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Diamanten, Perlen, Smaragde und Rubine

Wie Kairoer Blätter zu melden wissen, plant die deutsche Resind in der letzten Zeit in London die fashionabelsten Edelsteine

gierung die Errichtung einer deutschen Handelskammer in gewesen. Neuerdings hat aber die Königin Alexandra begonnen,

Aegypten und es solien Erhebungen nach dieser Richtung hin Saphire zu tragen, und es ist daher wahrscheinlich, daß diese

zwischen Berlin und hier gepflogen werden. Da es hier englische und Steine während der kommenden Saison sehr in Mode kommen

französische Handelskammern gibt, so ist dem deutschen Auslandswerden. Ganz besonders werden in diesem Jahre, wie es scheint,

geschäft eine gleiche Vertretung hier allerdings sehr zu wünschen. wieder Tiaren und Kronen aus Edelsteinen getragen. Die Damen

Das Glasperlengeschäft mit Kalkutta. Dasselbe liegt zum größten legen sie sehr häufig abends im Theater und immer bei Hofe an.

Teile in italienischen Händen, und es werden große Beträge darin Wer wirklich „fashionable“ sein will, muß mindestens drei solcher Tiaren „zum wechseln“ haben, und diese müssen natürlich mit

umgesetzt. Indessen verlautet, daß italienische sowohl wie öster

reichische Firmen, von denen ebenfalls mehrere an dem Geschäft verschiedenen Edelsteinen besetzt sein, damit nicht etwa jemand

beteiligt sind, dieses vernachlässigen und die Kundschaft weniger auf den Gedanken kommen könnte, daß man nur eine hat. Der Kopfschmuck, der heutzutage getragen wird, zeichnet sich durch

sorgfältig als früher bedienen, sodaß der Moment für deutsche eine wunderbare künstlerische Ausführung aus.

Firmen sehr günstig wäre, um dort ins Geschäft zu kommen zu Man gibt nicht

suchen. Die meisten dafür in Frage kommenden Firmen dürfen mehr so viel auf die Größe und den Wert der Steine an und für sich, sondern auf die Art und Weise, wie der ganze Kopfputz aus

in folgendem Verzeichnisse enthalten sein, das wir ohne eigene geführt ist. Die englischen Juweliere können darin allerdings ab

Verantwortung mitteilen: Balmer Lawrie & Co.; Jules Karpeles

& Co.; Geo. Atherton & Co.; Wm. Osc. Boeckel; W. H. Nebel solut nicht mit den Parisern konkurrieren, so daß derartige Kunst

& Co.; Stewart Mackenzie & Co.; Rentiers & Co., sowie die einwerke ausschließlich_in der französischen Hauptstadt gekauft oder

geborenen Firmen B. C. B. Sethia & Co.; Doss & Co.; Gosh oder von dort nach England gebracht werden. Straußenfedern aus

Sinha & Co.; P. C. Hazra; M. N. Mehta und D. M. Cassoobhoy, Diamanten z. B. sind in diesem Jahre eingeführt worden, die man

alle in Kalkutta. geradezu als Wunderwerke betrachten muß. Sie sind so voll gearbeitet, daß sie wirklichen Straußenfedern durchaus ähnlich sehen Handlungsreisende in der Schweiz. Das k. bayerische Staatsund sind dabei so leicht wie die Originale selbst, ja die Spitzen ministerium des königlichen Hauses und des Aeußern gibt den bewegen sich sogar. Dann sind Kolliers in Kragenform, wie sie Handels- und Gewerbekammern zur Verständigung der Interessenten die Königin Alexandra immer zu tragen pflegt, wieder sehr in Mode (insbesondere der Händler mit Gold- und Silberwaren, Bijouteriegekommen, nachdem man sie einige Jahre eigentlich gar nicht mehr artikeln, Taschenuhren, Edelsteinen etc.) folgendes bekannt: Der gesehen hatte. Sie bestehen gewöhnlich aus mehreren Reihen von (mit Ausnahme der Anlage A und der hierauf bezüglichen BeSteinen, die durch mit Diamanten besetzte Querstangen zusammen stimmungen im Art. 4 Ziff. 4) am 1. Januar 1906 in Kraft tretende gehalten werden. Auch griechische Muster werden vielfach nach Zusatzvertrag zum Handels- und Zollvertrag zwischen dem Deutschen geahmt und sind neuerdings außerordentlich beliebt geworden. Reiche und der Schweiz (R.-G.-Bl. 1905, S. 319) enthält in Art. 1 Gewöhnlich werden diese der klassischen Kunst nachgeahmten Ziff. VI die neue Bestimmung, daß den mit einer GewerbelegitimationsSchmucksachen nur aus weißen Steinen hergestellt, zuweilen werden karte versehenen Gewerbetreibenden (Handlungsreisenden) die Mitaber auch Rubine und Smaragde mit dazu verwendet. Große, mit führung von Waren insoweit erlaubt sein soll, als sie den im Diamanten besetzte Kreuze sind ebenfalls sehr in Nachfrage und Inlande domizilierten inländischen Gewerbetreibenden (Handlungswerden als etwas ganz besonders fashionables angesehen. Herren reisenden) gestattet wird. Nach schweizerischem Recht (Art. 1 sind mit ihren Neuheiten bescheidener. Das einzige, was in diesem Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Patenttaxen der HandelsWinter für sie auf den Markt gebracht worden ist, sind goldene reisenden vom 24. Juni 1892) kann durch besondere Beschlußnahme Miniaturalbums, die an der Uhrkette getragen werden und eine des schweizerischen Bundesrates Handelsreisenden das Mitführen ganze Reihe von Photographien enthalten können.

von Waren gestattet werden, wenn die sofortige Uebergabe der

Ware an den Käufer für den Betrieb ihres Geschäftes notwendig ,,Bera - Diamanten“ in Aegypten. Auch am Nil treibt diese Ge

ist. Diese Bewilligung kann jedoch nur solchen Handelsreisenden sellschaft ihr Wesen, und zwar scheint sie hier zu versuchen, ihre erteilt werden, welche ausschließlich mit Wiederverkäufern oder Geschäfte noch lohnender zu gestalten als in Deutschland. In

Geschäftsleuten in Verkehr treten, die den angebotenen Handelseinem uns vorliegenden Blatte aus Kairo werden die bekannten

artikel in ihrem Gewerbe verwenden. Einschlägige Gesuche sind Schmucksachen zum Preise von 50 Piaster das Stück angeboten.

von auswärtigen Handelshäusern an die Regierung desjenigen Da 1 Piaster soviel ist wie 21 Pfennig, muß man am Nil für einen

Kantons zu richten, der zuerst bereist werden soll. Dieselben so schönen Schmuck 10.50 Mk. zahlen, also ziemlich mehr als bei

werden hierauf, mit einem Gutachten versehen, dem eidgenössischen uns. Aber vor Anfechtungen scheint diese betriebsame Gesellschaft

Handelsdepartement zum endgültigen Entscheide unterbreitet. auch am Nil und im Orient überhaupt nicht geschützt zu sein, denn am Ende einer glänzenden Darstellung der angeblichen Tat Die Arbeiter der Bijouteriefabriken Pforzheim sind in eine Lohnsache, daß die Zollbeamten eines kleinen südamerikanischen Staates bewegung eingetreten. Sie verlangen eine um 25% höhere Bediese Sachen für echten Diamantenschmuck gehalten hätten, wird zahlung der Ueberstunden. bemerkt, daß „the pawn-brokers tried all in their power to stop our commerce“ (die Pfandverleiher taten alles Mögliche, um unser Ge Eine Vorlesung, die 12000 Mk. Unkosten verursachte hat der beschäft zu unterbinden). Jedenfalls ist der Nachteil, den diese Bera kannte englische Physiker Sir W. Crookes in Kimberley vor der Schmucksachen dem legitimen Schmucksachengeschäft bringen, ein British Association über Diamanten gehalten. Bei dieser Gelegenum so nachhaltigerer, als diese Unternehmer von einem Weltplatze zum heit erwähnte er eine besondere Eigentümlichkeit des Diamanten, anderen ziehen werden, um diese Erzeugnisse an den Mann zu bringen. die darin besteht, daß er für Röntgenstrahlen außerordentlich durch

lässig ist, während nachgemachte Diamanten diese Strahlen fast Es ist ein neues Metall gefunden worden Tantal nennen es

gar nicht durchlassen. Es sei dies ein außerordentlich gutes Mittel, die Techniker, dem man wunderbare Eigenschaften nachrühmt. echte Steine von Nachahmungen zu unterscheiden. Bei seinen VerDas Tantal besitzt eine unglaubliche Härte und Zähigkeit. Bei

suchen verflüchtigte Sir W. Crookes Diamanten, wodurch die VorBohrversuchen, zu welchen man den besten Diamantbohrer benutzte,

lesung außerordentlich teuer wurde. gelang es, obgleich dieser 72 Stunden lang auf ein millimeterstarkes Tantalblech einwirkte, wobei er in der Minute 5000 Umdrehungen Der Erweiterungsbau des Leykaufschen kunstgewerblichen Magazins. machte! nur, eine unscheinbare Mulde von einem viertel Milli Die Mitglieder des Magistratskollegiums in Nürnberg mit meter Tiefe hervorzubringen. Die Zähigkeit des Tantal, das weicher den beiden Bürgermeistern an der Spitze haben am 22. Dezember als Stahl ist, war beim Zerreissen grösser (93 Kilogramm auf den den Erweiterungsbau des Leykaufschen kunstgewerblichen Magazins Quadratmillimeter) und der Schmelzpunkt bedeutend höher (2276 besichtigt. Nach der Besichtigung, bei der lebhafte Anerkennung Grad Celsius) als der des Gubstahls (1375 Grad) und des Platins allseitig ausgedrückt wurde, sprach Herr Leykauf den gemeind(1775 Grad). Dazu kommt noch die außerordentliche Beständig lichen Kollegien den Dank für das bei seinem Neubau gezeigte Entkeit des neuen Metalls, das durch Kochen in den schärfsten Säuren, gegenkommen aus; ohne die Abtretung von Gemeindeland hätte der mit Ausnahme der Flußsäure, nicht angegriffen wird, sowie die Neubau unterbleiben müssen. Redner erwähnte, daß die gemeindWiderstandsfähigkeit gegenüber den Temperatureinflüssen. Es ist lichen Kollegien durch Schaffung großartiger Einrichtungen (Stadtbekannt, daß Eisenbahnschienen sich im Sommer „werfen“ (ver theater, Bahnhofsplatz usw.) auch den Geschäftsmann veranlaßt biegen), wenn bei ihrer Verlegung in kälterer Jahreszeit kein hätten, nachzufolgen. Die Geschäftswelt bedürfe hierzu des FremdenZwischenraum zwischen den Stößen gelassen worden ist (der zuzugs, und auch hierfür sei in erfreulicher Weise das Nötige im letztere beträgt auf die Schienenlänge bis zu 3,2 Millimeter. Das Gang. Redner schloß mit einem Hoch auf die Stadt Nürnberg. Tantal hingegen zeigt bei einem Temperaturunterschied von 60 Grad Herr Bürgermeister Geh. Hofrat Dr. v. Schuh bemerkte in seiner (also zum Beispiel von + 30 Grad bis 30 Grad) nur die winzige Erwiderung, daß Herr Leykauf, der, wie er ja selbst erkläre, sich Längendifferenz von acht Millionstel Teilen eines Millimeters. Einen aus kleinen Anfängen emporgeschwungen, nun ein Etablissement Fehler hat das Tantal freilich noch: es ist sehr teuer. Gegenwärtig geschaffen habe, das anderen in der größten Weltstadt ebenbürtig muß man mit ihm noch sparsam wirtschaften, aber für 45,000 zur Seite treten könne. Redner schloß mit einem Hoch auf Herrn elektrische Glühlampen reicht schon ein einziges Kilogramm hin. Leykauf und dessen Familie.

Zur Warnung der Kollegen teilt uns die Firma Franz & August Wüsten, Hofgoldschmiede in Köln folgendes mit: Der Silberarbeiter Kolditz trat gestern Nachmittag 3 Uhr bei uns in Stellung und erhielt eine Brosche mit Brillanten zur Fertigstellung. Derselbe verschwand gegen 5'2 Uhr heimlich unter Mitnahme von 4 Brillanten, 1 Perle und 1 Kamee, alle gefaßt, im Werte von ca. 300 Mk. Bei der Kriminal-Polizei ist derselbe, wie sich jetzt herausstellte, schon bekannt und wird hiermit gebeten, den Kolditz bei Auftauchen verhaften zu lassen.

Zum 60jährigen Bestehen der sächsischen Taschenuhren-Industrie in Glashütte. Die Jubiläumsfeier der Uhrenfabrik A. Lange u. Söhne hat dem Inhaber der Firma, Herrn Uhrenfabrikant Emil Lange, veranlaßt, eine hochherzige Stiftung zum Besten seines Arbeiterpersonals, sowie zwei weitere der gesamten Stadt zu gute kommende Stiftungen zu schaffen; und zwar überwies der genannte Chef der Firma die Summe von 45000 Mk. der bereits mit einem Grundkapitale von 5000 Mk. bestehenden Friedrich Emil Lange - Stiftung, die für die altersschwachen bezw. invaliden Arbeiter und Beamten der Firma bestimmt ist. Weiter schenkte Herr Emil Lange 5000 Mk. zu dem bereits bestehenden Fonds für die Errichtung eines Volksbades bezw. einer Lesehalle in Glashütte. Ferner erklärte sich der Chef der Firma zur Übernahme einer Freistelle in dem zu Dippoldiswalde neuerrichteten Bezirkssiechenhause bereit.

Am 7. Dezember 1845 fand, wie ein damaliger Zeitungsbericht meldet, „die feierliche Einführung der Lehrlinge in die von dem Uhrenmachermeister Ferdinand Adolf Lange aus Dresden zur Anfertigung der Bestandteile der Taschenuhren hier eingerichteten Werkstätten statt“. Daß der 7. Dezember ein Dank- und Freudenfesttag für die Stadt Glashütte seit nunmehr 60 Jahren ist und in absehbarer Zeit bleiben wird, beweist ein Rückblick über die verslossenen 6 Jahrzehnte. Zur diesjährigen 60. Wiederkehr hatte der Inhaber der Firma, Herr Uhrenfabrikant Emil Lange, ganz besonders festliche Veranstaltungen getroffen, die durch die aus diesem Anlasse gemachten Stiftungen zu einem für alle Zeiten leuchtenden Merksteine und nicht minder bleibenden Denkmale wie das am 50jährigen Jubiläum aus Stein gesetzte gestaltet worden sind. Möge das Haus A. Lange u. Söhne auch fernerhin blühen und gedeihen zum Segen der Stadt Glashütte und zum Heile der gesamten Uhrenindustrie!

Ein kostbarer Pokal. Für die nette runde Summe von 60000 Mk. erwarb der „Verein für Erhaltung von Nürnberger Kunstwerken“ den berühmten Holzschuher-Pokal und übergab ihn dem Germanischen Museum in Nürnberg zur Verwahrung. Dieses wertvolle Stück stammt aus dem Besitz der alten Nürnberger Patrizierfamilie der Holzschuher; sie brachten den Pokal seinerzeit nach Augsburg mit, und hier fand er sich im Nachlaß vor. Das Trinkgefäß ist sehr kunstvoll aus einer Kokosnuß geschnitzt und reich mit Edelsteinen besetzt. Man schreibt die Arbeit dem Nürnberger Bildhauer Peter Flötner zu und gibt als Zeit ihrer Entstehung den Beginn oder die Mitte des 16. Jahrhunderts an.

Ausstellungen. In der König Karl - Halle des LandesgewerbeMuseums in Stuttgart befindet sich gegenwärtig bis 15. Januar eine wertvolle Ausstellung ostasiatischer Kunstgewerbeerzeugnisse aus den Sammlungen von Prof. Dr. Bälz, die manchen Angehörigen unserer Gold- und Silberwaren - Industrie nach der schwäbischen Residenz lockt. Die Ausstellung enthält Gegenstände aus allen Gebieten des ostasiatischen, hauptsächlich des japanischen Kunstgewerbes. Besonders hervorzuheben ist der Schrank mit den reichen Geschenken, die Prof. Dr. Bälz vom Kaiser von Japan erhalten hat. Es handelt sich dabei um goldene und silberne Vasen von hohem, künstlerischen Wert.

Ausstellung in Reichenberg (Böhmen). Vom 3. Mai bis Anfang Oktober ds. Js. findet hier unter dem Namen „Deutschböhmische Ausstellung Reichenberg 1906" eine Industrie-, Gewerbe-, Kunst-, Land- und Forstwirtschafts-Ausstellung statt.

Preisausschreiben. Die Zinn- und Metallwerke Felsenstein & Mainzer in Nürnberg hatten ein Preisausschreiben zu einem Entwurfe zu einem Zinnkruge erlassen. Den 1. Preis, 400 Mk., erhielt J. Mander, ein Münchener Künstler.

Jubiläen. Die Britanniawarenfabrik von Fr. Burberg & Comp. (Inh.: Sepeckebom & Überfeld) in Mettmann feierte das Fest ihres 25 jährigen Bestehens. Auch beging zu gleicher Zeit der Formenmacher Gottlieb Bremicker sein 25 jähriges Arbeitsjubiläum. Am 20. Januar ds. Js. feiert Herr Karl August Stephan in der Firma J. H. Werner in Berlin sein 25jähriges Jubiläum. Wir bringen ihm zu diesem Ehrentage hier unsere besten Glückwünsche dar.

Firmen-Aenderungen. Die Firma Richard Taubert, GoldwarenEngros (bisherige Inhaber Rich. Taubert und Herm. Rothe) firmiert ab 1. Januar 1906: Taubert & Rothe, Dresden-A., Marschallstraße 81. Die Diamantschleiferei G. & Ph. Jakoby in Hanau a. M. ist in den Besitz des Herrn Ginzberg übergegangen. Die neue Firma gewährt den Arbeitern jährlich 8tägigen Urlaub unter Weiterbezahlung des durchschnittlichen Akkordlohnes, sowie eine Erhöhung des Lohntarifs um 15%. – Die Kunstgewerbliche Metallwarenfabrik Orion, Nürnberg ist mit der „Orivit“, Aktien-Gesellschaft für Kunstgew. Metallwarenfabrikation Köln-Braunsfeld vereinigt worden. Der seitherige Inhaber der Kunstgew. Metallwarenfabrik Orion, Herr Georg Friedrich Schmitt und Herr Heinrich Alle bilden als Direktoren den neuen Vorstand der Gesellschaft.

Geschäfts- Eröffnungen. Die Firma Bachofer & Schöttle in Oberndorf a. N. eröffnete am Schuhmarkt 309 einen Juwelen-, Goldund Silberwaren-Laden. – S. Kugelmann in Mannheim eröffnete Planken EL 16 ein Schmuck-, Galanterie- und Lederwarengeschäft.

Geschäfts-Verlegung. Herr Jul. Engel in Pforzheim hat seine mechanische Werkstätte nach der Ringstraße 11 verlegt.

Prokuren. Für die Firma M. Baumert & Co. in Leipzig erhielt der Sohn des Inhabers, Herr Günther Baumert, Prokura.

Todesfälle. In Berlin starb der Juwelier Rudolf Wentzcke. In München starb der Metallwarenfabrikant Johann Febler. Im 60. Lebensjahre starb in München-Sendling Herr Privatier Michael Brod, ehemaliger königl. bairischer Hof-Graveur. Gleichfalls in München verschied hochbetagt Herr Florian Auer, früher Goldschmied, zuletzt Privatier.

Verschiedenes. Da die Herstellung fertiger Waren durch die Vielseitigkeit des Betriebs in letzter Zeit bei der Firma Rob. Hasenmayer in Pforzheim eine rasche Ausdehnung erlangt hat, so daß einerseits es ihr unmöglich wird, die Abnehmer nach Wunsch zu befriedigen, andererseits auch die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen, hat sie die Abteilung „Herstellung und Vertrieb fertiger Waren“ an Herrn Adolf Kiedaisch in Pforzheim, ohne Aktiva und Passiva, käuflich abgetreten. Die Abteilung „PrägeAnstalt“ (Herstellung und Vertrieb von Neuheiten für die gesamte Bijouterie-, Kleinsilber- und Metallwaren-Industrie in rohem Zustande) verbleibt nach wie vor in den Händen des Herrn Hasenmayer. Goldwarenfabrikant Zieher in Schwäb. Gmünd wurde zum Vorsitzenden des Ausschusses der Versicherungs-Anstalt Württemberg gewählt. · Wie wir erfahren, wurde die von Ch. Müller, Juwelier in Straßburg angefertigte Goldschmiedewerkstätte en miniature, welche in der Straßburger Historischen Schmuckausstellung ausgestellt war, für das Frankfurter Museum angekauft. – Das Juwelen-, Schmucksachen- und Uhrengeschäft „L. J. Goliger et fils, Emanuel Goliger et Henry Cohn, successeurs“ in Kairo hat folgenden Wechsel im Besitzstand zu verzeichnen. Die vorstehende, erst am 1. Januar 1905 gegründete Firma, ist „im beiderseitigen Einverständnis“ der beiden Inhaber aufgelöst worden. Henry Cohn übernimmt die Aktiven der Firma, sowie die Regelung der sämtlichen Passiven, während Goliger nichts mehr mit der Firma zu tun hat, also für Schulden irgendwelcher Art nicht aufzukommen braucht, wie es ausdrücklich in der betreffenden gerichtlichen Bekanntmachung heißt.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnungen. Für Verdienste um das Kunstgewerbe Bayerns wurde dem Vorsitzenden der Vereinigung für angewandte Kunst, Kunstkeramiker J. J. Scharvogel der Michaelsorden 4. Klasse verliehen. In den Beirat der Verkehrsanstalten Württembergs wurde Herr Kommerzienrat Hermann Erhard in Schwäb. Gmünd als Ersatzmann von Seiten der Handelskammer Heidenheim gewählt. Der Prinz-Regent von Bayern hat anläßlich des Neujahrfestes 1906 u. a. dem Goldarbeiter und Graveur in der Fabrik von Kurz & Oberbigler in Weißenborn bei Neu-Ulm, Heinrich Adam, die bronzene Medaille des Verdienstordens vom heiligen Michael verliehen.

Aus Innungen und Vereinen. Mosaik wird vielfach in der Bijouteriefabrikation verwendet. Es dürfte daher manchen Leser interessieren, näheres darüber zu hören. Im Badischen Kunstgewerbeverein in Karlsruhe hielt am 16. November im großen Rathaussaal Herr Karl Ule, Lehrer an der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule einen Vortrag über „Musivische Kunst“. Der Ausdruck musivisch ist gleichbedeutend einem viel öfter gebrauchten Wort: Mosaik, die Kunst durch Aneinanderfügen kleiner, vielfarbiger Stein-, Glas- oder Holzstückchen Bilder und Figuren herzustellen. In der Antike sind besonders Bilder auf Fußböden in Mosaik hervorgebracht worden, die jedoch, trotz ihrer oft großartigen Darstellung (Alexanderschlacht) in unserer Zeit dem ästhetischen Geschmack nicht mehr voll genügen; uns sagen die geometrischen Muster viel mehr zu. Als Material für die musivische Kunst sind Glas, Holz, Stein die hauptsächlichsten; vor allem aber ist es das Glas, dem die Zukunft vorausgesagt wird, da es sich durch Dauerhaftigkeit, Bildsamkeit und vornehmlich durch seine unübertreffliche Farbenpracht auszeichnet. Jahrhunderte

hindurch war Italien von der Glasmosaik-Kunst beherrscht. In

Büchertisch. Deutschland war Karl der Große der erste, der bedeutende Mosaikkünstler berief und die Stifts-Marienkirche in Aachen durch die Eine Kölner Goldschmiedewerkstätte des 17. Jahrhunderts betitelt italienischen Künstler mit Mosaikwerken verschönern ließ. In Deutsch sich ein ansprechender Beitrag zur Kunstgeschichte Kölns von P. land aber selbst hat die musivische Kunst in dem letzten Jahrzehnt Jos. Braun, S. J., veröffentlicht in den Stimmen aus Mariaeinen solchen Aufschwung genommen, daß es ihm im 20. Jahrhundert Laach. Jahrg. 1905, Heft 10. Mit großem Fleiße hat der Verfasser, vorbehalten scheint in der Glasmosaik-Kunst die Vorherrschaft über der zurzeit eingehendste Kenner der jesuitischen Kirchenbaukunst, die Nachbarländer, selbst über Italien zu erringen. Das moderne alles erreichbare archivalische Material zusammengetragen, um einen Verfahren besteht hauptsächlich darin, daß der Künstler die Zeich Überblick über die Entwicklung der Goldschmiedewerkstätte im nung anfertigt, nicht aber auch das Mosaikwerk ausführt. Bei dem Kölner Jesuitenkolleg, ihre Meister und ihre Erzeugnisse zu geben. Vortrage waren auch Mosaikarbeiten ausgestellt und Lichtbilder Wie unter den Kirchenbauten des 17. Jahrhunderts die Jesuitenergänzten denselben.

kirchen eine hervorragende Stellung einnehmen, so ragt unter diesen

wieder als bedeutendste Vertreterin des auf gotischer Anlage beSchützt Eure Läden vor Einbruchsdiebstahl! genannten Jesuitenstiles die von 1618–1629 erbaute Kölner JesuitenIn Hannover vereitelte das Wach- und Schließinstitut einen

kirche unzweifelhaft als die bedeutendste hervor. Die Erbauung Einbruch in den Juwelierladen von H. W. Die Einbrecher wurden

dieser großartigsten Kirche der niederrheinischen Jesuitenprovinz von den Beamten des Instituts beobachtet und im gegebenen

regte eine neue lebendige, alle Zweige der Kleinkunst und des Moment mit Hilfe eines Schutzmanns auf frischer Tat ertappt und

Kunsthandwerks umfassende Kunsttätigkeit im Kölner Jesuitenkolleg der Revierwache eingeliefert. In Berlin wurde in dem Gold

an, die durch das ganze 17. Jahrhundert rege anhielt und erst in warengeschäft von P. D. ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe

der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Neige ging. Es waren schnitten aus der Scheibe des Schaufensters ein kleines Dreieck

ausschließlich Laienbrüder, welche, meist durch den Ruf der alten aus und holten mit Zangen etwa ein Dutzend goldener Ketten und

Kunststadt Köln an den Rhein gezogen, in die von den Jesuiten Broschen durch die engen Maschen des Gitters. Da die wert

geleitete blühende Sodalität der jungen Handwerker eintraten, damit vollen Brillantringe, Broschen und Ohrringe allabendlich aus dem

zugleich den Orden kennen lernten, in der Folge der Gesellschaft Fenster entfernt werden, ist der Schaden nicht sehr bedeutend.

Jesu beitraten und dann dieser und der Verherrlichung des Aller-
höchsten ganz ihre Kunst widmeten. Eine besonders eifrige Tätig-

keit entfalteten die Goldschmiede, deren Wirken mit dem Jahre 1636
Auszüge

begann und seine höchste Blüte in der Zeit von etwa 1640–1670

erreichte. Nicht weniger als neun Goldschmiede übten hinteraus der Gebrauchsmuster-Eintragung. einander im Kölner Kolleg erfolgreich ihre edle Kunst aus. Der

bedeutendste unter denselben war der 1577 zu Amsterdam geborene Nr. 261653. Anmelder: Wilhelm Döhler, Hamburg, Fichte

Bruder Theodor Silling, welcher im Jahre 1657 zu Köln das strasse 22. Kragenknopf, dessen Verbindungsteil zwei Krallen be

Zeitliche segnete; ihm zunächst stand sein 1605 zu Augsburg gesitzt, zwischen welchen der obere Knopfteil beweglich eingeklemmt ist.

borener und 1658 zu Köln verstorbener Gehilfe Bruder Antonius
Schutzanspruch:

Klemens. Die meisten Erzeugnisse dieser Künstler sind verloren
Als neu und eigen-
tümlich soll gelten:

gegangen; um so mehr ist es zu begrüßen, daß der Verfasser uns

von den wenigen noch erhaltenen Kunstwerken dieser Werkstätte einkragenknopf, des

genaue Beschreibungen gibt, unter denen die Büsten des h. Aloisius sen Verbindungsteil

(Köln, St. Peter), des h. Franz Xaver (Köln, St. Mariä Himmelfahrt), zwei Krallen besitzt,

des h. Adrian (ebenda) und der Schrein mit der Toga des h. Ignatius zwischen welchen der

(ebenda) einen ganz hervorragenden Platz einnehmen, welche auch obere Knopfteil beweglich eingeklemmt ist, sodaß beim Durch

durch gute Abbildungen dem Leser veranschaulicht werden. Mit stecken durch das Knopfloch kein Hindernis entsteht, da der obere

dem Tode des Bruders Peter Dorn im Jahre 1741 ging die GoldKnopfteil zugleich in die von den Krallen gebildete Rundung paßt. schmiedewerkstatt im Kölner Jesuitenkolleg ein, nachdem sie, nicht

Nr. 262686. Anmelder: Carl Kohler, Pforzheim. Zieharm lange mehr von dem Kolleg selbst überdauert, in ihrem rund hundertband in Form eines Panzerkettenbracelets. Schutzanspruch: Zieh jährigen Bestehen prächtige Werke zum Schmuck der Kollegkirche

armband in Form eines PanzerJonen Seite

hervorgebracht hatte.
Aussen kettenbracelets. Das Modell be-

trifft ein Zieharmband, dessen
inneren Glieder plastisch geformt

Frage- und Antwortkasten.
sind, im Gegensatz zu den bisher

Für brieflich gewünschte Fragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen.
gebräuchlichen Zieharmbändern
Armband
mit flachen inneren Gliedern. Dlo Horron Fabrikanton, Grossiston und Dotailleuro wordon in Ihrem und Allor Interosso

höflichst autgefordert, von der allezeit kostontrolon Bonutzung dieser Abteilung don aus-
Es giebt dem Armband dadurch

giebigston Gobrauch zu machon, Fragon allgomoiner und technischer Art uns olnzusondon sowie durch die Modellierung der äußeren Glieder die Form eines und an doron Beantwortung sich zu botolligen. Die Aufnahme olnor Antwort Panzerkettenbracelets.

erfolgt in jedem Einzelfalle auf ausdrüokllohen Wunsch. Auch Nr. 262613.

dieser Toll unsoros Blattos ist dazu geschaffon, zur gogonsoitigon Bolohrung beizutragon. Anmelder: Kling & Schmitt, Pforzheim. Metallgeflecht, welches aus durchbrochenen umgebogenen Metall

Fragen: gliedern mit innerhalb derselben angeordneten Verzierungen in

Frage 452. Wer fabriziert Pressungen für Fassungen von Frei-
Form von Blümchen p. p. zuzammengehängt ist.
maurersteinen in 9 karat. Gold?

E. K. in 1.
Schutzanspruch: 1. Metallgeflecht, welches,
aus durchbrochenen Metallgliedern mit innerhalb Frage 463. Wer liefert billigen Bernsteinschmuck? G.W. in G.

derselben angeordneten Verzierungen in Form
Metallgeflecht von Blümchen zusammengehängt ist. 2. Eine Frage 464. Welcher Fabrikant liefert lange unechte Damenketten
Ausführungsform nach Anspruch, dadurch ge-

mit Zwischenteilen von Glasperlen und dergl. ? G. W. in G. kennzeichnet, daß statt der innerhalb der Glieder angeordneten Frage 465. Wer fabriziert besonders schwere Siegelringe in Blümchen auch andere Figuren angeordnet sein können.

18 kar. Gold?

A. A. in A. Nr. 261 742. Anmelder: Emil Binder, Pforzheim. Anhänger aus sechs zusammenschiebbaren mit Emaillebildern verzierten Teilen, Frage 466. Wer fertigt Broschen und Boutons in 18 kar. Gold ? die an ihrem unteren Ende

B. V. in A. durch ein gefaßtes Scharnier

Frage 467. Wer fabriziert oder liefert Füllfederhalter mit der
festgehalten werden, und, wenn

Marke „The Monarch“ (14 kar. solid Gold)? B. B. Co. in L.
auseinandergeschoben, einen
Anhänger
Stern, oder wenn susammen-

Antworten:
geschoben, ein längliches Vier-
eck darstellen. Schutzan-

Zu Frage 451. Silbergefaßte Dosen mit Achatdeckel fabriziert
spruch: Das Neue und Eigen-

Chr. Weilinger, Hana u.
tümliche dieses Anhängers ist, Zu Frage 454._Schildkrötenglocken fabriziert Hugo Berger,
daß man durch Auseinander Schmalkalden (Thür.).
bezw. Zusammenschieben sei-

Zu Frage 459. Krawattennadeln in Form einer Bogenlampe
ner einzelnen Teile aus einem
länglichen Viereck einen sechs-

fabrizieren: Adolf Köhler, Pforzheim; Xaver Siegle,

Pforzheim, Holzgartenstraße 14.

teiligen Stern und umgekehrt aus einem Stern ein längliches Viereck herstellen kann.

Zu Frage 461. 1 Antwort auf Seite 5 a.

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FUAT

:

Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede.

Protokoll der Vorstandssitzung des Verbandes am 11. Dezember 1905,

abends 8 Uhr im Kulmbacher Bierhaus, Breitestraße 22.

Anwesend die Herren Telge, Müller, Menzel, Schmidt, Fischer. Herr Walter fehlt entschuldigt.

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung um 8 Uhr 50 Min.

Zur Aufnahme in den Verband haben sich gemeldet die Herren: Eduard Weitmann, Juwelier, Kempten i. Allgäu, Krausnick & Co., Wiesbaden, Carl Vossen, Juwelier, Düsseldorf, Kreuzstr. 25.

Herr Carl Vossen wird dem Verein von Rheinland und Westfalen überwiesen, Herr Eduard Weitmann dem Verein Bayern. Herr Krausnick, welcher bereits dem Wiesbadener Verein als Mitglied angehört, wird als Einzelmitglied des Verbandes aufgenommen.

Der Vorsitzende teilt mit, daß er das Schreiben des Verbandes der "Silberwarenfabrikanten Deutschlands, vom 23. November, betreffend die Besteckkonvention in Abschrift an sämtliche Vereinsvorstände geschickt habe. Der Vorstand nimmt mit lebhaftem Bedauern von dem Inhalte dieses Schreibens Kenntnis; dem Eintreffen eines weiteren Schreibens des Verbandes der Silberwarenfabrikanten sieht der Vorstand noch entgegen, ebenso erwartet er von seiten der Unter-Vereinigungen des Verbandes Deutscher J. G. und S. Rückäußerungen bezüglich des Inhaltes dieses Anschreibens.

Der Vorsitzende teilt ferner mit, daß er aus einem Reichstagsbericht vom November 1904 ersehen habe, daß die Bundesstaaten die von Preußen, und zwar vom Minister für Handel und Gewerbe Möller, über das Versteigerungswesen erlassenen Bestimmungen bis jetzt noch nicht für die Bundesstaaten eingeführt haben, daß aber in Preußen mit dieser Ministerialverordnung der Auktionsunfug beinahe vollständig beseitigt ist; denn man habe früher in Berlin an einem Tage wohl dutzende von Auktionen von Goldwaren und Uhren zählen können. Wenn nun diese Verordnung segensreich gewirkt habe, so sei zu empfehlen, daß in den Bundesstaaten gleiche Verordnungen erlassen werden.

Er schlage deshalb vor, diese preußische Verordnung für jeden Verein anzukaufen mit der Anheimgabe, eine diesbezügliche Eingabe an die betreffenden außerpreußischen Regierungen ergehen zu lassen und eine Regelung des Auktionswesens zu beantragen.

Es wird beschlossen, die nötigen Exemplare der Verordnung anzukaufen und den Vereinen zuzustellen.

Ferner ist ein sehr eingehendes Gutachten der Handwerkskammer zu Berlin, um welches von seiten der Geschäftsstelle in einer Unterhandlung am 26. September gebeten ist, eingegangen über die Frage, ob ein Uhrmacher, der nur Goldwarenreparaturen ausführen kann, berechtigt sein soll, sich Goldarbeiter zu nennen.

Der Vorsitzende schlägt vor, dieses Gutachten unserem Rechtsbeistand, Herrn Glatzel, vorzulegen und um Auskunft zu ersuchen, was man in der Sache Uhrmacher, die sich Goldarbeiter nennen, daranfhin erwarten könne, wenn der Verband einen Prozeß anstrengen würde.

Zur Besprechung kommt ein Artikel in der Deutschen Goldschmiede-Zeitung Danach sieht es so aus, als wenn die Deutsche Goldschmiede-Zeitung die Prozesse in Breslau, Frankfurt, Magdeburg allein gewonnen gemacht habe. Dem sei aber ganz und gar nicht so, denn mit Zeitungsunterlagen und dergleichen allein können Prozesse nicht gewonnen werden.

Der Artikel macht für den Uneingeweihten den Eindruck, als sei in der Sache lediglich die Goldschmiede-Zeitung die treibende Kraft gewesen. Der Vorsitzende betont deshalb, daß in allen Fällen, wo derartige Bera- und Taits-Schwindel vorkommen, von seiten der Geschäftsstelle des Verbandes eine sehr intensive Tätigkeit entfaltet worden ist. Von all dem Material, welches die Geschäftsstelle versendet habe, sei seiner Meinung nach das Hamburger das zweckdienlichste gewesen. Von der Geschäftsstelle seien in dieser Sache ohne Zweifel die meisten Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft erfolgt. Und wenn in Breslau, Leipzig, Berlin, Magdeburg, Frankfurt a. M. und Hamburg es zur Verurteilung gekommen ist, so seien natürlich dies Erfolge, welche durch das tüchtige Eingreifen der betreffenden Vorstände gezeitigt sind. Übrigens habe auch das Journal der Goldschmiedekunst in dieser Angelegenheit eine rührige Tätigkeit entwickelt. Es wird und muß anerkannt werden, daß seitens der Verbandszeitungen in dankenswerter Weise zur Bekämpfung des Unfuges mitgearbeitet worden ist, doch kann der Vorstand nicht zugeben, daß der Anschein erweckt wird, als ob einzig und allein die Erfolge der Tätigkeit den Zeitungsredaktionen zuzuschreiben seien. *)

Über die Württemberger Metallwarenfabrik Geislingen liegt wiederum eine Beschwerde vor, darüber, daß sie ihre Waren auch an Galanteriewarenhandlungen abgibt, obgleich die Fabrik im Journal der Goldschmiedekunst annonciert: „Lieferung nur durch juweliere, Alfenidewarenhandlungen sowie die eigenen Niederlagen“

Wir müssen es unsern Mitgliedern überlassen, wie sie sich dieser Geschäftshandhabung gegenüber verhalten wollen.

Der Vorstand kommt auf die Anregung des Herrn Kollegen Kuhn-Ludwigshafen zurück: Die Neujahrsglückwünsche durch einen Beitrag für die Unterstützungskasse von mindestens Mk. 2.- abzulösen. Wir ersuchen die Herren Kollegen, welche mit diesem Vorschlage einverstanden sind, den Beitrag an Herrn Arthur Schmidt, Berlin W. 8, Mohrenstr. 26, einzusenden; die Veröffentlichung des Einsenders erfolgt sofort in 'den Verbandsorganen.

Herr Fischer berichtet weiter, daß der Geschäftsstelle des Verbandes seit Bestehen wohl die meiste Arbeit das Ausverkaufsunwesen gemacht hat, und daß die Zustände bezüglich des Ausverkaufes geradezu grauenhaft seien. Alle denkbaren und undenkbaren Gründe werden angegeben, um einen Ausverkauf zu rechtfertigen

Obgleich das Ausverkaufsunwesen in der ungehörigsten Weise alle Gewerbe schädige und bei der Regierung von einer ganzen Reihe von Verbänden Klage darüber erhoben ist, und obgleich der Reichstag sich wiederholt, zuletzt in der 102. und 103. Sitzung im Dezember 1904, mit dieser wichtigen Frage beschäftigt habe, so sei doch immer noch nichts von seiten der Gesetzgebung geschehen, um diesen größten Übelstand zu beseitigen. Er habe sich die stenographischen Berichte nebst den Resolutionen von der Direktion des Reichstages beschafft und aus den Verhandlungen ersehen, daß die Absicht besteht, die Regelung des Ausverkaufswesens dadurch vorzunehmen, daß man an dem Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes einige Paragraphen anhängen will. Das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes ist aber, wie von allen Beteiligten anerkannt wird, nur mangelhaft, und sehr schwer damit den unsauberen Geschäftsleuten beizukommen. Er sei deshalb der Ansicht, daß nur durch ein gründlich bearbeitetes Gesetz Abhilfe geschaffen werden kann. Er habe kürzlich aus der Deutschen Tageszeitung entnommen, daß in Österreich seit dem Jahre 1895 ein besonderes Reichsgesetz besteht, wodurch das Ausverkaufswesen geregelt wird. Durch liebenswürdiges Entgegenkommen des Vereins der Juweliere in Prag sei er in den Besitz dieses Gesetzes gelangt und habe für Deutschland eine besondere Umarbeitung vorgenommen und sich ganz besonders wegen der Ablehnung eines Antrages auf Ausverkauf an die Vorschriften zur Regelung über den Geschäftsbetrieb der Versteigerer, Abhaltung von Auktionen betreffend, gehalten. Das Reichsgesetz zur Regelung des Ausverkaufswesens müsse der Ministerialverordnung des Handelsminister Möller aus dem Jahre 1902 angelehnt werden.

Dazu sei erforderlich, daß die Anmeldefrist bei der Ortspolizei vorgesehen ist, und daß ein Verzeichnis eingereicht wird der Gegenstände, die ausverkauft werden sollen, mit Angabe des Ortes, wo der Ausverkauf stattfindet und der Zeit, auf welche der Ausverkauf sich auszudehnen vorgesehen ist. Die Gründe, aus welchen der Ausverkauf stattfinden soll, müssen genau angegeben werden, und die Ortspolizeibehörde solle nach Einvernehmung mit der Handelsund Handwerkskammer und den vereideten Sachverständigen des Gewerbes, welchem der Bewerber angehört, die Entscheidung fällen usw.

Herr Fischer teilt ferner mit, daß er den von ihm bearbeiteten Gesetzentwurf mit Herrn Rechtsanwalt Glatzel und dem Syndikus des Zentralverbandes deutscher Uhrmacher, Herrn Dr. Biberfeld, einer Nachprüfung unterziehen will und dann alle Verbände, insbesondere die Uhrmacherverbände, die sich für die Regelung des Ausverkaufes interessieren, heranziehen, um dann an das Reichsamt des Innern heranzutreten mit dem Ersuchen, dem Reichstag auf Grund unserer Vorschläge einen Gesetzentwurf vorzulegen. Er habe mit dem Reichstagsabgeordneten Kirsch ebenfalls über die Angelegenheit gesprochen, und hält dieser es für praktisch, auch außerdem an den Reichstag eine Petition gelangen zu lassen.

Die Veröffentlichnng des Entwurfes des Herrn Fischer wird demnächst erfolgen.

Betreffs der Feuerschutzkasse stehen von 7 Vereinen resp. Innungen immer noch die Beschlüsse mit Bezug auf die in München gefaßte Resolution aus, und zwar von folgenden Vereinen: Verein Altona, Innung Braunschweig, Verein Frankfurt a. O., Verein Halle a. S., Verein Rheinland und Westfalen, Innung Schweidnitz. Es wird beschlossen, daß noch einmal an die Vereine geschrieben werde, insbesondere, um das Material, das als Unterlage zur Beurteilung der Frage dienen sollte, zurückzuerhalten.

Wegen der Mitgliedskarte wird beraten, wie eine schnellere Fertigstellung zu ermöglichen ist. Der Vorsitzende schlägt vor, solche in einer größeren Partie drucken zu lassen und die Firma sofort, nachdem die Aufnahme der Betreffenden erfolgt ist, einschreiben zu lassen durch einen Kalligraphen. Schluß der Sitzung 11 Uhr 15 Minuten.

Fischer. Oscar Müller.

*) Diesen Anschein haben wir auch niemals erwecken wollen. D. Schriftl.

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Was versteht man unter „Schmucksachen, Bijouterien“ ?

Ein Juwelenhändler war von der Strafkammer wegen Hausier- jouterien oder Schmucksachen anzusehen sind. Als solche steuerkontravention zu Strafe verurteilt worden, weil er außerhalb werden immer nur Gegenstände zu betrachten sein, die unmittelbar seines Wohnortes mit ungefaßten Brillanten, sowie mit rohen un gebrauchsfertig sind, zu denen man im allgemeinen rohe und geschliffenen Perlen bei Gewerbtreibenden hausiert hatte, ohne im geschliffene Perlen und ungefaßte Brillanten nicht wird rechnen Besitz eines Wandergewerbescheins zu sein. Hierdurch sollte er können. Diese werden vielmehr regelmäßig zu den Rohwaren oder gegen das preußische Hausiersteuergesetz sowie gegen die Be auch zu den Halbfabrikaten zu zählen sein, aus denen Schmuckstimmungen der SS 55, 56 der Gewerbeordnung verstoßen haben. sachen oder Bijouterien hergestellt werden können. Diese Roh$ 55 der Gewerbeordnung schreibt bekanntlich, in Übereinstimmung waren und Halbfabrikate aber pflegen nur von sachverständigen mit dem Hausiersteuergesetze, vor, daß jeder, der außerhalb des Gewerbtreibenden gekauft zu werden, es liegt also bei ihnen die Gemeindebezirks seines Wohnortes ohne vorgängige Bestellung in Gefahr der Übervorteilung, sowie der Ausbeutung der Eitelkeit und eigener Person Waren feilbietet oder Warenbestellungen aufsucht, "Unerfahrenheit der Käufer, welche den Anlaß zu dem Verbot des eines Wandergewerbescheines bedarf, während § 56 Ziffer 11 den Ankaufs und Feilbietens von Schmucksachen und Bijouterien im Ankauf und das Feilbieten von Schmucksachen und Bijouterien im Umherziehen gab, nicht vor. Rohwaren oder Halbfabrikate sind Umherziehen verbietet. Die Strafkammer hatte in der Begründung also im § 56 Ziffer 11 der Gewerbeordnung nicht gemeint. Auch des verurteilenden Erkenntnisses die von dem Angeklagten feil in der Bekanntmachung des Bundesrats vom 27. November 1896 gebotenen Waren als Bijouterien bezeichnet und den Verstoß heißt es in Ziffer 1 ausdrücklich: Gewerbtreibende, welche mit gegen § 55 der Gewerbeordnung darin erblickt, daß er ohne Edelsteinen, Perlen, Kameen und Korallen Großhandel treiben, sind vorgängige Bestellung auf seine Waren diese zum Verkauf ange- auf Grund der nach § 44a der Gewerbeordnung erteilten Legitiboten hatte.

mationskarte berechtigt, auch außerhalb ihrer gewerblichen NiederDiese Urteilsbegründung hat das Kammergericht nicht für aus- lassung, sofern diese im Inlande liegt, persönlich ihre Waren an reichend erachtet. „Bestellung“ im Sinne des § 55 der Gewerbe- Personen, welche damit Handel treiben, feilzubieten. Die Verordnung so äußerte sich dieser Gerichtshof – bedeute eine urteilung des Angeklagten würde sich demnach nur rechtfertigen, Aufforderung an die Person des Händlers, daß dieser sich zum Be wenn die Waren im vorliegenden Falle nach ihren etwaigen betriebe seines Gewerbes bei dem Auffordernden einstellen solle, sonderen Eigenschaften und nach ihrer daraus erkennbaren Zweckkeineswegs sei diese Aufforderung dahin zu verstehen, daß vorher bestimmung als „fertige Waren“ angesehen werden könnten. eine Bestellung auf die feilgehaltenen Waren erfolgt sein müsse. Hierüber waren jedoch bisher keine Feststellnngen getroffen, die Ebenso sei es im vorliegenden Falle noch nicht festgestellt, ob die Angelegenheit mußte daher zur nochmaligen Prüfung in die Vorvon dem Angeklagten zum Verkauf angebotenem Waren als Bi- instanz zurückgewiesen werden.

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