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Hermelin usw., spielt in dieser Beziehung eine neutrale Rolle (es ist nach dem Ausdrucke der alten Heraldiker „amphibisch“) und kann ohne Schaden neben Farbe und Metall gesetzt werden. Die Renaissance brachte dann noch weitere Tinkturen, wie Fleischfarbe, Purpur, Braun, Grau usw. auf die heraldische Palette, aber sie machte damit die Sache nicht besser, sondern schwächte den heraldischen Charakter ihrer Wappenbilder, die, was sie an Zahl der Farben und durch die dadurch ermöglichte Detailmalerei gewannen, an Kraft der Wirkung verloren.

Bild 22. In Silber unter rotem Schildhaupt eine grüne Kugel.

Um die Tinkturen eines Wappens im bloßen Schwarzdrucke notieren zu können, brachten die Heraldiker in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts verschiedene Aushilfsmittel zur Anwendung. Man bezeichnete die Tinkturen entweder mit Abbreviaturen oder mit verschiedenen Schraffuren, von welchen die oben skizzierte Methode, siehe Bild 21, sich endlich als allgemein und auch heute noch gültige behauptete. Die Schraffierung des Schildes erfolgt dabei nach der Achse des Schildes, die des Helmkleinodes

und der Decke nach der Achse des Helmes (Bild 22). (Schlußfolgt.)

Werkstatterziehung im Kunstgewerbe? Von Dr. Heinrich Pudor.

Der Dezember-Erlaß des preußischen Handelsministers über die Werkstatterziehung im Kunstgewerbe hat neben begeisterungsvoller Zustimmung heftigen Widerspruch erfahren und zwar letzteren naturgemäß gerade von seiten der berufsmäßigen Vertreter des Kunstgewerbes. Gehen doch die Bestimmungen dieses Erlasses und ähnlicher Verfügungen so weit, nicht nur Werkstätten, in denen praktisch gearbeitet wird, zu fordern, sondern auch den Verkauf der Schülerarbeiten zu gestatten, ja sogar Aufträge für Arbeiten, die von Schülern auszuführen sind, anzunehmen und zu suchen. Das aber heißt freilich aus einem Kiebitz einen Elefanten machen und wenn die Propaganda für den Werkstattunterricht sofort geht, wird die Folge sein, daß die ganze Sache über kurz oder lang sich selbst das Bein bricht, und die an und für sich vortreffliche Reform für lange Zeit hinaus lahm gelegt ist.

An und für sich vortrefflich, sage ich, denn es heißt doch Wasser ins Meer tragen, wenn man sich dabei aufhalten wolle, wie unsere Fachschulen bisher in einseitiger unfruchtbarer Weise das Theoretische gepflegt und das Praktische vernachlässigt und zudem noch das Zeichnen überschätzt haben. Kunstgewerbliche Fachschulen sollen ohne Zweifel mittelbar der Praxis dienen und für den betreffenden kunstgewerblichen

Beruf so gründlich wie möglich vorbereitete und geschulte Kräfte heranbilden. Hierzu aber wieder ist die erste Voraussetzung, daß neben dem Theoretischen praktisches Können gepflegt wird, Material und Werkzeug gekannt und geübt werden. Und dies wiederum ist nur in Werkstätten möglich. Und deshalb forderte schon Semper vor 50 Jahren WerkstattUnterricht und deshalb ist jener preußische Erlaß in der Tat mit Freude zu begrüßen. Freilich unter einer gewissen wichtigen Einschränkung. Zur Erteilung des rein praktischen Werkstattunterrichts sind nämlich offenbar nur solche Leute befähigt, welche neben pädagogischem Geschick, auf der einen Seite die Materiale und auf der anderen die Werkzeuge aus dem FF kennen, besser als 99% der Fachschule. Bei der außerordentlichen Kompliziertheit und tausendfältigen Verschiedenheit von Material und Werkzeug ist aber von vornherein anzunehmen, daß die wesentlich theoretisch gebildeten Fachschullehrer selbst diese intime Kenntnis nicht haben, denn diese kann sich eben nur in langjähriger fortwährender Beschäftigung mit Material und Werkzeug heranbilden. Es müßten also, um diesen Anforderungen Genüge zu tun, erst Lehrkräfte für diese rein praktischen Lehrwerkstätten herangebildet werden. (Schlußfolgt.)

Unsere

Unsere Schmuckbeilage ist diesmal einem der gegenwärtig in größerer Anzahl erscheinenden Schmuckmusterjournale entnommen, auf das wir die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken möchten. Diese periodisch erscheinende Musterzeitschrift nennt sich „Moderne Skizzen für montierten und couranten Goldund Silberschmuck“ und erscheint in 6 Lieferungen jährlich. Sie ist zu beziehen durch den Verlag der „Deutschen Goldschmiedezeitung“. Wie unsere Probetafel zeigt, sind die Entwürfe sorgfältig und überlegt komponiert und halten sich von allen Extravaganzen fern. Die Linienführung ist durchaus dem modernen Empfinden angepaßt, läßt aber nirgends die für Schmuck notwendige Zierlichkeit vermissen. Die große Mannigfaltigkeit der gegebenen Schmuckmotive erhöht die praktische Brauchbarkeit des Werkes.

Die Abbildungen der heraldischen Regeln werden gewiß vielen unserer Goldschmiede und Graveure willkommen und für die praktische Verwendung in deren Werkstätten von großem Nutzen sein.

Bilder.

In der folgenden Tafel beenden wir die Veröffentlichung aus dem F. W. Müller-Wettbewerb an der Gmünder Fachschule für Edelmetallindustrie. Der Leser möge sich die Tafel in Nr. 1 dieses Jahrganges noch einmal ansehen und mit dem Likörservice der heutigen zusammenstellen. Die hohe Stufe, welche die Ergebnisse dieser Konkurrenz einnehmen, wird dann in die Augen springen.

Endlich setzen wir noch die Veröffentlichung ausgewählter Entwürfe aus unserer eigenen Konkurrenz fort: mit einer Ausnahme sind diesmal nur Zeichner aus unsern drei Hauptindustriestädten Pforzheim, Hanau und Gmünd vertreten. Unser Ausschreiben vom Frühjahr 1905 war, woran hier erinnert sein möge, speziell auf die Bedürfnisse des Kleingoldschmieds zugeschnitten; daher kommt es, daß Fassungen für Kinder- oder Hirschzähne besonders zahlreich vertreten sind. Weitere Arbeiten, deren Veröffentlichungsrecht wir uns bei jenem Wett

bewerb gesichert haben, werden folgen. R. R.

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2–12. AUS DER SCHMUCKKONKURRENZ DER 0 DEUTSCHEN GOLDSCHMIEDE-ZEITUNG 1905. 12 2–8 UND 11, ENTWÜRFE VON KARL GOLLHOFER, BERLIN (ÖFFENTL. BELOBUNG) 9, 10, 12, ENTWÜRFE VON HERMANN SCHALLER, SCHWÄB. GMÜND (ÖFFENTL. BELOBUNG).

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16 17 19

3. wILLI SCHÜLER IN HANAU.

- * 1, 5, 14, 18, H. BUNTEMEYER IN HANAU. 6, 7, 9, 11, H. LOLKES in HANAU.

KONKURRENZ DER DEUTSCHE 18 2, 4, 8, 10, 12, FRANZ NIESSING IN HANAU. GOLDSCHMIEDE – ZEITUNG 1905. 13, 15, 16, 17, 19, E. W. KOPP IN PFORZHEIM.

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ENTWÜRFE ZU MODERNEM SCHMUCK VON ERNST BECK, ZEICHNER IN GOLD UND BRILLANTEN. IN SCHW. GMÜND.

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