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5. Durch eine Urkunde über den Vertragsab

Herr X. Y. verpflichtet sich, die für Kommissionsware schluß. Dieses Beweismittel ist das untrüglichste. Es wird vereinnahmten Beträge alsbald foder allmonatlich ... oder über das Kommissionsgeschäft ein Schriftstück aufgesetzt, vierteljährlich] an Herrn N. N. abzuführen sund Rechnung aus welchem klar ersichtlich ist, daß die betreffenden Waren zu legen). nur in Kommission gegeben und genommen worden sind. Die

Herr X. Y. verpflichtet sich, bis zur Rückgabe des wesentlichen Erfordernisse eines solchen Schriftstückes sind: Kommissionsgutes dieses sorgfältig aufzubewahren und vor a) Bezeichnung der Parteien und der in Frage kommenden Beschädigungen und Verlusten zu schützen. Waren.

Die Rückforderung bezw. Rückgabe der Kommissionsb) Bezeichnung der Waren als Kommissionsgut.

ware kann jederzeit (nach Ablauf eines Jahres etc.) erfolgen.

Herrn X. Y. ist es nicht gestattet, ohne Zustimmung c) Festsetzung des Preises, welcher dem Kommittenten zu

des Herrn N. N., als Selbstkäufer aufzutreten. [Sollte Herr zahlen ist.

X. Y. die Waren nicht bis nach Ablauf eines Jahres zurückd) Bestimmungen darüber, wann der vereinnahmte Betrag gesandt haben, so verpflichtet er sich, dieselben käuflich an den Kommittenten abzuführen ist, ob sofort nach

zu übernehmen und Herrn N. N. den in Anlage I dafür festVereinnahmung, monatlich, vierteljährlich etc.

gesetzten Kaufpreis zu zahlen.) e) Bestimmungen darüber, wenn das Kommissionsgut zu

Berlin, den 15. Januar 1903. (Unterschriften.) rückgefordert bezw. zurückgegeben werden kann.

Dieses Schriftstück sichert beide Teile gegen Unannehmf) Bestimmungen darüber, ob der Kommissionär eventuell lichkeiten. Es ist ein ausreichendes Beweismittel dafür, daß

als Selbstkontrahent eintreten darf, oder ob er die Ver- die Waren dem Goldschmied nur in Kommission gegeben pflichtung übernimmt, wenn das Kommissionsgut nicht wurden. Was darin aber festgesetzt ist, muß auch der Goldinnerhalb bestimmter Frist zurückgesandt wird, dasselbe

schmied erfüllen. Er kann nicht beliebig von den Vertragskäuflich zu übernehmen und zu bezahlen.

punkten abweichen, denn nach § 384, Abs. 1 des Handelsg) Datum und Unterschrift beider Parteien.

gesetzbuches hat der Kommissionär die Interessen des

Kommittenten wahrzunehmen und dessen Weisungen zu Ein solches Schriftstück würde demnach etwa folgenden

befolgen. Einen solchen kurzen KommissionsverWortlaut haben:

trag schriftlich abzuschließen ist daher in allen Kommissionsvertrag.

Fällen für beide Teile der Vorsicht halber ratsam. Zwischen dem Grossisten, Herrn N. N. in Pforzheim, einerseits

Neben der Kommissionsware kommt im Geschäftsverkehr und

der Goldschmiede jetzt auch oft sogenannte Konsignationsdem Goldschmied, Herrn X. Y. in Berlin, andererseits

ware vor. Es ist dies jedoch meist nur ein anderer Aus

druck für Kommissionsware. Rechtlich spricht man von einem ist heute folgendes verabredet worden.

Konsignationsvertrag, wenn der Grossist (Kommittent) dem Herr N. N. liefert Herrn X. Y. auf dessen Wunsch die Goldschmied (Kommissionär) nach einem Verzeichnis bein der Anlage 1 näher verzeichneten Waren als Kommissions- stimmte Waren in Kommission sendet und darauf vom Goldware. Herr X. Y. verpflichtet sich, diese Waren für Rechnung schmied einen Vorschuß empfängt, was gewöhnlich durch des Herrn N. N. zu verkaufen und an denselben mindestens Wechselziehung (Tratte) geschieht. Ein solcher Vorschuß bedie in Anlage I aufgeführten Preise abzuführen. Der Mehr trägt etwa die Hälfte bis zwei Drittel des Fakturwertes. Meist erlös bildet den Verdienst des Herrn X. Y. für seine Tätig- ist dies nur beim überseeischen Handel üblich. Nur mißkeit als Kommissionär. Eine Provision ist daneben aus bräuchlich werden auch andere Kommissionsgeschäfte oft geschlossen.

Konsignationsgeschäfte genannt. Syndikus Hermann Pilz.

Internationale Rundschau.

Statt Rundschau könnte man ebenso gut auch internationaler Wetterbericht sagen und denselben nach berühmten Mustern ungefähr so abfassen: In den letzten Wochen lag über dem größten Teile Europas ein Minimum, dessen Wirkungen sich in (geschäftlicher) Depression äußerte, die um so mehr auffiel, als die vorangegangene Periode des Maximums auf die (Geschäfts-) Wetterlage sehr günstig eingewirkt hatte. Die Wetterpropheten sagen das Herannahen eines neuen Maximums erst für Ende Februar oder Anfang März voraus, dasselbe dürfte aber auch nur von kurzer Dauer sein und das darauf folgende Minimum wieder bis zum September aushalten. Schöne Aussichten! Aber tatsächlich ist auf der ganzen Linie des europäischen Geschäftsverkehres, soweit er unsere Gold- und Silberwaren-Industrie betrifft, nach dem vorübergehenden weihnachtlichen Aufschwung wieder eine gewisse Ruhe eingetreten, und daß die Zeiten bald wieder zufriedenstellende, wenn auch nicht gerade glänzende werden, ist kaum zu erhoffen.

In Frankreich ist das Weihnachtsgeschäft auch nicht besonders gewesen, und wenn der uns von dort zugegangene Bericht die Lage vielleicht zu schwarz schildert, so ist es doch beachtenswert, wenn darin bemerkt ist, daß die Kauf

lust 1902 noch geringer war wie 1901, wo sie auch schon nicht sehr groß war. Und doch wurde die Kauflust durch sehr viele Neuheiten in den namentlich in Paris geradezu glänzend ausgestatteten Schaufenstern angeregt, Neuheiten, die sich meist in den Formen des modernen Stils bewegten und von denen ein großer Teil, wie wir zu unserer Genugtuung feststellen können, aus Deutschland eingeführt worden ist. Jedoch erreichen die Deutschen immer noch nicht die graziöse Leichtigkeit in der Zeichnung und die Sorgfalt in der technischen Behandlung, die den Franzosen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Neben dem modernen Stil in Schmucksachen macht sich in Paris wieder mehr der Einfluß der Periode Louis XV. und der anderen Louis geltend, deren Formenschatz vielfach mit Glück mit modernen Linienführungen in Einklang zu bringen gesucht wird. A propos Louis XV. erzählt man sich eine nette kleine Geschichte, die kürzlich in einem Pariser Juwelierladen passiert sein soll. Ein den besseren Ständen angehöriger Herr betritt den Laden und läßt sich Jardinieren vorlegen. Der Juwelier zeigt ihm eine größere Louis XIV. zu 760 Franken und eine kleinere Louis XVI. zu 480 Franken. Beide Preise scheinen dem Käufer nicht zuzusagen, der eine ist ihm zu hoch, der andere zu niedrig. Er überlegt und fragt dann den Juwelier: „Pardon, haben wie leicht österreichische Punzierungsbeamte geneigt sind, Sie nicht eine Jardiniere Louis XV., ich wollte ungefähr aus diesem oder jenem Grunde besonders bei ausländischen 600 Franken anlegen."

Waren Anstände zu machen, wird sich denken können, zu Nach dem Vorbilde der deutschen Goldschmiede regen welchen Chikanen diese Verordnung führen kann. Die östersich nun auch die französischen zum Zwecke von Verbands- reichischen Grossisten haben übrigens auch ihrerseits gegen gründungen. Ein Verband der Fabrikanten von Juwelen- diese neue Verordnung Stellung genommen und am 12. Januar und Goldschmuck (Chambre Syndicale des fabricants de eine bezügliche Versammlung abgehalten, in der sehr lebhaft bijouterie et joaillerie) ist endgültig gegründet und hat ein debattiert und protestiert wurde. Ein Komitee wurde zur Bureau in Paris, 10 Rue de Lancry, eingerichtet. Der Ver. Behandlung der Angelegenheit eingesetzt und ihm gleichzeitig band nimmt aber nicht nur die Fabrikanten von Gold- und Auftrag erteilt, einleitende Schritte zur Gründung eines VerJuwelenschmuck auf, sondern auch diejenigen, welche in Silber bandes der Goldwaren- und Uhrengrossisten zu tun. Also und Doublé arbeiten, sowie die Verfertiger der kleinen Kunst- auch hier verbändelt es wie in Frankreich und England. bronzen. Die Detailleure sind ebenfalls am Werke; in Paris Der allgemeine niederländische Diamantarbeiter-Versind sie bereits organisiert in der Provinz regen sie sich band hielt kürzlich seine sechste Jahresversammlung in Amstermehr und mehr; in Hâvre haben sie jüngst eine Vereinigung dam ab. Der Vorsitzende Henri Polak berichtete, daß trotz gegründet und darin auch die Uhrmacher und Graveure auf der großen Aussperrung im vorigen Jahre die Mitgliederzahl genommen. Schrecklich, nicht wahr?

des Verbandes von 6400 auf 7500 gestiegen ist. Die EinDie Berichte aus England über das Weihnachtsgeschäft nahmen betrugen 185000 Gulden, wovon 153 440 Gulden für ist dort weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, wenn Unterstützungen bei Aussperrungen und Streiks ausgegeben auch einzelne, die ein gutes Geschäft gemacht haben, als wurden. Ausnahmen die Regel bestätigen. Seit 25 Jahren soll das Aus Südafrika kommt die Nachricht, daß die Frage Weihnachtsgeschäft nicht so schlecht gewesen sein wie im der Beiträge Transvaals oder vielmehr der dortigen Goldletzten Jahre. Das wird aber auch der tiefste Standpunkt industrie zu den Kosten des letzten Krieges nunmehr geregelt gewesen sein, und man hat allen Grund, das kommende Jahr sei. Es sollen danach zwei Transvaalanleihen ausgegeben als ein günstigeres zu erhoffen, obgleich die Kaufkraft des' werden, die erste von 40 Millionen Pfund Sterling mit Reichsenglischen Publikums durch das Anziehen der Steuerschraube gewähr und 3% Zinsen, um die von der Burenregierung überund das Teurerwerden des Lebensunterhaltes ungünstig be- nommenen Schuldverpflichtungen abzuzahlen und die Staatseinflußt worden ist. Am 28. ds. Mts. halten im Café Monico bahnen etc. von den Aktionären anzukaufen. Die zweite Anin London die dortigen Grossisten ihr jährliches Bankett ab, leihe von 30 Millionen Pfund Sterling mit 4% Zinsen fällt den wie sie dies schon seit mehreren Jahren eingeführt haben Staatseinnahmen der neuen Kolonien zur Last, 10 Millionen und mit dem Erfolge recht zufrieden sind. Dasselbe ist auch davon übernimmt die Goldindustrie sofort und den Rest von in Birmingham Sitte, und es ist jedenfalls eine gute Idee, 20 Millionen nach und nach, sobald sie imstande ist, diese nach dem Konkurrenzkampf des Jahres einmal wenigstens auf Belastung auf sich zu nehmen. Für dieses Entgegenkommen freundschaftliche Weise zusammen zu kommen und die Ge- der Goldindustrie soll ihr gestattet worden sein, zur Abhilfe danken auszutauschen; es dient dies dazu, manche Vorurteile des Arbeitermangels chinesische Kulis einzuführen. Heute zu beseitigen, sich besser kennen zu lernen und die „rauhen schon braucht die Goldindustrie zu ihrer gedeihlichen EntSeiten aneinander abzuschleifen“, wie die Engländer sagen. wickelung außer dem jetzigen Bestande 100 000 Arbeiter und Dieses Beispiel sei auch für Deutschland zur Nachahmung in fünf Jahren vielleicht das dreifache; weiße oder afrikanische empfohlen, obgleich unsere Grossisten schon im Verband Arbeiter gibt es aber nicht in genügender Zahl, und deshalb einen offiziellen Einigungspunkt haben. Unsere Fabrikanten muß man sich, obschon mit großem Widerwillen, an die seien dagegen darauf aufmerksam gemacht, daß in Birming- Chinesen halten. – Die Kimberley-Minen, die der De Beers ham sich schon drei Fabrikarten damit beschäftigen, Bijouterie Compagnie gehören, haben von Juni 1901 bis Juni 1902 für nach dem deutschen System zu erzeugen, um der deutschen 94 Millionen Mark Diamanten geliefert, die Unkosten betrugen Konkurrenz zu begegnen, und mit beträchtlichem Erfolge, wie 50 Millionen Mark, darunter 2 Millionen zur Verteidigung der wir hören!! Dies ist, nachdem wir uns den Markt in Eng- Minen während des Krieges, so daß ein Reingewinn von land kaum erobert haben, auch wegen des Exports nach den 44 Millionen Mark verbleibt. Aus dem aus den Gruben herKolonien, namentlich Süd-Afrika, wohl zu beachten!

ausbeförderten Schutt konnten im Laufe des Jahres noch In Osterreich ist am 27. Dezember eine Ministerial- kleine Diamanten im Werte von 5 Millionen Mark herausverfügung erschienen, die die scharfen Bestimmungen der gewaschen werden. Auch in der italienischen Kolonie Eritrea jenigen vom 4. September v. ). wesentlich mildert. Es wird in Ostafrika ist Gold gefunden worden, und auch dort hat nunmehr Abstand genommen von dem Leumunds- und Ge- sich eine Gesellschaft etabliert, die in den ersten 18 Monaten sundheitszeugnisse und von der Einreichung einer Photo- ihres Bestehens 4509 Tonnen Erz gefördert hat, die 654/, Kilo graphie, die Legitimationskarte soll für die ganze Dauer des Gold enthielten. Die Goldgewinnung der Welt wird für 1902 Engagements Gültigkeit haben, die Punzierungslegitimations- von dem nordamerikanischen Münzdirektor Roberts wie folgt karte dagegen bleibt bestehen, das heißt, die Verpflichtung, geschätzt: 1200 Millionen Mark gegen 1060 Millionen in 1901, beim Punzierungsamte jeder Stadt, wo ein solches besteht 1040 in 1900 und 1250 Millionen in 1899. Für Silber liegen und die der Reisende mit Gold- und Silberwaren, Juwelen leider keine Zahlen vor, und doch wären diese angesichts des und Uhren besucht, sich zur Kontrolle zu melden. Wer weiß, beständig fallenden Silberkurses außerordentlich interessant.

Gesunde Luft in Arbeits- und Wohnräumen.

Von Dr. Hans Braun, Berlin. Weshalb sehen Kinder, die auf dem Lande aufwachsen, das Fehlen von Licht und frischer Luft entbehren kann, so so frisch und gesund aus und Stadtkinder in der Regel so weist doch die Gesichtsfarbe vieler industrieller Arbeiter blaß und fahl aus? Kinder sind wie Pflanzen, die nur ge- darauf hin, daß der dauernde Mangel an Licht und frischer deihen bei Licht und frischer Luft. Wenn der erwachsene Luft auch bei einem sehr widerstandsfähigem Körper Unzuauch schon widerstandsfähiger ist und vielleichter einmal träglichkeiten nach sich zieht. Die beste Nahrung kann oft

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Kohlenstoffverbindungen des Blutes in ihre höchste Oxydationsstufe, in Kohlensäure, übergeführt. Dieser Oxydationsprozeß besteht in einer Verbrennung allerdings ohne Flammenerscheinungen. Die Produkte dieses chemischen Vorgangs sind die gleichen wie bei der Verbrennung von Kohlen, Holz und anderen organischen Materialien. Die Flamme ist bei einer Oxydation ein nebensächlicher Faktor, welcher meistens nur bei schnellem und plötzlichen Reaktionen in Erscheinung tritt. Andererseits ist diese aber stets mit Wärmeentwickelung verknüpft und die Höhe unserer Körpertemperatur ist abhängig von der Heftigkeit der im Organismus stattfindenden chemischen Reaktion. Mit Recht kann man deshalb unseren Körper als eine lebendige Wärmflasche für unsere Betten und Kleidungsstücke ansehen und Kühe und Pferde als Öfen unserer Ställe bezeichnen.

Das Verbrennen von Gas, Petroleum und Stearinkerzen, das Rauchen von Tabak ist also stets mit einer Anreicherung an Kohlensäure verknüpft, wobei der in der Luft enthaltene Sauerstoff sich in den angeführten Fällen allerdings unter Feuererscheinung mit dem Kohlenstoff jener Körper vereinigt. Auch die Benutzung von Öfen ist mit der Verminderung von Sauerstoff verknüpft, denn das Feuerungsmaterial kann nicht brennen, wenn die Zufuhr von Luft zu gering oder gar abgeschnitten ist.

Durch wissenschaftliche Untersuchungen ist festgestellt worden, daß die ausgeatmete Luft einen bedeutend höheren Kohlensäuregehalt besitzt als die eingeatmete. Bei den Tieren ist der Atmungsprozeß auf denselben chemischen Vorgang zurückzuführen.

Das alle Verbrennungen tatsächlich auf einer Sauerstoffaufnahme beruhen, beweist leicht folgender Versuch. Bringt man einen kleinen Lichtstumpf, der in einer Nußschale oder auf einem Korkblättchen befestigt auf Wasser schwimmt, unter eine Käseglocke, so wird man beobachten, daß die Flamme nach kurzer Zeit erlischt. Der Moment des Erlöschens zeigt an, daß aller unter der Glocke befindliche Sauerstoff beim Brennen der Kerze verbraucht worden ist. Die darauf folgende chemische Untersuchung der Luft ergibt nun, daß sie im wesentlichen aus Stickstoff und Kohlensäure besteht.

Es gehört nicht viel Überlegung dazu, um nach allem Gesagten zu dem Schluß zu kommen, daß unter solchen Umständen der atmosphärische Sauerstoff ja eines Tages verbraucht sein könne. Dieser Fall würde auch unbedingt eintreten müssen, wenn die Erde nicht ihr grünes Pflanzenkleid trüge. Der Atmungsprozeß der Pflanzen spielt sich nämlich gerade in umgekehrter Richtung ab wie der der Tiere und Menschen. Während letzere Sauerstoff einatmen und Kohlensäure abgeben, nimmt die Pflanze aus der Luft Kohlensäure auf. Unter dem Einfluß mikroskopisch kleiner Körper, die den Blättern ihre grüne Farbe verleihen und unter der Mitwirkung der Nährsalze, welche durch die Wurzeln aufgenommen werden, baut die Pflanze aus Kohlensäure Stärke, Zucker, Holzstoff und Eiweiß auf. Bei diesem Prozeß wird Sauerstoff als Nebenprodukt erzeugt und durch die feinen Atmungslöcher, die sich auf der Unterseite der

Blätter befinden, ausgestoßen. Demnach reinigen die Pflanzen also die Luft und aus diesem Grunde fordert die Gesundheitslehre von Gemeinde und Staat die Anlage von Schmuckplätzen und Gärten in größeren Städten. Nun hört man vielfach sagen, es sei ungesund „Blumenstöcke in Schlafzimmern aufzustellen. Handelt es sich um Blattpflanzen, so muß eine nachteilige Wirkung auf unseren Körper verneint werden. Wollte man aber Blumen, die in der Regel einen starken Duft ausströmen einen Standort in unserem Schlafzimmer anweisen, so ist unter gewissen Umständen eine nachteilige Wirkung auf unseren Gesundheitszustand nicht ausgeschlossen.

Aus alledem muß man folgern, daß Arbeits- und Wohnräume recht häufig zu lüften sind, um den verbrauchten Sauerstoff zu ersetzen und die entstandene Kohlensäure abzuleiten. Die Arbeiterschutzgesetzgebung schreibt deshalb für Betriebe, in denen starke Luftverunreinigungen vorkommen, besondere Lüftungsanlagen vor. Und auch der Goldschmied hat alle Ursache diesem Gesetz ohne staatlichen Zwang zu folgen. Schwefelsäure, Salzsäure, Salpetersäure und Ammoniak sind die Gase, die sich neben den normalen Verunreinigungen der Luft in der Goldschmiedewerkstatt nachweisen lassen. Ein kleiner Ventilator am Fenster saugt die schlechte Luft leicht ab, in den meisten Fällen wird es aber schon genügen ein hoch nach der Decke gelegenes Fenster beständig geöffnet zu halten, um einen Luftwechsel herbeizuführen. Die Metallindustrie, besonders aber diejenigen Zweige derselben, in denen mit der Feile gearbeitet wird, haben noch mit dem feinen Metallstaub zu rechnen, der eingeatmet sich leicht in den Lungen festsetzt und schwere Erkrankungen zur Folge haben kann. Bei unrichtiger Lebensweise, wie dies nur leider zu häufig vorkommt, siedeln sich in den durch die Verletzung empfindlichen Teil der Lunge leicht Tuberkelbazillen an, welche, wie bekannt, die Erreger der Lungenschwindsucht vorstellen. Da die Tuberkelbazillen im Kehricht oft monatelang ihre Lebenstätigkeit behalten können, ist eine tägliche nasse Reinigung der Werkstatt ein unbedingtes Erfordernis. Jeder Unternehmer, dem das Wohl seiner Arbeiter am Herzen liegt, müßte einen Paragraphen in seine Hausordnung aufnehmen, wonach es verboten wird, auf die Erde zu speien.

- Solche Warnungen finden wir bereits heute in Straßenbahnwagen, auf Bahnhöfen und in den meisten öffentlichen Gebäuden. – Zum Auffangen von Auswurf müssen entsprechende Gefäße aufgestellt werden, die mit Karbolwasser gefüllt, die Erreger jener großen Volksseuche beseitigen und am Verstäuben verhindern. Trocknet der Auswurf auf dem Erdboden allmählich aus, so verstäubt er sehr leicht und ruft unter den anderen, noch gesunden Arbeitern Ansteckungen hervor. Die Tuberkelbazillen sind also in Fabrikräumen, fast möchte man sagen, leider ein normaler Bestandteil der Luft. Begünstigt wird die Lungenschwindsucht ungemein durch schlechte Luft, also ein neues Moment, um für eine gute Ventilation der Arbeitsräume zu sorgen. Um die Staubentwickelung in Arbeitsräumen zu verhindern, soll man dem Waschwasser stets eine Kleinigkeit Glycerin zusetzen, welches das Austrocknen verhindert und den Staub am Fußboden festhält.

Oosten.

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Preisausschreiben des Hanauer Kunstgewerbe-Vereins 1902.

Von Dr. F. Quilling. Im Laufe des übernächsten Jahres feiert der Hanauer Kunstfreunde und das große Publikum sich im Anschauen Kunstgewerbe-Verein das Fest seines fünfundzwanzigjährigen und vergleichenden Studium der ausgestellten Schöpfungen Bestehens. Er wird es mit Stolz und Genugtuung feiern bilden. dürfen. Die künstlerischen Traditionen der altehrwürdigen Das vorjährige Preisausschreiben des Vereins war erstBijouteriestadt Hanau hat er vor nahezu einem Vierteljahr- mals nicht auf die Schüler der Königlichen Zeichenakademie hundert mit Verständnis und Selbstvermögen aufgenommen, zu Hanau beschränkt, sondern allgemein, sogar für Ausländer, er hat sie gepflegt und ausgebaut, er hat sie zu einer Höhe freigegeben. Der Erfolg hat die Berechtigung dieser Neuerung erhoben und auf ihr erhalten, daß die Stätte seines Wirkens erwiesen. 115 Entwürfe in über 200 Blättern gingen ein. auf dem Gebiete der Edelmetall- und Juwelierkunst zu den Die Beteiligung erstreckte sich nicht nur auf die verschiedensten ersten Industriezentren Deutschlands gezählt wird. Wer wie Teile Deutschlands, sondern auch auf das Ausland, indem der Verfasser

namentlich dieser Zeilen

England und aus der Groß

Frankreich verstadt Frankfurt

treten waren. a. Main nach

Der Inhalt Hanau kommt,

des Ausschreider ist erstaunt,

bens, zu deshier ein so leb

sen Teilnahme haftes künstle

am 24. Juni die risches Leben

Einladungen anzutreffen,

ergingen, ist daß die Han

bekannt. Es delsmetropole

handelte sich am Main besser

um die Lösung tut, auf einen

zweier AufVergleich zu

gaben: verzichten; ein AUS DER HANAUER SCHMUCK-KONKURRENZ.

I. Ein Blatt Verdienst, welEntwurf von E. Pehmeyer-Hanau. Hälfte des dritten Preises.

mit Entwürfen ches der Ha

von modernauer Kunstgewerbe-Verein mit für sich in Anspruch nehmen nem Damenschmuck unter beliebiger Anwendung von kann. Unter den Mitteln, mit denen er von jeher bestrebt war, edlen Metallen, Email, Edelsteinen und Perlen oder Halbkünstlerische Anregung in weiteste Kreise zu tragen, stehen edelsteinen; das Blatt mußte mindestens sechs verschiedene nicht in letzter Linie die Preisausschreiben kunstgewerblicher Schmuckgegenstände enthalten. Entwürfe. Über den Wert solcher Wettbewerbe sind heut II. Ein Blatt mit Entwürfen von Silbergeräten; entweder: zutage die Ansichten sehr verschieden. Hat doch jüngst erst

1 vollständiges Thee-Service, oder eine Anzahl namhafter Künstler in einem Aufrufe zur Stellung

1 Toilettentisch-Garnitur enthaltend. nahme dagegen aufgefordert. Aber die Preisausschreiben des Hanauer Kunstgewerbe-Vereins gehören nicht zu jener Kate

Für Aufgabe I gelangten 3 Preise und zwar ein Preis von gorie, welche die erwähnten Vertreter der Kunst — teilweise

Mk. 250.-, ein Preis von Mk. 150.—, ein Preis von Mk. 100.-, gewiß mit Recht – beseitigt wissen möchten. Es handelt

für Aufgabe II 2 Preise und zwar ein Preis von Mk. 250.—, sich bei ihnen nicht sowohl darum, möglichst billige und doch ein Preis von Mk. 150.- zur Verteilung; weiteren Arbeiten tüchtige Entwürfe zur praktischen Ausführung zu erlangen. konnten Belobungen zuerkannt werden. als vielmehr zunächst um den idealen Zweck, dem Kunstleben Das Preisgericht, bestehend aus den Herren: neue Impulse zu geben, indem einerseits dessen Berufs- Fabrikant Julius Steinheuer, Hanau, Vorsitzender des Hanauer genossen ihre Kräfte im Wettstreit stählen, andrerseits die Kunstgewerbe-Vereins,

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