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Unser Preisausschreiben für Besteckentwürfe.

Das sachliche Ergebnis, das in dem Protokoll niedergelegt ist, wurde an anderer Stelle schon veröffentlicht. Aber so ganz kann die Sache damit für uns nicht abgetan sein. Schon das trockene Protokoll gibt ja zu denken. Es gehört nicht allzuviel Sachkenntnis dazu, um dort zwischen den Zeilen herauszulesen: Die Konkurrenz war im Ganzen mittelgut, mit sehr viel, sagen wir es frei heraus, wertlosen Einsendungen. Ein „Schlager", der die Stimmen des Preisrichterkollegiums siegreich und zwingend auf sich vereinigt hätte, war nicht darunter; und der Entschluß der Jury, die Preise ausnahmslos zu teilen, ist aus langen und ernsten Erwägungen hervorgegangen. Gewiß, die Aufgabe ist eine der schwierigsten, die man sich für eine Konkurrenz denken kann: Ein beschränkter, in seiner Gesamtform wenig beweglicher Raum; zwingende technische und Gebrauchsbedingnisse;

eine Überfülle vorhandener Muster und eine geringe Aufnahmewilligkeit des Publikums für aparte oder etwas gewagte Neuheiten.

Das muß Alles zugestanden werden; auch muß und kann man freudig anerkennen, daß die von der Jury prämiierten und anerkannten Arbeiten teilweise Leistungen hocherfreulicher Art darstellen, in denen sich technisches. Verständnis mit gereiftem künstlerischen Können paarten.

Aber es wäre doch nicht notwendig gewesen, daß so sehr viele Einsendungen da waren, bei deren Anblick man vermuten mußte, der Autor habe sich noch nie einen Löffel oder eine Gabel ernstlich angesehen. Oder die bewiesen, daß er sich über den Begriff Louis XVI. Stil oder Empire vollkommen im Unklaren war,

ganz zu geschweigen von denen, die einfach nicht zeichnen und nicht modellieren konnten. Ungewöhnlich hoch war jedenfalls bei diesem Wettbewerb die Anzahl derjenigen Arbeiten, deren Urheber nicht im Stande waren, sich über die in der Aufgabe enthaltenen Schwierigkeiten vorher Rechenschaft abzulegen, die geglaubt hatten, mit gutem Willen und recht viel Mühe werde auch so etwas gehen. So etwas geht aber nicht mit gutem Willen. Es gehört das notwendige Können und Wissen dazu. Beteiligen sollten sich doch nur solche daran, die Erfahrung im Besteckfach haben oder sich über die dort vorhandenen besonderen Verhältnisse orientiert haben.

Jeder derartige Wettbewerb hat einen doppelten Zweck: Einen realen, nämlich brauchbares Material zusammenzubekommen, und einen idealen, Künstlern Gelegenheit zu bieten, mit ihren Leistungen vor einen weiteren Kreis zu treten. Beide Absichten lassen es wünschenswert erscheinen, daß auch Künstler sich beteiligen, die außerhalb des Spezialhandwerks stehen. Allen solchen aber muß der dringende und gute Rat gegeben werden, sich mit der Materie des Wettbewerbes so gut vertraut zu machen, als es irgend möglich ist. Es gibt Leute, die das absichtlich nicht tun, aus lauter Angst „beeinflußt“ zu werden. Das ist die gefährliche Überschätzung des Subjektivismus, die gegenwärtig in Kunst und Kunstgewerbe sich so breit macht. Wohl hat das „Neue“ gerade für die

Kunstindustrie, um die es sich hier handelte, seinen unabhängigen und hohen Wert. Aber dieses Neue muß sich in den Rahmen des Gegebenen und Vorhandenen einfügen, muß entweder im Gegensatz oder Zusammenhang mit diesem stehen, beides ist nur möglich, wenn der Autor weiß, was und wie in der Praxis gearbeitet wird. Das Studium eines guten und reichhaltigen Fabrikkataloges kann da oft mehr fördern als stundenlanges „selbständiges“ Brüten.

Vielleicht sollte unsern jungen Leuten öfter Gelegenheit gegeben werden, während ihrer Ausbildungszeit sich an internen, nicht-öffentlichen Wettbewerben zu beteiligen, um über ihre eigenen Kräfte klar zu werden. An allen österreichischen gewerblichen und kunstgewerblichen Fachschulen sind sogen. Klausurarbeiten eingeführt, d. h. es werden sämtlichen Schülern bestimmte Aufgaben gestellt, die sie unter Aufsicht, aber ohne Anleitung und Beihilfe des Lehrers, in einer bestimmten Zeit zu lösen haben. Das ist ohne Zweifel ein vorzügliches Mittel, um die jungen Leute zur Selbständigkeit oder, was vielleicht noch mehr wert ist, zur Klarheit über ihr eigenes Können und Nichtkönnen zu bringen, und solche Selbsterkenntnis ist die einzige Tür zum Weiterkommen. Schülerwettbewerbe gibt es ja auch an unsern Kunstgewerbeschulen. Aber die Beteiligung daran ist meistens dem freiwilligen Entschlusse des Einzelnen anheimgestellt. Regelmäßige Zwangswettbewerbe würden doch wohl wirksamer sein, – und die Teilnahme an öffentlichen Wettbewerben vermutlich verringern. Das könnte der Qualität der Einsendungen aber nur zugute kommen.

Es möchte nach diesen Ausführungen beinahe scheinen, als ob wir diese Besteck-Konkurrenz als verunglückt ansähen. Das ist keineswegs der Fall. Über die Qualität der von der Jury prämiierten Arbeiten zu sprechen, ist hier nicht der Platz. In den nächsten Monaten werden dieselben, bezw. Proben derselben, in unserer Zeitung veröffentlicht werden; da ist dann Gelegenheit, über dieselben zu sprechen. Wir möchten aber auch jetzt schon die erfreuliche Seite, diese Konkurrenz hervorzuheben, nicht versäumen.

Vor Allem war es erfreulich zu sehen, daß nur ganz wenige Teilnehmer von der Sucht besessen waren, Auffallendes, nie Dagewesenes um jeden Preis zu bringen. Die Versuchung lag nahe. Man konnte z. B. einseitige Hefte komponieren, also von der üblichen Symmetrie abzuweichen suchen. Man konnte mit naturalistischen Motiven prunken, Fischmäuler oder Vogelklauen anwenden als Dekorationsmotive. Im Großen und Ganzen waren wenig solche Verirrungen zu sehen. Man war bemüht, mit bescheidener Ornamentik, mit abgewogenen und sorgfältig durchgebildeten Verhältnissen und Linienzügen zu arbeiten und zu siegen, soweit es möglich war. So sind eine Anzahl Arbeiten entstanden, an denen man seine Freude haben konnte, und an denen auch noch unsere Leser ihre Freude haben werden. Und wir dürfen hoffen, daß auch unsere Besteck - Konkurrenz der Sache des Kunstgewerbes, dem wir dienen, ersprieblich sein wird.

R. R.

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Die Ausstellung des Schmuckkünstlers Gaillard im Künstlerhause, Berlin.

Nur äußerst selten, so lesen wir in der „Voss. Zeitung“, vielleicht noch nie zuvor, haben die Ausstellungssäle des Künstlerhauses eine ähnliche Fülle von außerordentlichen Kunstschöpfungen der verschiedensten Gattungen beherbergt, wie in diesem Jahre. Es ist des Guten wirklich zu viel, um es bei einem Besuch in sich aufzunehmen oder geistig zu bewältigen. Schon allein die hier von dem französischen Schmuckkünstler Gaillard, einem geistesverwandten und nicht minder bewundernswerten Nebenbuhler Laliques, ausgestellten Kunstschöpfungen würden, so sollte man meinen, hinreichen, jedem Kunstsalon die stärkste Anziehungskraft zu verleihen.

Auch Gaillard ist ein echter, schönheitstrunkener Dichter, der aus Schildpatt, Horn, Edelmetallen, Bronze, Juwelen, Perlen, Emaillen wundervolle phantastische Gebilde schafft, zum Schmuck schöner Frauen; aber auch aus Bronze, alles höchst eigenartige graziöse Ziergefäße. Auch er lehnt sich wie Lalique in seinen Erfindungen an seinen Vorgänger, knüpft im Stil seiner Werke an den keiner früheren Epoche an. Seine Motive, die er dem Pflanzenreich und der Vogel- und Insektenwelt entlehnt, verarbeitet er in freiester Weise, wie es ihm Phantasie und individueller Geschmack eingeben. Die Blattformen von Seealgen verwendet er z. B. mit kleinen blau und goldig opalisierenden Steinen, statt der Wassertropfen besetzt Ausläufer eines Endes und zur Stirnbekrönung eines aus dünnstem, durchsichtigem, hellem Schildpatt geschnittenen Diadems, während die Ausläufer des anderen Endes einen rohen Opal wie einen Kiesel umklammern. Bei einem zweiten aus dem gleichen mit äußerster Zartheit behandelten, gelbgrünlich getönten Material bilden diese Bekrönung am vorderen Ende des Reifens ein Paar stilisierte schierlingblütenähnliche Blumen auf bogenförmig, aufsteigenden kurzen Stengeln, die sich fast immer in leicht bebender Bewegung befinden. Ein drittes trägt drei völlig naturtreue Kornähren aus Horn. Eine der erstaunlichsten Schöpfungen ist ein zweizinkiger Einsteckekamm, dessen vordere Bekrönung ein goldbrauner Topas und zwei große, fast realistisch naturwahre Libellen mit ausgebreiteten, papierdünnen, durchsichtigen, anscheinend aus Horn geschnittenen, mit kleinen Edelsteinen besetzten Schwingen mit grünlich-golden schimmernden emaillierten Leibern und Köpfen mit Juwelenaugen bilden, deren eine mit dem vordersten langen Fußpaar die

andere zu umklammern strebt, um sich auf sie zu schwingen. Ein merkwürdiger Brustschmuck hat die Gestalt eines großen Schmetterlings von der Schwalbenschwanzgattung, aus dünngeschnittenem, leicht gelblich koloriertem Horn, dessen Flügelzeichnung durch farbige Emaille- und kleine Edelsteineinlagen nachgebildet ist.

Die Formen von Käfern mit farbig und goldig schimmernden Flügeldecken, eine Motte mit halb entfalteten, seitlich gleichmäßig anliegenden Flügeln, ein kleiner grüner Papagei mit aufgerichteten Flügeln (Email) sind als Anhängsel an verschiedenen zierlichen Ketten verwertet, an denen Perlen mit grünen emaillierten Blättchen wechseln. Mehrere durchsichtige hörnerne und hellschildpattene Einsteckkämme, die einen mit elliptischen Kränzen aus Perlen, die anderen mit geschnittenen Ornamenten, einer mit aufgelegten, anscheinend aus Elfenbein geschnitzten, zartrosigen Rosenreliefs dekoriert; Schnallen, Gürtelschlösser, Ketten, Ringe, von in ihrer Art ebenso seltsamer Schönheit und drei graziöse Schmuckgefäße bilden den übrigen Inhalt der Vitrine. Das eine der letzteren ist eine dunkel patinierte silberne Henkelvase mit langem dünnen Halse, der durch diese von der Mündung seitlich austretenden und sich dann herabsenkenden Henkel mit dem bauchigen Körper verbunden ist. Zwischen letzterem und dem Halse hocken zwei große Heuschrecken, deren lange Fühler hoch hinauf zu den Henkeln reichen. Eine japanisch braun-patinierte, kleine, zierliche Bronzevase, die nur einen Stengel aufnehmen kann, ruht, als auf ihrem Fuß, auf einer jener Lilien mit zurückgekrümmten Kelchblättern, die man Kaiserkrone nennt. Eine schlanke flaschenförmige wird von einem, naturalistisch echt wie von einem japanischen Künstler gearbeiteten jener großen Bohrkäfer mit langen Fühlern umklettert und umschlungen, die wir als Jungen immer, ahnungslos der künftigen Bedeutung dieses Namens, „Holzbock“ nannten.

Wie bei Lalique verbindet sich auch bei Gaillard die erfinderische Phantasie mit einer allseitigen, technischen Meisterschaft, die ihn befähigt, auch die kühnsten und seltsamsten Gebilde seiner durch liebevolles Naturstudium befruchteten Einbildungskraft auf dem Spezialgebiet dieser dekorativen Kunst mittels jener kombinierten Materialien in bestrickender Schönheit zu verwirklichen.

zum

Imitationen und

und Verfälschungen von Bernstein.
Von Dr. Hans Braun, Berlin W. 57.

Der Bernstein wird seit dem Altertum wegen seines schönen Aussehens und seiner Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse zu Schmuckgegenständen verarbeitet. Da ausgesucht klare Stücke aber ziemlich selten sind, so liegt es auf der Hand, daß das Naturprodukt einer vielfachen Bearbeitung unterworfen wird, um die Qualität der Ware zu bessern, sie durch andere Substanzen zu ersetzen oder sie überhaupt künstlich herzustellen. Und wie es bei anderen Artikeln der Fall ist, so liegt es auch beim Bernstein, daß nämlich der Fälscher neben recht plumpen Präparaten auch vorzügliche Imitationen liefert, und es gibt wohl kaum eine Industrie, in der der Fälscher soviel Gelegenheit hat, seine Geistesschärfe zu zeigen, als wie die Bernsteinindustrie.

Die billigen „Bernsteinartikel“, wie sie bei uns in Massen fabriziert werden, um als Tauschgut bei Negervölkern oder als Schmuckstück in Ostasien verwendet zu werden, bestehen in Wirklichkeit nicht aus Bernstein, sondern aus Glas. Der Fachmann kann diese „Bernsteinwaren“ von den echten sehr

leicht unterscheiden durch den muscheligen Bruch, durch das Kältegefühl bei der Berührung der Perle mit der Zunge und vor allen Dingen durch die größere Härte. Glasan Stelle von Bernstein zu verkaufen, ist, man muß es offen sagen, die plumpeste Verfälschung schon deshalb, weil sie der Laie selbst zu leicht erkennen kann. Anders liegen die Verhältnisse, wenn die Bijouterieartikel aus anderen fossileni oder wenigstens sehr harten Harzen hergestellt sind. In erster Linie kommen hierbei die verschiedenen Kopale in Frage, welche sich aber in chemischer Hinsicht ganz bedeutend vom Bernstein unterscheiden. Die sonst üblichen Lösungsmittel für Harze kann man bei Bernstein nämlich nicht anwenden. In Alkohol ist er so gut wie unlöslich, ebenso in Holzgeist, Benzol, Petroleumäther, Aceton, Chloroform, Terpentinöl und Schwefelkohlenstofi. In den angegebenen Flüssigkeiten löst er sich auch dann nicht auf, wenn man die Lösung unter Anwendung von Wärme zu bewirken sucht. An diesem seinem Verhalten sind Bernsteingegenstände sehr leicht zu identifizieren. Man braucht ein

Schmuckstück z. B. nur einige Zeit in Alkohol, Äther oder Terpentinöl zu legen, echter Bernstein bleibt hierbei unverändert, während z. B. Kopal schon nach wenigen Minuten an der Oberfläche klebrige Eigenschaften aufweist. Ganz grobe Verfälschungen, z. B. mit Kolophonium oder Dammar sind gerade an ihrem Verhalten gegen Alkohol und Äther leicht zu beweisen.

Verbrennt man Bernstein, so tritt dabei der bekannte Bernsteingeruch auf, während andere Harze, besonders Kolophonium und Kopal, stechend riechende Gase abgeben, welche man, wer sie nur einmal gerochen, sofort wieder erkennt.

Bernstein besitzt außerdem eine größere Härte, wie alle anderen Harze. In Kolophonium kann man mit dem Fingernagel schon bei gelindem Druck weiße Stellen erzeugen, bei Kopal Eindrücke, Bernstein ist aber härter als der Fingernagel und widersteht deshalb dessen Einwirkung. Als wertvolle Erbstücke findet man in vielen Familien Schmucksachen, welche Tier- oder Pflanzenteile oder auch ganze Tiere eingeschlossen enthalten. Schöne Stücke dieser Art sind überaus selten und werden gut bezahlt also aus diesem Grunde ein geeignetes Nachahmungs-Objekt. Diese Nachbildungen werden in der Weise hergestellt, daß man in den Bernstein Löcher bohrt, auf dem Boden des Loches Fischschuppen, Fliegen, Bienen, Pflanzenteile, wie Blüten, Blätter legt, und das gebohrte Loch vorsichtig mit einem geschmolzenen Harz ausfüllt. Die Verfälschungen in dieser Hinsicht gehen so weit, daß man häufig noch nicht einmal wirkliche Naturalien als Einschlüsse benutzt, sondern Nachbildungen aus Metall, denn es ist doch klar, daß ein toter Laubfrosch, eine Eidechse oder eine Biene, ein Gänseblümchen oder dünne, grüne Laubblätter bei der Berührung mit der heißen Harzmasse durch die Hitze verunstaltet werden; um also ganz sicher zu gehen und nicht zuviel Material zu riskieren, verwendet man Nachbildungen von Naturalien in Metall oder Emaille. Bei aufmerksamer Betrachtung kann man aber ganz deutlich auch an den besten Verfälschungen den Bohrkanal erkennen, weil die eingegossene Harzmasse in der Regel eine etwas andere Farbe besitzt als der Bernstein.

Wenn solche Stücke nun geschickt montiert oder gefaßt sind, so ist eine Erkennung des Bohrkanals häufig sehr schwierig; trotzdem kann man aber die Verfälschung feststellen, wenn man den betreffenden Bernsteingegenstand in Alkohol oder Äther legt, wobei sich das in den Bohrkanal gegossene Harz löst und den Kanal selbst demnach freilegt.

Seit etwa 10 Jahren sind Präparate im Handel, welche unbedingt als die vollendetste Art der Nachbildung bezeichnet werden müssen, weil sie tatsächlich aus Bernstein bestehen. In dieser Industrie verwendet man hauptsächlich Bernsteinabfälle, welche man in Öl unter starkem Druck bei erhöhter Temperatur zusammenpreßt. Lange Zeit hat man auf diesem Gebiet vergeblich gearbeitet, heute liefert aber die Industrie einen Preßbernstein, welcher dem natürlichen in vieler Beziehung starke Konkurrenz macht. Die Bernsteingegenstände werden nämlich gleich in entsprechende Formen gepreßt, in der Regel bei 8000 – 10000 Atmosphären Druck. An diesem Preßbernstein sind aber deutlich die aneinander geklebten Stücke erkennbar, weshalb das Verfahren nach Spiller unbedingt als ein großer Vorteil bezeichnet werden muß. Bernstein wird bei etwa 200 Grad weich, und man treibt die geschmolzene Abfallmasse deshalb bei dieser Temperatur unter hohem Druck durch feine Metallsiebe, wodurch man eine Mischung des Produktes erzielt. Nach die Verfahren kann man auch trübe Stellen im Bernstein sehr schön nachahmen. Die „flomigen“ Stellen erkennt man aber als Kunstprodukt daran, daß die trüben Streifen stets parallel liegen. Einchlüsse lassen sich in diese Masse ebenfalls leicht einfügen; mikroskopisch läßt sich aber die Ware als Kunstprodukt daran erkennen, daß die eingelagerten Luftbläschen keine runde, sondern infolge des Pressens eine flachgedrückte Gestalt besitzen.

Die Preßbernsteinindustrie war ursprünglich in Wien zu Hause, heute, 10 Jahre später, arbeitet man schon sehr viel nach diesem Verfahren, und wohl kann man behaupten, daß die große Masse der billigen Bernsteinschmuckgegenstände und Rauchrequisiten aus diesem Kunstprodukt hergestellt sind.

Unsere Bilder.

bildete Plaketten, die eine zum 25 jährigen Dienstjubiläum seinem „Lehrer und Meister“, Prof. A. Offterdinger gewidmet, die andere als Rennpreis gedacht. An Beiden erfreut die allem Konventionellen abholde, urwüchsige und gesund empfundene Symbolik.

Unsere letzte Schmucktafel vereinigt verschiedene Entwürfe. Von A. Leutfeld-Bremen, der schon mehrfach bei uns Arbeiten veröffentlichte, bringen wir dem Entwurf einer Gemüseschüssel, ruhig und sachlich gehalten und in ihrer Zweiteilung praktisch anmutend.

R. R.

Die Entwürfe für Juwelenschmuck von Hch. Dennig-Pforzheim auf unserem ersten Blatt zeichnen sich durch zierliche Komposition und sorgfältige Linienführung aus. Wir werden Gelegenheit nehmen, in der nächsten Zeit weitere Vorlagen für Juwelenschmuck zu veröffentlichen. Die Zeichnungen für Silberschmuck von Karl Jung-Pforzheim wenden mit Geschick die dafür üblichen modernen Formen an. Als Dekoration ist blaues Email mit blauen und roten Farbsteinen gedacht.

Unsere Abbildungen sind meist nach Entwürfen oder nach fertigen Gegenständen hergestellt. Wir freuen uns, daß wir heute auch einmal plastische Studien eines jungen Talentes veröffentlichen können, die auf zwei Tafeln vereinigt sind. Der Künstler, P. Fliegner aus Hanau, der, nebenbei bemerkt, im Besitz der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft ist, hat seine Ausbildung bei einem bekannten Meister deutscher Feinmetallkunst, Prof. Offterdinger in Hanau, erhalten. Es ist gewiß ein ehrendes Zeugnis auch für diesen, seine Arbeit in seinem Schüler so belohnt zu sehen. Auf dem ersten Blatt ist, neben den instruktiven und interessanten Pflanzen- und ornamentalen Studien, der Plaketten-Entwurf für den „Verband Deutscher Milchhändlervereine besonders fein und sinnig durchgeführt. Neben dem schlichten, wirkungsvollen Aufbau der ganzen Gruppe ist besonders das Geschick bemerkenswert, mit dem die Hauswand und das Postament, auf dem die Figuren sitzen, in die Fläche der kreisrunden Medaille eingefügt ist.

Auf der zweiten Tafel ist ein plastisch gut aufgebautes Schmuckrelief zu sehen, und zwei ganz vorzüglich durchge

Wir erhalten zu dem Aufsatz „Heraldische Regeln“ von H. G. Ströhl, in Nr. 5 und 7 dieses Jahrganges folgende Zuschrift:

Geehrte Redaktion! Zu den „Heraldischen Regeln“ in der Nummer vom 1. März 1906 wollte ich bemerken, daß in dem Artikel zu den Heiratswappen noch nicht die volle Klarheit herrscht. In einem heraldischen Werke, herausgegeben von F. Warnecke, Handzeichnungen von Professor Doepler d. J. (Verlag von Wilhelm Rommel), steht auf Seite 5 folgende Regel: „Die Schilde mit ihren Vorderseiten aneinander gelehnt, wobei das Wappen des Mannes nach links gerichtet wird, daß der Frau aber in seiner natürlichen Stellung verbleibt. An und für sich ineinander gekehrte Wappenbilder bleiben unverändert.“

Ein Wappengraveur. Wir nehmen mit Dank von dieser Meinungs - Äußerung Kenntnis und stellen dieselbe zur Diskussion.

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