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1, 3, 5, 7, 8, 9, 11, 14, C. GERTENBACH, HANAU. 2, 4, 6, 10, 12, 13, 15, W. SCHÜLER, HANAU.

ÖFFENTL. BELOBUNG.

Uber amerikanische Goldschmiedekunst.

Die amerikanischen Goldschmiede sind zum größten Teile bei den Meistern der japanischen Kunst in die Lehre gegangen. Noch bei der Centennialausstellung in Philadelphia war die ungeheure Rückständigkeit der amerikanischen Goldschmiedekunst gegenüber den Leistungen des Auslandes, überall, am meisten den Amerikanern selbst in die Augen gefallen, und der alte Tiffany war es, der auf einem Verbandstage amerikanischer Juweliere und Goldarbeiter auf den Irrtum hinwies, daß die Erzeugung guter Silber- und Goldwaren nur auf handwerksmäßige Schulung und Routine beruhe und weder besondere Schulung noch hohes künstlerisches Verständnis erfordere. Zu jener Zeit hatte aber die Einwanderung namentlich aus Deutschland und auch aus Frankreich eine bedeutende Höhe erreicht, und gute Zeichner und Modelleure wie tüchtige Kunsthandwerker stellten sich den amerikanischen Unternehmern zur Verfügung. Später wurden zahlreiche Kunstschulen errichtet, und große Etablissements wie Tiffany, Gorham usw. unterhielten seit Jahr und Tag eigene Vor- und Fortbildungsschulen. Besonders waren es, wie bereits erwähnt, japanische Muster, die als Vorlagen in den Werkstätten und auch in den Schulen galten, daneben lehnte man sich aber auch an Vorbilder der Renaissance, namentlich der italienischen an; so verfeinerte sich der Geschmack; während früher Metall und Steine traditionell behandelt wurden, und das Modell dieser Behandlung angepaßt wurde, trat jetzt das Bestreben hervor, dem Gedanken, der künstlerisch zum Ausdruck kommen sollte, die erste Stelle einzuräumen, und das Material mehr zurücktreten zu lassen.

Als die Hauptträger der modernen amerikanischen Goldschmiedekunst nehmen die beiden Tiffanys, Vater und Sohn, eine hervorragende Stellung ein. Tiffany sen. war zwar nicht finanziell, aber als Goldschmied ein „self made man“. Als Sohn eines reichen Kattunfabrikanten im Jahre 1812 geboren, galt es als selbstverständlich, daß er die väterliche Fabrik übernehmen würde. Er äußerte aber den Wunsch, in New-York selbstständig sein Glück zu versuchen, und mit 1000 Doll. ausgerüstet, reiste er im Alter von 25 Jahren nach dieser Stadt, um hier im Verein mit seinem Freunde John R. Young ein Galanteriegeschäft zu errichten.

Das Geschäft, besonders aber die Juwelierabteilung war so erfolgreich, daß er im Jahre 1847 daran ging, eine eigene Goldschmiedewerkstatt zu eröffnen. Als im Jahre 1848 in fast allen curopäischen Hauptstädten die Barrikadenkämpfe wüteten, gingen Diamanten und andere Edelsteine um ca. 50% im Preise zurück, und diese Gelegenheit benutzten Tiffany und sein Kompagnon um alle Diamanten, deren sie habhaft werden konnten, und soweit nur ihre Kaufkraft reichte, aufzukaufen, und von da an datiert Tiffanys Größe. Aber auch die Goldund Silberwarenindustrie Amerikas wurde immer mehr von Tiffany beeinflußt. Da es in Amerika keine gesetzliche Beschränkung des Feingehaltes gibt, bildet das von Tiffany im Jahre 1851 eingeführte Verhältnis von 0,925 für Silberwaren die Legierung, die nach freier Übereinkunft für die ganze amerikanische Industrie obligatorisch wurde. Tiffanys Niederlagen an der „fifth Avenue“ in New-York machen auf den Besucher

nicht den Eindruck eines Kaufhauses, sondern eines Museums für Gold-, Silber- und Juwelenarbeiten. Keine Bewegung, geschweige den ein Wort des eleganten Personales verpflichtet den Besichtigenden zum Ankaufe. Man hat den Eindruck als ob alle diese Kostbarkeiten, deren Wert viele Millionen Dollars repräsentiert, vollständig unbeaufsichtigt wären, und doch ist es nur scheinbar, denn tatsächlich, jedoch dem Publikum unsichthar, ist ein sehr scharfer Überwachungsdienst organisiert. Im Jahre 1903 starb Tiffany sen., 91 Jahre alt, und ihm folgte sein Sohn Louis C. Tiffany in der Herrschaft in diesem Reiche von Kostbarkeiten. Im Jahre 1848 in New-York geboren, bildete er sich zuerst als Schüler von Georg Innes und Samuel Coleman zum Maler aus, ging dann nach Paris, wo er unter der Leitung Leon Baillys dekorative Kunst und Architektur studierte. Nach New-York zurückgekehrt widmete er sich zuerst der Einführung der bis dahin vollständig vernachlässigt gewesenen Mosaik und gründete ein Kunstgewerbeatelier, an dessen Spitze er trat, indem er gleichzeitig auch die Leitung der Schmuckabteilung des Hauses Tiffany übernahm, dessen Präsident er jetzt ist (das Geschäft ist im Besitze einer Aktiengesellschaft). An seinen Namen knüpft sich die Erfindung des „Favrile Glass“ in dem Tiffany heute eine Spezialität ist.

In den Verkaufssälen liegt ein Katalog auf, der alle die Schätze anführt, die hier ausgestellt sind. Dieser Katalog, selbst ein Kunstwerk, ist ca. 400—500 Seiten stark und erscheint alle drei Monate in neuer Ausgabe.

Sehr viele Gegenstände, und das läßt die gewaltige Kaufkraft des amerikanischen Publikums erkennen, werden, zur Erhöhung ihres Affektionswertes, nur in einem Exemplar ausgeführt, und dann alle Modelle, Stanzen usw. zertrümmert. Die Milliardäre legen Gewicht darauf, daß besonders teuere Garnituren von Tafelgeschirr und -Aufsätzen zur Brautausstattung nur in einem Exemplare ausgeführt werden, und daß niemand ein zweites besitzen darf. So wurde erst in letzter Zeit ein Teeservice aus fünf Stücken in getriebenem Golde angefertigt, das einen Arbeitswert von 15000 Stunden hatte; der Käufer übernahm nicht allein das Geschirr, sondern auch alle Zeichnungen, Entwürfe, Modelle usw. Und hierbei wird von eineni großen Teile des kaufenden Publikums darauf Gewicht gelegt, daß nicht allein Entwurf und Arbeit amerikanisch sind, sondern daß auch das Material ausschließlich aus den Vereinigten Staaten geholt wird. Und tatsächlich steht heute die amerikanische Union vollständig selbständig da und kann mit Ausnahme von Ganz-Edelsteinen, alles selbst liefern, was sie nur zur Darstellung von Schmuck- und Goldarbeiten bedarf. Gold liefert Kalifornien, der Klondyke und Alaska, Silber Neu-Mexiko, Nevada und Kolorado; die schönsten blau- und vielfarbenen Saphiere liefern die Minen von Montana, Neu-Mexiko bietet Türkise von solcher Schönheit und Dauerhaftigkeit des Farbenreichtums, daß sie ihre persischen und ägyptischen Rivalen vollständig aus dem Felde schlagen. Es gibt wundervolle Opale in Mexiko, Washington und am Pacific, Turmaline in Maine, Connecticut, North-Karolina und Alabama, die an Farben

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