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schuß gebildet werden, der besonders begabten jungen fachlichen oder kaufmännischen Angehörigen unsres Faches die Schulen der verschiedenen Länder öffnet, d. h. dafür sorgt, daß z. B. ein Deutscher nach England oder Frankreich und ein Engländer nach Frankreich oder Deutschland zum Studium käme, etwa wie in der Schweiz und andern mehrsprachlichen Ländern die Familien ihre Kinder gegenseitig austauschen, damit sie die Sprache, die Sitten und Gebräuche des andern Teiles kennen lernen Unsre Goldschmiedekunst ist mehr wie irgend eine andre international, der Austausch der Erzeugnisse der verschiedenen Länder unter. einander ist ein außerordentlich reger, und es wäre wahrlich eine große Tat, wenn unsre Anregung zur Ausführung käme. Daß die andern Nationen bezw. Verbände mit Freuden darauf ein

gehen würden, nehmen wir als zweifellos an, denn wir haben schon so manche Frage von Ausländern „how we manage it in our country“ beantworten müssen, sind also des Anschlusses der Ausländer gewiß. Und wenn Mediziner, Schiffbauer, Architekton der verschiedenen Nationen regelmäßig zusammenkommen, warum nicht auch die Goldschmiede? Wir können gegenseitig sehr viel voneinander lernen und haben so viele gemeinsame Interessen, daß ein regelmäßiges Zusammentreffen und Aussprechen der Vertreter der einzelnen Länder für unser Fach nur von allergrößtem Nutzen sein kann. Wie in unsrem Vaterlande würden durch das gegenseitige Sichkennenlernen viele Vorurteile fallen, viele scharfe Meinungen sich mildern und an deren Stelle gegenseitige Achtung und Förderung treten.

Reform des Mahnverfahrens.

Trauringe ist, stets egen Waren kein besti gleich

In einem medizinischen Examen wurde vor einiger Zeit, nach ordnung des diesjährigen Verbandstages ist von einer Regelung den Fliegenden Blättern, ein Kandidat nach dem Grunde der zu- des Kreditwesens im Gold- und Silberwaren-Geschäfte wiederum nehmenden Nervosität unter der Menschheit gefragt. Nach einigem nichts zu finden, und doch wäre diese Regelung eine der notBesinnen gab der Kandidat zur Antwort, der Hauptgrund läge in wendigsten Reformen, die Verband und Kreditorenverein in die dem beständigen Mahnen der Gläubiger.

Hand nehmen müßten, notwendiger vielleicht wie die BesteckUnd damit hatte er recht, denn nichts kann einen ordent konvention und die gteichmäßige Etikettierung der Waren. lichen Menschen verdrieblicher und gereizter machen, als wenn An dem Ziel selbst wird vor der Hand wenig zu ändern er von seinen Gläubigern fortwährend bedrängt wird. Notabene, sein, dasselbe wird stets auf freier Vereinbarung zwischen dem der ordentliche Mensch! Der Mensch, der Ordnung in seinem Lieferanten und seinem Abnehmer beruhen; man kann wohl im Geschäft und in seinen Büchern hält, der auf den Pfennig, sozu- allgemeinen den Grundsatz aufstellen, daß über sechs Monate im sagen, weiß, wieviel er jedem einzelnen seiner Gläubiger schuldet, Durchschnitt nicht hinausgegangen werden soll, allgemein gleichder am liebsten gar keine Schulden hätte, sondern jeden Einkauf mäßig als unabänderliche Norm kann man aber kein bestimmtes gleich bar bezahlen möchte, und dem es unruhevolle Tage und Zeitmaß festsetzen. Außerdem unterliegen Waren, bei denen viel Nächte bereitet, wenn er infolge stillen Geschäftsganges und Metall aber wenig Fasson ist, stets einem kürzeren Ziel, z. B. langsameren Einganges seiner eigenen Außenstände nicht in der Ketten, Bestecke, Trauringe, während Waren mit mehr Fasson, Lage ist, seine fälligen Verbindlichkeiten so schnell zu begleichen, wie Gold oder Silber, ein längeres Kreditgeben gestatten. wie er gern möchte. Dies ist namentlich in den stilleren Sommer Wir sehen die Möglichkeit einer Reform und der Herbeimonaten der Fall, wo nach und nach die größeren Einkäufe der führung gleichmäßiger Gepflogenheiten im deutschen Gold- und Herbst- und Wintersaison fällig werden. Der leichtsinnige Schuldner Silberwaren-Geschäft nur in der Regelung der Einziehung fälliger setzt sich über diese Schwierigkeiten frohen Mutes hinweg, ihm Außenstände. Es ist dies durchaus nicht gleichbedeutend mit kann keiner, oder wie er sich selbst im stillen denkt, sie können der Regelung des Zieles. Sind über letzteres zwischen dem ihn alle ..... gern haben, die Geld von ihm wollen, wenn er Lieferanten und seinem Abnehmer, was bei Eingehung einer Verkeins hat. Er vertraut auf die gütige Vorsehung, die ihm bis hierher bindung ausnahmslos geschehen müßte, bestimmte Abmachungen geholfen hat und ihm auch fernerhin helfen wird. Solche Leute, getroffen worden, und werden diese vom Abnehmer nicht pünktlich die obendrein meist noch über eine gute Redegabe verfügen und innegehalten, so sollte folgendes die Norm für das weitere Vorentsprechend grob werden können, wenn ihnen in irgend einer gehen des Lieferanten sein: Er schickt seinem Kunden nach AbForm eine Jahnung um Zahlung zu teil wird, werden von ihren lauf des vereinbarten Zieles einen Auszug, auf den dieser, vorausGläubigern auch meist in Ruhe gelassen, da von ihnen durch gesetzt, daß er ein ordentlicher Mensch ist, sofort antworten und Gewalt doch nichts zu erreichen ist. Dagegen werden die ordent- entweder Rimesse einschicken oder unter Angabe der Gründe lichen Leute, die sonst regelmäßig zahlen, meist, wenn es einmal im Aufschub bitten oder bestimmte Mitteilungen machen wird, langsamer mit ihnen geht, von ihren Lieferanten derart durch wann er zu zahlen gedenkt. Ist diese neue Frist verstrichen, so Übersendung von Auszügen, Mahnbriefen, Anzeige von Postaufträgen, kann der Lieferant energischer und deutlicher in seinem ZahlungsKlageandrohung usw. drangsaliert, daß ihnen ganz angst und begehren werden, einen Postanftrag oder eine Tratte avisieren bange wird, sie die stärksten Dränger aus Furcht, daß über sie und nach angemessener Zeit, falls der Kunde auch hierauf sich schlechte Auskünfte in Umlauf kommen, nur schnell bezahlen in Schweigen hüllt, in Umlauf setzen, schließlich auch als ultima und dadurch den rücksichtsvollen Gläubiger schädigen, der zu- ratio zur Klage schreiten. Niemals aber sollte, und gegen ein wartet, weil er seinem Kunden keine Ungelegenheiten machen derartiges Verfahren müssen sich die Abnehmer auf das entwill. Auf diese Art kommt in die ganze Art und Weise der schiedenste wehren und Einspruch erheben, der Lieferant sich erRegulierung fälliger Posten in unserem Fache eine Unregel- lauben, schon gleich, nachdem das Ziel erreicht ist (es gibt auch mäßigkeit und Cnordnung hinein, die immer weiter um sich greift, solche, die es schon vor Ablauf des Zieles tun), einen Postauftrag über die schon viel Tinte verschrieben und viel gesprochen worden oder eine Tratte zu avisieren, geschweige denn ohne Einwilligung des ist, an deren Beseitigung sich aber so recht niemand herantraut, Schuldners in Umlauf zu setzen. Derartige Revolvermänner-Manieren weil es sehr schwer ist, die Stelle ausfindig zu machen, an der grenzen an Erpressung und gehen meist von solchen Lieferanten zunächst der Hebel angesetzt werden muß.

aus, die dem Kunden fast mit Gewalt ihre Ware aufgedrängt Auch auf dem letzten Verbandstage in Dresden ist die Frage haben, ihm hinsichtlich des Zieles die weitgehendsten Zusagen der Regelung des Zieles nur gestreift und als ein noli me tangere (aber keine bestimmten Vereinbarungen) gemacht haben und dann behandelt worden, und der Kreditorenverein, der sie anzuschneiden ebenso gewaltsam an die Einziehung ihrer Außenstände heranversuchte, zog seine bezüglichen Anträge zurück. Auf der Tages- gehen, ohne anf geschäftlichen Anstand die geringsten Rücksichten zu nehmen. Manche dieser Lieferanten spekulieren geradezu darauf, daß der Abnehmer, auf den sie ohne seine Einwilligung einen Postauftrag oder eine Tratte loslassen, diese am Verfalltage einlösen wird, weil er sich vor dem Postboten geniert oder im letzteren Falle fürchten muß, in die Protestliste zu kommen, was ihn in seinem Kredit immerhin schädigen kann. Deshalb müssen die Abnehmer Machenschaften der geschilderten Art sofort energisch zurückweisen und sich nicht einschüchtern lassen, auf der anderen Seite aber auch das vereinbarte Ziel stets pünktlich innezuhalten suchen und am besten das Ziel schriftlich mit dem Lieferanten

vereinbaren. Der letztere sollte bei Einziehung seiner Forderungen stets anständig, bestimmt, aber nicht brüsk vorgehen, und die Reihenfolge: Übersendung des Auszuges, höfliche Mahnung, Postanftrag oder Tratte, Klage, innehalten, so wird zwischen Lieferanten und Abnehmern ein freundliches Verhältnis obwalten, das auf gegenseitiger Rücksichtnahme beruht und dem Geschäfte nur dierlich sein kann.

Hocherfreulich wäre es, wenn Verband und Kreditorenverein im Sinne obiger Ausführungen Vereinbarungen treffen und als Vorm für den deutschen Gold- und Silberwarenhandel aufstellen würden,

Hingabe von einstweiligen Ersatzstücken bei Reparaturaufträgen.

Von Syndikus llermann Pilz.

Im Geschäftsleben des Goldschmieds kommt es häufig genug Gesetzb.) Tut er das nicht so gerät er in Verzug und ist dem vor, daß ein Kunde einen Schmuckgegenstand zur Reparatur bringt Goldschmied schadensersatzpflichtig. Wir nehmen z. B. den Fall und dabei den Wunsch äußert, einstweilen ein Ersatzstück vom an, daß eine Uhr zur Reparatur gebracht wurde, weil am Bügel Goldschmied zu erhalten, bis die Reparatur beendet sein wird. oder am Gehäuse ein Schaden entstanden ist. Der Kunde hat Eine Dame wollte zu einem Ball gehen und zerbricht kurz vorher einstweilen eine andere neue Uhr erhalten. Er trägt sie. Die ihre Brillantbrosche. Sie bringt sie zur Reparatur, aber diese Reparatur ist beendet und er wird aufgefordert, sie gegen Erkann so schnell nicht bewerkstelligt werden, daß am Abend das legung der Reparaturkosten abzuholen. Aber er tut es nicht, Schmuckstück noch benutzt werden könnte. Der Goldschmied sondern trägt die geliehene Uhr ruhig weiter. Muß sie der Goldwill gefällig sein und gibt ihr einstweilen eine andere Brosche zu schmied nach Wochen oder Monaten, wenn sie soweit durch den tragen. Ein Kunde bringt seine bei dem Goldschmied gekaufte Gebrauch abgenutzt ist, daß sie nicht mehr als neues Stück sich goldene Uhr, an welcher eine Reparatur am Gehäuse vorzunehmen verkaufen läßt, zurücknehmen? Die Frage ist mit einem Nein zu ist. Der Goldschmied gibt ihm einstweilen eine andere Uhr zur beantworten. Wohl hat nach S 602 des Bürgerl. Gesetzb. der Benutzung. Wie ist in diesen und ähnlichen Fällen das sich Entleiher Veränderungen oder Verschlechterungen der geliehenen zwischen Goldschmied und Kunden neben dem Reparaturauftrag Sache, die durch den Vertragsmäßigen Gebrauch herbeigeführt bildende Rechtsverhältnis?

werden, nicht zu vertreten, aber diese Bestimmung kommt nicht Neben dem Werkvertrag über die Vornahme der Reparatur mehr in Frage, wenn er mit der Rückgabe in Verzug gerät; von entsteht ein Leihvertrag zwischen dem Goldschmied und seinem dem Tage, wo der Goldschmied ihm die Fertigstellung der RepaKunden im Sinne von ss 598 ff. des Bürgerl. Gesetzb. Der Gold- ratur angezeigt und ihn um Rückgabe des entlichenen Stückes erschmied räumt dem Kunden den unentgeltlichen Gebrauch der sucht hat. Von diesem Tage ab trägt der Entleiher die VerantSache ein. Welche Verpflichtungen hat er selbst aus diesem Ver- wortlichkeit für eine weitere Abnutzung, und wenn er die Uhr trage? Er muß dem Kunden das geliehene Ersatzstück so lange noch monatelang benutzt, so daß sie als neue nicht mehr zum zum Gebrauch überlassen, bis er den Gegenstand repariert hat. Verkauf gebracht werden kann, so kann der Goldschmied sie ihm Kann er davon eine Ausnahme machen? Ja, wenn er infolge zur Verfügung stellen und den angemessenen, kundenüblichen eines nicht vorhergesehenen Umstandes der verliehenen Sache Kaufpreis dafür fordern. selbst bedarf. Das wird selten der Fall sein, aber es könnte doch Nun kommt es leider häufig genug im Geschäftsverkehr des kommen, daß er das verliehene Stück verkaufen kann. Er erhält Goldschmieds vor, daß der Kunde überhaupt nichts mehr von sich einen Tafelaufsatz zur Reparatur und gibt einen von sich hin. hören läßt. Was dann? Er hat die neue Uhr in Empfang geEin Kunde, der denselben früher hat bei ihm stehen sehen, kommt, nommen und die reparierte trotz aller Aufforderungen nicht abum ihn zu kaufen. Er bedarf desselben also jetzt plötzlich selber. geholt. Schließlich erfährt der Goldschmied, daß der Kunde längst Der Kunde muß ihn herausgeben. Oder er erfährt, daß die Dame den Ort verlassen hat und sein derzeitiger Aufenthalt unbekannt das zum Ersatz einstweilen geliehene Schmuckstück auch eine ist. Hier sind die Rechte, welche dem Goldschmied zustehen, dritte Person hat tragen lassen. Das ist wider die Abrede. Der verschiedener Art. Er kann mit der Klage auf Bezahlung der Entleiher darf nach S 603 des Bürgerl. Gesetzb. den Gebrauch Reparaturkosten auch die Klage auf Herausgabe der entliehenen keiner dritten Person überlassen und S 605 des Bürgerl. Gesetzb. Uhr verbinden, und die Klage, wenn er den Aufenthalt nicht ersagt ausdrücklich, daß sofortige Rückgabe gefordert werden kann, mitteln kann, öffentlich zustellen lassen. Er kann aber auch, wenn der Gebrauch einem Dritten unbefugter Weise, d. h, ohne wenn er die Uhr schließlich in einem Zustande zurückerhält, der Zustimmung des Goldschmieds überlassen wird. Selbst die Ver- es ihm unmöglich macht, sie noch als neu zu verkaufen, die Rückleihung innerhalb der Verwandtschaft fällt unter dieses Verbot der nahme verweigern und den Kaufpreis einklagen. Ja, es stehen Weiterverleihung. Neuerlich kann auch dann eine Rückforderung ihm auch strafrechtliche Schritte zu Gebote. Wird einem Kunden, erfolgen, wenn die Zeit verstrichen ist, für welche einstweilen wie es in einem dieser Tage uns mitgeteilten Falle vorkam, erdas Ersatzstück gegeben wurde. Der Schmuckgegenstand wurde klärt, daß die Reparatur in drei Tagen beendet sei und er alsnur für den einen Abend geliehen, weil die Reparatur erst in dann seine Uhr abholen und die geliehene zurückgeben möge, und einigen Tagen vollendet ist. Der Kunde bringt am nächsten Tage er kehrt sich nicht daran, sondern läßt die alte Uhr im Stiche, das Geliehene nicht zurück. Der Goldschmied kann sofortige um mit der neuen Staat zu machen, so liegt darin unbedingt eine Rückgabe nunmehr fordern, denn der Kunde ist in Verzug geraten. strafbare Handlung. In dem obigen Falle hat sich der betreffende Wenn die Aufforderung zur Rückgabe erfolglos bleibt, kann er klagen. Kaufmann einfach mit der ihm als Ersatzstück einstweilen ein

Der Entleiher muß den Gegenstand pfleglich benutzen und gehändigten Uhr entfernt, eine anderweite Stellung auswärts anverwahren. Er ist verpflichtet, nach Ablauf der für die Leihe getreten und nichts mehr von sich hören lassen. Erst nach einem bestimmten Zeit, also gewöhnlich, wenn die Reparatur vollendet Jahre konnte der Goldschmied den Aufenthalt auskundschaften ist, die geliehene Sache zurückzugeben. (8 604 des Bürgerl. und den betreffenden jungen Mann belangen. Er mußte den

Kaufpreis für die entliehene und über Jahr und Tag getragene ihm die reparierte Uhr zur Verfügung stellt und Rückgabe der Uhr bezahlen und die alte gegen Erlegung der Reparaturkosten geliehenen verlangt, wenn der Zeitpunkt, bis zu welchem gezurücknehmen. Hätte er sich dessen geweigert, so wäre Anzeige liehen werden sollte, verstrichen ist und der Goldschmied um bei der Staatsanwaltschaft erfolgt, die er wohl auch durch die Rückgabe mahnt. Wenn der Kunde dann sich aus dem Staube schleunige Zahlung nur zu vermeiden bestrebt war. Es ist näm- macht und die Uhr ohne Recht weiter benutzt, so ist darin eine lich in solchem Falle ganz zweifellos, daß eine Unterschlagung rechtswidrige Zueignungsabsicht zu erblicken, genau so, wie wenn im Sinne von § 246 des Strafgesetzbuchs vorliegt. „Wer eine er die geliehene Chr, was auch häufig genug vorkommt, versetzt fremde bewegliche Sache,“ heißt es da, „die er in Besitz oder oder verkauft hätte. Ist das letztere der Fall, so kann übrigens Gewahrsam hat, sich rechtswidrig zueignet, wird wegen Unter- der Goldschmied von dem Dritten die Uhr oder das Schmuckstück schlagung mit Gefängnis bis zu drei Jahren und, wenn die Sache ohne weiteres herausfordern, und braucht ihm nicht zu ersetzen, ihm anvertraut ist, mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft was jener darauf geliehen oder als Kaufpreis gezahlt hat. Diese Bei mildernden Umständen tritt Geldstrafe ein.“ Der Entleiher Forderung steht dem Goldschmied auch den Leihhäusern gegenhat aber eine fremde, bewegliche Sache in Besitz, die er sich über zu. Es ist aber trotz alledem Vorsicht bei Verleihung solcher selbst nicht zueignen darf. Er muß sie zurückgeben, wenn die Stücke geboten, denn nur allzu oft wird der Goldschmied das leere Stunde der Beendigung der Leihe kommt, wenn der Goldschmied Nachsehen haben.

Souf weliehen oder als Kaufpreis gezanu

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QILD

Das galvanische Ätzen.

Für Stahl und Eisen.
Hierzu verwendet man eine

Gesättigte Kochsalzlösung.
Als Kathode dient eine Eisenplatte von etwas größerer
Dimension als der zu ätzende Gegenstand.

In dieser Art von Ätzen liegt ein großer Vorzug vor der gewöhnlichen Art des Ätzens mittelst Säuren, denn das galvanische Ätzen kann mit größter Leichtigkeit verfolgt, kann langsam oder schnell vorgenommen, der Gegenstand auch von Zeit zu Zeit herausgenommen, nachgesehen und wieder eingehängt werden.

Die Ausführung des galvanischen Ätzens geschieht in der Weise, daß man den zu ätzenden Gegenstand mit einem nicht leitenden Deekgrund versieht und dann die Zeichnung mit der Radiernadel einritzt, oder daß man mittelst des photographischen Verfahrens einen Deckgrund anbringt, welcher die zu ätzende Zeichnung freiläßt und dann in einem Zersetzungsgefäß durch den galvanischen Strom die freiliegende Zeichnung einätzt.

Für Silber.
No. 1. 51 Wasser

100 g Salzsäure
oder

No. 2. 51 Wasser

50 g Schwefelsaures Silber
oder

No. 3. Schwefelsaure Natronlösung.
Als Kathode verwendet man eine Feinsilberplatte.

Anleitung des Verfahrens. Man hängt den zu ätzenden Gegenstand, nachdem man auf demselben auf die eine oder andere Weise eine Zeichnung angebracht hat, in die dem Metall entsprechende Badflüssigkeit ein, nachdem zuvor derselbe mit dem Anodenpol irgend einer Stromquelle leitend verbunden worden.

Diesem zu ätzenden Gegenstand hängt man als Kathode eine gleich große Metallplatte gegenüber, wobei die Entfernung mindestens 1 Centimeter betragen muß, wenn der zu ätzende Gegenstand flach ist. Hat derselbe aber eine mehr oder weniger gekrümmte Oberfläche, so muß die Entfernung von Ware und Platte eine bedeutend größere sein, um eine vollkommene Ätzung herzustellen.

Wird jetzt der Strom geschlossen, so beginnt sofort derselbe seine Wirksamkeit. An allen denjenigen Stellen, welche von der deckenden Schicht befreit sind, beginnt sich das Metall aufzulösen, und ist die Ätzung je nach Beschaffenheit des zu ätzenden Metalles in kürzerer oder längerer Zeit vollendet.

Man hüte sich, mit zu starkem Strom zu arbeiten, damit keine Gasblasen entstehen, welche den Deckgrund auflockern und stellenweise beschädigen könnten.

Der elektrische Strom hat jetzt in kürzester Zeit die zarteste Arbeit vollendet, welche vom Graveur nur mit großer Mühe und Zeitaufwand gemacht werden kann.

Für Gold.

Verdünnte Salzsäure
und eine Kathode aus Gold und vergoldetem Kupfer.

Ätzen von Stahl mit Anwendung der Potographie.

Wenn man auf einer feinst geschliffenen und polierten Stahlplatte mittelst Chromalbumin eine lichtempfindliche Schicht erzeugt, diese dann unter einem photographischen Negativ belichtet, So wird, wenn man die Platte mit fetter Farbe einwalzt und dann in einer Schale mit Wasser entwickelt, die Zeichnung auf dem blanken Metall bloßgelegt, während der Grund derselben von dem Wasser nicht angegriffen wird und einen Deckgrund in fetter Farbe bildet. — Dieser Deckgrund wird nun dadurch noch verstärkt, indem man denselben mit feinstem Asphaltpulver einstäubt, dann von den unbedeckten Stellen mit weicher Bürste entfernt und das Asphaltpulver über einer Gasflamme vorsichtig anschmilzt.

Nach dem Erkalten entsteht ein festhaftender Deckgrund, neben welchem die ungedeckte Metallfläche durch den elektrolytischen Prozeß angegriffen und auf diese Weise die Zeichnung in gewünschter Tiefe erhalten wird.

Stahlplatten, welche für die Ätzung bestimmt sind, können, bevor die Ätzung vorgenommen, gehärtet werden, was den Vorteil bietet, daß dieselben nicht mehr ins Feuer genommen zu werden brauchen, was bekanntlich der Schärfe und Reinheit der Platten Nachteil bringen würde.

Von solchen gehärteten und nachher geätzten Stahlplatten können unter einer Presse oder mittelst des Walzverfahrens die feinsten Pressungen hergestellt werden.

Ätzflüssigkeit für Kupfer.

51 Wasser

1 kg Kupfervitriol

10 g Schwefelsäure. Als Kathode verwendet man eine Kupferplatte in gleicher Größe des zu ätzenden Gegenstandes.

Ätzen von Silbergegenständen mittelst der Photographie.

Zuerst wird mittelst des photographischen Verfahrens eine Licht- oder Steindruckplatte hergestellt, von dieser Abzüge in fetter Farbe auf Abziehpapier gemacht und dann auf den zu ätzenden Gegenstand übertragen.

Die Zeichnung wird mit Asphaltpulver eingestäubt und angeschmolzen, dann wird der betreffende Gegenstand der Wirkung des elektrischen Stromes interworfen, wodurch eine feinst ans geführte, vertiefte Zeichnung in Strich- oder Punktmanier entsteht, welche dann weiterhin mit Dekor versehen werden kann.

Niello - Imitation. Wenn auf einem auf diese Weise geätzten Metallgegenstand eine Zeichnung oder Photographie eingeätzt ist, und es wird mittelst eines geeigneten Elektrolyten Schwefelsilber in die Vertiefungen niedergeschlagen und die Oberfläche glatt geschliffen, so erhält man eine zart ausgeführte Nielloarbeit, welche von Künstlerhand in solcher Feinheit und Zeitkürze nicht erreicht werden kann.

Wenn man den auf obige Weise mit Deckgrund versehenen Gegenstand in einem kalten Goldbade mit gelbem oder farbigem Goldniederschlag versieht, so ist nach Entfernung (les Deckgrundes eine Zeichnung in farbigem Golde auf Glanz- oder Mattsilbergrund entstanden.

Taucht man einen solchen Gegenstand in eine entsprechende Schwefelverbindung, so entsteht eine Goldzeichnung auf rein schwarzem Grunde.

Alle diese hier angeführten Verfahren können auf Gegenstände der Metallkunstindustrie, insbesondere auch für Altertumsimitationen, praktisch verwertet und die schönsten Effekte erzielt werden.

Herstellung von Tauschierarbeiten. Wenn man die eingeätzten Zeichnungen metallblank reinigt, so kann man in diese Vertiefungen Gold usw. in einer solchen Stärke niederschlagen, daß die geätzten Vertiefungen ausgefüllt sind und nach Glattschleifen der Oberfläche die zarteste Tauschierung mit wenig Zeitaufwand ausgeführt ist.

QILD

Rechtsrat, Rechtsschutz für den Goldschmied.

Wichtige gerichtliche Entscheidungen. Muß eine Gefängnisstrafe angegeben werden? Ein Gehilfe war vor 10 Jahren mit vier Monaten Gefängnis wegen Betrugs und Unterschlagung bestraft. Bei der Bewerbung um eine neue Stelle sagte er in der Darstellung seines Lebenslaufes nichts davon. Als es die Firma erfuhr, entließ sie ihn. Es kam zum Prozeß, welchen der Gehilfe verlor. Das Gericht führte aus, daß zwar an sich niemand eine solche Vorstrafe zu offenbaren brauche, daß er sie aber nicht arglistig verschweigen dürfe, wenn eine Darstellung seines Lebenslaufes gefordert werde. Damit wolle die Firma sich eben über alle wichtigen Vorgänge im Leben des Bewerbers orientieren. Sie setzte das Vertrauen in den Gehilfen, daß er sie wahrheitsgemäß unterrichten werde. Da er dies nicht tat, sondern sie in einen Irrtum versetzte, konnte sie deshalb das Vertragsverhältnis lösen.

Ist wiederholtes Zuspätkommen Grund zur Entlassung? Ein Gehilfe kam wiederholt 10 Minuten, auch Stunde zu spät, obwohl besprochen worden war, wenn er dazusein hatte. Es lag ihm die Oeffnung des Ladens ob. Der Inhaber drohte ihm nun die Entlassung an. Trotzdem wiederholte sich die Verspätung. Nun erfolgte sofortige Entlassung. Der Gehilfe klagte und — gewann den Prozeß. In dem Urteil heißt es: Die sofortige Aufhebung des Dienstverhältnisses kann aus wichtigen Gründen ausgesprochen werden. Eine Verspätung von höchstens 10 Minuten bis !, Stunde ist aber kein „wichtiger Grund“. Es ändere daran nichts, wenn Beklagter dem Kläger sofortige Entlassung bei Wiederholung der Verspätung angedroht habe. Derartige einseitige Erklärungen setzen das Gesetz nicht außer Kraft. Eine Vereinbarung aber, daß jede geringe Verspätung das Vertragsverhältnis aufheben solle, liege nicht vor. Das Urteil halten wir für sehr bedenklich.

Abzug von Portokosten. Ein Amtsgericht im Bezirk der Bochumer Handelskammer frug bei dieser an, ob es handelsüblich sei, daß der Käufer bei der Einsendung des Kaufpreises durch Postanweisung berechtigt sei, die Portokosten von der Kaufsumme zu kürzen und ob dies auch gelte, wenn Käufer und Verkäufer an einem Orte ihren Geschäftsbetrieb ätten. Die Handelskammer hat sich dahin ausgesprochen: Es sei im Handel üblich geworden,

un ausgesprochen: Es sei im Handel üblich geworden, bei Regulierung von Rechnungsbeträgen mittelst Postanweisung die Portokosten in Abzug zu bringen. Hätten jedoch Käufer und Verkäufer ihre Handelsniederlassung an ein und demselben Orte, so bestehe dagegen dieser Brauch nicht, und es sei das Geld ohne Abzug zuzustellen. Wir halten dieses Gutachten der Bochumer Handelskammer für durchaus irrtümlich. Wenn sich die Verkäufer in den meisten Fällen den Abzug ruhig gefallen lassen, weil es sich ja immer mehr nur um Pfennige handelt, so ist damit ein Handelsbrauch nicht konstatiert, sondern nur ein ruhig hinge nommener geschäftlicher Mißbrauch. In $ 270 des Handelsgesetzbuchs wird in Uebereinstimmung mit dem früheren Handelsrecht gesetzt, daß der Schuldner Geld auf seine Gefahr und seine Kosten dem Gläubiger an dessen Wohnsitz zu übermitteln habe.

Ein gekündigter Gehilfe, auf dessen Dienste schon vor Ablauf der Kündigungsfrist verzichtet wird, kann nicht täglich in das Geschäft bestellt werden, um sich dort wegen etwaiger Arbeit zu melden. Das Oberlandesgericht Dresden entschied, daß der Gehilfe zu diesen täglichen Meldungen, welche lediglich eine unwürdige Kontrolle bezweckten, nicht verpflichtet sei.

Geschäftliche Mitteilungen. Eine schöne Sterbemedaille auf den Tod Leos XIII, bringt die rührige Metallwarenfabrik Wilh. Mayer & Franz Wilhelm in Stuttgart allen Verehrern des verstorbenen Papstes. Sie ist in drei Größen angefertigt und in echtem und unechtem Metall zu beziehen. (Siehe auch das betreffende Inserat auf Seite 47 in vor. liegender Nummer.)

Die Goldschmiede-Werkgenossenschaft, E.G.m.b.H., Berlin C. 19, Oberwasserstraße 14, gibt bei Gelegenheit des Kölner Verbandstages auf der dortigen Ausstellung zum erstenmale einen Katalog der von ihr geführten Artikel an die Oeffentlichkeit. Das rührige, von Goldschmieden begründete und geleitete Unternehmen schreitet rüstig vorwärts, wie aus der auf der Ausstellung angebrachten bezüglichen statistischen Tafel ersichtlich ist, und wünschen wir, daß der vorzüglich ausgestattete Katalog recht viel Beachtung finden und der Genossenschaft zahlreiche neue Kunden zuführen möge.

Eine schwere Aufgabe ist es heutzutage für jeden Fabrikanten, seine Kundschaft nicht nur zu befriedigen, sondern sie auch an die Firma zu fesseln. Da gilt es nun erstens, auf prompte Bedienung, zweitens auf saubere und schöne Ware, drittens auf billige Preise Bedacht zu nehmen, damit die Reisenden der Firma gern gesehene Gäste bei den Abnehmern werden und guten Absatz finden. Kann dieser nun noch mit flotten, leicht verkäuflichen Mustern seiner Kundschaft imponieren, dann hat er ge. wonnen, und er wird seinem Hause, trotz der leidigen schlechten Zeiten, belangreiche Kommissionen überschreiben können. Das gilt für alle Branchen: für Gold- und Silberwaren, für Bedarfsund Hilfsartikel und auch für Etuis. Auf letztere inuß heute bekanntlich jeder Goldschmied einen großen Wert legen. Nicht nur braucht er solche zur Dekoration für das Schaufenster, er muß sie haben für die Kundschaft, die ebenfalls, mehr denn je, viel Gewicht auf eine gute Repräsentation des gekauften Gegenstandes legt. Anzuerkennen ist daher das Bestreben der Firma J. & G. Gottschalck in Leipzig, immer mehr dem allgemeinen Bedürfnis Rechnung zu tragen und einem künstlerischen Geschmack entsprechende Etuis zu schaffen. Eine kleine Darstellung solcher finden unsere Leser auf dem Kunstblatt der Firma J. & G. Gottschalck, welches der heutigen Ausgabe unserer Deutschen Goldschmiede-Zeitung beigegeben ist. Durch die Wiedergabe der Etuis in Buntdruck werden die Etuis so gut wie im Original vorgeführt: es erübrigt sich daher für uns, eine Beschreibung oder ein besonderes Lob dem Vorgeführten anzufügen. Die Etuis sprechen für sich allein zu ihrer Empfehlung. Dem Kunstblatt eingehend Beachtung zu schenken, empfiehlt sich aus den angeführten Gründen für jeden Goldschmied, welcher bemüht ist, auf dem Laufenden zu bleiben. Insbesondere machen wir aufmerksam auf den abgebildeten Silberkasten, dessen Anschaffung und Ausstellung selbst dem kleinsten Ladeninhaber durch den billigen Preis ermöglicht wird. Derselbe ist in roter Eiche mit hochmodernen Beschlägen in Altmessing ausgeführt und innen grau oder beliebig anders. farbigem Tuch ausgeschlagen. Die einzelnen Kästen sind mit netten Schildchen mit entsprechender Aufschrift für den Inhalt versehen. Ein solcher Kasten in dem Schaufenster eines Goldschmiedes wird seine Wirkung und Anziehungskraft auf das Publi. kum niemals vermissen lassen.

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Preise umstehend. - Über die Erzeugnisse sämtlicher Abteilungen führen wir Specialkataloge.

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