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LINKS: GEFÄSS MIT AUFLEGEARBEIT (MESSINGZISELIERUNG MIT STEINEN). RECHTS: AUFGEZOGENES BLUMENGEFÄSS IN KUPFER.

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Von der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden.

V. Die Goldschmiedekunst in den

Ä)er Schwerpunkt alles dessen, was in Dresden geboten wird, liegt in den künstlerisch ausgestatteten Einzelräumen, die im Ausstellungspalast vereinigt sind. In diesen sind auch Arbeiten der Goldschmiedekunst verstreut untergebracht, die immerhin so bedeutend sind, daß wir sie uns zur Betrachtung wohl 0der übel zusammensuchen müssen. Einer der für den Goldschmied interessantesten Räume ist das Speise- und Anrichtezimmer aus Weimar, ausgeführt nach Entwürfen von Prof. H. van de Velde. Der kreisrunde Eßtisch ist vollständig gedeckt und mit einer Silberausstattung versehen, die, ebenfalls nach den Entwürfen von van de Velde, von Hofjuwelier Th. Müller in Weimar ganz vorzüglich ausgeführt ist. – Der Tisch war für sechs Personen berechnet; die Komposition der Tischgedecke ging von dieser Zahl aus, war sechsteilig, so daß der für jede Person bestimmte Raum sich diskret, aber klar abzeichnete. Das reiche Silberbesteck war radial aufgelegt, so daß sich in jeder Einzelheit der Anordnung das Gemeinsame, Zusammenfassende, das ein gedeckter Tisch haben Soll, scharf und klar ausprägte. – Die Bestecke sind originell entworfen, besonders die Griffe gut durchdacht und angenehm in der Hand zu halten. Manches Neue und Zweckmäßige ist in ihrer Form gefunden. Auch die nach vorn sich verschmälernden Messerklingen sind mit Überlegung und Geschmack geformt. – Die Silberteller, welche ausgestellt sind, wurden in GlasSchränken für sich untergebracht und für die Tischausstattung durch Porzellanteller ersetzt – nach meinem Urteil zum Vorteil des Gesamteindruckes. Denn diese Silberteller mit dem eigentümlich schwer wirkenden Randornament erschienen mir als der wenigst gelungene Teil dieser Silberausstattung. – Die Mitte der Tafel nahm ein krugartiger, silberner Tafelaufsatz ein, mit mehreren, für das Hineinstecken von Blumen bestimmten Offnungen – ein ebenso zweckmäßig wie wirkungsvoll sich aufbauendes Stück. Sehr reizvoll wirkten die schlanken, hochStengeligen Silberbecher, durch die man gerne einmal die sonst üblichen Gläser ersetzt sah. – Sehr vornehm und luxuriös wirkten die silbernen Beschläge an Heizkörpern und Türen, Originell eine Lampe, die mit äußerst eigenartig verwendeten Drahtspiralen verziert war. Der nächste Raum, der für den Goldschmied Studienmaterial enthält, war die sog. Bremer Halle, ein großer, reich gegliederter Raum von nordisch ernster Gesamthaltung. Ersichtlich hat man sich bemüht, den Formcharakter, welcher dem Raum aufgeprägt War, auch für die verschiedenen Silberarbeiten festzuhalten. – Da ist zunächst eine große Bowle mit zwölf Bechern und zwei Konfektkörben, zu denen Entwurf und Ausführung von Wilckens & Söhne, der bekannten Silberwarenfabrik in Hemelingen, herrühren. Die Ausführung war in Silber mit Vergoldung der Innenteile. Die Komposition zeigte straffe Gesamthaltung und Formgebung mit eigenartigen nordischen Ornamentmotiven. Die Bowle ist auf einer mächtigen Untersatzplatte angeordnet, auf der ringsumher zwölf Kreise angegeben sind, welche den Platz für die zwölf Silberbecher markieren. Die Dekoration besteht teilweise aus vergoldeten Wellen- und Zackenlinien, teilweise

kunstgewerblichen Einzelräumen.

ist dazu Hammerarbeit herangezogen und da und dort die Wirkung durch eingelegte, spitzoval geformte Steine erhöht. Die Bowle ist bekrönt durch die Figur des Bremer Roland. Alles in allem eine Arbeit von mächtigen Dimensionen und starker Wirkung. – Koch & Bergfeld, eine nicht minder bedeutende Firma auf dem Gebiete der Silberwarenerzeugung, haben zwei große Tierstücke in Silber und mehrere Blumen- und Fruchtschalen im gleichen Raume ausgestellt. – Die Tierstücke, die man sich als vornehme Tafelaufsätze für einen Jagdliebhaber denken mag, stellen einen Edel- und einen Elchhirsch in lebendiger, weidgerechter Auffassung und Wiedergabe dar. Die Postamente sind sehr reizvoll mit blauer Email dekoration und eingelegten, silbernen Wellenlinien ausgestattet. – Drei Blumenschalen, wie die beiden vorgenannten Stücke von dem Bildhauer Hugo Leven entworfen, sind aus Glas und Silber zusammengebaut, in geradliniger Komposition und hochstämmigem Aufbau. Die vornehm wirkende Dekoration besteht aus mattblauem Email und tiefblauem Lapislazuli. Außerdem sind noch einige schöne Obstschalen, mit strenger Flechtornamentik, zu erwähnen. Die Ausführung dieser Stücke ist überall eine mustergültige. Der entwerfende Künstler hat sich wohl etwas allzusehr von der asketischen, geradlinigen Art der neuesten Moderne beeinflussen lassen, die mir für Luxuswerke der Edelschmiedekunst wenig am Platze scheint. In dem gleichen Raum sind Schmucksachen ausgestellt, ausgeführt von Hofjuwelier A. Kempfe-Magdeburg nach Entwürfen des Malers Adolf Rettelbusch. Unter diesen hübschen Stücken fällt besonders ein Anhänger in Messerdraht durch seine originelle und zierliche Wirkung auf. Ein anderer ist besonders apart in der Farbe, wenn auch etwas schwer in der Form. In dem Magdeburger Wohnzimmer sind auch noch einige hübsche, versilberte moderne Becher u. a. ausgestellt. In dem großen Berliner Salon (von C. Stoeving) sind von Goldschmied Emil Lettré-Berlin nach eigenen Entwürfen sechs silberne Zierbecher, in Silber getrieben, zu sehen, sowie eine in Eisen getriebene Zierschale, reizvolle Stücke, mit einer, dem kleinen Maßstab geschickt angepaßten, einfachen Dekoration. Einige sehr klare und einfache, gehämmerte Gefäße rühren von Margarete Junge her. In einem großen Empfangsraum (Grenander-Berlin) müssen als interessante Feinmetallarbeiten die Beleuchtungskörper von G. Leander-Berlin Erwähnung finden. Sie sind aus Silber und Glas mit Bernsteineinlagen zusammengebaut. Sehr interessant ist eine elektrische Stehlampe mit gehämmerter Metallkuppel mit Emaileinlagen; leider ist die Kuppel so sorglos behandelt, daß es zu der feinen Materialzusammenstellung nicht passen will. Die vornehmen Bronzebeschläge, die dem Raum sein luxuriöses Gepräge geben, sind von der Bronzegießerei S. A. Loewy, Berlin. In einem von Stuttgarter Künstlern und Firmen zusammengestellten Gesellschaftszimmer stellt die bekannte Firma Peter Bruckmann Söhne in Heilbronn in zwei hochaparten Ausstellungsvitrinen verschiedene Silberarbeiten aus. Ist schon die Art der Ausstellung vornehm und künstlerisch zu nennen, so gilt dies noch mehr von den Silberarbeiten selber, zu denen der Stuttgarter Künstler Paul Haustein die Entwürfe geliefert hat. Eine sehr originelle, achtseitige Schmuckkassette ist besonders zu erwähnen, mit Elfenbeinknauf und wirksamen Koralleneinlagen. Eine große Silberschale ist auf einer Spiegelplatte aufmontiert, was sehr luftig wirkt und das Anbringen einer größeren Fußplatte ermöglicht, als sie in Silber glatt und eben herzustellen wäre. Auch ein Pokal mit hohem, durchbrochenem Standfuß fällt durch seine feine Profilierung und die pikanten Koralleneinlagen auf. Die fein durchgebildete Ornamentik ist sehr eigenartig nach pflanzlichen Einzelmotiven gebildet.

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Der unseren Lesern schon bekannte Maler und Akademielehrer B. Wenig in Hanau hat in dem von ihm eingerichteten Raum reizvolle Metallarbeiten ausgestellt, die nach seinen Entwürfen ausgeführt sind. Neben originellen Bronzearbeiten (Jardinièren, Photographierahmen, Kartenschale, Tischlampe und Wandarme) interessiert besonders ein silberner Pokal, ausgeführt von Ludw. Neresheimer in Hanau. Der schlanke Fuß ist durch vier aufgelegte, wellenförmige Ränder ornamentiert, die, nach oben durch einen Knauf abgeschlossen, zum Greifen sehr zweckmäßig erscheinen. Die astartigen Durchbruchornamente sind vorzüglich ausgeführt.

Der Worpsweder Raum, in den wir jetzt eintreten, ist von dem bekannten Maler Heinrich Vogeler, der in den letzten Jahren auch im Kunstgewerbe hervorragende Leistungen zu verzeichnen hat, entworfen und eingerichtet worden. Hier sind auch Schmuckarbeiten und eine silberne Bowle ausgestellt, nach Entwürfen Vogelers ausgeführt von Juwelier Wilhelm Fröhlich in Bremen. Die Silberbowle ist hervorragend durch sehr feine Profilierung und schlichte Dekoration, die in der bekannten, biedermeierlich anmutenden Art Vogelers gehalten ist. – Der Schmuck zeigt zum großen Teil zarte und klar durchgebildete Dekorationsmotive. Manchmal ist mit dem Künstler, meines Erachtens wenigstens, seine künstlerische Naivität sozusagen durchgegangen: Manche der Schmuckkompositionen sind doch gar zu harmlos. – Die sehr sorgfältige Ausführung zeigt stumpfe Goldtöne bevorzugt. Einige hübsche Manschettknöpfe seien noch besonders erwähnt.

In den Magdeburger Räumen, sowohl im Trau-, als auch im Wohn- und Eßzimmer, die nach den Entwürfen des Architekten Albin Müller-Magdeburg ausgestattet sind, sehen wir eine gewerbliche Neuheit: Die Gravieranstalt Held Nachf. in Magdeburg hat einen ganz erheblichen Anteil an der Innendekoration des Raumes genommen. Tür- und Möbelbeschläge, sowie die in das Pult eingelassenen Tintengeschirre sind teils in getriebenen Linien, teils durch eingravierte, farbig emaillierte Vertiefungen dekoriert; das Email ist in geometrischer Ornamentik in schwarzen, roten, weißen und bauen Tönen gehalten. Dieser Metallzierat wirkt ungemein fein und diskret, und es ist eine Freude, zu sehen, wie die Feinmetalltechnik auf diese Art ihr Arbeitsgebiet erweitert. Für die Raumausstattungen sächsischer Künstler ist ein besonderes, sehr lebendig gegliedertes Gebäude, das Sächsische Haus, aufgeführt worden, in dem auch die Goldschmiedekunst nicht unvertreten geblieben ist. So ist in dem großen Salon von Prof. Kreiß-Dresden der Kamineinsatz und die Kaminhaube eine sehr feine, gediegene Arbeit in getriebener Bronze, ausgeführt von Juwelier Ehrenlechner, Dresden. Die Einsätze in Lapislazuli und Malachit wirken besonders apart. In diesem Raume ist auch die prächtige Tafelgarnitur von Hofjuwelier Ed. Foehr in Stuttgart aufgestellt. Wir haben dieselbe in Nummer 37 abgebildet und eingehend besprochen und verweisen an dieser Stelle nochmals auf jene Publikation. In einem andern Zimmer sind gediegene Schmuckarbeiten von Hofjuwelier Th. Heinze in Dresden zu sehen, gefertigt nach Entwürfen der Frau Oberstleutnant Hottenroth in Wachwitz bei Dresden. Es sind ganz schlichte, glatte Formen, unter reichlicher Anwendung von Email. Auch interessante Ketten sind dabei. Wir schließen damit unseren Rundgang durch die Einzelräume. So wenig diese ganze Abteilung unserer Kunst günstig war, so zeigt doch schon dieser kurze Überblick, wie bedeutsame und wertvolle Arbeiten in derselben zerstreut untergebracht waren; möchte unser früher geäußerter Wunsch in Erfüllung gehen, und die Erzeugnisse der Feinmetallkunst künftighin geschlossen und gemeinsam auftreten können. R. Rücklin.

Unsere Bilder.

Der Hauptteil unserer Illustrationen ist diesmal wieder den Arbeiten entnommen, die auf unser in Gemeinsamkeit mit dem Hanauer Kunstgewerbeverein erlassenes Preisausschreiben für Entwürfe zu künstlerischem Weißjuwelenschmuck eingelaufen sind. Durch das Entgegenkommen der Autoren ist es uns möglich, von den mit einer öffentlichen Belobigung ausgezeichneten Blättern eine Auswahl der interessantesten Entwürfe unseren Lesern vorzuführen. Es sind ohne Zweifel nicht nur an sich gelungene Kompositionen, sondern auch wertvolle Beiträge für eine künstlerische Handhabung des Juwelenschmuckes darunter. Hier gilt es, geduldig zu sammeln und pflegen, was an Neuem und Beachtenswertem erscheint. Dieses ebenso vornehme als schwierige Spezialgebiet läßt sich nicht mit flüchtigen, künstlerischen Exzentritäten befruchten. Nur gediegene Materialkenntnis und gewissenhaftes Einleben in den Gegenstand vermag hier wirksam zu sein.

Zwei gute Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Medaille

sind auf dem folgenden Blatt abgebildet. Wie treuherzig altertümlich mutet die Darstellung des Königs „Chuonradus“ auf der Medaille zur Tausendjahrfeier der Stadt Weilburg an! Mit dieser Schöpfung von Joseph Kowarzik in Frankfurt a. M. hat die bekannte Firma Wilh. Mayer & Frz. Wilhelm ihre Kollektion um eine wertvolle Nummer bereichert. – Feierliche und tiefe Empfindung spricht aus der Erinnerungsmedaille an den Hererofeldzug. Germania empfängt ihre aus dem Feldzug im fernen Afrika heimkehrenden Söhne. Die gleiche anmutige Ruhe, die sich hier ausspricht, zeigt auch die Rückseite der Medaille. Die Ausführung ist von der Medaillenmünze A. Werner & Söhne in Berlin, das Modell von Bildhauer A. M. Wolff. Wir bringen heute zum Schlusse unserer Abbildungen eine Fortsetzung der Langnerschen Empiremonogramme, die vielen Beifall gefunden haben. Wir möchten sagen, daß diese zweite Tafel den Stilcharakter noch glücklicher und reiner getroffen habe als die erste. R. R.

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