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legten Stoffen, malerisch um die Haare geschlungen, so wie wir es uns etwa bei Hafis zu denken haben, wenn wir im westöstlichen Diwan lesen:

„Komm, Liebchen, komm! Umwinde mir die Mütze! Aus deiner Hand nur ist der Dulbend schön!“

Blau und weiß gestreift zogen sich diese weichen, wollenen und seidenen Binden um die Stirnen persischer Könige und Priester. Ägyptische Priester trugen goldene Schlangen im Diadem, und die hebräischen Großen wanden Perlenschnüre um die Stoffe und trugen goldene Stirnplatten auf dem Haupt. Die Griechen aber schmückten die Großen ihres Götterhimmels mit Diademen, mit jenen königlichen, in der Mitte etwas breiteren Reifen, die die idealste Form des Diadems sind und bleiben.

Es war ein Schmuck, der auch den Frauen nicht vorenthalten war, dessen himmlische Herrscherinnen und irdische Königinnen teilhaftig werden konnten.

Die Venus von Kapua trägt das schmale Diadem in ihrem griechisch aufgestecktem Lockenhaar. Die Kunst hellenischer Bildhauer hat dies Schmuckstück in einer Vollendung verwendet, die unerreichbar bleibt, und es kann vorkommen, daß einem der Geschmack für alle modernen Diademe verdorben wird, wenn man einmal vor dem roten Hintergrund des römischen

Thermenmuseums, umwogt von dem Duft der gelben Rosen, der stark und schwül aus den blühenden Höfen in die Hallen strömt, die Juno Ludovici erblicken durfte, der Goethe zugestand, daß sie sei „wie ein Gesang Homers“, und deren ambrosisches Gelock der breite Reif mit den griechischen Ornamenten wunderbar krönt so stolz und herrlich, wie es der Göttermutter zukommt.

Und nun das moderne Diadem! Es ist aus sehr

viel kostbarerem Material als die persischen Seidenbinden waren kostbarer auch als die Goldplatten hebräischer Hohenpriester. Aber sein exklusives Gepräge hat der Gang der Zeiten, der Wechsel der Sitte abgestreift. Die Herrscher tragen Kronen und keine Diademe mehr. Die Diademe sind ausschließlich dem weiblichen Geschlecht zugefallen, ein Attribut der Schönheit und des Luxus. Und wenn sich die Geburtsaristokratinnen auch gern allein berechtigt glauben würden, diesen wirkungsvollsten aller Schmuckgegenstände zu tragen, so können sie es doch nicht hindern, daß jede Millionärin sich nach Belieben ein Vermögen auf diese Weise in die Haare flicht. Die kleidsame Linie, die es über dem Scheitel der Frau abgibt, ist zu verlockend, als daß eine Weltdame, die in Salons glänzen will, sie sich könnte entgehen lassen. Vom malerischen Standpunkt aus bleibt es immer jener Schmuck, der die stärkste Wirkung auf eine Erscheinung hat und alles andere Geschmeide Halsketten, Ohrgehänge, Perlenschnüre sieghaft überstrahlt.

Das Diadem wirkt naturgemäß wie eine Krönung und bringt einen gewissen feierlichen Stil in jede Erscheinung

natürlich nur, wenn richtig getragen wird! Es verpflichtet seine Trägerin zu besonderer Haltung. Sobald es ohne die nötige ruhige Reserviertheit getragen wird, wirkt es deplaziert.

Es verpflichtet zu äußerster Eleganz, wie es auch am besten dann zur Geltung kommt, wenn es zu großer Gala, zu „full dress“ getragen wird. Für eine Mondaine ist es entschieden ein Kriterium, ein Diadem richtig zu tragen, besonders, sobald es über die gewöhnliche Größe der Haaragraffe hinausgeht und in Verbindung mit Kronen auftritt, ein Vorrecht, das allerdings nur einer kleinen

es

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SO

Kaste zusteht. Die besten Studien auf diesem Gebiet sind im drawing room englischer Königinnen zu machen, wenn in den weiten Sälen des Buckinghampalastes eine Fülle blaublütiger Albionstöchter alle Arten der Diademe am Thron der Queen vorüberführt, eine auserwählte Korona mit stolzen, historischen Namen. Dort zeigt sich am besten, wie viel Variationen das Diadem zuläßt, und eine wie schwer zu lösende Geschmacksfrage die harmonische Verbindung des juwelengeschmückten Reifens mit Kronen ist. Besonders freistehende Kronen zu tragen, bildet eine sehr schwierige Aufgabe, wovon man sich auch in Berlin vor dem Brandenburger Tor überzeugen kann! Die englischen Peersgattinnen und Herzogstöchter versuchen

mit Glück allerhand Möglichkeiten, um das „bediademte“ Haupt (wenn man auf Platens Verantwortung hin so sagen darf) in Einklang mit der übrigen Erscheinung zu bringen. Sie nehmen gern längere Schleier dazu, in denen sie an gekrönte Königinnen der Nibelungen erinnern, oder die prachtvollen indischen Straußenfedern, die

ritterbürtig aussehen und an Shakespearesche Königsdramen gemahnen, wo sie von den Helmen der Herzöge und Prinzen in so blütenreicher Reinheit niederzuflattern pflegen, daß man sich wundern muß, wie gut ihnen der Schlachtenstaub von Crécy oder Azincourt bekam – oder mit Samt und Hermelin sind diese Diademe verbrämt - sie lasten oftmals schwer und wirken oft nicht ganz ästhetisch, weil man das Nieder

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