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Von der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden.

VII. Die Feinmetallindustrie.

IM)er Kunstindustrie wurde auf der Dresdener Ausstellung eine besondere Stellung eingeräumt. Sie sollte einer ungerechten Vergleichung mit dem Kunsthandwerk entzogen werden und wurde deshalb in zwei besonderen Kunstindustriehallen untergebracht, deren eine Materialgruppen und Räume, sowie das Buchgewerbe enthält, während die andere für vorbildliche Leistungen, Maschinen und Werkstätten reserviert ist. Das Hauptmerkmal der Kunstindustrie in dem Sinne, in dem die Trennung hier vorgenommen wurde, ist, daß ihren Erzeugnissen der spezielle Reiz der kunstgewerblichen Handarbeit abgeht. Die Kunstindustrie erzeugt nicht, wie das Kunsthandwerk, ein oder mehrere Male ein Einzelwerk, sondern sie erzeugt erst das Muster und fabriziert dann auf möglichst mechanische Weise die Wiederholungen. Es wäre aber falsch, deshalb zu glauben, die Kunstindustrie könne nur künstlerisch Minderwertiges liefern. Sie zerlegt nur gewissermaßen den Arbeitsprozeß. Während beim Kunsthandwerker die künstlerisch geistige und die mechanisch-handfertige Seite der Produktion unlösbar miteinander verbunden sind, konzentriert sich bei der Kunstindustrie die künstlerisch-geistige Arbeit auf die Herstellung des Musters, die mechanisch-handfertige auf die Herstellung der Ware. Dabei bedient sich das Kunsthandwerk zur Formung des Materials vorzugsweise des Handwerkzeuges, die Kundstindustrie der vervielfältigenden Maschine. Das hat an und für sich mit der künstlerischen Qualität der fertigen Arbeit nichts zu tun. Die Prägetechnik, die Gußtechnik, die Drucktechnik sind maschinelle und mechanische Verfahrungsweisen, die doch imstande sind, die hochkünstlerischsten Erzeugnisse hervorzubringen. Also in der Arbeitsweise kann an und für sich ein qualitativer Unterschied zwischen der künstlerischen Leistungsfähigkeit des Kunsthandwerks und der Kunstindustrie nicht begründet liegen. Wohl aber wird der Umstand von bedeutendem Einfluß sein, daß die Industrie die billigeren Erzeugnisse herstellt, und daß aus diesem Grunde ihre Abnehmer einer weniger exklusiven Geschmacks sphäre anzugehören pflegen. Bisher trat der Unterschied zwischen Kunsthandwerk und Kunstindustrie auf den kunstgewerblichen Ausstellungen nicht so in die Erscheinung, weil die Kunstindustrie vielfach sich veranlaßt glaubte, für solche Ausstellungen Arbeiten anfertigen lassen zu müssen, die nur einmal für diesen Zweck gemacht, also gar nicht für Wiederholung berechnet waren. Wenngleich die Dresdener Ausstellung auch durchaus keine klare und logische

Trennung von Kunsthandwerk und Kunstindustrie vor Augen geführt hat, so ist doch die letztere diesesmal insofern ehrlicher und unbefangener aufgetreten, indem sie im allgemeinen Fabrikationsware und keine Ausstellungsparadestücke vorführte. Wir beschränken uns natürlich auf diejenigen Aussteller, die unserer Branche angehören, und bemerken dabei, daß eine Anzahl der zu nennenden Namen, eher dem Kleingewerbe als der Industrie anzugehören scheinen. Zunächst sei die sächsische Achatindustrie, Gebr. Seitz, Dresden, genannt. Sie verarbeitet echte, farbenschöne sächsische Natursteine, meist in feinen, blaßvioletten und rotbraunen Tönen. Sie sind hier gezeigt in Verarbeitung zu Chatelaineketten, Broschen und Schließen in Silbermontierung, deren helle Farben gut mit den blassen Steintönen übereinstimmen. Den Entwürfen von Erich Kleinhempel, Dresden, hätte ich manchmal etwas mehr Zierlichkeit gewünscht. Auch ein wirkungsvoller Leuchter, mit sächsischen Achatsteinen besetzt, ist ausgestellt. In der gleichen Abteilung ist eine kleine Schmuckkollektion von Schleusing-Schöneberg. GO. Eine hübsche Neuheit Stellen die modernen Trauringe von W. Preuner-Stuttgart dar, die nicht ganz glatt und kunstlos, sondern ornamentiert und mit dem Spruch versehen sind: Ich bin Dein, Du bist mein. Es wäre wohl wünschenswert, daß Derartiges Eingang finden würde. – In hübscher Ausstattung präsentieren sich die „Behrschen Kunstkristalle“ (Ersatz für Edelsteine), die jedenfalls einen beachtenswerten Fortschritt auf diesem Gebiet darstellen. Stattlich und wirkungsvoll tritt die Kollektivausstellung der Fabrikanten von Schw. Gmünd auf. Sie nimmmt eine eigene Koje ein, mit zwei an den Wänden angelehnten und einem in der Mitte freistehenden Schrank. – Diese Kollektivausstellungen kunstindustrieller Firmen, deren wir später noch einer begegnen werden, geben zu denken. Die Fabrikanten, die Industriellen, denen größere Mittel und meist ein reichhaltiger Warenvorrat zu Gebote stehen, schließen sich zusammen, um sich das Ausstellen billiger, leichter und wirkungsvoller zu machen. Kleingoldschmiede, kleinere Feinmetallwerkstätten bleiben für sich; und doch wäre hier ein korporativer Zusammenschluß – wohlgemerkt, ein solcher von Fachgenossen – noch notwendiger und wertvoller. Ich verkenne nicht, daß die Schwierigkeiten eines solchen hier größer sind als bei Industriezentren, wie Pforzheim und Schw. Gmünd, wo alle Beteiligten an einem Platze sich befinden. Eine Kollektivgruppe ausstellender Kleingoldschmiede und Juveliere würde sich ja wohl nur in wenigen, großen Städten zusammenbringen lassen. Aber unser Goldschmiedegewerbe erfreut sich doch jetzt einer so lebendigen und wirkungsvollen Organisation, daß ich glaube, die Schwierigkeiten müßten zu überwinden sein, und es müßte das gemeinsame Auftreten größerer Bezirksgruppen von Goldschmieden bei künftigen Ausstellungsgelegenheiten sich ermöglichen lassen. Doch kehren wir zu der Gmünder Kollektivausstellung zurück. Eine sehr große Ausstellung bringen Erhardt & Söhne; besonders sind dabei die neuen Intarsiaarbeiten der Firma reich vertreten, Einlegearbeiten von Semilormetall – einer goldähnlichen Kupferlegierung – in hartes Palisanderholz. Außer diesen gediegen und reich wirkenden Stücken ist noch eine reiche Auswahl geschmackvoller Messing-, Kupfer- und Bronzearbeiten vorhanden. L. Kistenmacher bringt einfache silberne Becher und hübsche Service, Sörgel & Stollmeyer Fingerhüte und Scheren in überraschend reichhaltigen Mustern, die Gebr. Deyhle eine sehr große Ausstellung von Silberarbeiten. Da sind große Humpen, Schalen, Service, teilweise in Verbindung mit Glas, in einfachen, kräftigen Formen und spiegelnder Politur. Teilweise ist auch die nordische Flechtornamentik in wirkungsvollster Weise verwendet. Gust. Hauber ist würdig mit seiner Spezialitat silberner, oxydierter und niellierter Ketten und Kettentaschen vertreten, Otto Kaiser mit sehr zierlichen Schmuckwaren, während unter der Kollektion der Firma Schoch & Frank am Graben einige besonders originelle Broschen mit Drahtspiralen auffielen. Die Ausstellung von Karl Braun enthält gut gearbeitete Broschen und Anhänger mit Tiermotiven in ansprechender Farbengebung, die der Firma Entenmann & Hirzel streng und wirkungsvoll komponierten Brillantschmuck. Robert Winter zeigt sich mit seiner Spezialität geschmackvoller Lorgnons, Th. Überla Nachf. mit einer Kollektion hübscher Broschen, Hugo Böhm & Co. mit vornehmen Kettenarmbändern, Broschen und Knöpfen. Da wir in unserer ersten Dresdener Nummer Schon eine reichliche Auswahl von Abbildungen der Gmünder Ausstellung gebracht haben, so mögen diese Hinweise genügen. Zwei Einzelgoldschmiede seien hier mit ihren Ausstellungen angereiht: Wilh. Schwarz, Goldschmied in Meißen, bringt in einem Wandkasten Hirschgrandlschmuck und Montierungen von Kinderzähnen in teilweise recht origineller Ausführung; Wilh. Osk. Matusch, kgl. sächs. Hofgürtlermeister in Dresden, zeigt einen hübschen Reform-Abendmahlskelch, der in einigen Dresdener Kirchen bereits zur Einführung gelangt ist. Auch der Juwelier Georg Pleißner in Dresden hat einige schöne Erzeugnisse seiner Werkstatt ausgelegt. Einen großen Raum, eine ganze Halle beinahe, nimmt der Pforzheimer Kunstgewerbeverein mit seiner KollektivAusstellung ein. In acht mächtigen Schränken sind hier die Pforzheimer Industrieerzeugnisse ausgestellt, in einem Umfang, in einer repräsentativen Darbietung, daß der Pforzheimer Kunstgewerbeverein, der hier als Unternehmer und Ausstellungsleiter fungiert hat, auf diese Leistung wohl stolz sein kann, namentlich, da es ihm gelungen ist, zu gleicher Zeit auch für die Karlsruher Kunst- und KunstgewerbeJubiläums-Ausstellung eine stattliche und würdige Vertretung der Pforzheimer Industrie zustande zu bringen. – Wer sich eingehend und über die gewöhnliche Zeit mit der Pforzheimer Ausstellung beschäftigte, dem nahte sich der Aufseher und überreichte ihm ein hübsch ausgestattetes Heftchen, in dem eine kurz und fesselnd geschriebene Geschichte der Pforzheimer Industrie, ihre derzeitige Bedeutung und Größe und eine Geschichte des Pforzheimer Kunstgewerbevereins enthalten sind, aus der Feder des II. Vereinsvorsitzenden,

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Herrn Fabrikant W. Stöffler. Ein Vortrefflicher Gedanke und ein vortreffliches Mittel jedenfalls, um das Interesse des Besuchers an der gesehenen Ausstellung zu vertiefen und zu erhalten. Wir haben der Pforzheimer Vertretung in Dresden eine ausführliche Spezialpublikation gewidmet und können uns heute mit kurzen Hinweisen begnügen. – Bei dem großen Mittelschrank anfangend, sehen wir zunächst Berner & Neunecker mit einfach und ruhig gehaltenen Knöpfen, daneben Wilhelm Gauß mit Medaillons, Petschaften und Uhrenanhängern in Gold und Silberdoublé und Emil Haberstroh mit zierlichem Similischmuck mit Email. Heckner & Feiler bringen geschmackvolle Ringe und Kettenknöpfe, Bohnenberger & Böhmler feine Goldketten und Kettenarmbänder. Wilhelm Stöffler zeigt größere Goldwaren, Dosen, Kämme, Stockgriffe, Operngucker in feinster Ausführung, Hans Söllner eine große Ausstellung geschmackvoller Knöpfe. Bei G. Rau finden wir als Neuheit tadellos ausgeführte Doubléuhrgehäuse, bei Chr. Seybold eine reichhaltige Auswahl von Crayons, bei Fühner & Aßmus sehr hübsche, billige Knöpfe. D. F. Weber hat eine Kollektion hochfeiner Brillantware, Ringe, Anhänger und Armbänder. Auf der andern Seite folgen Hischmann & Koch mit Dosen, Messserchalen und Crayons, Weber & Co. mit feinem Brillantschmuck aller Art, Victor Mayer mit teilweise hochoriginellem Silberschmuck. Daran schließen sich Louis Fießler & Co. mit feinen Gold- und Platinaketten in besonders reichen Mustern und Joseph Rast mit derselben Spezialität, namentlich noch zierlichen Anhängern. Vom rein künstlerischen Standpunkt aus betrachtet, stellt die Beteiligung der Firma Th. Fahrner den Glanzpunkt der Pforzheimer Ausstellung dar. Von Künstlern sind daran beteiligt: Erich Kleinhempel mit ausgezeichnet schönem und fein wirkendem Goldschmuck, Alfred Bernheim (Pforzheim, Atelier Fahrner) mit Amethyst- und Türkisenmatrixschmuck, fein, originell und geschmackvoll; nach den Entwürfen von Fr. Böres, Stuttgart, ist wuchtiger, breitformiger Silberschmuck mit Lapis ausgeführt; einige sehr aparte Stücke mit Türkisenmatrix und Opalen hat Ferd. Morawe entworfen. Der Reihenfolge nach kommen nun Anwärter & Hepke mit einer hübschen Kollektion, hauptsächlieh SemiemailleArtikel, W. Lotthammer mit einer reichen Ausstellung von Fingerhüten und Welz & Renner mit zierlichen Knöpfen. In einem an der Wand lehnenden Pultschrank hat Th. Fahrner eine Gedächtnis-Ausstellung arrangiert, indem er eine Anzahl Arbeiten hier vereinigte, die nach Entwürfen von dem verstorbenen Patriz Huber ausgeführt sind, der ja auch für die Schmuckornamentik bahnbrechend gewirkt hat. Einen zweiten Schrank nimmt Rodi & Wienenberger ein, mit teilweise recht aparten Mustern und einem künstlerisch entworfenen Namensschild der Firma; die nächste Vitrine zeigt vereinigt die Arbeiten der Firmen Ratz & Deyle (Emailarbeiten und hübsche Fächer), Albert Artopoeus mit reizvollem Similischmuck (nach Entwürfen der Professoren Kleemann und Schmidt, Pforzheim) und Keller & Edelmann mit Semi-Emaillen. Im dritten Schrank kommen die Kettenfabrikanten: Stockert & Co. und Beckh & Turba sind mit einer großen Sammlung guter Ketten wirkungsvoll vertreten; auf der anderen Seite zeigt Chr. Essig aparte Gliederketten, Gebr. Kuttruff daneben eine reich beschickte Tablette mit Ketten. Im vierten Schrank hat die große Uhrkettenfabrik Kollmar & Jourdan, A.-G., zwei große Tabletten aufgestellt mit den verschiedensten Ketten- und Schmuckmustern, darunter streng und apart gezeichnete Anhänger. Siegele & Gerwig stellen ebenfalls Ketten aus, darunter namentlich hübsche Kettenarmbänder. Auf der anderen Seite hat die Großfirma Fr. Speidel eine reichhaltige, geschmackvolle Kettenausstellung und Emil Büxenstein hübsche Doubléketten. In einem weiteren Schrank sind vereinigt die Arbeiten der Firma Ad. B. Kapprell (Emailwaren, Crayons, Messer usw.) und F. W. Heim mit stattlichem und reichem Similischmuck; Andreas Daub zeigt eine große und wirkungsvolle Kettenausstellung, worunter die elastischen Kettenarmbänder und Doublétrauringe ohne Lötfuge auffallen. Einen Schrank für sich nimmt Emil Jabulowsky ein mit oxydierten Stahlwaren mit Silbereinlage und Silberdosen mit unverwüstlicher Dekoration. Im achten und letzten Schrank finden wir Lutz & Weiß mit gediegenen und fein durchgeführten Bestecken, Kleingerät und Silberschmuck. R. Rücklin.

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künstlerisch gut dem Letterndruck ein und bereichern das Bild unserer Textseiten. Wir hoffen damit zu zeigen, wie wir stets bemüht sind, den kunstgewerblichen Teil unserer Zeitschrift in der Weiterentwicklung zu halten. Die Arbeiten von Graveur G. Otto in Berlin, welche in dieser Weise vollendet sind, können in ihrer ruhigen Komposition und klaren, sorgfältigen Durchbildung als mustergültig in ihrer Art bezeichnet werden. Moderner Juwelenschmuck – ein gegenwärtig aktuelles Thema – wird auf den drei folgenden Blättern behandelt. Otto Weida-Pforzheim läßt in seinen ruhig-zierlichen Entwürfen verhältnismäßig viel Gold sehen. In der Verwertung des Ringmotives ist er verschiedenfach recht glücklich gewesen. – Die Entwürfe von Oskar Beck-Pforzheim zeichnen sich aus durch originelle Zusammenstellung, kräftige Formgebung und gewandte Handhabung von Empiremotiven. Aus unserer Weißjuwelenkonkurrenz bringen wir noch die Arbeiten zweier Zeichner, die mit öffentlichen Belobigungen ausgezeichnet wurden: H. F. Ruf und K. Bürkle, beide von Pforzheim. Auch hier zeigen sich sowohl moderne, wie im Empirecharakter gehaltene Motive in geschickter und glücklicher Weise verwertet. Die akademische Verbindung „Cellini“ in Hanau, die unter ihren Mitgliedern einen regen künstlerischen Wetteifer zu pflegen weiß, hat in liebenswürdiger Weise uns die Ergebnisse eines Wettbewerbes und andere Arbeiten ihrer Mitglieder zur Verfügung gestellt. Wir bringen heute davon zwei Schauschränke für Silber- und Goldwaren, entworfen von Wilhelm GertenbachHanau, die in ihrem eleganten und geschmackvollen Aufbau so schmuck wirken, daß man ihnen das „Ausgeführtwerden“ wünschen möchte. R. R.

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