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Wilhelm Fischer stehen, während als stimmführender Sekretär Voßberg-Rekow hinzugetreten ist. Jeder Bund, der Krieg führen will, braucht nach Montecucculi drei Dinge:

Geld, Geld und noch einmal Geld! SILBERNE BROSCHE

Es wird also von dem Standesin oxydiert oder auch in getönt

bewußtsein und der Opferfreudigvergoldeter Ausführung mit keit der deutschen Kaufleute ab

Chrysopras. Erzeugnis der Firma Aug. F. Richter, Hamburg. sehen erobern kann, daß ein älterer

agrarischer Bruder sich zu erobern gewußt hat. An Begeisterung und Willfähigkeit hat es in der ersten großen Versammlung nicht gefehlt.

Berlin war überhaupt in den letzten Tagen der Sammelpunktzahlreicher Delegierter. So tagte am 1. März daselbst eine stattliche Versammlung in Sachen der Versicherung der Privatbeamten, an welcher auch unsere Redaktion teilnahm. Bekanntlich sind heute gegen Invalidität und Alter nur solche Privatbeamte (Handlungsgehilfen, Werkmeister, Geschäftsführer U. S. w.) versichert, welche nicht mehr als 2000 Mark Gehalt beziehen. Die von den Privatbeamten erstrebte nene Versicherung soll allen Privatbeamten und deren Hinterbliebenen die Wohltat einer Unterstützung bringen. Wir kommen auf die Bewegung gelegentlich noch zurück. In einer Konferenz im Ministerium des Innern haben die Vertreter der Regierung Dr. Kaufmann und Dr. Beckmann den Delegierten der beteiligten Verbände und Komissionen erklärt, daß man regierungsseitig der Angelegenheit große Sympathie entgegenbringe. Das verspricht Erfolg. Auch an einer anderen Versammlung, in welcher über die Gestaltung der neuen Kaufmannsgerichte diskutiert wurde, beteiligte sich unsere Redaktion in der Reichshauptstadt.

Wie im Großen, so machen sich Einzelbestrebungen auch im Kleinen weiter bemerklich. Die Errichtung des in Österreich angestrebten Verbandes der Edelmetall- und Uhrenbranche scheint vorwärts zu schreiten und über 100 Firmen sind derselben bereits beigetreten. Es handelt sich bekanntlich dabei um ein Schutz-, kein Trutzbündnis! Man will Auskünfte über Kunden erteilen und in Fällen, wo man es mit böswilligen Abnehmern zu tun hat, oder Moratorien, Konkurseröffnungen u. s. w. erfolgen, intervenieren.

Alle solche Zusammenschlüsse werden unser Handels- und Gewerbeleben kräftigen, und es ist charakteristisch genug, daß sie gerade jetzt mit den Märzveilchen erscheinen. Steht doch die Reichstagswahl vor der Tür und bald nach Pfingsten wird die Wahlurne wieder einmal zur Aufstellung kommen. In den Wahlkampf ist man bereits heute eingetreten. Den Abgeordneten der nächsten Periode stehen keine kleinen Aufgaben bevor. Sie werden es sein, die mit an den Problemen der Handelsverträge zu arbeiten haben, von denen unsere wirtschaftliche Zukunft abhängt. Wir müssen die „Reichsboten“ vertraut mit unserer Lage machen, damit sie für das Wohl und Wehe unseres Volkes tatkräftig eintreten und sich nicht nur mit politischem Parteigezänke die Zeit vertreiben. Es fehlt oft an wirklich sicheren Informationen. Selbst die Handelskammerberichte erscheinen oft unzulänglich. Wenn z. B. der Jahresbericht der Handelskammer zu Berlin hervorhebt, daß das Weihnachtsgeschäft im allgemeinen befriedigende Resultate ergeben habe (S. 318), so werden wir durch unsere eingehende Enquete den Nachweis erbringen können, daß im allgemeinen gerade das Gegenteil der Fall gewesen ist. Auch die Erfolge des Großhandels erscheinen nicht in so rosigem Lichte, als der Berichterstatter uns glauben machen will. Der Export nach England befriedigte, obwohl es jetzt in dem Lande, wo den Leutnants noch die Hosen stramm gezogen werden, zum „guten" Ton gehört, gegen Deutschland zu hetzen. Daß die Deutschen bei der Beendigung des venezolanischen Konfliktes etwas mehr herausgeschlagen haben als Albion, wollen uns die Heißsporne an der Themse nicht vergeben ....

„Taits Diamanten“ spielen auch in der neuen Welt ihre Rolle! So liegt uns eine mexikanische Zeitung vor, in welcher die Gophir Diamand Co. (2 a Plateros 11 - Ciaudau de Mexiko – 25 Sucursales en Europa y Estados Neidos) den Reklameunfug auf die Spitze treibt. Hoffentlich bleibt diese wackere Gesellschaft im Lande des Itzichuatl und Popokatepetl und bekommt keine Gelüste, sich auch in der alten Welt „Berühmtheit zu verschaffen. Uns wird schon genug durch den Reklameschwindel zugesetzt. In Tübingen hat ein Herr Georg Euler ein „Kaufhaus eröffnet. Dieser Gemütsmensch möchte nämlich die Welt beglücken. Er ist ein Muster von Selbstlosigkeit! Wer einen Einkauf von 2 Mark und darüber macht, erhält eine silberne Brosche gratis! Wer aber dem „Silber nicht traut, der kann auch ein Zigarren-Etuis mit „guten“ Zigarren gefüllt nehmen ... Marke? . . . ,,Sekundärbahn!“ Drei Züge genügen! Wie der Ausverkaufschwindel unter Umständen sogar dem Fangnetz der Gerichte entgeht, zeigt uns ein Urteil des Landgerichts Marburg. Dort hat der Inhaber eines Geschäftes Nachschübe bis zu 40000 Mark in seine Ausverkaufslager bewirkt und das Gericht hat ihn freigesprochen, weil es feststehe, daß der Angeklagte habe beständig zukaufen müssen, wenn er die Kundschaft weiter befriedigen wollte. Nur durch diese Zukäufe sei es möglich gewesen, das Warenlager, das einen Wert von 130000 Mark repräsentiert habe, nach und nach wenigstens auf 35 000 Mark herabzubringen. Und das nennt man dann . . . Ausverkauf! Glücklicherweise herrscht diese Rechtsanschauung nicht überall, denn sonst würde es bei den übrigen Geschäftsleuten am Platze bald heißen: Ladenschluß! Die Ladenschlußfrage hat auch den Vorstand der Berliner Juweliere, Gold- und Silberschmiede-Innung beschäftigt und die von ihm ins Werk gesetzte Umfrage hat ergeben, daß die überwiegende Mehrzahl der Ladeninhaber sich für den Achtuhrladenschluß erklärt hat. Der Verein der Berliner Uhrmacher hat sich seinerseits wieder gegen den zeitigeren Ladenschluß erklärt. Es sind eben immer so viele widerstreitende Interessen zu berücksichtigen. Und die Konkurrenz treibt zur Ausnutzung der Geschäftszeit. Freilich, wenn das Erträgnis nicht

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mehr die Kosten deckt, welche der Laden-
inhaber aufwenden muß, dann ist es besser,
die Laden herunter zu lassen. Konkurrenz!
Ein Spaßvogel hat die Titelvignette unserer
Goldschmiede-Zeitung noch vervollständigt.

Den beiden Jünglingen, die sich vor der Büste Cellinis die Hand reichen und die Einigkeit symbolisieren sollen, hat er ein Schwert in die Hand gegeben, mit dem sie sich die Brust gegenseitig durchbohren. Diese verbesserte Ausgabe nennt er ... ,,Konkurrenz. Zuweilen vergeht einem aber bei der Konkurrenz das Witzemachen!

OSTERBRÖSCHCHEN

in Silber oxydiert.

Erzeugnis der Firma Aug. F.Richter, Hamburg.

Das neue Krankenversicherungsgesetz.

Unsere Sozialpolitik macht immer weitere Fortschritte zu Gunsten der Angestellten. Bei der Etatsberatung im Reichstag hat sowohl der Reichskanzler als auch der Staatssekretär Graf Posadowsky mehr denn je betont, daß die maßgebenden Behörden gewillt seien, in dem Ausbau der Arbeiterschutzgesetze fortzufahren. In der Sitzung des Reichstages vom 20. Januar sagte Graf Bülow bezeichnend: „Se. Maj. der Kaiser ist davon durchdrungen, daß es die Aufgabe des Staates ist, die schützende und stützende und helfende Hand über die wirtschaftlich Schwachen zu halten. Es ist das die Absicht Se. Maj. und der verbündeten Regierungen, weil

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der Ausbau der sozialen Gesetzgebung die Aufgabe unseres Jahr handel, Schlägereien, Trunkfälligkeit u. s. w. zuziehen. Die öffenthunderts ist.“ Als ein Ausfluß dieser sozialpolitischen Bestre- liche Sicherheit erfordert jedoch die Unterstützung der Geschlechtsbungen ist auch die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz kranken, da dieselben oft infolge Mangels derselben weiter arbeiteten anzusehen, welche im Reichstag einer Komission zur Beratung und Ansteckungen erfolgten. überwiesen worden ist, aber wohl unverändert auch im Reichstag 4. Die Krankenkassen werden dadurch natürlich erhöhte Leisangenommen wird. Im Goldschmiedehandwerk sind die Gehilfen tungen zu gewärtigen haben, und es ist ebenso natürlich, daß sie und Lehrlinge gegen Krankheit versichert. Auch die Arbeiter infolgedessen auch erhöhte Einnahmen brauchen. So durften die ihnen in Goldwarenfabriken, sowie das kaufmännische Personal, soweit zu zahlenden Beiträge bislang 20 v. T. des ortsüblichen Tagelohnes ihm etwa vertragsmäßig die sechswöchige Unterstützung, die das nicht überschreiten, was man nunmehr auf 24 v. T. erhöht hat. Handelsgesetzbuch in § 63 vorschreibt, nicht zu gewähren sein 5. Bemerkenswert ist sonst noch, daß der $ 42 des Gesetzes, würde, unterliegen dem Versicherungszwange. Die kaufmännischen das die Haftung der Vorstandsmitglieder und Kassenführer regelt, Angestellten, Betriebsbeamten und Werkmeister sind allerdings erweitert, und in ihm für die Zukunft die Möglichkeit einer sonur versicherungspflichtig, so lange ihr Lohn oder Gehalt 2000 Mk. fortigen Amtsenthebung der Vorstandsmitglieder und Kassenführer nicht übersteigt. Für sie alle als Arbeitnehmer wie für die vorgesehen worden ist, wenn sich dieselben etwa grobe PflichtArbeitgeber bringt das neue Gesetz wesentliche Neuerungen. verletzungen zu schulden kommen lassen. Im übrigen sind die

1. Die weitgehendste Neuerung ist die, daß die Maximal. neuen Bestimmungen mehr formaler Natur. Die Frage der freien dauer der Krankenunterstützung von 13 Wochen auf Ärztewahl ist in der Novelle auch geregelt worden. Sicherlich 26 Wochen verlängert wird. Damit ist eine allgemeine und würde es im Interesse der Kranken liegen, wenn ihnen die Wahl durchaus berechtigte Forderung aller Krankenkassenmitglieder er der Ärzte, zu denen sie Vertrauen haben, freistehen würde. Aber füllt worden. Bisher waren diejenigen, deren Krankheit länger es ist auch andrerseits zu bedenken, daß diese freie Wahl den als 13 Wochen dauerte, sehr übel daran, und fielen meist der Ruin mancher Kasse bedeuten könnte, die nicht imstande wäre, öffentlichen Fürsorge (Armenunterstützung) anheim, weil die In die hohen Honorare aufzubringen. Die Frage bleibt späterer validenversicherung bekanntlich erst mit der 26. Woche eintritt. Regelung noch vorbehalten. Zur Zeit kam es nur darauf an, Es war also ein Zustand der Versicherungslosigkeit von 13 Wochen einige Bestimmungen zu geben, die sich seit Jahren als besonders vorhanden, den man jetzt beseitigt. Es gab schon Ortskranken- notwendig herausgestellt hatten.

Pz.

würde es imu denen sie Vertredenken, daß diese

Die Zentralstelle industrieller Fachvereine.

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Am 23. Januar 1903 haben sich die Vertreter von ca. 25 Fach- und zum größten Teile exportiert, ist, was den großindustriellen vereinen in Berlin im Hotel Savoy versammelt und die Gründung Betrieb betrifft, wesentlich jüngeren Datums. Daher ist es denn einer Verbands-Zentralstelle industrieller Fachvereine“ beschlossen. gekommen, daß der ,,Zentralverband" die Kapitalkräftigen, zum Es wurde ein Komitee von 5 Herren gewählt, welches die vor- größten Teile kartellierten, unter allen Umständen hochschutzbereitenden Schritte einleiten soll. Dieses Komitee wird sich zöllnerischen Verbände in sich aufgenommen hat, kurz, eine Vernoch durch Herren verstärken, welche zwei sehr großen und be- tretung der schweren Industrie wurden, während die Fachvereine deutenden Fachvereinen angehören, deren Beitritt täglich erwartet der leichten Industrie zum größten Teil ohne einigendes Band wird, und dann wird sofort die Zentralstelle eröffnet.

verblieben und deshalb nie in die Lage kamen, bei der Regierung Ein bei dieser Versammlung von einem Herrn, der dem wie bei der Öffentlichkeit jenes Maß von Einfluß und Ansehen zu Bunde der Industriellen nahesteht, gestellter Antrag, die Kon- genießen, das ihnen nach ihrer Bedeutung wohl zugekommen wäre. stituierung zu unterlassen und dafür eine Kommission zu wählen Nun wurde als Gegenstück zum Bund der Landwirte im zur Beratung eines formellen Zusammenschlusses mit dem „Bunde Jahre 1896 der „Bund der Industriellen“ gegründet. Zu der Industriellen“ wurde mit Stimmeneinhelligkeit abgelehnt und ihm fanden sowohl Fachverbände, wie Einzelfirmen, sowohl Schutzdie Gründung der Zentralstelle zur Tatsache gemacht. Ist ein zöllner wie Freihändler, sowohl Fabrikanten von Halb- wie von Bedürfnis für sie vorhanden und läßt sich von ihrer Wirksam- Ganzfabrikaten Aufnahme, ja selbst der kleine Gewerbetreibende keit Ersprießliches für die deutsche Industrie oder eines Teiles fand die Tür nicht verschlossen. Es ist nicht unser3 Sache, hier derselben erwarten?

die kritische Sonde an die Wirksamkeit des Bundes zu legen, er Um hierauf eine einigermaßen zutreffende Antwort erteilen hat eine nahezu 2 jährige Tätigkeit hinter sich, und jeder im zu können, wird man sich in erster Linie vergegenwärtigen Industrieleben stehende Deutscher wird sich wohl sein Urteil gemüssen, wie die bisher zur Wahrung der wirtschaftlichen und bildet haben. Das allerdings kann nicht verschwiegen werden, wirtschaftspolitischen Interessen der Industrie berufenen Organe daß die Heterogenität der unter seinen Mitgliedern obwaltenden ihrer Aufgabe gerecht wurden.

Interessen ein kraftvolles Auftreten nach einer Richtung hin Im Vordergrund stehen

wesentlich erschwerte. die Handelskammern. Sie

Wir wollen bloß die Punkte werden in Fragen der wirt

angeben, in welchen sich schaftlichen Legislative mit

die neu gegründete ,,Zentralherangezogen, und es wird

stelle“ von dem „Bunde" ihnen eine konsultative

unterscheiden will, Punkte, Stimme eingeräumt.

welche nach Auffassung der Aber abgesehen davon,

Gründer der ersteren eine daß jede Handelskammer in

SO unüberbrückbare Kluft wirtschaftspolitischer Rich

bilden, daß ein Anschluß tung nur jenen Industrie

an den Bund von vornherein zweig favorisiert, der in BROSCH-FASSUNGEN FÜR 10 UND 20 MARK-STÜCKE IN SILBER ausges

ausgeschlossen war. ihrem Bezirke dominiert, mit Emaille und getönter Vergoldung.

Die Zentralstelle nimmt vertritt sie zum überwiegenErzeugnisse der Firma Aug. F. Richter, Hamburg.

bloß Verbände auf, jedes den Teile das Interesse des

einzelne Etablissement, jede Kammerdistrikts gegenüber den Interessen anderer Distrikte, ohne Einzelfirma ist von der Mitgliedschaft ausgeschlossen, und sie bestimmten Industriezweigen ein besonderes Interesse zuzuwenden. vertritt bloß die Interessen der leichten Industrie; während der

Gerade aus diesem Grunde haben sich in den letzten zwanzig „Bund“ auf Personalmitgliedschaft aufgebaut ist, soll die ZentralJahren in Deutschland so viele Fachvereine gebildet, von denen stelle eine Repräsentativ-Vertretung sein, und überdies soll der jeder den Zweck verfolgte, das Interesse der betreffenden Branche „Bund“ den in der Industrie bestehenden tief einschneidenden zu fördern und zu schützen.

Interessengegensatz zwischen schwerer und leichter Industrie Aber selbst die schon vereinzelt nicht bedeutungslosen stets ignoriert haben. Welche Gründe lagen also für die NeuHandelskammern empfanden bald das Bedürfnis, sich zu raillieren bildung vor? und zu verbinden, um einem Gesamtwunsche sämtlicher Handels In dem Programm, das die Gründer derselben verbreiteten, kammern einen gewichtigen Nachdruck verleihen zu können. So wird behauptet, daß diejenigen Kreise der „leichten Industrie", entstand der „Deutsche Handelstag“ Als aber viele Fachvereine welche das Bedürfnis nach Anschluß an eine einflußreiche Zentralsich um Aufnahme in den „Handelstag“ bestrebten, wurden bis organisation fühlten, bisher keine andere Wahl hatten, als sich auf eines alle dahin abzielenden Ansuchen abgewiesen, in der Er- einem der Verbände der schweren Industrie anzuschließen. Dadurch wägung, daß prinzipiell gewissen Einzelbranchen das Vorrecht sind aber deren Tendenzen in keiner Weise abgeschwächt oder abeiner Spezialvertretung nicht zugestanden werden könne.

geändert worden, sondern es wurde Es ist bekannt, daß die landwirtschaftlichen, die kleingewerb- ihnen nur ein gewisses Anrecht lichen, ja selbst die Arbeiter-Interessenvertretungen ihre Zentral- verliehen, sich als neutrale Interessenorgane bildeten, und die Industriellen blieben eine Zeitlang in vertretung der Gesamtindustrie einem großen Teile ohne Zentralvereinigung

auszugeben, während sie in WirkEs war allerdings im Jahre 1876 zur Stütze Bismarckischerlichkeit nur die Interessen der Hochschutzzollpolitik der Zentralverband deutscher In- schweren Industrie wahrnahm. dustrieller gebildet worden, und derselbe hat gewiß kräftig Die leichte Industrie soll sich seine Pflicht getan und die Interessen der mit ihm verknüpften also in einem gewissen Zustande Industriezweige zu fördern verstanden. Aber zu jener Zeit be- der Majorisierung oder der Bevorschränkte sich die deutsche Großindustrie auf die Produktion von mundung befinden, welcher Zustand Rohstoffen und Halbfabrikaten, das was man heute mit dem Namen umsomehr ungerechtfertigt erschien, ko

in Silber oxydiert. „schwere Industrie“ zu bezeichnen beginnt, die sogenannte „leichte als die Bedeutung der leichten In

Erzeugnis der Firma Industrie“, welche die Herstellung konsumfähiger Artikel betreibt dustrie für das deutsche Wirt. Aug. F. Richter, Hamburg.

schaftsleben in Zunahme begriffen ist. 11 Mitgliedern) und dem aus 3 Mitgliedern bestehenden Vorstand
Diesem Zustande will nun die noch durch die Delegierten - Versammlung gebildet. Jedes Mit-
neu gegründete „Zentralstelle" glied des Vereins (also jeder Fachverband) ist berechtigt, einen
ein Ende machen, indem sie die stimmführenden Delegierten zu entsenden.
Fachvereine der Fertig-Fabrikations Die Delegierten-Versammlung wählt den Ausschuß und unter-
zweige auffordert, sich mit ihr zu ver- zieht alle einschlägigen Fragen seiner Vorberatung. Dies das
binden. Als Ziel der Vereinigung Programm, das von den 5 Mitgliedern des konstituierenden Aus-
wird angegeben:

schusses: Arendt-Magdeburg (Verband deutscher Nähmaschinen-
Es soll dahin gewirkt werden, fabrikanten), Fischer-Berlin (Verband deutscher Juweliere,
daß Bedeutung und Einfluß der ge- Gold- und Silberschmiede), Direktor Marwitz-Dresden (Ver-
werblichen Fachvereine gegenüber band deutscher Baumwollgarnkonsumenten), Kommerzienrat Nies-
den Behörden, der Öffentlichkeit, der ler-Nürnberg (Vereinigung für die Zollfragen der Papier ver-
Presse, sowie den übrigen wirtschaft- arbeitenden Industrien), Generaldirektor Roesicke-Berlin (Deutscher
lichen Vertretungskörpern gehoben Brauerbund), entworfen wurde.
und gefördert wird.

Es läßt sich nicht leugnen, daß die neue ,,Zentralstelle“ ein LUDWIG JAHN

Es sollen alle Fragen, sowohl weites Terrain für eine ersprießliche Tätigkeit vorfindet und reich

wirtschaftspolitischer als rein wirt- lich Gelegenheit findet, sich zu betätigen. Es erscheint vielfach JAHN-PLAKETTE. schaftlicher Natur, welche die deutsche geboten, daß die zahlreichen Verbände der leichten Industrie auch

Erzeugnis der Firma Industrie über den Kreis einer ein- einmal dazu schreiten, durch Verbindung zu einem kraftvollen Wilh. Mayer & Frz. Wilhelm

zelnen Spezialbranche hinaus in Mit Ganzen dahin zu streben, daß ein Strahl der Sonne, welcher jetzt in Stuttgart. (Siehe Seite 42 a.)

leidenschaft ziehen, unter Heranziehung die Landwirtschaft und die schwere Industrie so glänzend be

der beteiligten Fachvereine bearbeitet, scheint, auch auf sie falle. Und wenn der neu gegründete Verund es soll schließlich der Frage der Kartelle und der Syndikate band imstande sein wird, das Interesse eines hochbedeutenden besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Teiles der deutschen Industrie kraftvoll zu fördern, so wird gewiß Was die Organisation betrifft, so wird die Zentralstelle außer jeder Freund der letzteren ihn aus vollem Herzen willkommen heißen durch den Ausschuß (bestehend aus mindestens 5, höchstens

Dr. A. M.

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ihrem gewerblichen oder Kunstzweck und Wert entsprechend richtig geschätzt wurden, den Wert der Medaillen und Diplome erheblich beeinträchtigt haben, fanden anderseits die Aussteller, daß die Anstrengungen und Aufwendungen besonders für Weltausstellungen, die sie gemacht, in Bezug auf die Ausdehnung ihres Absatzes ziemlich unfruchtbar geblieben sind. Diese Erfahrungen wurden von der Pforzheimer Industrie sowohl in Chicago, als in Paris gemacht. Kein Wunder, daß deshalb die Pforzheimer Bijouteriefabrikanten wenig Lust verspüren, in St. Louis auszustellen. Als am 7. Februar der Reichskommissar für die Ausstellung in St. Louis, Herr Oberregierungsrat Lewald in Begleitung des Ausstellungsarchitekten Herrn Möhring hier vor einer von der Handeskammer

von drei verschiedenen Rednern, welche die Verhältnisse unserer Industrie gründlich kennen, wurde die Zweckmäßigkeit einer Be. schickung aus verschiedenen Gründen energisch bestritten. Besonders die billige Ware und das sogen. Mittelgut hätten von einer solchen Schaustellung eher Schaden als Nutzen. Hochfeine kunstgewerbliche Arbeiten auszustellen, sei für den Fabrikanten viel zu kostspielig. Eine sorgsam ausgewählte Elitekollektion zu liefern, könnten die Fabrikanten wegen des hohen Wertes einer solchen sich nur dann entschließen, wenn die Reichsregierung und der badische Staat ähnlich wie in Paris mit namhaften Mitteln diese Bestrebung unterstützten. Sowohl der Reichskommissar, als der Vertreter der badischen Regierung, Geh. Oberregierungsrat Braun,

Geschäftliche Mitteilungen.

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versprachen dahin zu wirken, damit die deutsche Edelmetall-Industrie beides Dinge, die bei der Mehrzahl der Eltern weit mehr zogen, in St. Louis nicht unvertreten bleibe. Von einer Einfuhrmöglich- als die intensivere, vielseitigere Ausbildung, die aber doch nicht keit für deutsche Fabrikware kann bei einem Zoll von 60% auf genügend Lehrlingsmaterial herbeibrachten, um dem Bedarf zu geSchmuckwaren aus Gold oder Silber natürlich nicht die Rede sein nügen. Jetzt wird schon vom Spätjahr ab auf den umliegenden und die Möglichkeit einer Vermehrung des Absatzes nach Süd Ortschaften nach Lehrlingen gefahndet und von Weihnachten an amerika durch die Ausstellung liegt ziemlich fern, da die deutsche häufen sich die Inserate, in welchen nach Lehrlingen gesucht wird. Bijouterie auf dem ganzen süd- und mittelamerikanischen Kontinent Trotzdem gelingt es Manchem nicht, solche zu erhalten, während und dem westindischen Archipel derart eingeführt ist, daß keinem es allmählich Fabrikanten gibt, welche angesichts der vielfachen Fachmann oder Geschäftsmann in diesen Gebieten die Bezugsorte Schwierigkeiten in der Lehrlingshaltung es schon vorziehen, gar fremd sind. Viel näher liegt die Annahme, daß die Südamerikaner, keine mehr anzunehmen. Anderseits kommt in der Arbeiterschaft Mexikaner etc., welche nach St. Louis kommen, daselbst nur die die Meinung auf, die jungen Burschen sollten nicht mehr als Lehrnordamerikanische Bijouterie kennen lernen wollen.

linge, sondern nur noch als jugendliche Arbeiter angenommen Zur Zeit ist es im Export sowohl als auf dem deutschen Markt werden. Jedenfalls geht die Lehrlingsfrage in der Bijouteriebranche ziemlich ruhig; die Hoffnungen, welche man sich auf ein gutes einer Klärung entgegen, und das neuerdings wieder aufgetauchte Ostergeschäft gemacht wurden, nicht erfüllt. Besonders in Deutsch- Verlangen, daß sämtliche Goldarbeiterlehrlinge nicht nur fortland laufen die Nachbestellungen nur sehr spärlich ein, noch kärg- bildungsschul-, sondern selbst gewerbschulpflichtig sein sollen, wird licher aber die Zahlungen. Man sieht dem Frühsommer, der auch dazu beitragen. in den besten Jahren meist geschäftslos ist, mit geringer Zuversicht entgegen.

Was aber in der Zeit der besten Konjunktur hier vermieden werden konnte, ein Konflikt zwischen Arbeitern und Fabrikanten, Recht ansprechende Schmuckstücke im modernen Stil sind es, das hätte sich vor kurzem fast aus einer geringen Veranlassung welche wir heute unseren Lesern im Bilde vorführen können. Sie entsponnen. Die Entlassung einiger oder, besser gesagt, speziell entstammen sämtlich der Gold- und Bijouterie warenfabrik eines Arbeiters in der Kettenfabrik von Fr. Speidel hatte die von Aug. F. Richter in Hamburg-Uhlenhorst, welche mit Gewerkschaften mobil gemacht, namens derer in einer gut besuchten ihren geschmackvollen, dabei äußerst preiswürdigen Mustern sich Arbeiterversammlung der sozialdemokratische Reichstagskandidat schnell die Sympathie der Herren Detailleure erworben hat. Neben für Pforzheim, Landtagsabg, und Redakteur Eichhorn aus Mann der seit langen Jahren – die Firma wurde bereits 1846 gegründet – heim, und der Wirt und ehemalige Kettenarbeiter Klein die hiesigen besonders gepflegten Spezialität: Manschetten- und Hemdenknöpfe Fabriken und dabei außer der Speidelschen auch noch die von aller Art und jeden Genres, fabriziert die Firma neuerdings Schmuck Kollmar & Jourdan stark

im modernen Genre speziell kritisierten. Fabrikdirektor

in Silber mit Emaille und Kollmar erwiderte darauf

Steinen. Fast ohne Ausmit einer persönlichen Spitze

nahme sind sämtliche gegen Klein, der sich wieder

Schmuckstücke nach Ent. holt bei ihm um Anstellung

würfen bewährter Künstler beworben, und forderte ihn

gearbeitet, und wird es aus mit einer beleidigenden Wen

diesem Grunde jedem Fachdung auf, ihn (Kollmar) vor

mann ein Genuß sein, das Gericht zu ziehen. Die Ge

Lager der Firma in Augenwerkschaft berief darauf eine

schein nehmen zu können. neue Versammlung ein, in

Besonders auffällig ist die welcher diese Antwort ge

äußerst saubere Ausführung würdigt werden sollte, wo

der Emaillierarbeiten an den rauf wiederum 14 Ketten

Gegenständen. Sie würde – fabrikanten eine Erklärung

das kann man ohne Uebererließen, in welcher ihre

treibung behaupten – bei Arbeiter vor dem Besuche

den teuersten, in Gold mit der Versammlung gewarnt

Juwelen gearbeiteten Stücken wurden, widrigenfalls sie MEDAILLE AUF DAS 25 JÄHR. PONTIFIKAT LEO DES XIII.

keine bessere sein. Wir könihre Entlassung zu gewärGeprägt von der Firma L. Chr. Lauer, Nürnberg.

nen nur empfehlen, bei eintigen hätten. Die Versamm

tretendem Bedarf in moderlung fand trotzdem statt, war auch kolossal besucht; ob auch nem Silberschmuck die Firma in Konkurrenz treten zu lassen. von Arbeitern der betreffenden Fabrikanten, war schwer festzu

Aus der bestens bekannten Kunst-Präge-Anstalt von B. H. Mayer stellen. Die Versammlung war am 9. Februar; doch hat noch nichts

in Pforzheim ist wieder eine Arbeit hervorgegangen, die auf eine verlautet, daß Entlassungen stattgefunden hätten. Die Fabrikanten

vollendet künstlerische Ausführung Anspruch zu machen vermag. haben sich jedenfalls gesagt, daß jetzt die Zeit nicht ist, mit dem

Die Medaille, die wir in Abbildung auf Seite 41 a vorführen, hat sozialen Feuer zu spielen und in beiderseitigem Interesse ihrer

einen Durchmesser von 72 mm und kann in gleich künstlerischer Erklärung keine praktische Folge gegeben, was sicherlich nicht

Ausführung entsprechend kleiner, als Brosche und Anhänger, sowie unklug war. Seit Jahresbeginn sind unsere Lokalblätter mit Inseraten ge

als Kravattennadel geliefert werden. füllt, in welchen für die verschiedenen Fabriken der hiesigen Edelmetallindustrie Lehrlinge und Lehrmädchen gesucht werden. Fast Berichte aus Innungen und Vereinen. in jeder Annonce werden die günstigsten Bedingungen und die

Sein 5jähriges Stiftungsfest feierte der Verein der Altonaer höchsten Anfangslöhne zugesichert. Seitdem hier die grokin

Gold- und Silberschmiede am 27. Februar. Der Vorsitzende, dustrielle Betriebsweise neben der früheren mehr handwerksmäßigen,

Chr. Herpich, begrüßte die anwesenden Damen und Herren und bezw. kunstgewerblichen aufgekommen, ist in der Lehrlingsausbildung in den einzelnen Fabriken ein solcher Unterschied eingetreten,

sprach die Hoffnung aus, daß der Verein sich in derselben Weise

weiter entwickeln möge, wie in den vergangenen fünf Jahren. daß die früher einheitlichen Lehrbedingungen sich nicht mehr auf

Kollege Koberg geißelte in humoristischer Weise die unbedachten recht erhalten ließen. Die einige Jahre hindurch fortgesetzten

Worte, welche der Maler Mohrhutter über die Goldschmiedekunst Versuche, es trotzdem durchzuführen, hatten s. Z. grohe Unzuträg

sich erlaubt hat. Demnach scheine der Maler Mohrhutter wohl lichkeiten im Gefolge; es wurden von Fabrikanten, welchen es

einen Pinsel führen zu können, aber von einer Kenntnis der Goldmehr auf krontraktlich auf mehrere Jahre gebundene, billige Ar

schmiedekunst zeige er auch nicht einen Schimmer. Um 4 Uhr beitskräfte, als auf die Ausbildung der ihrer Sorgfalt anvertrauten

ging die Gesellschaft in fröhlichster Stimmung auseinander. jungen Leute ankam, förmliche Lehrlingszüchtereien betrieben. Die jungen Burschen mußten 5 Jahre aushalten, nachdem sie schon Verein der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Grossh. nach 2 Jahren soweit gedrillt waren, um für die Mehrzahl der Baden (Eingetragener Verein). Derselbe hat sich am 1. März mit Arbeiten, die in diesen Fabriken vorkamen, einen Arbeiter ersetzen dem Sitz in Karlsruhe gebildet. Die dabei erfolgte Wahl des zu können, und wenn die Lehrzeit zu Ende war, wurden sie ent Vorstandes sowie des Ausschusses ergab nachstehendes Resultat: lassen, um neuen Lehrlingen Platz zu machen. Das veranlaßte I. Vorsitzender: Hofjuwelier Ludw. Bertsch, Karlsruhe, stellvertr. viele Väter, besonders solche, die selbst Goldarbeiter waren, ihre Vors.: Hofjuwelier Josef Netter, Karlsruhe; Auschussmitglieder: Söhne dem Handwerk oder dem Kaufmannsstand zuzuführen, in- Juwelier Lodholz-Freiburg, Hofjuweliere Müller-Konstanz, Netterdessen mit der Ausdehnung der Bijouterieindustrie der Bedarf an Mannheim, Schrempp-Karlsruhe, Trübner-Heidelberg. Ferner wurde Lehrlingen ohnehin zunahm. Den so eingetretenen Lehrlings- Hofjuwelier Heisler-Mannheim in den Ausschuß kooptiert. Es ermangel suchte man nun auf alle mögliche Weise zu decken. Man geht nun an sämtliche Juweliere im Großherzogtum Baden das setzte die Lehrzeit herab und die Lehrlingslöhne in die Höhe, höfl. Ersuchen, dieser Vereinigung beizutreten und diesbezügliche

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