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werden auch zur Kenntlichmachung verschiedener Zweige ein und derselben Familie benützt. So führt z. B. der Ex-Daïmyo Vicomte Abe Masanori von Kadzusa-Saga zwei schräggekreuzte Falkenfedern vom Ring umschlossen (die obere Feder nach heraldisch links geneigt, Bild 8), der Ex-Daïmyo Graf Abe Masatake von Bingo-Matsuyama dieselbe Figur, aber die Federn punktiert, die obere nach rechts liegend (Bild 9), der Ex-Daïmyo Vicomte Abe Masakoto von Bushiru - Okabe die Federn in der Lage wie Abe Masanori, aber auf dunkler Kreisfläche liegend, die Federn ebenfalls dunkel mit lichten Konturen (Bild 10). Der

Bild 10 Ex - Daïmyo Vicomte Okotchi Masatada von Kadzusa - Odaki führt drei in einen Kreis zusammengestellte Ogi oder Faltfächer mit glattem oberen Rande (Bild 11), während der ExDaïmyo Vicomte Okotchi Kiko von Kodzuke-Takasaki sie mit gezacktem Rande (Tanzfächer) als Mon benützt (Bild 12). Man nennt deshalb diese drei gezackten Fächer auch Takasaki - ogi.

Diese Mon -Variationen sind für den Heraldiker selbstverständlich von großem Interesse, hier aber noch mehr dieser Beispiele vorzulegen, würde doch etwas zu weit führen.

Der Japaner dekoriert, wie ja dem Leser dieser Zeilen bekannt sein dürfte, alles und jedes mit seinem Wappenbilde; die Kleidung, Rüstung, die Hausgeräte, Lampen und Fächer, Münzen und sonstige Erzeugnisse seiner Kunsttätigkeit und seines Gewerbefleißes. Die Einfachheit der Form erlaubt eine intensive Ausnützung des Mon, das als ein sich wiederholendes Dekorationsmotiv zur Musterung der Stoffe und Papiere mit Vorliebe verwendet wird. Der Fremde, der mit dem japanischen Wappenwesen wenig, zumeist gar nicht vertraut ist (man lese nur z. B. die erklärenden Texte zu den Bildertafeln mit japanischen Mustern in unsern kunstgewerblichen Vorlagewerken), wird in den seltensten Fällen in den Motiven des Dessin Geschlechtswappen erkennen und sie als solche anzusprechen verstehen.

Heute, wo der gebildete Japaner sich bemüßigt glaubt, nebst dem Guten und vielem Schlechten der europäischen

überladene Wappen eines Herrn aus dem bekannten Geschlechte der Aoki; Bild 13.) Zum Glücke ist es bisher zumeist beim bloßen Versuche geblieben. Von allgemeinem Interesse, namentlich jetzt, ist für uns das Wappen des Kaisers Mutsu Hito, des 121. Mikados seiner Dynastie, die seit 660 v. Chr., also 2564 Jahre „das Land der aufgehenden Sonne“ regiert.

Das kaiserliche Wappen, Kikuno-hana-mon, gebildet aus der Blüte der Wucherblume (Chrysanthemum), zeigt eine sechzehnteilige Blüte, deren Blätter durch kleine Kreisbogen verbunden sind (Bild 14). Dieses Kiku-mon erscheint gewöhnlich in Gold auf

weißem oder rotem Grunde und soll, aber nur achtblättrig, in alter Zeit von jenen Kaisern auf ihren Gewändern getragen worden sein, die dem Throne entsagt und sich aus der Welt zurückgezogen hatten. Dem Chrysanthemum werden das Leben verlängernde Kräfte zugeschrieben.

Außer dem Kiku-mon wird vom Mikado noch ein zweites Wappen, das Kiri-mon, Blätter und Blüten der Paulownia imperialis benutzt. Es zeigt drei Blätter, auf denen sich drei Blütendolden erheben, von welchen die mittlere sieben, die beiden Seitendolden je fünf Blüten aufweisen (Bild 15).

Dieses Mon, das gewöhnlich violett auf weiß oder umgekehrt getragen wird, soll ebenfalls der Musterung der Kaisergewänder seine Entstehung verdanken.

Ein eigentliches Staatswappen besitzt Japan nicht, doch kann das Kiku-mon als solches betrachtet werden, da es auch

von der japanischen Regierung gleich einem europäischen Staatswappen benützt wird. (Vergleiche auch japanische Briefmarken.) Die Prinzen des kaiserlichen Hauses führen seit 1871 ein einfaches vierzehnteiliges Kiku-mon von der Rückseite gesehen. Der Gebrauch des kaiserlichen Wappens ist jedermann untersagt, und erschienen in den Jahren 1868, 1871, 1880 und 1900 Verordnungen, die das Anbringen des kaiserlichen Mon auf Waren, Gefäßen, Etiketten und Plakaten, Schildern und Gebäuden streng untersagen.

Das Wappen der ehemaligen Shogune oder Kronfeldherren aus dem Hause Minamoto Tokugawa, die von 1603 bis zum

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Sturze des letzten Shoguns Hitotsu - bachi Yoshi Nobu oder Keiki, 1867, das Land beherrschten, zeigt innerhalb eines Ringes drei mit den Spitzen zusammenstoßende Malvenblätter (Aoi go mon, Bild 16), welches Wappenbild noch in den sechziger Jahren von den Europäern als das kaiserliche Wappen angesprochen wurde, weil man irrtümlicherweise den Shogun mit dem Mikado verwechselte, in welchem Irrtum die mit Japan Handel treibenden und Verträge ab

schließenden Europäer von den Japanern schlauerweise ruhig belassen wurden.

Die hier vorgeführten Beispiele können selbstverständlich kein erschöpfendes Bild des japanischen Wappenwesens bieten, doch können sie gewissermaßen als Stichproben zeigen, wie das mit Riesenschritten sich entwickelnde Kulturvolk im fernen Osten diesen speziellen Zweig der graphischen Künste behandelt und seinem nationalen Stilgefühle anzupassen versteht.

Unsere Bilder.

Unsere erste Tafel vereinigt eine Anzahl neuer Leistungen der bekannten Hofkunstprägeanstalt B. H. Mayer in Pforzheim. Die Plaketten „Frühling“ und „Herbst“, in traulichem Biedermaiercharakter gehalten, schöpfen die ihnen zugrunde gelegten Begriffe voll und künstlerisch aus. Frühlingshaft lieblich mutet die eine, herbstlich gesättigt die andere Komposition an. Und dabei doch die bewußte Gemeinsamkeit in der Anordnung der beiden Hauptfiguren! Sinnig und einfach ist die Hochzeitsplakette: In gemeinsamer Lebensfahrt reichen sich der wettererprobte Mann und das lieblich erblühte Weib vor dem segnenden Genius die Hände. Die Rückseite der Medaille bietet Raum für eine entsprechende Inschrift. Ganz anders, herb und großzügig, und doch wieder märchenhaft lieblich sind die vier kleineren Darstellungen mit Wagnermotiven aufgefaßt: Hagen und Kriemhild, Tristan und Isolde. Knapp und schlagend jedes charakterisiert, und doch von allgemein menschlicher Schönheit. Der Künstler, Prof. Rud. Mayer in Karlsruhe, hat damit wieder bewiesen, daß er der Berufensten einer auf diesem Gebiete ist.

Die Abbildungen, welche heraldische Motive aus Japan darstellen, erfahren in dem dazu gehörigen Aufsatze, der sicherlich unsere Leser besonders interessieren wird, eine eingehende

Würdigung. Die ganze Publikation zeigt, wie Unrecht man den Japanern tut, wenn man sie nur als „Naturalisten“ schätzt. Diese Wappenzeichnungen beweisen, wie energisch sie auch zu stilisieren verstehen.

Das dritte Blatt, „Moderne Pressungen der Leipziger Buchbinderei Aktiengesellschaft vorm, Gust. Fritzsche“, wird speziell unsere Graveure interessieren. Die geprägten Kunstpapierwaren erfreuen sich ja gegenwärtig einer besondern Beliebtheit, so daß diese originellen und apart gezeichneten Vorbilder gewiss sehr ansprechen werden.

An kunstgewerblichen Ausstellungen ist unsere Zeit gegenwärtig reich gesegnet. Da ist es gewiß angebracht, auch Vorbilder für Ausstellungs- und Verkaufsvitrinen zu bringen, wie sie sich besonders für die Bedürfnisse des Goldschmiedes eignen. Wir bringen zwei gelungene Entwürfe zu solchen von Architekt P. Faulstich in Charlottenburg, der dieses Gebiet besonders pflegt.

Die am Schluß abgebildete, wirkungsvolle Ladenfront mit dem mächtigen Schaufenster bietet den Juwelieren unter unsern Lesern gewiß manche Anregung. Dieselbe ist ein Werk des Architekten Herrn Karl Axer in Köln.

R. R.

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