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Von der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden.

VIII. Die Kunstgewerbeschulen.

S ewiß haben diejenigen unserer Fachgenossen, welche die Dresdener Kunstgewerbeausstellung zu besuchen Ä Gelegenheit hatten, mit besonderem Interesse die Abteilung für Kunstgewerbe- und Fachschulen be- sucht. Wird doch in diesen Anstalten heutzutage ein großer Teil der Erziehungsarbeit geleistet, die unserem Kunstgewerbe zu einem tüchtigen, jungen Nachwuchs verhelfen soll; es muß deshalb für jeden Angehörigen des Kunstgewerbes von Wert sein, zu wissen, in welchem Sinn und nach welchem Ziele hin diese erzieherische Arbeit geleistet wird. Die Dresdener Ausstellung bot auch hierin Besonderes. Nicht nur, daß eine so große Anzahl von Schulanstalten sich hier ein Stelldichein gegeben hatten, wie man sie selten zusammenfindet, sondern es war auch die Parole ausgegeben worden, nur im Material ausgeführte Arbeiten vorzuführen, um zu zeigen, daß die Kunstgewerbeschulen nicht, wie man ihnen so oft den Vorwurf gemacht hatte, nur Papierkunst, ohne Bezugnahme auf das praktische Leben, pflegten. Dieser Nachweis ist denn auch wohl geliefert worden. Überhaupt trat das kunstgewerbliche Schulwesen in Dresden in so imponierender Stattlichkeit und vornehmer Ausstattung auf, daß der Eindruck ein überraschend großartiger war. Durch eine Eingangshalle, entworfen und ausgestattet von der Kunstgewerbeschule Düsseldorf, betrat der Besucher einen sich langhinstreckenden Gang, der ebenfalls von der genannten Schule entworfen und dekoriert war, an welchen rechts und links in Einzelräumen und Kojen die verschiedenen Schulanstalten ausgestellt hatten. Die meisten hatten sich an das beschränkende Ausstellungsprogramm gehalten und nur Materialarbeiten ausgestellt. Einige aber setzten sich darüber hinweg und zeigten an Zeichnungen ihre Lehrgänge und die Vorstudien zu den ausgeführten Arbeiten. Das ganz besondere Interesse, was gerade diese Ausstellungen erregten, und die unleugbar wertvolle Anregung, die den Fachleuten hierdurch gegeben wurde, bewies, daß diese Anstalten richtig gehandelt hatten und daß das Ausstellungsprogramm hier etwas zu eng gehalten war. Noch in einer anderen Beziehung wies diese Ausstellung der Kunstgewerbeschulen eine Lücke auf. Man sah fertige Arbeiten in großer Zahl, tüchtig, gut und künstlerisch ausge

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ENTWURF VON G. OTTO, GRAVEUR, BERLIN.

führt. Aber man sah nirgends, was der Schüler allein, ohne Beihilfe, als Ergebnisse seiner Studien zu leisten vermöge. Es ist aber doch wohl weniger die Aufgabe der kunstgewerblichen Fachschulen, ausgeführte Arbeiten, als vielmehr ausgebildete Zöglinge zu liefern. Es würde ungemein wertvoll und interessant sein, wenn einmal einem größeren Publikum die Ergebnisse von Schülerwettbewerben von einer größeren Anzahl kunstgewerblicher Fachschulen vorgeführt würden. Gewiß ließen sich daran besser und mit mehr Aussicht auf Erfolg und gegenseitige Verständigung Erörterungen und Vorschläge zur Verbesserung knüpfen, als bei der jetzigen Art, die im wesentlichen darauf hinausläuft, daß zwei miteinander streiten, die von ganz verschiedenen Standpunkten ausgehen und sich deshalb natürlich auch nicht verständigen können. Man sieht in den Schulausstellungen in Dresden eine Fülle guter und mittelmäßiger Schülerarbeiten, denen man auf den ersten Blick ansieht, daß die Qualität So der Lehrkräfte gegen früher außerordentlich gestiegen ist und daß dieselben im allgemeinen den Anforderungen der Zeit entsprechen. Wie man es aber anfängt, den Schüler stufenweise zu fördern, das hat nur die Düsseldorfer Schule in zwei mächtigen Mappen mit Schülerarbeiten und Erläuterungen zu zeigen versucht. Die Anstalt hat damit schwerlich einen endgültigen Fingerzeig oder eine Lösung für die hier schwebenden Fragen gegeben, aber schon der Versuch dazu ist außerordentlich dankenswert. Eine Erscheinung von grundsätzlicher Bedeutung ist es, daß Farbe und Pinsel für die Darstellung im Zeichenunterricht das unbestrittene Übergewicht über die anderen Darstellungstechniken gewonnen haben. Die farbige Darstellung ist fast ganz an Stelle des früher so hingebend gepflegten Bleistiftschattierens getreten. Das hängt mit einer zweifachen Änderung im Lehrprogramm zusammen. Man verlangt einerseits eine Darstellung, die, anstatt wie früher korrekt und peinlich, in erster Linie dekorativ und breit wirkt; und zweitens soll der Zeichenunterricht nicht nur darstellungsübend, sondern vor allem geschmackbildend und geschmackfördernd auf die Schüler einwirken. Beides kann sehr viel eher durch ein Arbeiten in Farbflächen, als in schattierter Bleistiftdarstellung bewirkt werden. Das Wort „Flächen“ muß dabei betont werden: Man sucht das Endziel des Zeichenunterrichtes nicht mehr im „Schattieren

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können“, sondern in einer flächenhaft vereinfachten Darstellung Speziell die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule stellt das Axiom auf, daß an den Anfang der Darstellungsübungen die unmittelbar aufgefaßte und ebenso wiedergegebene Skizze, an den Endpunkt die Vereinfachung des Objektes bis zur einfachen Lineardarstellung zu setzen sei. Das ist nun auch wieder zu einseitig-theoretisch. An den Anfang der Zeichendarstellung muß das gesetzt werden, was nicht nur der Auffassung, sondern auch der Wiedergabe nach dem Schüler das Naturgemäßeste und Einfachste ist. Das ist aber unzweifelhaft die Darstellung im Kontour, belebt durch einfache Farbflächen. An logischem und übersichtlichem Aufbau steht der moderne, kunstgewerbliche Unterricht hinter der älteren Methode entschieden vorläufig noch zurück, namentlich in bezug auf das

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Was die Art des Pflanzenstudiums auf den modernen Kunstgewerbeschulen anlangt, so hat die Meurersche Methode, die Pflanze auf ihre konstruktiv-plastischen Motive hin zu studieren, offenbar überall anregend und vertiefend gewirkt. Die deutschen Kunstgewerbelehrer sind aber künstlerisch meist – glücklicherweise – weit über Meurer hinausgegangen, indem sie an die Stelle des Wissenschaftlich-korrekten, das bei Meurer die Hauptrolle spielt, die künstlerisch-dekorative Geschmackswirkung sich zur Richtschnur für das Pflanzenstudium genommen haben. Damit haben sie jedenfalls das Ziel eines jeden kunstgewerblichen Unterrichtes klar erkannt.

Wenn man sich fragt, in welchem Verhältnis die ausgeführten Arbeiten ihrer Qualität nach zu den Zeichnungen und Modellierarbeiten stehen, so wird bei der großen Verschieden

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ENTWÜRFE VON G. OTTO, GRAVEUR, BERLIN.

kunstgewerbliche Komponieren. Früher pflegte der Schüler zunächst Gegenstände seines künftigen Berufes zeichnerisch zu kopieren, um dann, wenn er sich einen gewissen Formenschatz angeeignet hatte, solche Gegenstände zu entwerfen. Jetzt beginnt er mit dem Studium von Naturformen und muß von da aus den Sprung zum gegenständlichen Komponieren machen. Hier zeigt sich also in dem Unterrichtssystem unserer Kunstgewerbeschulen eine theoretische Lücke, wenn sie sich auch in der Praxis, namentlich wo befähigte, phantasiekräftige Lehrer wirken, weniger fühlbar machen mag. Auch in dieser Beziehung zeigt die Düsseldorfer Schule interessante Ansätze zu einer kunstgewerblichen Lehrsystematik der Zukunft: Sie beginnt mit dem Auffassungszeichnen einfacher, tektonischer Gegenstände, die dem Berufe des Schülers entnommen sind, und läßt erst dann das Zeichnen einfacher Naturgegenstände und Pflanzenteile folgen. So bleibt der Schüler jedenfalls vor der einseitigen Auffassung bewahrt, als ob nur die Natur es würdig sei, zeichnerisch studiert zu werden. Anzustreben wäre wohl, daß das Studium des tektonischen Gegenstandes gleichzeitig neben dem Studium der Naturerscheinung herlaufen würde, bis die Ergebnisse beider Studiengänge sich in Kompositionsübungen verschmelzen könnten.

heit der verwendeten Materialien und Techniken eine glatte, runde Antwort schwer zu geben sein. Vom Standpunkte der künstlerischen Geschmackswirkung der ausgeführten Arbeiten aus, der auch hierfür der maßgebende sein sollte, scheint mir, als ob die graphischen Künste und die Möbelschreinerei obenan stünden, die Schmiedeeisenkunst im allgemeinen aber am wenigsten glücklich vertreten ist. Die Feinmetallkunst, die uns ja am meisten interessieren muß, hat durchweg gute und befriedigende Leistungen aufzuweisen. Etwas mehr Ruhe und Feinheit des Geschmackes wäre wohl da und dort noch zu wünschen. Für unser Fach sind nachfolgende aufgeführte Schulanstalten besonders interessant: Die Kunstgewerbeschule Pforzheim mit vielen Schmuckentwürfen, mit getriebenen, gravierten und geschnittenen Metallarbeiten, sowie mit montiertem Schmuck. Die Kunstgewerbeschule Karlsruhe mit Treibarbeiten; die Zeichenakademie Hanau mit silbergetriebenen Arbeiten, mit Modellentwürfen für Metallgegenstände, sowie ebenfalls mit Gravier-, Emaillier- und Montierungsarbeiten. Die Fachschule in Schwäb. Gmünd stellt in ähnlicher Weise Schmuck, Silber- und Feinmetallarbeiten aus, von denen wir einen großen Teil schon (in Nr. 29) in unserer Zeitung veröffentlicht haben. Die Königliche Fachschule für Metallindustrie Iserlohn hat ihre Koje sehr interessant in Metall ausdekoriert und außerdem noch größere Metallarbeiten, Stanzen und gedrückte Stücke ausgestellt. Noch eine große Anzahl anderer Fach- und Kunstgewerbeschulen sind mit Metallarbeiten vertreten, ohne daß etwas Auffälliges oder Eigenartiges daran zu bemerken wäre. Es kann aber ganz allgemein konstatiert werden, daß die praktische Betätigung in den Techniken der Feinmetallkunst an unseren Kunstgewerbeschulen eine ausgiebige Pflege erfährt. Eine Kritik einzelner Ausstellungen und Arbeiten zu geben, erscheint kaum zweckmäßig. Es ist ja nicht möglich, zu ersehen, wie weit man den Schüler und wie weit man den Lehrer kritisiert. Man könnte nur Vergleiche zwischen den Schulen,

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Unsere

Die Besteckabbildungen, die wir heute bringen, stammen aus der Besteck-Konkurrenz, welche die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ im Auftrage der „Bremer Silberwarenfabrik“, A-G, Sebaldsbrück bei Bremen zum Austrag gebracht hatte, daß die heute abgebildeten, preisgekrönten Arbeiten nicht früher veröffentlicht wurden, liegt in dem Umstande begründet, daß die Entwürfe zunächst für die Ausführung in der Fabrik benötigt waren.

Das Preisgericht hatte seiner Zeit davon abgesehen, erste, zweite und dritte Preise zu verteilen, sondern hatte aus der zur Verfügung stehenden Summe sechs abgestufte Preise gebildet. Die in dieser Nummer abgebildeten Arbeiten waren mit den drei höchsten Preisen bedacht und in die Fabrikation aufgenommen worden. Der Entwurf zu der ersten Tafel stammt von Johann Klüsing, Zeichner in Bremen, der zur zweiten von den Silberschmieden Rich. Mietzschke und R. Ruß, Berlin, während die Entwürfe zur letzten Serie Adolf Münzenmaier in Bremen zum Urheber haben. Am meisten Neues bringt wohl das Modell von Mietzschke und Ruß in Berlin. Die beiden andern Serien, feine und vornehme Arbeiten sind im Gegensatz zu der eben genannten in historischem Charakter gehalten.

Es folgen einige gelungene Entwürfe für Weißjuwelenschmuck von Adolf Mittmann, Pforzheim und Chr. Weller,

bzw. deren Abteilungen anstellen, für welche das Studium einzelner Schülerarbeiten, ohne zugleich mit den örtlichen Verhältnissen und dem Schulbetrieb vertraut zu sein, keine genügende Grundlage bietet. Denn ich wiederhole es: einen richtigen Maßstab für die Leistungen einer Schule gibt nur das, was der Schüler ohne den Lehrer als Ergebnis des genossenen Unterrichtes zu schaffen vermag. Die Fach- und Kunstgewerbeschulen haben in Dresden sich mit ihren Ausstellungen mitten zwischen die Erzeugnisse des praktisch-tätigen Kunstgewerbes hinein und damit unter die Kritik der Öffentlichkeit gestellt. Möchte das nicht nur ein einmaliges Ausstellungsbild gewesen sein, sondern Richtschnur und Tendenz ihres ganzen Schaffens sein und bleiben!

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AUS DER KONKURRENZ ZUR ERLANGUNG KÜNSTLERISCHER BESTECKE VON DER BREMER SILBERWARENFABRIK, A.-G, SEBALDSBRÜCK BEI BREMEN.

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ZEICHNER ADOLF MÜNZENMAIER, BREMEN. (PRÄMIIERT) 231

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