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Das Modenbild.

ir bringen unsern Lesern diesen Artikel*) zur Kenntnis, weil seine Tendenz sich mit unsern Bestrebungen, Schmuck und Mode gemeinsam kunstgewerblich zu fördern, deckt. Auch nach diesen, hier vorliegenden Ausführungen kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der Schmuck erst dann die ihm gebührende Stelle im Kostüm finden wird, wenn dieses mehr kunstgewerbliche Selbständigkeit erhält. Die Bibliothek des königlichen Kunstgewerbemuseums veranstaltete kürzlich in dem Saale der Freiherrlich von Lipperheideschen Kostümbibliothek eine Ausstellung von Modenkupfern des 19. Jahrhunderts. Etwa tausend Blätter aus deutschen und französischen Modenzeitschriften zeigen die Entwicklung der europäischen Mode von 1801 bis 1900, eine fast überwältigende Fülle des verschiedenartigsten Materials und doch nur etwa der sechzigste Teil des gesamten Bestandes an Modenkupfern, den die Sammlung besitzt. Wer die Entwicklung des Modenbildes in seinem ersten Jahrhundert – denn die ersten Modenzeitschriften erschienen gegen Ende des 18. Jahrhunderts – an der Hand der hier ausgestellten Proben verfolgt, wird sich dem Eindrucke nicht verschließen können, daß auch auf diesem Gebiete die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts einen merklichen Verlust an ästhetischen Werten erkennen läßt. Man vergleiche nur die reizenden kleinen Blättchen aus den ersten Jahrzehnten, die sauber in Kupfer gestochen oder radiert und mit wenigen zarten Farben miniaturartig und liebevoll ausgemalt sind, mit den immer größer gewordenen Modenkupfern des letzten Drittels des Jahrhunderts, deren äußerer Umfang so oft im umgekehrten Verhältnis zu ihrem künstlerischem Werte steht. Ein größerer Abstand läßt sich gar nicht denken. Mancherlei Gründe haben zusammengewirkt, um diese bedauerliche Erscheinung herbeizuführen. An dem großen äußerlichen Aufschwunge aller Zeitungen und Zeitschriften im 19. Jahrhundert haben natürlich auch die Modenjournale ihren Anteil gehabt. Aus den kleinen Oktavbänden, die zu ihrem Hauptinhalte Aufsätze über Literatur, Kunst und Politik, sowie Nachrichten aus dem Gesellschaftsleben nehmen, sich für die Mode aber auf eine kurze Erklärung der in Zwischenräumen beigefügten ein oder zwei farbigen Kupfer beschränken, sind die Modenjournale im Laufe des 19. Jahrhunderts zu umfangreichen Fachzeitschriften größten Formates geworden, die in jeder Nummer eine große Zahl in den Text gedruckter Typen und daneben noch eine oder mehrere farbige Tafeln bringen. Wo soll bei der Hast, mit der sich diese massenhafte Produktion täglich vollzieht, noch die Zeit herkommen, sich liebevoll in Einzelheiten zu vertiefen? An die Stelle einer sorgfältigen, richtigen, lebenswarmen Zeichnung und geschmackvollen Komposition sind meist ein paar schematische Typen getreten, mit der sattsam bekannten, gezierten und unmöglichen Haltung. – Allerdings war der Kupferstich, die Technik, die anfangs ausschließlich angewandt wurde, in seiner Weichheit und in der Fähigkeit, Einzelheiten bis ins kleinste deutlich wiederzugeben, für das Modenbild besonders geeignet. Zu der Härte

*) Aus der Zeitschrift des Vereins für deutsches Kunstgewerbe „Die Werkkunst“, Verlag Otto Salle, Berlin.

der Zeichnung, die sich später immer mehr bemerkbar macht, mag der Stahlstich viel beigetragen haben, der bei der stets größer werdenden Auflage der Zeitschriften sehr bald den Kupferstich ersetzen mußte. Aber auch wo die Lithographie und der weichere Holzschnitt Verwendung fanden, lassen gegen den Ausgang des Jahrhunderts die meisten Modenbilder in Zeichnung und Komposition nach. Eine Ausnahme zeigen hierin nur einige Pariser Journale und diese oder jene führende deutsche Zeitschrift, wenn es ihnen zeitweilig gelingt, sich einen tüchtigen Zeichner zu sichern. Sonst aber sind künstlerische Mitarbeit oder gar Auffassung im Modenbilde mit Ausgang des 19. Jahrhunderts nicht mehr zu spüren. Daß das nicht immer so war, lehrt ein Gang durch die Ausstellung im Kunstgewerbemuseum. Es hat früher angesehene Künstler gegeben, die es durchaus nicht unter ihrer Würde hielten, Modenbilder zu zeichnen und zu stechen. In dem Journal des Luxus und der Moden, das zu Weimar scit 1786 erschienen ist, stoßen wir auf eine ganze Reihe reizender Blätter von der Hand des Weimarschen Kupferstechers Schwerdgeburth, eines tüchtigen Künstlers, dessen Schaffen Goethe mit großem Interesse verfolgt hat. Die Wiener Zeitschrift für Literatur versorgte von 1820 bis 1840 der bekannte Wiener Kupferstecher Franz Stöber mit gut gezeichneten und liebevoll bis in jede Einzelheit ausgeführten Modenkupfern; Gavarni zeichnete in den dreißiger Jahren für das Pariser Journal La Mode usf. So kommt es, daß einige ältere Modenzeitschriften bis in das fünfte Jahrzehnt zeitweilig geradezu künstlerischen Wert besitzen, dem wir aus dem Ende des Jahrhunderts so gut wie nichts gegenüberzustellen haben, weil Künstler, die den genannten gleichwertig wären, nur noch sehr selten für Modenzeitschriften tätig sind.

Auch die Photographie nach lebenden Modellen, die jetzt mehr und mehr Verwendung findet, hat bisher nicht dazu beigetragen, dem rohen und vergröberten Modenbild der Gegenwart den feinen und vornehmen Charakter früherer Zeiten wiederzugeben. Vielmehr haben die bekannten, aus Paris kommenden Photographien einen stark demimondänen Zug in das Modenbild gebracht. Wirklich vornehme Haltung fehlt schon deshalb, weil es keine vornehmen Damen sind, die in den kostbaren Kleidern stecken. Ja oft sind die Modelle geradezu sichtlich bemüht, die unnatürlichen Stellungen der Modenpuppen nachzuahmen. Im übrigen werden die Modenzeitschriften schon aus Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die sich für den Schneider ergeben, wenn er nach photographischen Aufnahmen arbeiten soll, das gezeichnete Modenbild nie entbehren können. Wenigstens nicht, soweit sie technische Zwecke verfolgen wollen. Es wäre aber sehr zu bedauern, wenn sie nun ganz allgemein darauf verzichteten, ihre Abbildungen auf eine, wenn auch nur bescheidene künstlerische Höhe zu heben. Zeitschriften und Leser würden dadurch nicht gewinnen, und zu erreichen ist der geforderte bescheidene künstlerische Gehalt des Modenbildes spielend. Gerade Zeichner und Zeichnerinnen von Modenbildern können aus den im Kunstgewerbemuseum ausgestellten Beispielen lernen, daß und wie leicht sich mit den praktischen Zwecken, die das Modenbild verfolgen muß, künstlerische Qualitäten vereinigen lassen. Besonders sollten künstlerisch gebildete Kräfte, deren Begabung sich so oft erfolglos auf dem Gebiete der reinen Kunst erschöpft, es nicht für unter ihrer Würde stehend halten, Modenbilder zu zeichnen. Sie können, wenn sie sich nur einige Mühe geben in den Gegenstand und seine technischen Anforderungen einzudringen, wahrscheinlich dadurch mehr erreichen, daß sie sich dieser verwahrlosten Kinder der Kunst annehmen, als wenn sie Jahr für Jahr Bilder malen in der – ach wie oft getäuschten – Hoffnung, daß sich ihnen das Publikum zuwenden werde. Ein Besuch unserer Ausstellung im Kunstgewerbemuseum sei insbesondere auch den Besitzern und Angestellten von Modengeschäften empfohlen, die sich bestreben, hin und wieder eigenes zu schaffen. Sehr groß ist ihre Zahl bei uns leider nicht. Man hat diese Kreise schon so oft aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen aufgefordert, sich der entwürdigenden Abhängigkeit von Paris zu erwehren. Alle diese gutgemeinten Ratschläge müssen jedoch vergeblich bleiben, solange nicht zugleich ein Weg gezeigt wird, wie die Befreiung von Paris möglich ist. Jetzt aber ist das möglich, ist gerade für Berlin seit einigen Jahren schon möglich, seitdem nämlich Freiherr von Lipperheide seine einzigartigen Sammlungen zur Kostümkunde dem königlichen Kunstgewerbemuseum zum Geschenk gemacht hat. Da liegt ein Schatz, der von den Kreisen, die naturgemäß das größte Interesse daran haben, nur gehoben zu werden braucht, um frei von Paris zu werden. Das kostet weder Geld noch große Mühe, denn die Lipperheidesche Sammlung ist täglich zu freier Be

Unsere

Jubiläen und Gedenktage sind willkommene Veranlassungen für die Medaillenkunst, um das Äußere sowohl, als auch die Bedeutung der Gefeierten der Mit- und Nachwelt ins Gedächtnis zurückzurufen. Auf unserer Tafel sind verschiedene Abbildungen zweier neuer Jubiläumsmedaillen vereinigt. Die erste, von der rühmlichst bekannten Firma Wilh. Mayer und Frz. Wilhelm in Stuttgart herausgegeben, ist der Erinnerung an die goldene Hochzeitsfeier des Großherzogspaares von Baden gewidmet. Die Porträts des ehrwürdigen Paares sind gut getroffen, die Modellierung und Raumverteilung von der günstigsten Wirkung. Auf der Rückseite ist das Allianzwappen, umblüht von Myrtenzweigen, dargestellt.

Die zweite Medaille gilt einem Gewaltigen im Reiche der Kunst, Rembrandt. Unsere Klischees sind nach Entwürfen, nicht nach den ausgeführten Arbeiten hergestellt, und zeigen die schöne, geschlossene Raumwirkung der verschiedenen Darstellungen. Besonders gelungen erscheint diese in der Porträtseite; wie schön schließt sich der erhobene rechte Arm an die untere Rundung der Medaille an! Rembrandt, um auch über ihn einige Worte zu sagen, wird gegenwärtig als einer der größten Künstler aller Zeiten angesehen. Er ist 1606 geboren, die diesjährige Jubelfeier gilt also seinem 300jährigen Geburtstage. Er war ein Meister des seelischen Ausdrucks und ein Meister in der Darstellung mannigfaltigster Beleuchtungswirkungen. Näheres über seinen Lebenslauf und seine Werke zu sagen, ist hier nicht der Platz; er hat Tage des Reichtums, des Glanzes und höchster künstlerischer Triumphe gesehen, und hat am Ende seines Lebens hindurch gemußt durch tiefes Elend und völlige Vereinsamung. Auch in der Kunstgeschichte war er zeitweise fast ganz ver

nutzung für jedermann geöffnet. Auch der Pariser Kleiderkünstler besitzt außer seinem in einer zweihundertjährigen Tradition wurzelnden Geschmacke keine anderen Quellen, als sie hier vorhanden sind. Aber täglich sitzen seine Zeichner in den Sammlungen und Bibliotheken, studieren, zeichnen und holen sich Anregungen aus den Moden früherer Zeiten. Und wer die Einzelheiten der Mode des vergangenen Jahrhunderts kennt, der sieht oft auf den ersten Blick, wie manches reizvolle Motiv sie solchen Studien verdanken, ja ganz unmittelbar den vergangenen Moden entnommen haben, wie sie z. B. hier einen geschmackvollen Aermel, dort den kleidsamen Spenzer früherer Zeiten wieder haben aufleben lassen usw. Dabei verfügt in Paris keine Bibliothek oder Sammlung über ein so reichhaltiges und so gut geordnetes Material wie die Lipperheidesche Sammlung, deren sorgfältig gearbeitete Kataloge jede gewünschte Auskunft geben. Würden alle, die in Berlin auf dem Gebiete der Mode schaffend tätig sind, die ihnen hier gebotenen Schätze benutzen, sie gleich ihren Pariser Berufsgenossen eingehend studieren, ihren Formen- und Farbensinn an dem guten Geschmacke früherer Generationen bilden, dann kämen wir sehr bald frei von Paris und würden selbst die Mode vorschreiben. Was das für den Nationalwohlstand wie für das Kunstgewerbe insbesondere bedeutet, liegt für jedermann klar auf der Hand. So wie es heute steht, werden wir auf dem Gebiete der Mode für alle Zeiten immer nur die Geschobenen sein und nie selber schieben. Heinrich Doege.

Bilder.

gessen; je eindringender das Studium derselben aber betrieben wird, in um so hellerem Glanze erstrahlt sein Name. Wie unsere Leser sich erinnern werden, hatte die Bremer Silberwarenfabrik Aktiengesellschaft Sebaldsbrück im Verein mit der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ auf März dieses Jahres eine Konkurrenz für Besteckentwürfe in modernem und Empirestil ausgeschrieben. Aus verschiedenen Gründen können wir erst heute mit der Veröffentlichung der dazu bestimmten Arbeiten beginnen, und zwar versuchen wir es diesmal damit, die prämiierten Arbeiten zuletzt, und die belobten oder von der Redaktion ausgewählten zuerst abzubilden. – Auf jedem der vier Blätter sind die modernen und Empiremuster einander gegenüber gestellt und lassen erkennen, wie wenig es am letzten Ende auf das zur Verwendung gelangende ornamentale Motiv, und wie sehr es auf die künstlerische Auffassung ankommt. Diese Muster alle zeigen untereinander eine starke Verwandtschaft, weil sie eben alle modern aufgefaßt sind. – Otto Herzog-Pforzheim hat besonders in dem Empirelöffel links eine wohl abgewogene und schlichte Komposition geliefert. Das Messerheft geht dagegen nicht recht zusammen. Alb. Hanke-Karlsruhe wirkt mit seinen rosengezierten Parallellinien zierlich und behaglich. Wilhelm Kepplers holzgeschnitzte Modelle sind sehr originelle Leistungen, bei denen nur vielleicht der Metallcharakter nicht so ganz gewahrt ist. Alwin Dietz-Pforzheim zeigt in dem modernen Besteck ein gutes Gefühl für bestimmte Linienführung; seine Empiremuster sind zierlich, aber etwas hart. Wilhelm Stefes, Fischeln b. Krefeld, gefällt besonders durch sein ruhiges, kräftiges Empiremuster. Das moderne Besteck ist eine Kleinigkeit zu schlossermäßig ausgefallen. R. R.

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