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Goldschmiedekunst im Reiche der „Vier Sonnen“.

- D2 nsbesondere strahlte natürlich der geheiligte HerrI scher der Inka selbst, der „Sohn der Sonne“,

j Gold; der Schmuck des Ohres des

K Ä bestand in runden Goldscheiben, W N9 Ringen von solcher Größe, daß die Ohrläppchen

durch sie bis auf die Schulter ausgedehnt und die Spanier

veranlaßt wurden, jeden Inka – denn auch die Verwandten des Inkakaisers durften ähnliche, nur etwas kleinere Goldscheiben tragen – Großohr zu benennen. Dem Kronprinzen

wurden bei der Ritterweihe vom Inkakaiser höchst eigenhändig mit goldener Nadel die Ohrläppchen durchstochen; die Nadel verblieb in der Wunde, bis diese verharscht und das Ohrläppchen genügend ausgedehnt war, wurde dann aber durch Goldscheiben einer gewissen, für die Mitglieder der Inkafamilie genau vorgeschriebenen Größe ersetzt. Trat der Kaiser im kaiserlichen Ornate auf, so umreifte ein goldenes Diadem, Kapakljautu, sein Haupt; eine Troddel, deren Schnürchen bis zur Hälfte in dünnen Goldhülsen steckte, schmückte die Stirn; aus lauterem Golde waren die Sandalen. Die Brust schmückte ein goldenes Sonnenbild, den linken Arm eine schwere goldene Spange. In seiner Rechten trug der Herrscher das goldene, mit Smaragden verzierte Szepter; der Tiara, der Thron, auf dem der Inka saß, war aus massivem Golde gefertigt. Das Gewand der Kaiserin, der Coya, wurde auf der Brust durch vier goldene Nadeln, deren jede in der Regel ein Pfund gewogen haben soll, in der Weichengegend aber durch den aus Goldfäden und feinster Wolle gewirkten Gürtel zusammengehalten; das Haar schmückte ein daumenbreites goldenes Stirnband, Juintscha. Reicher Gold- und Smaragdenschmuck erhöhte den Glanz der Kleidung.

Jedes Gefäß, jedes Gerät, das der Kaiser berührte, bestand aus lauterem Golde; jedes, welches mittelbar ihm diente, mindestens aus Silber. Gülden war nicht allein das gesamte Tafelgeschirr, sondern auch Krüge, Waschbecken, Badewannen, Wasserbehälter, sogar die Röhren, durch welche das Badewasser strömte; silbern die Töpfe und Pfannen, in denen für den Sohn der Sonne gekocht wurde, und das galt für alle zahllosen Paläste des Landes, welche der Kaiser besuchte. Golden waren die Messer; seinen Trunk nahm er aus goldenem Becher, ausnahmsweise aus einer reich mit Gold und Edelsteinen verzierten Muschel oder Palmennuß. Als prunkenden Schmuck des Kaiserpalastes in Kuzko erwähnen verschiedene Geschichtschreiber eines aufgeschichteten Haufens Goldbarren, welche die Form gespaltenen Brennholzes hatte und solches vorstellen sollte. Durch den Schmuck unterschieden sich die Vornehmen dem Range nach von den Geringen. Die Glieder der kaiserlichen Familie pflegten kunstvoll gearbeitete Vorstecknadeln aus Gold, „Topos“, zu tragen, die Vornehmen silberne Nadeln, die Frauen niederen Standes nur Dornen. Um das Haar trugen die Vornehmen, nach eingeholter Genehmigung des Inka, einen Goldreif; der Kopfschmuck war Hauptgegenstand der Sorgfalt eines jeden. Die weiblichen Glieder der kaiserlichen Familie benutzten auch Spiegel aus Gold und Silber.

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Großartig war auch der Kopfschmuck des Oberpriesters des Sonnengottes; Dr. Brehm bildet diesen Kopfschmuck in seinem gediegenen Werke ab. Das Gewand desselben war mit Gold und Edelsteinen besetzt. Beide Arme waren mit goldenen, durch Edelsteine geschmückte Spangen beladen; über der Tiara wurde ein goldenes, mit Smaragden reich besetztes, durch eine goldene Sonne verziertes Diadem gestülpt und vermittels eines goldenen Halbmondes am Kinn befestigt.

Ganz besonders von Gold, dem kostbarsten Metall, erstrahlte der Sonnentempel selbst, es sollte durch den strahlenden Goldschmuck einigermaßen der Glanz der Sonne, des strahlenden Gottes, wiedergespiegelt werden. Der Sonnentempel nahm fast ein ganzes Stadtviertel der Residenzstadt Kuzko ein, das nach ihm das „goldene“ genannt wurde. Alle Türen waren mit Gold, Silber und Edelsteinen nach außen ausgelegt und hatten goldene Pfosten, nach innen von oben bis unten mit Goldplatten beschlagen; das Innere war eine wahre Goldgrube, wie sie sich die gierigste Phantasie nicht reicher ausmalen konnte. Alle Wände waren von oben bis unten mit Goldplatten getäfelt, das goldene Sonnenbild darin allein von unermeßlichem Werte. Die Anzahl der goldenen Gefäße: Pokale, Krüge, Wasserbehälter usw. war eine unglaubliche. Einige dreißig Truhen aus reinem Silber befanden sich darin. Aus fünf Quellen der umliegenden Berge führten erzene, im Gebiete des Tempels goldene Röhren dem Heiligtume das Wasser zu und ergossen das für den heiligen Dienst zu verwendende in goldene oder silberne, das zum Trinken bestimmte in steinerne Becken. Aus Gold und Silber bestanden alle Gefäße im Tempel von Kuzko und eine Nachbildung aufgeklafterten Holzes in Goldbarren zeugte auch in ihm von den fabelhaften Goldschätzen, die man hier aufgehäuft hatte. Denn mit goldleerer Hand wagte keiner der Pilger vor das Antlitz der Gottheit zu treten. An den Sonnentempel schloß sich der „goldene Garten“, so genannt, weil man in ihm goldene Menschenund Tierbildsäulen, aus Silber gearbeitete Büsche und Bäume mit goldenen Blättern und Blüten, Maisstauden mit silbernem Stengel, Blättern und goldenen Fruchtkolben aufgestellt hatte, davon Haarbüschel aus feinen Silberfäden nachgebildet waren und an deren Stämmen, Ästen, Zweigen, Stengeln, Blättern und Blüten aus Gold gearbeitete Vögel aller Art, Schmetterlinge, Käfer, Eidechsen, Schnecken und anderes Getier saßen, kletterten, krochen, sich wiegten, Wege und Beete schmückten. In goldenen Röhren floß auch hier das Wasser zu, und mit goldenen und silbernen Werkzeugen wurden hier die Gartenarbeiten verrichtet.

Auch die Götzen strotzten vielfach von Gold. So entdeckte Pater Ramizer in schwer zugänglichen Grotten den Götzen Tantazon, reich mit Goldschmuck ausstaffiert. Man entdeckte in der Huaka 41 silberne Gefäße, 5 runde und 14 hufeisenförmige Kronen aus demselben Metalle, deren eine am Kinne des Götzenbildes befestigt wurde, außerdem 14 silberne Trompeten und Trommeln, künstlich gearbeitete Trinkgefäße, viele Gewebe, reich mit Edelsteinen und Silber besetzt, Gürtel und große silberne Nadeln zum Zusammenhalten der Kleider.

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