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tönung, mit Brillanten besetzten Bändern und farbigen

gewußt. Die Körper der Gegenstände sind regelmäßig Perlen.

aus Gold oder Silber gebildet; das Gold kommt teils Sehr mannigfaltig in Form und Farbe sind auch die

in seiner Naturfarbe zur Erscheinung, in der Regel Nadeln, sowohl die Hut- wie die Krawattennadeln.

ist es aber gefärbt oder getönt, letzteres oft mit Unter ersteren eine als Alpenveilchen mit Anhängperle

Hilfe des elektrischen Stromes, durch welchen Farbenund eine mit großer Lilaperle und funkelnden Opalen,

wirkungen erzielt werden, die fast dem Email nahe unter letzteren Schlangen mit Perlzungen, Fische,

kommen, wo dieses ganz leicht und zart aufgetragen Eulen, Schwäne, meist aus phantastischen Barockperlen

ist. In anderen Fällen ist der Emailauftrag wesentlich gebildet. Ringe und Knöpfe aus Schlangenleibern und

stärker, ausnahmsweise ist auch durchscheinendes und mit farbigen Steinen geschmückt, ein Schirmgriff mit

opalisierendes Email angewendet. Mit diesem farbigen einem Pelikan, ein Falzbein mit Zahn des Höhlen

Gold und Email sind Edelsteine der verschiedensten bären, Löffel mit Schildkrötenmotiven, Schuhanzieher,

Art und Färbung, sowie Perlen in den mannigfaltigsten eine große Bowle aus Münzen (ein Familienstück der

Formen und Farben zur Anwendung gebracht. Gerade Cranachs) eine sehr gelungene Folge von Likörgläsern

in dieser Verwendung der Edelsteine und in der auf hohen Schlangenfüßen, ein paar große Glas

feinen Zusammenstimmung von Gold, Email und Gehumpen mit Silberbeschlag für Regattapreise vervoll

stein zeigt sich die künstlerische Kraft und der koloständigen diese stattliche Reihe der Schmuckgegen

ristische Sinn des Herrn von Cranach in vorteilstände, nicht zu vergessen die Gürtelschnallen mit

haftester Weise. Je mehr er sich mit den EigenTraubenmotiven oder den Löwenkrallen unter der gol

schaften und Anforderungen der verschiedenen Stoffe denen Kokospalme in verschiedenen Farbentönungen.

vertraut macht, dürfen wir von dem Künstler noch Erwähnt sei auch noch besonders die Hutnadel der

neue und eigenartige Arbeiten erwarten. Kaiserin, ein von einer Schlange gehaltener Amethyst

Auf andere moderne Gold- und Silberarbeiten tropfen, und bei dieser Gelegenheit sei nebenbei

Berliner Werkstätten wie Hugo Eisenach, E. Lettré, bemerkt, daß die Hutnadeln jetzt nicht mehr hinten

Joh. Wagner & Sohn, Rud. Büttner, Rich. Walther u.s.w. am Kopf getragen werden, sondern von vorn durch

werden wir in einem späteren Artikel ausführlich eingesteckt werden, so daß sie als Schmuckstücke

gehen. Für heute wollen wir noch erwähnen, daß wesentlich besser zur Geltung kommen.

von den ausgestellt gewesenen Arbeiten des HofgoldW. Lucas von Cranach hat die Ausführung der

schmiedes Hugo Schaper, vier der besten als Vorbilder Schmucksachen selbst überwacht und ihre Farben

für das Kunstgewerbe-Museum in Stuttgart angekauft wirkung durch die mannigfachsten Mittel zu erzielen

worden sind.
SCHIRMGRIFF, PELIKAN MIT RUBINTROPFEN, AUF EINER KUGEL AUS KATZENAUGE.

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KOLLIER UND ANHÄNGER, MOTIV TULPENBLÄTTER

KOLLIER UND ANHÄNGER, WEINLAUB MIT OLIVINEN MIT BUNTEN PERLEN.

GEFASST, TRAUBEN AUS BUNTEN PERLEN. Sämtlich Entwürfe von W. L. v. Cranach. Ausführung von Gebr. Friedländer-Berlin.

Eine neue Aufgabe für die moderne Schmuckkunst.

Von R. Rücklin.

Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß es unserer bescheiden der einzelnen Spezialkünste, wie es zum ZustandeSchmuckkunst schwerer gefallen ist als den meisten Schwester- kommen eines harmonischen Gesamteindruckes in der Innenkünsten im Kunstgewerbe, sich in die Aufgaben und Ziele und Außendekoration notwendig ist, auf den Ausstellungen hineinzufinden, welche das neue, moderne Kunstempfinden niemals geübt werden konnte. Und das läßt sich auch speziell an sie stellte. Es wird das wohl zum großen Teil von der in dem wichtigsten Gebiete des Kunstgewerbes überhaupt, eigenartigen Stellung herkommen, welche der Schmuck in dem der Innendekoration, für die damalige Zeit als Hauptbezug auf sein Material und seine Benutzung einnimmt. Jenes fehler nachweisen: Jeder Bestandteil derselben, die Möbel, ist so kostbar und diese so intim persönlich, daß auch kunst- die Teppiche, die Tapeten, dekorative Ziergeräte und Bronzen verständige und -begeisterte Käufer und Käuferinnen bei – jedes suchte sich an seinem Teil möglichst in der Wirkung Schmuck gern sich auf das Sichere, Bewährte und Unauf- hervorzudrängen, nirgends wurde diejenige Selbstbescheidung fällige beschränken und es nach Möglichkeit vermeiden, un- geübt, welche notwendig ist, wenn ein harmonischer Gesamtsichere und gewagte Experimente mitzumachen. Damit ist eindruck entstehen soll. die vorhandene Verzögerung in bezug auf das Eindringen der

Das wurde alles erst anders und besser in dem Augenmodernen Kunstweise in den Schmuck wohl zu erklären. blicke, als man anfing, wenigstens für Ausstellungszwecke Jetzt aber ist seit dem ersten Auftreten derselben doch schon ganze Inneneinrichtungen aus einem Gusse zu schaffen, Zimmer, so viel Zeit verflossen,

bei denen ein und daß es wohl am Platze

derselbe Künstlererscheint, einmal die

wille maßgebend war Frage aufzuwerfen:

für die Ornamentation Sind wir nach all den

und Farbengebung Versuchen und Stu

der Tapete und den dien, nach all den

Aufbau der Möbel, künstlerischen und

für die Auswahl der technischen Fort

Bilder und die Art schritten und Erfolgen

der Fensterverglader letzten Jahre mit

sung, für die Form unserer Schmuck

der Beleuchtungsgekunst so weit, daß

räte und die Tönung wir sagen können,

des Fußbodentepsie steht in gleicher

pichs. Jetzt wurde Linie mit den übrigen

es klar, warum man Zweigen der moder

all die langen Jahre nen Gewerbekunst,

der Stilnachahmung sie ruht in gleichem

vergeblich danach Maße wie diese auf

gerungen hatte, zu so der Basis modernen

feinen und vornehmen Empfindens, von der

Gesamtleistungen zu aus eine harmonische

kommen, wie die alten Weiterentwickelung

Meister dies anscheinun erwartet werden

nend mühelos gekonnt darf? Ich glaube

hatten: Die künstleridiese Frage im all

sche Einheit unserer gemeinen mit ja, in

Kunsthandwerke war einem Punkte aber KOPFNADELN IN BLUMENFORM IN GOLD MIT PERLEN.

verloren gegangen, mit nein beantworten Entwurf von W. L. v. Cranach. Ausführung von Gebr. Friedländer-Berlin.

sie hatte sich in verzu müssen. Und

einzelte Spezialitäten dieser eine Punkt, wo's meinem Empfinden nach noch fehlt, zersplittert, von denen jede für sich strebte und arbeitete. das ist der künstlerische und organische Zusammenhang unserer Erst in der letzten Zeit, wo es üblich geworden ist, daß man Goldschmiedekunst mit den übrigen dekorativen Künsten. - die verschiedenen Gewerke, solange sie an einer InnenIch muß hier etwas weiter ausholen, um mich verständlich dekoration arbeiten, unter eine künstlerische Leitung zusammenzu machen.

faßt, haben wir wieder Leistungen von vornehmer GesamtWenn man zurückdenkt an die kunstgewerblichen Aus- haltung entstehen sehen. Was sind unsere Tapeten seither stellungen, wie sie etwa vor 15 und 20 Jahren üblich waren, ruhiger, was unsere Möbel schlichter und vornehmer, was so wird man bei der Vergleichung mit den heutigen Ver- unsere Geräte würdiger und feiner geworden, seitdem wir anstaltungen dieser Art einen großen Unterschied bemerken. gelernt haben, jedes Stück nicht nur für sich, sondern auf Früher stellte im allgemeinen jede kunstgewerbliche Spezialität sein Einordnen in eine Gesamtwirkung hin zu prüfen! Man für sich aus. Waren hier die Erzeugnisse der Keramik auf- kann es wohl sagen: Dieses neue Arbeits- und Ausstellungsgehäuft, so wandelte man dort durch Heere aufgestellter Möbel. prinzip, wie es am einheitlichsten und energischsten auf der Man bewunderte an der einen Stelle aufgestapelte Teppiche Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie vorgeführt wurde, und Tapeten und ließ sich anderswo von Schmuck und Gold- hat Wunder gewirkt und Segen verbreitet auf alle Gebiete schmiedearbeiten entzücken. Diese Dinge so zusammen- des Kunsthandwerkes. zustellen, daß man ihre gegenseitige Wirkung aufeinander, wie Bloß auf eines nicht – das ist das Gebiet der Schmucksie sich im praktischen Gebrauche ergibt, hätte prüfen können, kunst. daran dachte niemand. Die Folge davon war, daß ein Wie kommt das eigentlich? Es haben doch auch hier Arbeiten auf zusammenhanglose Prunkwirkungen hin ganz schon viele Künstler und Fachleute sich bemüht; Prächtiges allgemein Platz griff, daß das notwendige gegenseitige Sich- und Herzerquickendes ist geschaffen worden, und doch –

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unsere Schmuckkunst gewährt kein einheitliches Bild. Einzel- stimmung von Kleid und Schmuck und Gerät eine unbewußte leistungen da und dort – mehr als auf irgend einem anderen war, die sich auf natürlichem Wege, ohne Ausstellungen und Gebiete fehlt hier das tragende und fördernde Interesse des reformierende Aufsätze, entwickelt hatte, und daß man deskunstverständigen Publikums, fehlen die vom Besteller direkt halb heute dieser Entwickelung eben auch ihren Lauf lassen gegebenen größeren, zusammenfassenden, künstlerischen Auf- sollte. Man vergißt aber dabei, daß eben damals die geträge. Ich glaube, den Schlüssel dazu in dem zu finden, was samten Kulturverhältnisse unendlich viel einfachere waren als ich oben auseinandersetzte.

heute, und daß damals Einwirkungen und Prinzipien ihren Ich habe dort gesagt, das wichtigste Gebiet der Gewerbe- Weg allein machten, die bei unserer heutigen kulturellen Zerkünste sei das der Innendekoration; das ist, deutsch aus- klüftung besonderer und bewußter Nachhilfe bedürfen. Man gedrückt, die Kunst, dem Menschen seine Häuslichkeit zu be- gestatte mir, hier auseinanderzusetzen, wie ich mir dieses reiten und zu schmücken.

Zusammenwirken ins Dem stelle ich als zweit

Werk gesetzt denke, wichtigste — wenn eine

und man wird finden, Klassifikation hier über

daß mein Vorschlag ganz haupt am Platze ist –

und gar nicht etwa auf ein Gebiet gegenüber,

eine Umwälzung hinausdas wohl nur von den

läuft, sondern daß er bloß wenigsten in seinem Zu

das, was anerkanntersammenhange erkannt

maßen auf anderen wird: Die Kunst, den

Gebieten segensreich Körper des Menschen

gewirkt hat, auch auf unzu schmücken und aus

serem Spezialgebiete einzustatten. Diese Kunst

geführt wissen möchte. umfaßt die Gebiete

Das Ausschlaggedes Kleidermachens,

bende für die Hebung der Putzmacherei, die

unserer Gewerbekünste Schmuckherstellung und

in den letzten Jahren ist in weiterem Sinne noch

meinem Empfinden nach die des Hand- und Tafel

das öffentliche Zurschaugerätes. Diese Gebiete

stellen von Gesamtleihängen so eng mitein

stungen derselben geander zusammen, wie

wesen, also das Ausdie Ausstattungskünste

stellen von künstlerisch für die Wohnung. Wie

entworfenen Zimmereinjene, werden auch sie

richtungen und kleineren erst in einen gesunden,

Wohnhäusern. Suchen innerlichen Zusammen

wir dieses System doch hang kommen, wenn man

einmal auf diejenigen sie in ihrer äußerlichen

Künste anzuwenden, die Zusammengehörigkeit er

sich mit dem Schmuck kannt, gepflegt und vor

des menschlichen KörAugen gestellt haben

pers befassen, versuchen wird.

wir, im Zusammenhang Daß man bisher

künstlerisch zusammeneinzelne der von mir

gestimmte Kleidung, aufgezählten Gebiete,

Schmuck und Kleingewie die Kleider- und

räte auf der und jener Putzmacherei, nicht ge

Kunstausstellung vorzuwohnt war unter die

führen: Das wäre meines Künste zu rechnen, tut

Erachtens die einzige, nichts zur Sache. Was

aber ausreichende Mögnicht ist, wird noch

lichkeit, alle die Fragen werden. Wir haben jetzt

zu studieren, zu prüfen schon so viele Künstler

und zu lösen, die jetzt entwürfe für moderne FALZMESSER UND SPIEGEL.

noch offen sind: Wie Damenkleidung, wir Entworfen und ausgeführt von J. Kratina-Paris.

muß ein Kleid sein, von haben schon so viele (Aus „Dokumente des modernen Kunstgewerbes“, herausgegeben von Dr. H. Pudor.) dem Schmuck sich wirderartige Ausstellungen

kungsvoll abhebt? Wie gehabt, daß man auch in diesem Fache berechtigt ist, die muß Schmuck gearbeitet sein, damit er dem modernen Kleid besten Hoffnungen für die Zukunft zu hegen. Man kann etwa sich harmonisch einordnet? Wie können neue Kleiderformen sagen, daß wir auf diesem Gebiete heute so weit sind, wie Veranlassung zur Bildung neuer Schmuckformen geben? Wie auf dem der Innendekoration vor 15 Jahren: Erfreuliche Ein- muß all das Handgerät, Schirme, Stöcke, Börsen, Uhren. Tischzelleistungen, aber noch kein Zusammenwirken der einzelnen besteck, geformt sein, damit es eine Einheit bildet mit der Spezialzweige. Diese Lücke zu zeigen, ist eben der Zweck ganzen Erscheinung? meiner heutigen Zeilen.

Was ich damit sage, ist eigentlich kaum etwas anderes, Man wird vielleicht einwenden, daß es eine doktrinäre als was unser Beiblatt: „Schmuck und Mode“ erstrebt: mein Überschwenglichkeit sei. hier ein bewußtes und planmäßiges Vorschlag greift nur noch etwas weiter und gravitiert mehr Zusammenarbeiten zu verlangen. Man wird auf die blühend- nach der rein-künstlerischen als nach der geschäftlichen Seite. sten Zeiten unseres deutschen Kunstgewerbes hinweisen, die Es liegt mir also durchaus fern, die Arbeit von Schmuck und der Renaissance, und sagen, daß damals die feine Zusammen- Mode damit für weniger wichtig zu erklären; im Gegenteil.

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die Ausführung meines Vorschlages würde nur die Probe auf das Exempel sein, an dessen Lösung in unserer Zeitschrift schon so lange gearbeitet wird. Denn es ist ja einleuchtend, daß eine Zeitschrift der Natur der Sache nach nur zu neuen Versuchen anregen und über neue Erscheinungen berichten kann. Für die Lehren und Erfahrungen, welche eine praktische Ausführung mit sich bringt, kann sie keinerlei Ersatz bieten.

Es würde also gewissermaßen eine Kostümausstellung nach künstlerischen Entwürfen und unter künstlerischer Leitung in die Wege geleitet werden müssen, bei der auch jedes Zubehör an Schmuck und Gerät mit einbezogen und mit gleicher Liebe behandelt wäre wie das Kostüm selbst. Um das zu erreichen, müßte ein Künstler jeweils als Autor einer Gesamtausstattung auftreten: Die gleiche Persönlichkeit müßte den Entwurf zu Kleid, Hut, Schmuck und Kleingerät geliefert und ihre Ausführung geleitet resp. überwacht haben. Unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß das ein echter Künstler ist, würde man dadurch das Beispiel erhalten eines

getragen wird. Daß man dabei nicht auf die Geschmacklosigkeiten verfallen dürfte, die sich in den Schaufenstern unserer Modegeschäfte breit machen, wo man die Kleider über ausgestopfte Puppen mit Wachsgesichtern zieht, ist selbstverständlich. Jede Künstelei und Puppenhaftigkeit muß streng ausgeschlossen sein.

Einem naheliegenden Einwurf gegen meine Darlegung muß ich wohl noch begegnen. Man könnte sagen: Was kann das für einen Wert haben? Niemand, und wäre er der Reichste, wird sich doch für jedes Kleid einen besonderen Schmuck beilegen. Man braucht nun eben einmal öfter ein neues Kleid, als man einen neuen Schmuck sich anfertigen lassen kann und mag. Und wenn man eine Schmuckgarnitur auf mehreren Kleidern verwendet, so kann sie doch unmöglich zu allen passen.

So ist die Sache natürlich nicht gemeint, daß man eine Schmuckgarnitur nur zu einem ganz bestimmten Kleide und niemals zu einem anderen tragen dürfe, um etwas künstlerisch

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Schmuckes, der nicht versucht, das Kleid zu überprunken, und eines Kleides, das nicht unter gehäuftem Firlefanz den Schmuck erstickt und zudeckt. Man würde sehen, wie eine richtige Komposition des Kleides den Schmuck an gegebenen Plätzen geradezu fordert und wie ein einfacher, groß gezeichneter Schmuck so viel mehr ziert als ein überzierlicher und reicher. Man würde erproben können, daß dieser und jener Stoff und seine so oder anders geartete Bemusterung sich besonders als Untergrund eignet für bestimmte Farbenstimmungen und technische Ausführungen von Schmuck. Man würde wieder lernen, den Schmuck nicht nur als stolzen, im Grunde aber gleichgültigen Staat, sondern als Höhepunkt der weiblichen Kleidung anzusehen. Und vielleicht würde man sogar den Erfolg erleben, daß Aufträge an Künstler und Goldschmiede erteilt würden für Gesamtgarnituren von Schmuck, bei denen der künstlerische Entwurf und Ausführung bezahlt würden und nicht bloß die verwendeten Brillanten.

Die Aufmachung einer solchen Ausstellung denke ich mir ganz schlicht und einfach; das Kleid auf einem Kleidergestell dargestellt, wie das in Modemagazinen üblich. Daneben auf einem Tischchen oder einem besonderen Gestell Hut, Handschuhe, Schirm und dasjenige Kleingerät, das nicht am Kleid

zusammenstimmendes zu haben. Es fällt ja auch dem größten Kunstliebhaber nicht ein, für jede Neutapezierung neue Möbel sich zuzulegen. Aber seitdem es Möbel und Tapeten gibt, die aus dem richtigen Kunstempfinden heraus geschaffen sind, daß sie nur eine zierende, aber keine selbständige Wirkung ausüben sollen, stimmen sie von selber eher und naturgemäßer zusammen als dies früher der Fall war. Und ebenso wird jeder in richtigem Sinne moderne Schmuck in gewissen Grenzen zu jedem modernen Kleide passen, wenn sie einmal prinzipiell das richtige künstlerische Verhältnis zueinander gefunden haben werden. Das zu erreichen, dazu scheint mir die angedeutete Ausstellungsweise der gangbarste Weg zu sein.

Ich glaube nicht, daß es allzukühn ist, derartiges jetzt in Anregung zu bringen. Schon regen sich in einem Teil unserer Modezeitungen künstlerische Bestrebungen; schon sind da und dort künstlerisch entworfene Frauenkleider als Bestandteil von Kunstausstellungen aufgetreten. Schmuck und Silbergeräte haben sich künstlerischen Anregungen längst willig erschlossen: Es fehlt nur noch, daß sie beide zusammenfließen, um das hier Vorgeschlagene zur Tat werden zu lassen. Unsere Schmuck und Mode“ wird allen derartigen Vorgängen ein achtsames Auge schenken.

Moderner Schmuck.

Unter diesem Titel bringt eine der hervorragendsten diesen Teil näher einzugehen. Aber einen Passus, der sich auf deutschen Kunstgewerbezeitschriften, die „Dekorative Kunst“, den Zusammenhang von Schmuck und Mode bezieht, möchten (München, H. Bruckmann) eine ebenso umfangreiche, als wir unsern Lesern doch nicht vorenthalten. Es heißt da: glänzende Veröffentlichung. Sie bringt nicht weniger als „Bei all dem „Gebrauchsschmuck" spielt die Mode eine 80 Erzeugnisse modernen Künstlerschmuckes zur Anschauung, große Rolle, nicht nur für das „wie“, sondern auch für das als deren Autoren Namen wie Lalique, Lambert, Fouquet was“ ... es wäre aber zu raten, dem Augenblick abzulauschen, Vever, M. Bing, Feuillâtre aus Paris, Simpson aus Nottingham, was er an Veränderungen in der weiblichen Kleidung Musy aus Turin, Wilckens & Söhne aus Hamburg, Prutscher aus und damit auch in den Schmuckbedürfnissen bringt. Wien, Fred Dunn & Co., N. Thallmayr und Merk, München, Arthur Jetzt z. B. traten die Gürtelschließer weitaus in den VorderBerger aus Dresden, Th. Fahrner und W. Stöffler aus Pforzheim, grund, weil es bei der herrschenden Blusenmode kaum ein Erik Magnussen und Mogens Ballin aus Kopenhagen, Huber aus Kleid ohne Bluse gab, und keine Bluse ohne Gürtel. Die Budapest u. a. m. zu nennen sind. Wir sind durch das Ent lose getragenen Boleros erforderten häufig einen Zusammen

halt über der Brust; so entstanden ähnliche Schließen in
kleinerer Ausgabe, um auch für die nach rückwärts und
wieder nach vorwärts geschlungenen Halsbänder gute Dienste
zu leisten. Heute, wo van de Velde und manche andere
die ehrliche Betonung des Kleidschlusses im Gegensatz zur
bisherigen Verbergung desselben befürwortet haben, wird
sicherlich der Knopf in allen möglichen Varianten von Größe,
Form und Material seine Auferstehung feiern. Und weshalb
sollten ingeniöse Köpfe nicht auch andere Verschlußarten
ersinnen, deren Klapp- oder Druck-, Schließen- oder Haken-
vorrichtungen zugleich praktisch und schmückend wären, und
zu mannigfachster, neuer Formengebung Anlaß schüfen? Ahn-
liches hätte der vorne am Handgelenk jetzt so eng getragene
Armel schon längst
wünschenswert ge-

macht. Mit dem gür-
SILBERNE GÜRTELSCHLIESSE.

tellosen, häufig den Entworfen von Fred Dunn. Ausgeführt von Fred Dunn & Cie.-München. Ges. geschützt.

Hals freilassenden (Aus ,,Dekorative Kunst“, F. Bruckmann, München.)

Schulterkleid, das

allem Anschein nach, gegenkommen der Verlagshandlung in der Lage, unsern Lesern immer mehr und mehr einige Stichproben vorzulegen, die Zeugnis abgeben können an Boden gewinnt, für die Güte und geschmackvolle Auswahl der Illustrationen. wird manches getraEs ist so eine gedrängte Übersicht dessen gegeben, was die gen werden, was zu moderne Kunst aus dem Schmuck zu machen wußte, die dem hohen Stehinteressante Vergleichungen gestattet. Von den graziösen kragen und unterWerken Laliques mit ihrem traumhaft reichen, dem Auge und den brochenen Linien der Sinnen schmeichelnden Inhalt bis zu dem asketisch-strengen Blusen- und SchneiLiniengeschlinge, wie es die nordischen Künstler, Magnussen, derkleider nicht S. Wagner, M. Ballin, neuerdings auch auf Schmuck ange- paßte. Bandartiger wendet haben, findet man alle Übergänge, findet man die oder mehrreihiger Natur und die moderne Ornamentik in allen möglichen Auf- Kettenhalsschmuck fassungen vertreten. Sehr erfreulich ist zu beobachten, wie mit kleidsamem Abgut und reichlich, ja glänzend Deutschland vertreten ist. Da schluß wird wohl ist Fred Dunn & Co. in München, mit ausgeführten Arbeiten wieder in Aufnahme nach Entwürfen von F. Dunn, 0. Tragy und N. Thallmayr, kommen, und vor dann Wilckens & Söhne in Hamburg mit einer großen Anzahl allem die langen, Entwürfe zu ausgeführten Schmuckstücken, Arthur Berger in feingliederigen KetDresden, der Entwürfe von S. V. Cissarz, E. H. Walter, ten mit oder ohne E. & G. Kleinhempel und W. Weingärtner ausgeführt hat. Anhänger, denen nun W. Stöffler-Pforzheim ist mit einigen Arbeiten nach Entwürfen die Aufgabe zufällt, von W. 0. Dreßler vertreten, Hofjuwelier G. Merk-München allzu monotone Stoff SILBERNE, LICHT VERGOLDETE mit Stücken nach Zeichnung von Oppenheimer. Am originellsten flächen zu beleben, BROSCHE MIT KARNEOLEN UND und umfänglichsten präsentiert sich die Fabrik Th. Fahrner das „Fließende“ des

PERLEN. Pforzheim mit einer Kollektion von Gehängen nach Entwürfen Gewandes zu betonen Entworfen von J. V. Cissarz. Ges. geschützt. von Ferd. Morawe; ihr charakteristisches Merkmal besteht und die Bewegungen

(Aus: „Dekorative Kunst“, F. Bruckmann,

München.) darin, daß sie sich aus beweglich ineinandergehängten Einzel- des Körpers in zartem teilen zusammensetzen, die beim Tragen sich schmiegsam Echo ausklingen zu lassen. So sind die Anregungen für neuen und spielend der Unterlage anfügen werden. Eine wesent- Schmuck in erster Linie bei der Frau zu holen. Goldliche Besonderheit des Südeuropäischen Volksschmuckes schmied und Künstler müssen sie zu nützen wissen." erfährt damit eine überraschende Wiederbelebung.

Wir haben diesen ebenso vortrefflichen, wie zeitgemäßen Der Text bringt eine eingehende und verständnisvolle Wür- Ausführungen nichts hinzuzufügen. Wir wollen nur unserer digung für die Eigenart der vertretenen Künstler und Schmuck- Freude Ausdruck verleihen, daß nunmehr der notwendige gattungen. Da wir natürlich nicht in der Lage sind, die betreffenden Zusammenhang von Schmuck und Mode von unbefangener Abbildungen hier vorzuführen, so verzichten wir darauf, auf und kompetenter Seite anerkannt ist.

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