualität der Einsendungen aber nur zugute kommen. Es möchte nach diesen Ausführungen beinahe scheinen, als ob wir diese Besteck-Konkurrenz als verunglückt ansähen. Das ist keineswegs der Fall. Über die Qualität der von der Jury prämiierten Arbeiten zu sprechen, ist hier nicht der Platz. In den nächsten Monaten werden dieselben, bezw. Proben derselben, in unserer Zeitung veröffentlicht werden; da ist dann Gelegenheit, über dieselben zu sprechen. Wir möchten aber auch jetzt schon die erfreuliche Seite, diese Konkurrenz hervorzuheben, nicht versäumen. Vor Allem war es erfreulich zu sehen, daß nur ganz wenige Teilnehmer von der Sucht besessen waren, Auffallendes, nie Dagewesenes um jeden Preis zu bringen. Die Versuchung lag nahe. Man konnte z. B. einseitige Hefte komponieren, also von der üblichen Symmetrie abzuweichen suchen. Man konnte mit naturalistischen Motiven prunken, Fischmäuler oder Vogelklauen anwenden als Dekorationsmotive. Im Großen und Ganzen waren wenig solche Verirrungen zu sehen. Man war bemüht, mit bescheidener Ornamentik, mit abgewogenen und sorgfältig durchgebildeten Verhältnissen und Linienzügen zu arbeiten und zu siegen, soweit es möglich war. So sind eine Anzahl Arbeiten entstanden, an denen man seine Freude haben konnte, und an denen auch noch unsere Leser ihre Freude haben werden. Und wir dürfen hoffen, daß auch unsere Besteck-Konkurrenz der Sache des Kunstgewerbes, dem wir dienen, ersprießlich sein wird. R. R.

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