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mit dem Geschäftsgang nicht sehr zufrieden. Die große Konkurrenz hat den Nutzen des Großhandels verringert und das Bestreben viel r Fabrikanten, direkt mit Detailleuren zu arbeiten, seinen Umsatz ermäßigt. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß diese Ausschaltung des Großhandels mit manchen Gefahren für den Fabrikanten verbunden und eventuell auch dem Käufer verderblich werden kann. Einer der ältesten und gerechtesten Wünsche aller Fabrikanten geht auf eine gesündere Regulierung der Zahlungsweisc; es ist aber sehr fraglich, ob die kleine Detailkundschaft durch den direkten Verkehr mit dem Fabrikanten besser dazu sich gewinnen läßt, als wenn der Verkehr durch den seine Kundschaft regelmäßig mehrere Male im Jahr besuchenden Grossisten geleitet wird, der auch besser beurteilen kann, wie weit sich der Käufer oft über seine Kräfte eng:giert. Und letzteres geschieht viel leichter, wenn er mit einem Dutzend Fabrikanten direkt als mit drei oder vier Grossisten zu tun hat.

beschuldigt, ein Silberbesteck mit Blumenornamenten in sogenanntem Jugendstil, das von einer anderen Firma erfunden und für diese im Musterregister eingetragen wurde, mit nur unwesentlichen Abänderungen im Juni bis August 1901 naclıgemacht zu haben. Die Angeklagten wurden am 7. Februar 1902 von der Strafkammer des Landgerichts Tübingen freigesprochen, weil die Unterschiede der beiden Fabrikate derart wesentlich befunden wurden, daß die bezeichneten Bestecke nicht als identische Wiedergabe des der anklagenden Firma geschützten Musters anzusehen seien und das solche Artikel kaufende Publikum die Unterschiede merken müsse, sonach Verwechslungen ausgeschlossen seien. Auf die Berufung an das Reichsgericht wurde das Urteil aufgehoben und an das Landgericht Stuttgart zurückverwiesen, da das Reichsgericht einen Rechtsirrtum darin fand, daß nur die Verwechslungsgefahr als entscheidend an gesehen wurde, während nach dem Musterschutzgesetz wesentlich sei, ob die Nachahmung nach einem vorgelegten geschützten Originalmuster oder nach eigener Idee gefertigt worden und in diesem Falle ein eigener ästhetischer Gedanke in der Arbeit des Verfertigers verkörpert sei. Zur Verhandlung waren als Sachverständige Kommerzienrat Föhr von Stuttgart, die Fabrikanten Paul Erhardt-Gmünd und Bruckmann-Heilbronn und Fabrikdirektor Schauffler-Geislingen geladen. Die Angeklagten bestritten, von dem erteilten Musterschutz Kenntnis gehabt zu haben, gaben jedoch zu, daß sie deren Modell gekauft hatten, jedoch ihr Graveur nach eigenem Gutdünken etwa 10 Entwürfe gefertigt habe, bevor sie selbst das fragliche Muster herstellen ließen. Dies bestätigte der unbeeidigt vernommene Graveur. 3 bis 4 fremde Muster hätten ihm vorgelegen. Auf Einschärfung seines jüngeren Chefs habe er jede direkte Nachahmung vermieden und etwas Selbständiges geschaffen. Sodann wurde das in Tübingen s. Z. erstattete umfangreiche Gutachten verlesen, das zu dem Ergebnis gelangt, daß eine Nachahmung im Sinne des Gesetzes vorliege. Aehnlich lauten die Gutachten der vier Sachverständigen. Andere in Tübingen erstattete Gutachten lauten jedoch zu Gunsten der Angeklagten. Namens der Nebenkläger be antragte der Rechtsanwalt Hayum die Bestrafung der Angeklagten und Einziehung ihrer Muster und Stanzen, da zum mindesten ein fahrlässiges Verschulden vorltege. Der Staatsanwalt trat dem Antrag nicht entgegen. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung der Angeklagten auf Grund der zu ihren Gunsten lautenden Gutachten. Nachdem die Verhandlung vor- und nachmittags bis 7'/, Chr abends währte, vertagte das Gericht die Urteilsverkündigung auf Montag, den 3. Oktober, abends 6 Uhr. Leider konnten wir bis zum Schluss der Redaktion nicht in den Besitz des Urteils kommen. lloffen dasselbe aber in nächster Nummer veröffentlichen zu können.

Pforzheim. Seit Wochen schon befindet sich die Pforzheimer Bijouterieindustrie mitten im Volldampf der Arbeit. Von allen Seiten werden Arbeiter und Arbeiterinnen gesucht und bis in die späte Nacht hinein wird flott gearbeitet. Wie man hört, sind bis jetzt die Gesuche um Erlaubnis zur Ueberarbeit für erwachsene Arbeiter immer weit zahlreicher als in den letzten zwei Jahren eingelaufen und bewilligt worden, und doch sind manche Fabrikanten kaum imstande, die eingekommenen Aufträge zu bewältigen. Es gilt dies in erster Linie von der Exportbijouteriefabrikation, welche seit der Pariser Weltausstellung nicht mehr so gut be schäftigt war. Der Besuch Pforzheims seitens ausländischer, besonders überseeischer Käufer war sehr lebhaft. Aber auch aus außerdeutschen europäischen Ländern fanden sich die Interessenten in größerer Anzahl ein. Nur aus England fehlen die Aufträge in der erwarteten Höhe; das englische Geschäft liegt flau, wennschon es in den letzten Wochen wieder etwas mehr angezogen hat und es auch zuletzt an Grossisten, die persönlich zum Besteller kamen, nicht gefehlt hat. Etwas mehr hatte man sich auch von Oesterreich und Italien versprochen, doch dürfte gerade aus letzterem Lande sich noch mancher Auftrag einfinden. Verhältnismäßig gut sind die Bestellungen aus Frankreich und selbst aus Spanien gekommen. Am besten aber haben sich die spanisch redenden Völker Süd- und Mittelamerikas dieses Jahr angelassen. Aus deren Ländern kamen mehr, als man hoffen durfte, Einkäufer und Aufträge, wenn auch die letzteren nicht mehr so umfangreich ausfielen als vor ein oder zwei Jahrzehnten. Aber trotz dieses Aufschwungs haben unsre Fabrikanten eine Hebung der gesunkenen Preise für die fertige Ware nicht herbeizuführen vermocht, während die Steine eher im Preis gestiegen und die Arbeitslöhne zum mindesten nicht zurückgegangen sind. Unstreitig vermehrt haben sich aber im harten Streit um den Sieg im Wettbewerb die Unkosten, so daß die Erhaltung des seitherigen Gesamtnutzens sich wiederum nur durch Vermehrung des Umsatzes erzielen läßt. Wenn die Ordres so zahlreich fallen. wie dieses Jahr, so läßt sich das durchführen. Aber die kleinste Stockung könnte genügen, um den Nutzen erheblich zu schmälern.

Im deutschen Geschäft ist jetzt zur Hauptzeit zwar auch nicht wenig zu tun; doch befürchten nicht wenige, daß in Anbetracht der allgemeinen Geschäftslage der Engrosbezug in dieser Saison früh zum Stillstand kommen werde. Unsre Grossisten selbst sind

Frage- und Antwortkasten. Für brieflich gewünschte Fragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen. Die Herren Fabrikanten, Grossisten und Detailleure werden in ihrem und Aller Interesse höflichst aufgefordert. von der allezeit kostenfreien Benutzung dieser Abteilung den aus. giebigsten Gebrauch zu machen, Fragen allgemeiner und technischer Art uns einzusenden und an deren Beantwortung sich zu beteiligen. Auch dieser Teil unseres Blattes ist dazu

geschaffen, zur gegenseitigen Belehrung beizutragen.

Fragen mit Antwort: Frago 511. Welcher Fabrikant liefert billige Emaille-Vereinsabzeichen (für Guttempler), Nadeln, Broschen und Knöpfe für Export?

W. W. in L. Antwort: Die Firma Wilh. Gaus in Pforzheim fertigt angefragte Abzeichen bereits seit Jahren. Desgleichen fertigt Carl Kahle in Flensburg billige Emaille- Abzeichen für Guttempler.

Antwort auf Frage: Buffalo 173. Die angefragte Geschäftskarte ist diejenige der Firma Gottfried Möller, Etuis - Fabrik, Berlin N.O., Große Frankfurter Straße 144.

Antwort auf Frage: Idar 17. Wenn der Verkäufer sich bei Ausetzung des Preises wirklich geirrt hat, d. h. diesen Preis gar nicht angeben wollte, sich verschrieben oder versprochen hat, so kann er wegen Irrtums seine Erklärung anfechten, muß aber, wenn er nur falsch kalkuliert hat, diesen billigen Preis, den er beim Abschluß damals wirklich gewähren wollte, einhalten, weil er sich nicht genau informiert hat. Außerdem muß die Erklärung inverzüglich angefochten werden.

Antwort auf Frage: Hannover 49. Zur Erledigung Ihrer Anfrage verweisen wir Sie auf Seite 368 Absatz 3 unseres Adressund Handbuches. Da Sie dasselbe besitzen, wollen Sie dasselbe zu Rate ziehen.

Fragen: Frage 501. Welcher Fabrikant liefert polierte silberne Stockgriffe und Solitairs mit grün emaillierter Einlage (Blätter etc.)?

D. M, in A. Frage 512. Wer liefert Gebetbuchbeschläge im antiken Stil? (Es ist mir ein altes Gebetbuch übergeben im Schweinslederband und hierfür sollen Ecken und Schloß gefertigt werden. Das Buch stammt aus dem Jahre 1760.)

L. B. in 2. Frage 513. Wie reinigt man am besten alte Leuchter vom Stearin oder Wachs? Die Leuchter dürfen nicht geputzt werden!

K. G. in Sch. Frage 314. Wer ist der Fabrikant, der Laubsägen, deren Umhüllung, ein schwarzes Etikett, als Warenzeichen einen geflügelten Merkurstah trägt?

Grossist in St. Petersburg. Frage 515. Können Sie mir einen Fabrikanten angeben, welcher den alten Tyroler Bauernschmuck anfertigt?

K, V. in F. Frage 517. Ich habe eine alte Chrkette eingekauft, welche sogenannte Contre-Emaille als Füllung hat. Wie kann ich diese entfernen, damit mir dieselbe mein Gold nicht brüchig und porös macht?

H. B. in H. Büchertisch. Die Edelsteinkunde von Max Bauer ist und bleibt das beste Buch nicht nur für den Juwelier und Steinkennner, sondern auch für jeden, der Interesse für Edelsteine hat und dieselben kennen lerneu will. Im leicht verständlichen Ton, auch für den weniger Gebildeten, geschrieben, gibt das Buch über alle Fragen der Edelsteinkunde Auskunft; es erzählt die historische Geschichte Eilalataink der Steine in fesselnder Weise, es unterrichtet uns über die l'undorte, über das Schleifen, kurz, über alles, was über den Stein zu sagen ist, in erschöpfender Weise. Wenngleich das Werk bereits eine außerordentliche Verbreitung hat, so ist es doch zu beklagen, daß man es noch in so manchem Laden, in so mancher Werkstatt der Goldschmiede vermissen muw. Damit diesem Uebel abgeholfen werde, weil vielleicht die Anschaffung des kompletten Werkes Mark 31.--diesem oder jenem eine zu große Ausgabe auf einmal ist, gibt die Verlagsbuchhandlung das Werk auch in 11 Lieferungen à Mark 2.50 aus, so daß es auch den weniger Bemittelten möglich sein wird, sich das Werk zuzulegen, dil, monatlich je 1 Lieferung bezogen, die Anschaffung leicht fallen wird. Alles weitere wollen unsere Leser gefl. aus dem, der heutigen Gesamtauflage der großen Ausgabe unserer D. Goldschm.-Ztg. beiliegenden Zirkular über die Edelsteinkunee ersehen. Zum Bezug des Werkes empfehlen wir unseren Verlag: Wilhelm Diebener, Leipzig, Schützenstr. 10.

Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 118000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11 000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Illustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.)

Der soeben erschienene vierte Band von Meyers Großem Konversations-Lexikon bietet wieder eine derartige Fülle des Wissens. daß es schwer ist, aus dem Reichtum hochinteressanter Artikel für das eine oder andre Wissensgebiet besonders wichtige Aufsätze herauszuziehen, ohne dabei die andern Gebiete vernachlässigen zu müssen. Um in kurzen Worten wenigstens einen Begriff der Reichhaltigkeit geben zu können, sei hier besonders auf die geradezu meisterhaft behandelte Abhandlung über Deutschland hingewiesen, die allein fast vier Bogen füllt. Daß in demselben allen Verhält. nissen aufs beste auf Grund der neuesten Erfahrungen Rechnung getragen ist, ist bei der Genauigkeit, mit der der „Große Meyer“ die ganze Materie bearbeitet, selbstverständlich. Nicht weniger als 18 Karten und Tafeln sind zur bessern Erläuterung allein diesem Artikel beigegeben. Besonders sei hier auf die eingehende geographisch-geologische Darstellung inklusive Klima, Fauna und Flora, die Abhandlung über Bevölkerung mit den konfessionellen Scheidungen, der geistigen Kultur, auf die Abschnitte: Landwirtschaft, Waldkultur, Industrie, Bergbau, Handel und Verkehr, Heerwesen etc. hingewiesen. Handel und Schiffahrt finden noch eingehendere Beleuchtung in dem selbständigen Artikel ,,Dampfschiffahrt“ mit der Beilage der Reedereien und der trefflichen Weltverkehrskarte. Die deutsche Geschichte wird fesselnd, aber prägnant mit vier Karten vor Augen geführt, auch die deutsche Literatur, das deutsche Volk, das deutsche Recht finden eingehende Würdigung. Geradezu vor: trefflich mit Illustrationen ausgestattet und im Text ausgezeichnet sind die Artikel über Dampfmaschinen, Dampfschiffe, Dampfkessel; man weiß nicht, soll man den Fleiß und die Akkuratesse der auf

die zugebörigen Illustrationen verwendeten Arbeit mehr bewundern oder die sachliche und doch gut verständliche textliche Darstellung. Den Architekten werden die Artikel „Dach“, „Dachdeckung“, „Dachstühle“ besonders interessieren, auch hier ist das Material an beigegebenen Bildern fast unerschöpflich. Der Länderkunde dienen die Artikel „China“, „Chile“, ,,Costarica“, „Cuba“, ,,Dänemark“, „Dalmatien“, „Deutsch-Ostafrika“ und „Deutsch-Südwestafrika“, die zum großen Teil von ausgezeichneten Karten begleitet sind. Namentlich verdienen die drei Karten von China, von denen zwei unsre Interessenzone in Ostasien und den Kriegsschauplatz am Peiho darstellen, für die Verfolgung der politischen Vorgänge in diesem Gebiet in der neuesten Zeit, ferner die Karten Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika unsrer kolonialen Be. strebungen wegen besondere Beachtung. Der Artikel ,, Deutsches Volk“ mit der Karte der Verbreitung der Deutschen in Mitteleuropa geht auf die Expansionstätigkeit unsers Volkes noch genauer ein. — Kurz, das ganze Werk ist so aktuell wie möglich und verdient nicht allein lexikographisch, sondern in vielen Gebieten auch monographisch gebührende Beachtung. Papier, Ausstattung und Druck sind von gewohnter Vortrefflichkeit. Die Erwartungen, welche die drei ersten Bände in uns erregten, hat dieser vierte Band noch weit übertroffen.

Bruno Volgers Bücherei für den Gewerbe- und Handwerkerstand, I. Band: Die schriftlichen Arbeiten, Verlag von Albert Goldschmied, Berlin 1903. Die Idee, dem Gewerbetreibenden und Handwerker die nötigen Anweisungen und Winke für die vorkommenden schriftlichen Arbeiten zu geben, ist nicht mehr neu, trotzdem ist es zu begrüßen, wenn derartig durchdachte und dem Zwecke angepaßte Bücher, wie sie uns Bruno Volger bietet, zur Verfügung stehen. Der Preis (2 Mark), sowie das gefällige und dauerhafte Aeußere der Bücher lassen sie auch als Geschenke oder Prämien geeignet erscheinen. Im vorliegenden Bande bringt der Verfasser das Nötige über: Die Erfordernisse einer modernen Schriftführung, Musterbriefe des täglichen Geschäftsverkehrs, Der schriftliche Verkehr mit den Behörden, Verträge, gewerbliche (allgemeine) Formularkunde. Im Abschnitt III: Der schriftliche Verkehr mit den Behörden ist zur Erläuterung eine große Anzahl Muster beigegeben, wodurch der aufmerksame Leser in den Stand gesetzt wird, vorkommenden Falles Weiterungen, Zeit und Geld zu sparen. Wer im Gewerbe- und Handwerkerstande einen gewissen, durch die Umstände wohl entschuldbaren Mangel an gediegenem Allge. meinwissen erkannte, dem ist mit Br. Volgers Bücherei ein wertvolles Mittel in die Hand gegeben, diesem abzuhelfen.

Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede.

Vorstands- und Ausschussitzung des Verbandes am 27. September 1903, vormittags 10 Uhr, Jägerstr. 23.

Anwesend Fischer, Dr. Schröder, Werner, Oscar Müller, Becker, Foehr, Baumann, Merk, Schlund, Steinheuer, Wilkens, Range, Hampe, Dirks, Eckhardt, Walter, Menzel.

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung um 10', Uhr mit einigen einleitenden Worten und begrüßt das neue Ausschußmitglied Herrn Hofjuwelier Range.

Es werden alsdann vorerst aufgenommen:
a) die Juwelier-, Gold- und Silberschmiede-Innung für das

Herzogtum Braunschweig;
b) die Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede

des Gewerbekammerbezirkes Chemnitz. Punkt 1 der Tagesordnung. Endgültiger Beschluß bezüglich

Gründung der Feuerschutzkasse. Hierzu teilt der Vorsitzende mit, daß zu dem Garantiefonds noch weitere 13500 Mk. gezeichnet worden seien; angemeldet zur Feuerschutzkasse, resp. ihre Anmeldung in Aussicht gestellt, haben sich ca. 400 Herren mit einem Versicherungskapital von fast 8 Millionen Mark.

Es wird die vorgelegte Satzung noch einmal gründlich durchberaten, und werden verschiedene Aenderungen vorgenommen.

Herr Foehr wünscht darauf von dem Vorsitzenden eine Auseinandersetzung darüber, wie er sich die vorläufige Organisation der Feuerschutzkasse dächte. Herr Fischer gibt hierüber Aufklärung, wobei er bemerkt, daß der Betrieb sich vorläufig sehr gut mit dem Personal des Verbandes ermöglichen lasse.

Am Schluß der Satzung soll die amtliche Beglaubigungsformel vorgedruckt werden.

Mit den Abänderungen ist somit die Satzung angenommen; es wird alsdann folgende Resolution auf Antrag des llerrn Becker beschlossen:

,,Von einer Bestimmung des Termines zum Inkrafttreten der Feuerschutzkasse wird abgesehen, da die Zeichnungen zum Garantiefonds noch nicht die wünschenswerte Höhe erreicht haben. Durch den Verbandsvorstand wird den Vorsitzenden der Unterorganisationen anheimgegeben, durch persönliches Einwirken bei ihren Mitgliedern auf Zeichnung zum Garantiefonds hinzuwirken.“

Ferner wird folgende Resolution beschlossen: „Das Bureau der Geschäftsstelle wird ersucht, in Zukunft sämtliche ausgehenden Zirkulare und Drucksachen den Vorstands- und Ausschusmitgliedern zur Kenntnisnahme zu übersenden.“

Punkt 2 der Tagesordnung. Besteckkonvention. Nach einigen Ausführungen der Herren Foehr und Becker, sowie des Herrn Kommerzienrates Wilkens und Fischer faßt Herr Eckhardt und Herr Becker das Besprochene dahin zusammen, daß die Vorsitzenden der Untervereinigungen ihre Mitglieder zur Konvention heranholen müssen und das dann nach Einsendung der unterschriebenen Konventionen der Vorstand mit sämtlichen in Frage kommenden Fabrikanten zu verhandeln habe.

Herr Becker beantragt, den Entwurf der in Köln mit kleinen Abänderungen beschlossenen Konvention richtig gedruckt jedem Mitgliede des Verbandes zuzusenden. Dies wird genehmigt.

Herr Becker erklärt sich bereit, hierzu das Konzept eines Begleitschreibens zu entwerfen.

Anschließend hieran wird von Herrn Walter eine weitere intensive Organisation von Unterverbänden, speziell der Provinz Sachsen, seitens des Verbandes gewünscht. Herr Kommerzienrat Wilkens wünscht bezüglich der schnelleren Durchführung der Besteckkonvention, daß der Vorstand sämtlichen Silberbesteckfabrikanten vorerst den Entwurf der Konvention zuschicken solle, mit dem Ersuchen, sich zu erklären, ob sie im Prinzip mit dem $ 10 der Konvention einverstanden wären.

Bei Beratung des Entwurfes der Konvention werden einige redaktionelle und bezüglich der Grossisten folgerichtige Aende

ergangen, wodurch entschieden ist, daß cin Uhrmacher nicht berechtigt ist, sich Goldarbeiter zu nennen.

„Auf die Berufung des Klägers wird unter Abänderung des am 16. März 1903 verkündeten Urteils, I. Civilkammer des Herzoglichen Landgerichtes zu Gotha, Beklagter verurteilt,

bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 50 Mk. oder der Strafe der Haft bis zu einer Woche für einen jeden Widerhandlungsfall, sich in öffentlichen Bekanntmachungen oder Mitteilungen, welche für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, der Beiziehung seiner Person als Goldarbeiter sich zu ent

halten, auch die Kosten des Prozesses zu tragen.“

Die Urteilsbegründung werden wir nach Eingang veröffent-
lichen.
Berlin, den 8. Oktober 1903. .
Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede
Berlin S., Oranien-Strasse 143.

Fischer.

rungen beschlossen, sowie im $ 10, 2a hinter „Verkauf die Worte
„von Bestecken“ und statt „Bestecken“ die Worte ,,Silberwaren
aller Art“ zu setzen beschlossen. Ferner wird beschlossen, den
Fabrikanten und Grossisten, welche nach Benennung der Unter-
verbände in Betracht kommen, diesen Entwurf, welchen Herr Becker
genau redigiert drucken lassen will, seitens des Vorstandes zur Rück-
äußerung bezw. Annahme zu übersenden.
Punkt 3 der Tagesordnung. Beratung über den Antrag des
Herrn Fink, Würzburg, Beeinflussung der Modezeitungen

betreffend.
Herr Oscar Müller referiert über die gleichartigen Bestrebungen
des Beiblattes der Deutschen Goldschmiede-Zeitung: „Schmuck und
Mode.“ Der Vorstand wird beauftragt, diese Anregungen weiterhin
aufmerksam zu verfolgen.

Punkt 4. Verschiedenes.
Es liegen verschiedene Anträge bezüglich Detaillierens von
Fabrikanten vor, welche vom Vorstand geprüft werden sollen.

Herr Foehr ersucht im Anschluß daran, den Beschluß der Hamburger Ausschussitzung bezüglich des Detaillierens von Fabrikanten von Zeit zu Zeit bekannt zu machen.

Herr Foehr beantragt, die einmaligen Zahlungen von je 300 Mk. der ständigen Mitglieder als eisernen Bestand aufzusammeln und eine geordnete Finanzwirtschaft einzuführen; die regelmäßigen Einnahmen müßten mit den Ausgaben balancieren und für die Zukunft ein Haushaltsplan aufgestellt werden.

Diesem Vorschlag schließen sich die Herren Becker, Werner und Eckhardt in längeren Ausführungen an.

Herr Walter beantragt, daß der Vorstand zur nächsten Ausschufsitzung einen vorläufigen Haushaltsplan vorlegen solle.

Auf Antrag Foehr-Schröder wird ferner beschlossen, daß die Hälfte der Beiträge der jetzt beigetretenen ständigen Mitglieder als Fonds zu einem eisernen Bestande zurückgestellt würde.

Herr Foehr beantragt darauf eine genaue Korrektur der Ver bandsmitgliederliste, sowie Revision der Vertrauensmännerliste.

Herr Becker beantragt ferner, daß bei künftigen Aufnahmegesuchen stets der in Betracht kommende Vertrauensmann, bezw. der Vorsitzende der betreffenden Untervereinigung gehört werden müsse.

Diesen Anträgen wird stattgegeben.

Nach Erledigung der Tagesordnung wird hierauf die Sitzung, da eine Verlesung des Protokolls nicht gewünscht wird, um 3/47 Uhr geschlossen.

Fischer. Dr. iur. Schröder.

Bekanntmachung. In der letzten Vorstands- und Ausschussitzung wurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß der Hamburger Beschluß bezüglich des Detaillierens der Fabrikanten von Zeit zu Zeit in den ha Verbandsorganen veröffentlicht werden möge, und wurde auch in diesem Sinne beschlossen. Auf Grund dessen wiederholen wir nachstehend die Bekanntmachung vom 3. November 1902, mit dem höflichen Ersuchen, derselben eingehende Beachtung zu schenken.

Bekanntmachung.
In der Vorstands- und Ausschussitzung am 26. Oktober zu
Hamburg kamen verschiedene Fälle zur Verhandlung, wo Fabri-
kanten detailliert hatten. Es wurde der Beschluß gefaßt, für die
Folge, nachdem der Tatbestand festgestellt ist, die Namen der Firmen
in den Verbandsblättern zu veröffentlichen. Man ging bei dem
Beschluß von der Ansicht aus, daß der Verband nunmehr zwei Jahre
besteht, daß zur Beseitigung des Uebels fortwährend Verhandlungen
mit den Betreffenden stattgefunden haben, ohne daß in jedem Fall
ein Erfolg erzielt wäre. Wir rechnen darauf, daß diese Forderung
-- eine der wichtigsten des Verbandes -- nunmehr allgemein be-
kannt sein dürfte und richten an die Beteiligten das höfliche Er-
suchen, diese Forderung anzuerkennen. Ausdrücklich bemerken
wir noch, daß das Liefern von Waren an Firmen, welche mit der
Branche nichts zu tun haben, als Detaillieren von seiten des Ver-
bandsvorstandes behandelt werden wird.

Die Mitglieder des Verbands ersuchen wir, uns jeden Fall, der
bekannt wird, mit den erforderlichen Unterlagen einzureichen.
Berlin, den 3. November 1902.
Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Berlin S., Oranien-Strasse 143.
Rudolf Menzel.

Fischer.

Bekanntmachung. In der Klagesache des Verbandes gegen den Uhrmacher Herbschleb in Gotha, welcher sich Uhrmacher und Goldschmied nannte, ist vom Herzoglichen Oberlandesgericht in Jena folgendes Urteil

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Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet Inhalt dieser Nummer: Abonnementspreis

für die grosse Ausgabe mit Einschluss des Beiblattes „Schmuck und Aus der Werkstatt – für die Werkstatt.

Mode“ pro Quartal M. 1.75 für Deutschland, 2 Kronen für Oesterreich,

M. 8.-- pro Jahr für das Ausland. Internationale Rundschau.

IS Einzelpreis der grossen Ausgabe 50 Plg. pro Nummer bei freier Zustellung.

für die kleine Ausgabe mit kleinem Text und den Amtlichen Bekannt. Personalien und Beschäftsnachrichten.

machungen der Verbände und Vereinigungen pro Halbjalır M. 1.50 för

Deutschland, 2 Kronen für Oesterreich, M. 4.- pro Jahr für das Ausland. Berichte aus Innungen, Vereinen und Fachschulen.

IF Einzelpreis der kleinen Ausgabe 20 Ptg. pro Nummer bei freier Zustellung, Beschäftliche Mitteilungen.

Reklamationen

über nicht rechtzeitiges Eintreffen sind seitens unserer verehrlichen Kreuz. Vermischtes.

band. Abonnenten stets bei dem Verlag anzubringen, für Abonnenten, welche

die Deutsche Goldschmiede- Zeitung durch die Post (offen) erhalten, Frage- und Antwortkasten.

sind indes stets bei dem Post-Zeitungs- Amt zu machen. Die Zeitung wird Büchertisch.

stets rechtzeitig am 14. bez. letzten Tag des Monats zur Post gegeben. Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Insertionspreis

die 4 gespaltene Nonpareillezeile 25 Pfg., 164 Seite M. 150 brutto. Bei Wieder. Bold- und Silberschmiede.

holungen wird Rabatt gegeben. Beilagen nach Uebereinkunft, gefälligen

Anfragen wolle man stets Muster beifügen. Arbeitsmarkt die 4 gespalt. Protokoll vom III. Verbandstag des Verbandes Deutscher Nonpareillezeile 20 Pfg. Juweliere, Bold- und Silberschmiede in Köln. Inseratannahme

in Leipzig: bei Wilhelm Diebener, Leipzig 21, Schützenstrasse 15. Beilagenvermerk.

in Berlin: durch die Firma Hagenmeyer & Kirchner, Berlin C., Konkurse und Insolvenzen.

Unterwasserstrasse 9a. Silberkurs.

Schluß für die nächste Nummer:

in Leipzig: 29. Oktober morgens 10 Uhr Arbeitsmarkt. - Inserate.

I in Berlin: 28. Oktober abends.

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Es ist gewiß eine auffallende Tatsache, daß heutzutage, wo der Absicht, zu kaufen und hat in den meisten Fällen bestimmte im Handel so große Fortschritte gemacht werden, noch viele Waren zu bestimmten Preisen im Auge. Hier ist der Käufer Detailleure sich nicht genug angelegen sein lassen, ihre jungen Leute sogleich mit Interesse bei der Sache, und wenn der Verkäufer zu guten Verkäufern zu erziehen. Das Verkaufen jeder Ware, unci geschickt ist und die Preise zusagen, so ist das Geschäft rasch besonders von Schmucksachen, ist eine Kunst, die jahrelanges abgeschlossen. Daß dies der Fall war, ist der Tatsache zuzuStudium und große Erfahrung erfordert, ehe einer es zur höchsten schreiben, daß der Käufer einen bestimmten Artikel brauchte, Stufe der Geschicklichkeit und zweckdienlichen Verhaltens bringt etwas Passendes fand, der Preis ihm zusagte und der Verkäufer Man muß so vielerlei in Betracht ziehen, was alles zu einem ausreichend höflich und taktvoll war, um das Geschäft zustande guten Verkäufer erforderlich ist, daß es gar nicht so leicht ist, zu bringen. So einfach dieser ganze Vorgang erscheint, so gehört hierüber eine zufriedenstellende Auskunft zu geben, wir wollen doch sehr viel dazu, sehr viel Praxis und Erfahrung, um ein guter deshalb zwischen dem Geschäftsreisenden und dem Ladenverkäufer Verkäufer zu sein. In jedem Handwerk muß ein junger Mann unseres Faches unterscheiden.

erst eine drei- oder mehrjährige Lehrzeit durchmachen, ehe man Ersterer hat die ungleich schwierigere Aufgabe zu erfüllen, ihm die schwierigeren Arbeiten seines Faches anvertraut, Detaildenn er muß seine Kunden aufsuchen und ein sehr guter Menschen- verkäufer im Laden indessen läßt man oft ohne jede Vorbereitung kenner sein, um jedem auf die rechte Art gegenüberzutreten, da- die Kunden bedienen und wundert sich dann, wenn letztere nicht mit man ihn anhöre und seine Ware besichtige. Oft wird ihm zufrieden sind und der Verkäufer immer schlechter wird. Daß beides versagt, und gerade in solchem Falle weiß der richtige man, um Verkäufer zu werden, eine Lehrzeit durchmachen müsse, Verkäufer von guter Erziehung sich der Lage entsprechend takt werden viele in Abrede stellen, aber trotzdem ist es eine Tatvoll zu benehmen. Trotzdem ist es sehr entmutigend für ihn, sache, daß nur die besterzogenen und intelligentesten Verkäufer immer wieder abgewiesen zu werden, zumal wenn ihn sein sowohl vom Kunden wie vom Chef am meisten gesucht werden. Prinzipal beständig um ,,bessere Verkaufsberichte“ drängelt und Manche Großhandlungen lassen ihre jungen Reisenden erst unter genau wissen will, warum er hier oder da nichts verkauft habe. der Anleitung eines älteren einen richtigen Kursus in der Kunst Wenn die Inhaber einer Firma selbst gereist haben, so sind sie des Verkehrs mit der Kundschaft durchmachen, ehe sie sie auf gegen ihre Reisenden meist etwas rücksichtsvoller, vorausgesetzt, die Tour schicken. Diese Kurse sollten umfassen: Psychologie, daß letztere nicht gänzlich unfähig sind, haben sie Geduld, bis Logik und auch die Kunst der Beredsamkeit, wie auf einer Hochder Reisende sich eingearbeitet und eingeführt hat und bessere schule. Erfolge erzielt. Eine amerikanische Firma, die Reisende suchte, Es würde für den Detailleur sehr vorteilhaft sein, wenn auch schrieb zum Schluß ihrer betreffenden Annonce: We want salesmen, er seine jungen Leute solche Kurse durchmachen ließe, denn in not pedlars. Wir brauchen Verkäufer und keine Hausierer. Der den jetzigen Zeiten des angestrengtesten Wettbewerbes ist systeReisende als Verkäufer beträgt sich anders wie der Reisende als matische Unterweisung unerläßlich und nicht zuletzt in einem Hausierer. Bei allem Bemühen, Geschäfte für sein Haus zu Detailgeschäft mit etwa 3 oder 4 Verkäufern. Dort ist der Chef machen, bewahrt er seine Würde als Geschäftsmann, macht die gewöhnlich ein Mann mit gesundem Menschenverstand, der sein Konkurrenz nicht schlecht und zieht sich ruhig zurück, wenn Geschäft durch und durch versteht, aber oft fehlt ihm die Fähigsein Angebot nicht angenommen wird, in der Erwartung, es ein keit, seine Kenntnisse und Erfahrungen anderen mitzuteilen. Und anderes Mal doch durchzusetzen; der Verkäufer als Hausierer da- doch sollte er dies als eine Pflicht gegen diese, sich selbst und gegen klebt dem Kunden an, und wenn er für Broschen hinaus- seine Kunden ansehen. geworfen ist, kommt er für Ketten wieder herein, so daß man ihn Jedem Verkäufer muß eingeprägt werden, sich auf sich selbst oft nicht anders los werden kann, als daß man ihm etwas ab- zu verlassen, so daß er jede vernünftige Frage des Kunden aus kauft; er setzt die Ware der Konkurrenz herunter, um seine eigene sich selbst heraus beantworten kann, als ob er der Chef selbst minderwertige herauszustreichen und zieht planlos von Laden zu wäre. Diese Fertigkeit kann auf die verschiedenste Art erlangt Laden, vom Goldschmied zum Uhrmacher und Galanterieladen. werden, am besten unterweist der Chef den jungen Verkäufer Nur verkaufen, ist seine Losung, wie ihn die Kundschaft behandelt, persönlich, läßt ihn die Fachpresse lesen und die Art und Weise ist ihm gleich, ebenso an wen er verkauft.

der älteren Verkäufer beobachten. Der Unterricht seitens des Chefs Muß der Reisende sich seine Kundschaft erst suchen, so kann sollte systematisch vor sich gehen, und er sollte mit Ruhe und, der Detailverkäufer sie ruhig im Laden erwarten. Sie will nicht wenn nötig, mit Strenge die Manieren des Verkäufers dem Kunden erst zum Kaufen angeregt werden, sondern kommt bereits mit gegenüber, seine Art zu sprechen, die Waren einzuwickeln u. dergl. kritisieren und zwar so lange, bis der junge Mann alle Einzelheiten beherrscht. Daneben sollte der Chef dem Neuling einprägen, welche verschiedenen Gesichtspunkte beim Verkauf von Uhren, Juwelen, Gold- und Silberwaren in Betracht zu ziehen sind. Und wenn neue Waren eingekauft werden, so sollten sie jedlem Verkäufer gezeigt und ihm alle Anhaltspunkte gegeben werden, die dazu nötig sind, daß er die Sachen verständnisvoll dem Publikum weiter verkauft. Ein gutes Beispiel für die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit derartigen Unterrichts geben die Versicherungsagenten und Buchhandlungsreisenden ab, die vor

Antritt ihrer Touren eingehend unterwiesen werden und die man deshalb oft nicht eher los wird, als bis man ihnen etwas bestellt hat.

Natürlich muß der auszubildende junge Mann den guten Willen haben, etwas zu lernen, und sich alles gut ins Gedächtnis einprägen, was ihm gesagt wird. Und der Chef darf die Mühe nicht scheuen, sich seine Leute zu erziehen, denn für ihn bedeutet diese Erziehung erhöhten Umsatz und zufriedene, treue Kundschaft, für den Angestellten aber bessere Aussichten zum Vorwärtskommen, gutes Gehalt und das Bewußtsein, seine Arbeit gut verrichtet zu haben.

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Die Gifte der Goldschmiedewerkstatt.

Von Dr. Hans Braun, Berlin.

II. Die Giftigkeit der Säuren und Alkalien. So unschuldig wie die Edelmetalle sind die Säuren und Schwefelsäure aus den phosphorsauren Salzen des Magengewebes. Alkalien, die in der Goldschmiedewerkstatt benutzt werden, nicht. Wie groß die Dosis sein muß, um den Tod eines Menschen durch Schwefelsäure, Salpetersäure und Chlorwasserstoff (Salzsäure) sind Schwefelsäure herbeizuführen, kann man natürlich nicht sagen, heftig ätzende Gifte, welche, sobald sie mit organischer Substanz weil ein Teil der Schwefelsäure gebunden, der andere in dem zusammengebracht werden, der letzteren das Wasser entziehen. Mageninhalt Zersetzungen hervorruft. War die Menge der SchwefelWie begierig die Schwefelsäure das Wasser anzieht, geht schon säure, die in den Magen gelangte, nur gering, so kann sich der hinlänglich aus ihrer Verwendung als Trockenmittel hervor. Die Unglückliche vielleicht erholen. In der Regel tritt aber der Tod Heftigkeit der Reaktion aber, die bei der Berührung von Schwefel- nach ein bis drei Tagen ein. säure mit Wasser eintritt, gibt sich beim Mischen beider Körper Vergiftungen mit Salzsäure weisen mit denen der Schwefelan der plötzlichen Erwärmung der Flüssigkeit zu erkennen. Die säure viel Ähnlichkeit auf. 10 bis 20 Gramm führen schon in Erhitzung kann bei dieser Gelegenheit so stark werden, daß die einigen Stunden zum Tode, wobei der Verunglückte entsetzliche Flüssigkeit herumspritzt, was aber verhindert wird, wenn man Schmerzen auszuhalten hat. Der Magen wird nämlich durchdie Schwefelsäure in Wasser gießt. Umgekehrt soll man die geätzt und sein Inhalt ergießt sich zwischen die Eingeweide. Mischung niemals vornehmen. Alkalien haben übrigens ebenfalls Mund und Lippen zeigen einen grauweisen Belag. Vergiftungen eine starke Verwandtschaft zum Wasser. Beim Auflösen von Ätz- mit Salzsäuredämpfen können leichter vorkommen, als die erwähnte natron (Seifenstein) tritt eine Erwärmung ein, und wie groß die Art. In einer Verdünnung von 0,3% wirkt Salzsäuredampf Entwicklung der Hitze beim Ablöschen von gebranntem Kalk ist, schon tödlich, weil die eingeatmete Luft das Lungengewebe dürfte jedermann bekannt sein.

zerstört. Die Schwefelsäure entzieht den Gewebsteilen aber nicht nur Wenn auch Salpetersäure in der Metallindustrie eine sehr das Wasser, welches als solches bereits vorhanden ist, sondern ausgedehnte Verwendung findet, so sind Todesfälle äußerst selten, sie zieht auch begierig Wasserstoff und Sauerstoff an, um aus welche durch den Genuß von Salpetersäure herbeigeführt sind. diesen beiden Elementen Wasser zu bilden. Der zurückbleibende Wird Scheidewasser, wie Salpetersäure ja im Volksmunde genannt Kohlenstoff ist es, welcher nun die Schwarzfärbung der ange- wird, in den Mund gebracht, so tritt eine Gelbfärbung der Hautätzten Stellen hervorruft. Innere Vergiftungen mit Säuren sind teile ein, auch das Erbrochene sieht gelb aus, der Tod tritt eigentlich sehr selten, häufiger sind dagegen mehr oder weniger ähnlich wie bei Schwefelsäure durch die Folgen der Anätzung schwere Unglücksfälle, die in einer Einwirkung von Säuren auf des Kehlkopfes ein. Eingeatmet, was z. B. nach dem Platzen die äußere Haut des menschlichen Körpers schädlich einwirken. eines Ballons ähnlich wie bei der Salzsäure sehr leicht vorNach einer Statistik betrugen die Vergiftungen mit Schwefelsäure kommen kann, ruft Salpetersäure gleichfalls heftige Vergiftungsin Wien zeitweise die Hälfte aller Vergiftungen, in Berlin etwa erscheinungen hervor, die aber noch dadurch modifiziert werden, 90%, in andern Städten dagegen nur etwa 10%. Ein großer weil noch andre Gase mitwirken. Bringt man Salpetersäure mit Teil dieser Vergiftungen ist auf das Konto der Göttin Venus zu Metallen oder mit organischer Substanz in Berührung, so entsetzen. Besonders in Berlin spielt das „Vitriolöl“ oder „Oleum“ stehen Dämpfe, die aus salpetriger Säure, Untersalpetersäure und eine große Rolle, wenn es darauf ankommt, ,ihre“ verschmähte Stickoxyd bestehen. Ein starker Husten macht sich bemerkbar oder gekränkte Liebe zu rächen.

--- Schwindel –, und wird der Unglückliche nicht sofort in Sänren sind stets unter gutem Verschluß zu halten und frische Luft gebracht, so kann er ersticken. Die weiteren Verdürfen vor allen Dingen nicht in Gefäßen aufbewahrt werden, in giftungserscheinungen treten aber erst nach etwa sechs Stunden denen man Nahrungs- oder Genußmittel vermuten könnte. Die auf, das Atmen wird bedeutend erschwert und der Magen entAufbewahrung von giftigen Substanzen in Wein-, Bier- oder leert eine gelbliche, schleimige Masse, Arme und Beine werden Selterswasserflaschen ist den Personen, denen der Handel mit kalt, das Herz schlägt langsamer, die Körpertemperatur fällt ganz den erwähnten gefährlichen Stoffen staatlich erlaubt ist, nicht bedeutend. In einem solchen Falle gilt es, die sauren Gase, nur verboten, sondern sie dürfen jene auch auf Verlangen nicht welche die Lunge aufgenommen hat, möglichst schnell zu neutraliin solche Gefäße füllen, die später zu Verwechslungen Ver- sieren. Man löse doppeltkohlensaures Natron in kaltem Wasser anlassung geben können. Wird aus Versehen aber einmal kon auf und verstäube die Flüssigkeit so, daß der Kranke die feuchte zentrierte Schwefelsäure getrunken, so tritt zuerst eine Braun Luft einatmen muß. Die chemische Reaktion, welche bei Salpeterfärbung - also eine Verkohlung - der Lippen und der be säurevergiftungen hervorgerufen wird, besteht in der Einwirkung nachbarten Hautpartien ein. Im Munde zeigt sich ein weißer auf das Eiweiß, welches gerinnt und in Acidalbumin übergeBelag. Der Magen gibt sofort seinen Inhalt von sich, welcher führt wird. außer freier Schwefelsäure auch freie Phosphorsäure aufweist. Konzentriertes Ammoniakgas (Salmiakgeist) kann eingeatmet Die letztere entsteht infolge der zersetzenden Eigenschaften der gleichfalls tödliche Vergiftungen hervorrufen. Der Körper wehrt

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