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Von der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden.

VII. Die Feinmetallindustrie.

von

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er Kunstindustrie wurde auf der Dresdener Aus Trennung von Kunsthandwerk und Kunstindustrie vor Augen
stellung eine besondere Stellung eingeräumt. Sie geführt hat, so ist doch die letztere diesesmal insofern ehr-
sollte einer ungerechten Vergleichung mit dem licher und unbefangener aufgetreten, indem sie im allgemeinen
Kunsthandwerk entzogen werden und wurde des Fabrikationsware und keine Ausstellungsparadestücke vorführte.

halb in zwei besonderen Kunstindustriehallen unter Wir beschränken uns natürlich auf diejenigen Aussteller, gebracht, deren eine Materialgruppen und Räume, sowie das die unserer Branche angehören, und bemerken dabei, daß eine Buchgewerbe enthält, während die andere für vorbildliche Leis Anzahl der zu nennenden Namen, cher dem Kleingewerbe als tungen, Maschinen und Werkstätten reserviert ist.

der Industrie anzugehören scheinen. Das Hauptmerkmal der Kunstindustrie in dem Sinne, in Zunächst sei die sächsische dem die Trennung hier vorgenommen wurde, ist, daß ihren Achatindustrie, Gebr. Seitz, Dresden, Erzeugnissen der spezielle Reiz der kunstgewerblichen Hand genannt. Sie verarbeitet echte, fararbeit abgeht. Die Kunstindustrie erzeugt nicht, wie das benschöne sächsische Natursteine,

O Kunsthandwerk, ein oder mehrere Male ein Einzelwerk, sondern meist in feinen, blaßvioletten und sie erzeugt erst das Muster und fabriziert dann auf möglichst rotbraunen Tönen. Sie sind hier mechanische Weise die Wiederholungen. Es wäre aber falsch, gezeigt in Verarbeitung zu Chatedeshalb zu glauben, die Kunstindustrie könne nur künstlerisch laineketten, Broschen und Schließen Minderwertiges liefern. Sie zerlegt nur gewissermaßen den in Silbermontierung, deren helle Arbeitsprozeß. Während beim Kunsthandwerker die künstlerisch Farben gut mit den blassen Steingeistige und die mechanisch - handfertige Seite der Produktion tönen übereinstimmen. Den Entunlösbar miteinander verbunden sind, konzentriert sich bei würfen Erich Kleinhempel, der Kunstindustrie die künstlerisch-geistige Arbeit auf die Her Dresden, hätte ich manchmal etwas stellung des Musters, die mechanisch-handfertige auf die Her mehr Zierlichkeit gewünscht. Auch stellung der Ware. Dabei bedient sich das Kunsthandwerk zur ein wirkungsvoller Leuchter, mit Formung des Materials vorzugsweise des Handwerkzeuges, die sächsischen Achatsteinen besetzt, Kundstindustrie der vervielfältigenden Maschine.

ist ausgestellt. In der gleichen AbDas hat an und für sich mit der künstlerischen Qualität teilung ist eine kleine Schmuckkolder fertigen Arbeit nichts zu tun. Die Prägetechnik, die Guß lektion von Schleusing-Schöneberg.

G0. technik, die Drucktechnik sind maschinelle und mechanische Eine hübsche Neuheit stellen Verfahrungsweisen, die doch imstande sind, die hochkünstle die modernen Trauringe von W. rischsten Erzeugnisse hervorzubringen.

Also in der Arbeits Preuner-Stuttgart dar, die nicht ganz glatt und kunstlos, sondern weise kann an und für sich ein qualitativer Unterschied zwischen ornamentiert und mit dem Spruch versehen sind: Ich bin der künstlerischen Leistungsfähigkeit des Kunsthandwerks und Dein, Du bist mein. Es wäre wohl wünschenswert, daß

der Kunstindustrie nicht begrün- Derartiges Eingang finden würde. In hübscher Ausstattung
det liegen. Wohl aber wird präsentieren sich die „Behrschen Kunstkristalle (Ersatz für
der Umstand von bedeutendem Edelsteine), die jedenfalls einen beachtenswerten Fortschritt
Einfluß sein, daß die Industrie auf diesem Gebiet darstellen.
die billigeren Erzeugnisse her Stattlich und wirkungsvoll tritt die Kollektivausstellung
stellt, und daß aus diesem der Fabrikanten von Schw. Gmünd auf. Sie nimmmt eine
Grunde ihre Abnehmer einer eigene Koje ein, mit zwei an den Wänden angelehnten und
weniger exklusiven Geschmacks einem in der Mitte freistehenden Schrank. Diese Kollektiv-
sphäre anzugehören pflegen. ausstellungen kunstindustrieller Firmen, deren wir später noch

Bisher trat der Unterschied einer begegnen werden, geben zu denken. Die Fabrikanten,
zwischen Kunsthandwerk und die Industriellen, denen größere Mittel und meist ein reich-
Kunstindustrie auf den kunst haltiger Warenvorrat zu Gebote stehen, schließen sich zusammen,
gewerblichen Ausstellungen nicht um sich das Ausstellen billiger, leichter und wirkungsvoller zu
so in die Erscheinung, weil die machen. Kleingoldschmiede, kleinere Feinmetallwerkstätten
Kunstindustrie vielfach sich ver bleiben für sich; und doch wäre hier ein korporativer Zusammen-
anlaßt glaubte, für solche Aus schluß wohlgemerkt, ein solcher von Fachgenossen noch
stellungen Arbeiten anfertigen notwendiger und wertvoller. Ich verkenne nicht, daß die
lassen zu müssen, die nur ein Schwierigkeiten eines solchen hier größer sind als bei Industrie-
mal für diesen Zweck gemacht, zentren, wie Pforzheim und Schw. Gmünd, wo alle Beteiligten
also gar nicht für Wiederholung an einem Platze sich befinden. Eine Kollektivgruppe aus-
berechnet waren. Wenngleich stellender Kleingoldschmiede und Juveliere würde sich ja wohl
die Dresdener Ausstellung auch nur in wenigen, großen Städten zusammenbringen lassen. Aber
durchaus keine klare und logische unser Goldschmiedegewerbe erfreut sich doch jetzt einer so

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lebendigen und wirkungsvollen Organisation, daß ich glaube, die Schwierigkeiten müßten zu überwinden sein, und es müßte das gemeinsame Auftreten größerer Bezirksgruppen von Goldschmieden bei künftigen Ausstellungsgelegenheiten sich ermöglichen lassen.

Doch kehren wir zu der Gmünder Kollektivausstellung zurück. Eine sehr große Ausstellung bringen Erhardt & Söhne; besonders sind dabei die neuen Intarsiaarbeiten der Firma reich vertreten, Einlegearbeiten von Semilormetall einer goldähnlichen Kupferlegierung in hartes Palisanderholz. Außer diesen gediegen und reich wirkenden Stücken ist noch eine reiche Auswahl geschmackvoller Messing-, Kupfer- und Bronzearbeiten vorhanden. L. Kistenmacher bringt einfache silberne Becher und hübsche Service, Sörgel & Stollmeyer Fingerhüte und Scheren in überraschend reichhaltigen Mustern, die Gebr. Deyhle eine sehr große Ausstellung von Silberarbeiten. Da sind große Humpen, Schalen, Service, teilweise in Verbindung mit Glas, in einfachen, kräftigen Formen und spiegelnder Politur. Teilweise ist auch die nordische Flechtornamentik in wirkungsvollster Weise verwendet. Gust. Hauber ist würdig mit seiner Spezialitat silberner, oxydierter und niellierter Ketten und Kettentaschen vertreten, Otto Kaiser mit sehr zierlichen Schmuckwaren, während unter der Kollektion der Firma Schoch & Frank am Graben einige besonders originelle Broschen mit Drahtspiralen auffielen. Die Ausstellung von Karl Braun enthält gut gearbeitete Broschen und Anhänger mit Tiermotiven in ansprechender Farbengebung, die der Firma Entenmann & Hirzel streng und wirkungsvoll komponierten Brillantschmuck. Robert Winter zeigt sich mit seiner Spezialität geschmackvoller Lorgnons, Th. Überla Nachf. mit einer Kollektion hübscher Broschen, Hugo Böhm & Co. mit vornehmen Kettenarmbändern, Broschen und Knöpfen.

Da wir in unserer ersten Dresdener Nummer schon eine reichliche Auswahl von Abbildungen der Gmünder Ausstellung gebracht haben, so mögen diese Hinweise genügen.

Zwei Einzelgoldschmiede seien hier mit ihren Ausstellungen angereiht: Wilh. Schwarz, Goldschmied in Meißen, bringt in einem Wandkasten Hirschgrandischmuck und Montierungen von Kinderzähnen in teilweise recht origineller Ausführung; Wilh. Osk. Matusch, kgl. sächs. Hofgürtlermeister in Dresden, zeigt einen hübschen Reform-Abendmahlskelch, der in einigen Dresdener Kirchen bereits zur Einführung gelangt ist. Auch der Juwelier Georg Pleißner in Dresden hat einige schöne Erzeugnisse seiner Werkstatt ausgelegt.

Einen großen Raum, eine ganze Halle beinahe, nimmt der Pforzheimer Kunstgewerbeverein mit seiner KollektivAusstellung ein. In acht mächtigen Schränken sind hier die Pforzheimer Industrieerzeugnisse ausgestellt, in einem Umfang, in einer repräsentativen Darbietung, daß der Pforzheimer Kunstgewerbeverein, der hier als Unternehmer und Ausstellungsleiter fungiert hat, auf diese Leistung wohl stolz sein kann, namentlich, da es ihm gelungen ist, zu gleicher Zeit auch für die Karlsruher Kunst- und KunstgewerbeJubiläums-Ausstellung eine stattliche und würdige Vertretung der Pforzheimer Industrie zustande zu bringen. Wer sich eingehend und über die gewöhnliche Zeit mit der Pforzheimer Ausstellung beschäftigte, dem nahte sich der Aufseher und überreichte ihm ein hübsch ausgestattetes Heftchen, in dem eine kurz und fesselnd geschriebene Geschichte der Pforzheimer Industrie, ihre derzeitige Bedeutung und Größe und eine Geschichte des Pforzheimer Kunstgewerbevereins enthalten sind, aus der Feder des II. Vereinsvorsitzenden,

Herrn Fabrikant W. Stöffler. Ein vortrefflicher
Gedanke und ein vortreffliches Mittel jedenfalls,
um das Interesse des Besuchers an der gesehenen
Ausstellung zu vertiefen und zu erhalten.

Wir haben der Pforzheimer Vertretung in Dresden eine ausführliche Spezialpublikation gewidmet und können uns heute mit kurzen Hinweisen begnügen. Bei dem großen Mittelschrank anfangend, sehen wir zunächst Berner & Neunecker mit einfach und ruhig gehaltenen Knöpfen, daneben Wilhelm Gauß mit Medaillons, Petschaften und

Uhrenanhängern in Gold und Silberdoublé und Emil Haberstroh mit zierlichem Similischmuck mit Email. Heckner & Feiler bringen geschmackvolle Ringe und Kettenknöpfe, Bohnenberger & Böhmler feine Goldketten und Kettenarmbänder. Wilhelm Stöffler zeigt größere Goldwaren, Dosen, Kämme, Stockgriffe, Operngucker in feinster Ausführung, Hans Söllner eine große Ausstellung geschmackvoller Knöpfe. Bei G. Rau finden wir als Neuheit tadellos ausgeführte Doubléuhrgehäuse, bei Chr. Seybold eine reichhaltige Auswahl von Crayons, bei Fühner & Almus sehr hübsche, billige Knöpfe. D. F. Weber hat eine Kollektion hochfeiner Brillantware, Ringe, Anhänger und Armbänder.

Auf der andern Seite folgen Hischmann & Koch mit Dosen, Messserchalen und Crayons, Weber & Co. mit feinem Brillantschmuck aller Art, Victor Mayer mit teilweise hochoriginellem Silberschmuck. Daran schließen sich Louis Fießler & Co. mit feinen Gold- und Platinakeiten in besonders reichen Mustern und Joseph Rast mit derselben Spezialität, namentlich noch zierlichen Anhängern.

Vom rein künstlerischen Standpunkt aus betrachtet, stellt die Beteiligung der Firma Th. Fahrner den Glanzpunkt der Pforzheimer Ausstellung dar. Von Künstlern sind daran beteiligt: Erich Kleinhempel mit ausgezeichnet schönem und fein wirkendem Goldschmuck, Alfred Bernheim (Pforzheim, Atelier Fahrner) mit Amethyst- und Türkisenmatrixschmuck, fein, originell und geschmackvoll; nach den Entwürfen von Fr. Böres, Stuttgart, ist wuchtiger, breitformiger Silberschmuck mit Lapis ausgeführt; einige sehr aparte Stücke mit Türkisenmatrix und Opalen hat Ferd. Morawe entworfen.

Der Reihenfolge nach kommen nun Anwärter & Hepke mit einer hübschen Kollektion, hauptsächlieh SemiemailleArtikel, W. Lotthammer mit einer reichen Ausstellung von Fingerhüten und Welz & Renner mit zierlichen Knöpfen.

In einem an der Wand lehnenden Pultschrank hat Th. Fahrner eine Gedächtnis - Ausstellung arrangiert, indem er eine Anzahl Arbeiten hier vereinigte, die nach Entwürfen von dem verstorbenen Patriz Huber ausgeführt sind, der ja auch für die Schmuckornamentik bahnbrechend gewirkt hat.

Einen zweiten Schrank nimmt Rodi & Wienenberger ein, mit teilweise recht aparten Mustern und einem künstlerisch entworfenen Namensschild der Firma; die nächste Vitrine zeigt vereinigt die Arbeiten der Firmen Ratz & Deyle (Emailarbeiten und hübsche Fächer), Albert Artopoeus mit reizvollem Similischmuck (nach Entwürfen der Professoren Kleemann und Schmidt, Pforzheim) und Keller & Edelmann mit Semi-Emaillen.

Im dritten Schrank kommen die Kettenfabrikanten: Stockert & Co. und Beckh & Turba sind mit einer großen Sammlung guter Ketten wirkungsvoll vertreten; auf der anderen Seite zeigt Chr. Essig aparte Gliederketten, Gebr. Kuttruff daneben eine reich beschickte Tablette mit Ketten. Im vierten Schrank hat die große Uhrkettenfabrik Kollmar & Jourdan, A.-G., zwei große Tabletten aufgestellt mit den verschiedensten Ketten- und Schmuckmustern, darunter streng und apart gezeichnete Anhänger. Siegele & Gerwig stellen ebenfalls Ketten aus, darunter namentlich hübsche Ketten

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armbänder. Auf der anderen Seite hat die Großfirma Fr. Speidel eine reichhaltige, geschmackvolle Kettenausstellung und Emil Büxenstein hübsche Doubléketten.

In einem weiteren Schrank sind vereinigt die Arbeiten der Firma Ad. B. Kapprell (Emailwaren, Crayons, Messer usw.) und F. W. Heim mit stattlichem und reichem Similischmuck; Andreas Daub zeigt eine große und wirkungsvolle Kettenausstellung, worunter die elastischen Kettenarmbänder und Doubletrauringe ohne Lötfuge auffallen. Einen Schrank für sich nimmt Emil Jabulowsky ein mit oxydierten Stahlwaren mit Silbereinlage und Silberdosen mit unverwüstlicher Dekoration. Im achten und letzten Schrank finden wir Lutz & Weiß mit gediegenen und fein durchgeführten Bestecken, Kleingerät und Silberschmuck.

R. Rücklin.

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Unsere Bilder.

Wir treten diesmal mit einer Neuheit vor unsere Leser in bezug auf die illustrative Ausstattung der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“: In den Text verstreut bringen wir eine Anzahl Abbildungen in Schwarz-Weißmanier; so fügen sie sich

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künstlerisch gut dem Letterndruck ein und bereichern das Bild unserer Textseiten. Wir hoffen damit zu zeigen, wie wir stets bemüht sind, den kunstgewerblichen Teil unserer Zeitschrift in der Weiterentwicklung zu halten.

Die Arbeiten von Graveur G. Otto in Berlin, welche in dieser Weise vollendet sind, können in ihrer ruhigen Komposition und klaren, sorgfältigen Durchbildung als mustergültig in ihrer Art bezeichnet werden.

Moderner Juwelenschmuck ein gegenwärtig aktuelles Thema wird auf den drei folgenden Blättern behandelt. Otto Weida-Pforzheim läßt in seinen ruhig-zierlichen Entwürfen verhältnismäßig viel Gold sehen. In der Verwertung des Ringmotives ist er verschiedenfach recht glücklich gewesen. – Die Entwürfe von Oskar Beck-Pforzheim zeichnen sich aus durch originelle Zusammenstellung, kräftige Formgebung und gewandte Handhabung von Empiremotiven.

Aus unserer Weißjuwelenkonkurrenz bringen wir noch die Arbeiten zweier Zeichner, die mit öffentlichen Belobigungen ausgezeichnet wurden: H. F. Ruf und K. Bürkle, beide von Pforzheim. Auch hier zeigen sich sowohl moderne, wie im Empirecharakter gehaltene Motive in geschickter und glücklicher Weise verwertet.

Die akademische Verbindung „Cellini“ in Hanau, die unter ihren Mitgliedern einen regen künstlerischen Wetteifer zu pflegen weiß, hat in liebenswürdiger Weise uns die Ergebnisse eines Wettbewerbes und andere Arbeiten ihrer Mitglieder zur Verfügung gestellt. Wir bringen heute davon zwei Schauschränke für Silber- und Goldwaren, entworfen von Wilhelm GertenbachHanau, die in ihrem eleganten und geschmackvollen Aufbau so schmuck wirken, daß man ihnen das „Ausgeführtwerden“ wünschen möchte.

R. R.

G.OTTO.

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