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Heraldische Regeln.

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Von H. G. Ströhl.

Aus der Zeitschrift „Deutscher Buch- und Steindrucker“.

(Schluß)).

Besonders wichtig für den Graphiker ist die Kenntnis von der Art und Weise, wie zusammengehörige oder sonst in irgend einem Bezuge zueinander stehende Wappen zu plazieren sind.

Werden z. B. zwei Wappen nebeneinander gestellt, so kommt das mehrwertige oder vornehmere Wappen (1) auf die vordere oder heraldisch rechte *) Seite zu stehen, also I. II. Bei drei Wappen wird das vornehmste Wappen in die Mitte auf den Ehrenplatz, das im Range folgende zweite Wappen auf die vordere, rechte, das dritte Wappen auf die hintere, linke Seite gesetzt, also: II. I. III. Bei vier Wappen erscheint die Reihenfolge: III. I. II. IV., bei fünf Wappen: IV. II. I. III. V. Die sonst bei andern Objekten gebräuchliche Reihenfolge: I. II. III. IV. V. wäre bei Wappen jedenfalls als unrichtig zu bezeichnen.

auftretenden Namensträger gewisse Formen der Courtoisie, so weit es ihre Natur überhaupt zuläßt, zum Ausdrucke bringen.

Treten zwei Wappen, Bild 1 und 2, in irgend eine Beziehung zueinander und werden nebeneinander gestellt, so hat sich das vorne stehende Bild (Bild 1) dem rückwärtsstehenden Wappen (Bild 2) zuzuwenden und erlaubt es der Raum und die sonstigen Nebenumstände auch zuzuneigen (Bild 3), wie dies bei Ehe- oder Alliancewappen stets der Fall ist. Die Schildfiguren des sich wendenden Wappens sehen dabei nach einwärts, geben gewissermaßen ein Spiegelbild ihrer ursprünglichen Erscheinung. Die Neigung der Schilde kann aber nur dann vorgenommen werden, wenn die Schilde entweder allein oder mit Helmen auftreten. Werden die Schilde mit Rang

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Hat man z. B. das Reichswappen mit einem Provinz- und Stadtwappen zu gruppieren, ein Fall, der ja sehr häufig in der Praxis vorkommt, so ist das Reichswappen in die Mitte, vorne das Provinzwappen, heraldisch links das Stadtwappen zu setzen. Werden die Wappenbilder zweier Eheleute zusammengestellt, so wird das Wappen des Mannes rechts, jenes der Frau links gesetzt.

Und nun kommen wir zu einer alten heraldischen Gepflogenheit, die in neuerer Zeit von manchen als nicht mehr zeitgemäß erklärt wurde, jener Regel, die der heraldischen Höflichkeit, der heraldischen Galanterie ihre Entstehung verdankt, die verlangt, daß Wappen, die in irgend einer Beziehung zueinander stehen, sich gegenseitig nicht den Rücken zukehren, sondern einander ansehen sollen.

Die Wappenbilder sind die vollwertigen Vertreter ihrer betreffenden Wappenherren, und so wie diese gewisse Höflichkeitsakte, wie es der gute Ton in der Gesellschaft vorschreibt, untereinander vollziehen, so sollen eben auch ihre in Bildform

kronen geschmückt, so ist ein Neigen der Schilde nicht angezeigt, weil die Kronen durch die schiefe Stellung der oberen Schildkanten, wie leicht begreiflich, ihre Stabilität verlieren würden, was bei einem Helme, der mit seinem Brust- und Nackenteil über den Schildrand greift, nicht der Fall ist, wenigstens nicht in dem Maße, daß es störend wirken würde. Bei einem Ehewappen, wo ja beide Teile demselben Adelsrange angehören, sind zwei Kronen nicht notwendig und genügt die Aufstellung einer gemeinschaftlichen Rangkrone auf den beiden zueinander geneigten Schilden vollkommen (Bild 4).

Hat man eine größere Anzahl von Wappen in einer Reihe anzuordnen, z. B. in Form einer Zierleiste, einer Borde usw., so wird das vornehmste Wappen aufrecht in die Mitte gestellt, die übrigen Wappen nach ihrem Range geordnet in einer der Mittelfigur zugewendeten und geneigten Stellung angebracht. Aus der untenstehenden schematischen Zeichnung (Bild 5) ist dieses Höflichkeitsprinzip der alten Heroldskunst ganz deutlich zu erkennen.

Werden Wappen, ohne daß sie in irgend eine nähere Beziehung zueinander treten, nur einfach um ihrer selbst willen aneinander gereiht, wie dies z. B. in einem Wappensammel

*) In der Heraldik wird Rechts und Links nicht nach der Stellung des Beschauers, sondern nach jener des Schildträgers, der hinter dem Schilde steht, bezeichnet.

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buche usw. der Fall ist, so ist ein Zueinanderkehren nicht not Erscheint das Wappen nur aus einem Schilde oder aus wendig, weil ja hier die Wappen nur die Rolle von Vorlagen Schild und irgend einer Krone bestehend, so wäre es von spielen und durch ihre Zusammenstellung keine weitere Be guter Wirkung, wenn man durch ein etwa zum Wappen gedeutung und Symbolik zum Ausdruck bringen wollen, doch höriges Devisenband oder durch passende Laubzweige dem finden wir in alten Wappenbüchern trotzdem sehr häufig dieses Bilde eine allmählich auslaufende Breitenausdehnung verschaffen Prinzip der heraldischen Courtoisie konsequent durchgeführt, könnte (Bild 8). Bei Wappen mit Helmen ist eine Beigabe was mitunter zu irrigen Darstellungen der sich

von weiterer Zier, wie Laub- und Blumenrückwendenden Wappen Veranlassung gab,

zweige, Ornamente usw. nicht nötig, weil das indem der Kopist aus Unwissenheit oder

Kleinod und namentlich die Decke genügend Nachlässigkeit übersah, daß er bei solchen

bewegtes Linienspiel besitzt, auch die Klarheit Wappenbildern Spiegelbilder vor sich hat. Wie

des Wappens durch solche bedeutungslose alles auf dieser Welt seine zwei Seiten hat,

Begleitstücke leicht gestört werden könnte. so hat eben diese Regel des guten Tones in

Soll das Wappen in eine Ecke plaziert der heraldischen Welt auch ihre Schattenseite.

werden, so muß das ganze Wappen sich Zu dieser ist auch der Umstand zu zählen,

nach einwärts, dem Schriftraume zu kehren, daß der Graphiker, der die Zeichnungen nicht

damit dasselbe dem Leser der Karte oder selbst herstellt, sondern an das gegebene

des Briefes nicht den Rücken zuwendet, woKlischee gebunden ist, häufig gar nicht in

Bild 4. Alliancewappen.

bei der Schild nach innen sich neigt, die der Lage ist, diese Regel, trotzdem sie

Wappenfiguren, dieser Stellung entihm bekannt ist, respektieren zu können,

sprechend, im Spiegelbilde erscheinen, weil er eben keine Klischees besitzt, die

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wenn, was ja fast immer der Fall ist, nach links gekehrte Wappen aufweisen.

zur Aufstellung das rechtsseitige Eck Von den Schriftgießereien werden

benützt wird. gewöhnlich nur in Front gestellte oder

Bild 5. Ausstellungsschema.

Im Eck eine Frontstellung des Wapnormal nach rechts gekehrte Wappen

pens beizubehalten, wäre schließlich in den Handel gebracht, weil sie zu

noch kein so großer Verstoß gegen meist von den Anforderungen der heral

die heraldische Artigkeit, als wenn man dischen Praxis keine Ahnung haben

das Wappen aus der Schreibfläche und glauben, es sei ganz gleichgültig,

hinaussehen ließe. Die Stellung des nach welcher Seite ein Wappen ge

Wappens in einem solchen Falle würde richtet ist. Wie man aber an den

die gleiche Mißachtung bildlich dokuspäter vorgeführten Beispielen sehen

mentieren, die ein Sprecher dem Anwird, wäre eigentlich der Bedarf von

gesprochenen zum Ausdrucke brächte, nach links gekehrten Wappen ein viel

wenn er diesem während der Angrößerer, als jener an normal nach

sprache die rückwärtige Fassade seines rechts gewendeten Wappen.

Ich's zuwenden würde. Nachdem wir die Anforderungen der

Bei der Eckstellung des Wappens Heraldik, soweit sie sich bei der Aus Bild 6. Wappen mit aufflatternder Decke.

kann sich die Helmdecke in ihrer Linienwahl von Wappenklischees berücksichtigen

führung etwas dem rechten Winkel des Ecks lassen, notiert haben, mögen einige praktische

anbequemen, doch darf die Decke dadurch Beispiele das bisher angeführte illustrieren.

in ihrer Formation nichts Gezwungenes erVisitkarten und Briefbogen tragen sehr häufig

halten, sondern muß sich vollkommen frei Wappenschmuck, wobei mit wenigen Ausnahmen

nach innen zu und abwärts bewegen. nur das Wappenbild des Namenträgers oder

Für Wappen auf den Klappen der BriefSchreibers allein zur Darstellung gelangt.

umschläge (Kuverts) ist die Frontstellung zu Dieses Wappen wird bei Karten oder Brief

empfehlen, ebenso für Verschlußmarken, die bogen entweder oben in die Mitte oder oben

in den Siegeln, die sie ja ersetzen sollen, heraldisch rechts in das Eck gesetzt. Erhält

ihre besten Vorbilder finden. das Wappen die Stellung in der Mitte des

Hier sei auch der in neuerer Zeit wieder so Blattes, so ist der Schild aufrecht zu stellen

beliebt gewordenen Bücherzeichen oder Exlibris und ist es von guter Wirkung, wenn dabei

gedacht, die gleich den Briefmarken ein Objekt die Helmdecke nach beiden Seiten ausflattert

des Sammelsportes geworden sind und in den (Bild 6), damit die Silhouette des ganzen

meisten Fällen das Wappen des Buchbesitzers Wappens sich mehr einer in die Breite ge Bild 7. Wappen der Buchdrucker. aufweisen. Wie bekannt, wird das Exlibris zogenen Raute als der sonst bei Wappen ge

auf die Innenseite des vorderen Buchdeckels bräuchlichen aufrecht gestellten Ellipse nähert, die in der geklebt und hätte dessen Wappen entweder in Frontstellung Mitte des Blattes alleinstehend, einen schwerfälligen Eindruck oder nach dem Prinzipe der Höflichkeit, weil es ja zum jemachen würde.

weiligen Benützer des Buches sprechen soll, nach einwärts, dem Zeigt das Kleinod des Helmes eine Tierfigur oder sonst Titel des Buches zugekehrt, zu erscheinen, doch ist diese Art einen Gegenstand, der absolut keine Frontstellung verträgt, wie der Aufstellung des Wappens von den wenigsten Exlibrisz. B. der Greif des Buchdruckerwappens, so wird der Helm Künstlern bisher berücksichtigt worden. Auch Wappen auf ein wenig nach rechts gedreht, um dem Kleinode die ihm not Bucheinbänden haben sich aus demselben Grunde nicht nach wendige Stellung zu ermöglichen (Bild 7).

der Rücken-, sondern nach der Schnittseite des Buches zu kehren.

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Bei Geschäftsbriefköpfen, Geschäftskarten, Fakturen und Wappen von vorne, rechts angefangen, würde also lauten: ähnlichen Papieren findet sich häufig Gelegenheit, ein oder Sachsen-Meinigen, Württemberg, Preußen, Hessen und Monako. mehrere Wappen anzubringen. Das Wappen des Regenten bei Bei der Herstellung von Diplomen und Adressen ist, wie Hoflieferanten nimmt selbstverständlich in solchen Fällen stets leicht begreiflich das Wappen ebenfalls ein beliebtes und die erste Stelle ein und alle übrigen

dankbares Dekorationsmotiv und auf demselben Blatte erscheinenden

kommen bei solchen Anlässen oft Wappen sind demselben unterge

mehrere Wappenbilder zur Anwenordnet. Ist der Geschäftsmann Lie

dung, wobei, wenn die Schilde ferant für mehrere Höfe, so sind

allein, oder wenn sie Helme tragen, die darauf bezüglichen Wappen nach

die Schilde nach einwärts, dem dem Range der betreffenden Dy

Hauptwappen zugekehrt, zu neigen nasten zu ordnen. Da nun diese

sind. Wappen in den meisten Fällen

Auch Wertpapiere, Lose und Kronen auf den Schilden tragen und

ähnliche Drucksachen tragen zuSchildhalter besitzen, so kann von

meist heraldischen Schmuck und einer Neigung der Schilde nicht die

Bild 8. Wappen mit Devisenband.

gelten für diesen natürlich die Rede sein. Wäre der Fabrikant z. B.

nämlichen Regeln, deren wir schon Hoflieferant des Königs von Preußen, des Königs von Würt früher Erwähnung getan haben. temberg, des Großherzogs von Hessen und auch des Herzogs Die Rangstellung der Wappenherren uud die heraldische von Sachsen - Meiningen und des Fürsten von Monako, so Courtoisie ist stets bei der Zusammenstellung derartiger Druckmüßte wie bereits eingangs erwähnt wurde das Wappen sachen soweit als es das zur Verfügung stehende Material erdes Königs von Preußen in die Mitte, Württemberg auf den laubt, nicht aus dem Auge zu lassen, soll etwas Gutes und Platz II, Hessen auf III, Sachsen-Meiningen auf IV und endlich vollkommen Fehlerfreies geschaffen werden und nicht nur allein Monako auf den Platz V gestellt werden. Die Reihenfolge der bei Laien, sondern auch bei Kennern Anwert finden.

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Unsere Bilder.

Im Laufe dieses Monats begeht das deutsche Kaiserpaar Die originellen Schmuckentwürfe von Ernst Beck in Schw. das Fest seiner silbernen Hochzeit. Mag die politische Denk Gmünd sind eingehenden Studiums wert. Wenn auch mancher und Empfindungsweise eines Deutschen sein, wie sie will: mit Recht dagegen einwenden mag, daß Derartiges für seinen Auf das Familienleben unseres Herrscherhauses vermag jeder Geschäftsbereich unverkäuflich bleiben würde, so sind doch nur mit Freude und ungetrübter Hochachtung zu blicken. In jedenfalls diese pikanten, künstlerischen Motive, die kecke der verschiedensten Weise rüstet man sich, die seltene Feier Formengebung und die wirkungsvolle Darstellung für jeden zu begehen. Da bleibt auch die Feinmetallkunst und unsere Zeichner und nach neuer Anregung suchenden Goldschmied „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ nicht zurück; eine rühm sehr wertvoll. Auf die untere Brosche machen wir besonders lichst bekannte Vertreterin der ersteren, die Prägeanstalt Wilh. aufmerksam; die seitlichen Durchbrüche sind hier in Repercé Mayer und Frz. Wilhelm in Stuttgart hat eine vorzüglich ge ausgeführt gedacht, einer Technik, die eine Zeitlang ganz verlungene Erinnerungsplakette an den Festestag herausgegeben, schwunden war und jetzt da und dort wieder auftaucht. die wir heute veröffentlichen; ebenso bringen wir unsern Lesern Eine Stehlampe und eine Schale nach Entwürfen von eine Gedenk-Plakette von A. Werner & Söhne, Berlin SW. W. Ortlieb in Berlin sind auf dem nächsten Blatte vereinigt. Über die Ausführung der Porträts brauchen wir keine Worte Wir bitten unsere Leser, diese Arbeiten mit den in Nr. 1 dieses zu verlieren; sie ist durch die Abbildung hinreichend wieder Jahrganges von diesem Künstler veröffentlichten zu vergleichen. gegeben. Aber auf die hübsche, einfache Komposition der Was dort über ihn und seine Arbeiten gesagt wurde, gilt auch Vorderseite, namentlich auf die geschlossene, diskrete Behand für die vorliegenden Entwürfe. lung des heraldischen Teiles, sei doch besonders hingewiesen. Unser Vorrat an Entwürfen aus unserer Konkurrenz für Auch die Rückseite erfreut durch die ruhige, Würde und Feier Schmuckmuster für den Kleingoldschmied ist noch nicht erlichkeit atmende Darstellung und Ausführungsweise. Daß ihr schöpft. Auch für die heutige Nummer konnten wir ein Blatt mit Inhalt auch dem Verständnis des einfachsten Mannes ohne hübschen, ihrem Zweck gut entsprechenden Mustern zusammenErklärung klar wird, erscheint als besonders verdienstlich. stellen, die unsere Leser gewiß interessieren werden. R. R.

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