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Goldschmiedekunst im Reiche der „Vier Sonnen“.

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Weltausstellungsbriefen von St. Louis konnte man seinerzeit sehr oft den Ausdruck der Bewunderung darüber finden, daß jener westliche Erdteil als ein doch sehr junges Kulturgebilde so großartige Werke

der modernen Kultur zu schaffen imstande sei, und vergegenwärtigte sich dabei selten, daß auch vor der Entdeckung Amerikas durch die Europäer, durch Kolumbus, die indianischen Stämme des westlichen Erdteils Kulturreiche hatten, deren Blüte jener des europäisch-asiatischen Kulturkreises wenig nachstand. Das bedeutendste Kulturvolk des „wilden Westens“ saß um den Titicacasee auf dem Hochlande der Anden, wo der Inkastaat mit seinem Sonnenkönigtum seine großartige Entwicklung erlangte. Auf patriarchalisch-theokratischer Grundlage aufgebaut, beherrscht von der Dynastie mit dem Inka, dem Kaiser und „Sohn der Sonne“ an der Spitze, bildete sich dort das Reich Tahuantiasuyu, Reich der „Vier Sonnen“ oder „Vier Welt- und Himmelsgegenden“, das von sozialistischem Kommunismus durchdrungen war und seine Angehörigen zu jeder Art von Betriebsamkeit und Kunst in wirksamster Weise anleitete. Freilich wurde dieses großartige Kulturreich der Indianer dann durch eine Handvoll europäischer Abenteurer zertrümmert. Unter staatlicher Beaufsichtigung und Regelung entwickelte sich auf der Grundlage fleißigen Ackerbaus auch eine vielseitige Industrie; die Baukunst und Steinbearbeitung vollbrachten Werke, die das Staunen der Spanier erregten. Ein weites Straßennetz zog sich durch das ganze Herrschaftsbereich der Inka, der Indianerkaiser. Eine Unzahl von großartigen und prachtvollen Riesenruinenstätten gibt vom Reichtum und den Arbeitskräften des Landes Zeugnis. Der Architektur dient eine hieroglyphische Skulptur in freigebigster Weise als Schmuck; der Gebrauch der Metalle Kupfer und Erz, sowie der Edelmetalle Silber und Gold gab dem äußeren Leben Glanz und Pomp; der Reichtum dieses Goldlandes, das dem fabelhaften Eldorado nicht viel nachgab, übertraf die Erwartungen selbst der glühendsten Phantasie. Die geöffneten Begräbnisstätten, vor allem das von Reiß und Stübel durchforschte Totenfeld von Auccu, vermitteln ein gutes Bild altperuanischer Gewerbsamkeit. Denn man gab vielfach den Toten ihren Schmuck und ihre Schätze mit ins Grab. Freilich begannen die spanischen Eroberer, als sie von diesen Schätzen in den heiligen Gräbern oder „Trauerstätten“ hörten, die Begräbnisstätten von oben bis unten nach Gold zu durchsuchen, fanden auch Gold in unglaublicher Menge: in der Grabstätte eines kaiserlichen Prinzen im Jahre 1576 nicht weniger als 4 Millionen Mark unseres Geldes an Wert. Ihrer abscheulichen Goldgier ist es zuzuschreiben, daß unsere Kenntnis dieses merkwürdigsten Volkes der Westhälfte unserer Erde ein Stückwerk blieb, das aber doch, zusammengehalten mit den gleichzeitigen Berichten und Urkunden jener Zeit der Entdeckung des Landes, ein interessantes Bild zu veranschaulichen imstande ist,

Unser ganz besonderes Interesse erregt natürlich die Goldschmiedekunst dieser Indianer, die bei dem fabelhaften Gold

ichtum dieses Landes in hoher Blüte gestanden haben muß.

Im Inkareiche fertigte zwar jeder Bewohner das Notwendige selbst an; daß sich jedoch auch einzelne durch sich selber zu geschickten Handwerkern herausbildeten, im gewissen Sinne Handwerksmeister wurden und Lehrlinge und Gesellen unterrichteten, das bekunden alle mehr dem Kunstgewerbe als dem Handwerke angehörigen Arbeiten, welche aus ihrer Hand hervorgingen. Insbesondere hatten sie Silber- und Goldarbeiten, deren künstlerische Erzeugnisse das Erstaunen der Eroberer erregten, uns aber bis auf wenige, die uns indessen einen Einblick in jenes Kunsthandwerk gestatten, durch deren zur Krankheit gewordene Goldgier entzogen wurden. Immerhin ist es wenigstens von Interesse, daß von den aus Gold und Silber gefertigten Kunstgegenständen wenigstens einige wenige auf die Nachwelt gelangt sind. Die goldgierigen Eroberer schmolzen alle Gefäße, Bildsäulen und sonstige aus Gold gefertigte Schmuckgegenstände zu Barren ein, und Kaiser Karl V. mußte auch nichts Besseres mit den an ihn gelangenden Goldschmiedearbeiten zu beginnen, als sie unmittelbar nach ihrer Ausschiffung in Sevilla in der dortigen Münze einschmelzen und prägen zu lassen. So sind wir immerhin einigermaßen in unserem Urteile beschränkt und kaum imstande, von anderen Kunstarbeiten auf die Meisterwerke der peruanischen Goldschmiede zu schließen. Waren sie so wie andere Erzeugnisse des Kunstgewerbes dieses Indianerstammes, so verdienten sie wahrscheinlich rühmend erwähnt zu werden. Verschiedene Chronisten gedenken nicht allein äußerst sauber gearbeiteter Schmucksachen, Einlegarbeiten in Schildkrot oder harte Holzarten, sondern auch naturgetreuer Nachbildungen verschiedener Tiere aus purem Golde, welche Tempel und Paläste schmückten. Nicht minder geschickt waren die Steinschneider, welche die härtesten Edelsteine schliffen und Smaragde mit einer Feinheit behandelten, als ob die Steine weiches Wachs gewesen wären.

Squire, der Indianergräber durchforschte, schreibt: „In den Totenkammern fand man Gerippe von Leichen, neben denen Schmucksachen aus Gold und Silber und mannigfachen Kennzeichen des Ranges lagen. In der Provinz Hansea umhüllte man die Mumien mit ihren besten Kleidern und ihrem wertvollsten Schmucke" usw. Unter den Gewändern oder Hüllen, die durch Oberst La Rosa aus den Gräbern in China genommen worden sind und jetzt im Museum der historischen Gesellschaft zu New-York aufbewahrt werden, gibt es eines, das ganz mit Silberplättchen besetzt ist, welche in die Gestalt von Fischen zugeschnitten sind.

Großartige Bilder der Goldschmiedekunst gewähren uns insbesondere glaubwürdige Chronisten der Entdeckungszeit. Nach diesen ältesten spanischen Quellen bearbeitete Dr. Brehm sein monumental angelegtes Werk: „Das Inkareich“ (Jena 1885), das insbesondere für unsere Fachkreise soviel interessantes Material enthält, daß wir hieraus ein Miniaturbild altperuaninischer Goldarbeit zu entwerfen uns nicht versagen können.

(Schluß folgt.)

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