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Es verlohnt sich, an die Vorgänge bei der letzten Erneuerung der Handelsverträge zu erinnern, bei denen es nur schwer gelang, für den damals noch viel bedeutenderen Export nach Italien erst infolge des viel später zu stande gekommenen schweizerisch-italienischen Handelsvertrages noch erträgliche Sätze zu erlangen. Unsere Industriellen wissen die Notwendigkeit guter Handelsverträge aus früheren Erfahrungen zu würdigen, Sie wissen nur zu gut, daß es gerade bei der Bijouterie nicht nur auf zuträgliche Tarifsätze ankommt, sondern auch auf den vertragsfreundlichen Geist, der verhindert, daß die oft sehr dehnbaren Kontrollbestimmungen vexatorisch gegen die deutschen Fabrikate angewendet werden. Wer die Belästigungen kennt, denen unsere Fabrikanten mit ihren Sendungen nach Österreich und Rußland anfangs der neunziger Jahre ausgesetzt waren, der wird den Wunsch nach freundlicher Behandlung auf den ausländischen Zoll- und Punzierungsämtern ohne weiteres teilen. Wie im Jahre 1900 die Schätzung ging, betrug damals die Ausfuhr der deutschen Edelmetallindustrie über 66 Millionen Mark, eine beträchtliche Summe, in welcher trotz des wertvollen Rohmateriales noch eine ganz erkleckliche Summe von Arbeitsverdienst und Unternehmergewinn steckt. Was davon dem Export verloren geht, drückt durch die Vermehrung des Angebotes alsbald auf den inländischen Markt. Es werden Arbeiter aufs Pflaster gesetzt, und es gehen Geschäfte ein, was in der eigentlichen Goldbijouterie heute noch immer sehr leicht zu bewerkstelligen ist, weil das in der Geschäftseinrichtung steckende Kapital gegenüber anderen Industrien trotz aller Fortschritte der Technik, welche sich auch die Bijouteriefabrikation zu Nutzen gemacht, noch immer verhältnismäßig gering ist

Um auf den Geschäftsgang in der Bijouterie zurück zukommen, so war dieser, wie schon kurz gestreift, für Inland und Ausland auch gegen Schluß des Jahres relativ gut. Unsere Fabrikanten waren durchweg von August an gut beschäftigt. Nicht selten wurde bis abends 9 oder 10 Uhr mit Überstunden gearbeitet, und das Geschäft hielt so bis spät gegen Weihnachten hin an. Das gab unseren Fabrikanten Mut, auch auf ein gedeihliches Ostergeschäft für die Saison 1903 zu hoffen. Man gab sich allenthalben große Mühe, neue und schöne Muster zu ersinnen und auszuführen und begab sich mit großen Erwartungen noch am zweiten Weihnachtsfeiertag auf die Reise. Die ersten brachten auch teilweise recht hübsche Aufträge nach Hause, einige Fabrikanten sind mit solchen bis tief in den Februar hinein versehen, aber nicht wenige kamen auch ziemlich enttäuscht zurück. Die Grossisten sind in ihren Bestellungen sehr zurückhaltend, sie trauen nicht und erklären auch diesem und jenem Fabrikanten, daß der Verkehr mit der Kundschaft schwieriger geworden, nicht ohne die Schuld vieler Fabrikanten, welche einzeln oder gruppenweise unter Umgehung der Grossisten mit den Detailleuren direkt arbeiten. Diese Ausschaltung des Grossisten ist nicht für jeden Fabrikanten von Nutzen. Einige werden später mit Schrecken bemerken, daß ihre Ausstände aus lauter kleinen Posten bestehen, die nur schwer auf die Zeit, zu welcher man das Geld notwendig haben sollte, hereinzubringen sind. Hauptsächlich der kleinere, zum Teil auch noch der mittlere Fabrikant ist kaum imstande, die zahlreiche Kundschaft, die er sich auf jährlich zwei Saisonreisen erworben, fortwährend zu kontrollieren. Der Großindustrielle, welcher über den entsprechenden Kontorapparat verfügt, kann das viel eher. Noch besser vermag das der Grossist, dessen Aufmerksamkeit nicht durch die Fabrikation abgelenkt wird. Da außerdem bei der Bijouterie der Verkauf vom Reiselager ab üblich ist, erfordert die Umgehung des Grossisten beim Fabrikanten einen größeren Aufwand an Mustern und damit mehr Betriebskapital, während für den Detailleur der Nachteil erwächst, daß er leicht in Versuchung gerät, sich einseitig zu assortieren oder zu viel Ware sich anzulegen, wenn er verschiedenen Geschmacksrichtungen gerecht werden will. Eine eingehende Würdigung der Vorteile und Nachteile des direkten Verkaufes vom Fabri

kanten an den Detailleur könnte unserer Industrie nur förderlich sein. Inzwischen wünschen wir, daß Fabrikanten, Grossisten und Detailleure recht gute Geschäfte auf Ostern machen.

Hanau. Auf das geschäftliche Unglücksjahr 1901 folgte das nicht viel günstigere 1902.

Die allgemeine Unsicherheit im Geschäftsleben, welche durch die vielen Krache und die dadurch bedingten großen Verluste eingetreten ist, trug nicht unwesentlich zu dem schlechten Geschäftsgange des vergangenen Jahres bei. Natürlich liegt die Hauptursache in dem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergange, welcher im Jahre 1901 am größten war.

Verschiedene an der Spitze von größeren Bank- und Handelsinstituten stehende Personen, darunter der Reichsbankpräsident, haben sich zuversichtlich über eine Wendung zum Besseren in der allgemeinen Lage ausgesprochen.

E s ist anzunehmen, daß diese Ansichten richtig sind, und daß für die Geschäftswelt wieder bessere Zeiten kommen. Daß dies nicht plötzlich der Fall sein kann, war vorauszusehen und läßt sich hieraus auch die nur geringe Besserung im vorigen Jahre erklären.

Am langsamsten zeigt sich eine Aufwärtsbewegung stets in der Luxusbranche und so kam es, daß man im ganzen verflossenen Jahre keinen rechten Zug im Geschäft bemerken konnte.

Das Frühjahrsgeschäft war im allgemeinen, infolge des schlechten Weihnachtsgeschäftes 1901, ruhig, der Sommer, als an und für sich stille Zeit, brachte keine Änderung und nur im Herbst zog das Geschäft etwas an.

Das Weihnachtsgeschäft war ja besser als im Vorjahre, doch machte sich der Geldmangel noch sehr fühlbar. In feinen Schmuckgegenständen war der Umsatz nicht gut. Gefragt wurde ja ziemlich, doch zerschlugen sich viele Geschäfte, wozu die hohen Steinpreise wesentlich mit beigetragen haben dürften.

Im Geschäftsgange des Vorjahres läßt sich daher eine, wenn auch nur geringe, Aufwärtsbewegung in der Bijouterieund Kettenbranche feststellen, während in der Juwelenbranche hiervon nichts zu verspüren war. Über den mit der letzteren eng verbundenen Steinhandel läßt sich das gleiche sagen, wenigstens so weit das deutsche Geschäft in Frage kommt.

Die Diamantschleifereien sind noch am besten gefahren, da sie die Krisis augenscheinlich überwunden haben. Durch große Einkäufe seitens Amerikas wurden die sehr groß gewordenen und festliegenden Lager ziemlich geräumt, so daß die Betriebe, welche ganz eingestellt waren, wieder eröffnet, und diejenigen, welche eingeschränkt waren, wieder vergrößert werden konnten. Einzelne Firmen haben auch für fremde Rechnung zu schleifen.

In den Silberwarenfabriken hat sich das Geschäft im großen und ganzen gebessert, wenn sich auch der Ausfall, welcher durch das Ausbleiben der Bestellungen aus England entstanden ist, fühlbar macht.

Möge das neue Jahr eine weitere erhebliche Besserung im Geschäft bringen und mögen die Hoffnungen, welche auf dasselbe gesetzt werden, sich auch erfüllen.

Schwäbisch Gmünd ist bekanntlich einer der ersten Industrieplätze des Deutschen Reiches für Metallgewerbe, speziell für kunstgewerbliche Arbeiten in Gold und Silber, feinen Bronzewaren u. S. W. Von einer stattlichen Reihe von ganz hervorragenden Etablissements werden Werke der besten Art, angepaßt der neuzeitlichen Kunstrichtung und den modernsten Anforderungen des Geschmackes, mit der Einhaltung echtesten Werkcharakters hervorgebracht. Die Erzeugnisse der meisten Firmen sind deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil sie massenhaft ins Publikum dringen und dadurch, daß sie trotz fabrikationsmäßiger Herstellung auch künstlerischen Ansprüchen genügen, sind sie geeignet, das Bestreben, den Kunstsinn im Publikum zu beleben, zu verallgemeinern, zu unterstützen. Was allerdings die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Gmünder Industrie anbelangt, so könnte man Veranlassung genug haben, in das allgemeine Klagelied des deutschen

Kunstgewerbes mit einzustimmen, obwohl auch manche Stimmen Den großen Markt beherrscht hier immer noch der Opal; gehört werden, die z. B. sagen, daß in dem heurigen Weih- die Rohsteine, die angeboten werden, gehen durchweg schnell nachtsgeschäft viel mehr Waren zum Versand gelangten, als ab und halten sich die Preise stets hoch. Besonders in feiner in den letzten Jahrgängen. Wie lange der allgemeine wirt- Ware ist stets starke Nachfrage und ist diese Rohware nur schaftliche Stillstand noch

selten und unter Bezahlung andauern wird, kann man

eines sehr hohen Preises zu nicht vorausbestimmen. Man

haben. wird aber gezwungen sein,

Eine gute Mittelware für mit einer längeren Dauer des

Bijouterie wird täglich in jetzt eingetretenen Tiefstan

großen Mengen umgesetzt des des gesamten Geschäfts

und dürfte sich hierin Anlebens rechnen zu müssen.

gebot und Nachfrage gleich Hauptsächlich hat der deut

bleiben, dagegen ist ganz sche Markt die Folgen der

billige Ware stark am Lager. früheren Überspannung der

Ein großer Abnehmer für industriellen Tätigkeit, diese

seine Ware ist nach wie vor Überproduktion in kunst

Amerika und England und gewerblichen und speziell in

haben in letzter Zeit verSchmuckarbeiten, noch nicht

schiedene große Häuser ganz überwunden. Erst allmählich

ansehnliche Käufe abgewird er dazu gelangen, in

schlossen. dem mit der Zeit wieder

Ein großes Geschäft wurde Produktion und Verbrauch in

auch in den letzten Monaten das richtige Verhältnis zu ein

von einigen hiesigen Firmen ander gebracht werden kön

in den Amerikanischen Flügelnen. Es sind in Gmünd in

und Baroque-Perlen gemacht. den letzten Jahren verschie

Diese Flügel werden sehr viel dene neue Firmen entstanden,

zu modernem Schmuck verund auch einige ältere Ge

arbeitet und wurden von hier schäfte haben ihre Anlagen

aus große Partien an den bedeutend verbessert und

Markt gebracht. Auch die vergrößert. Die Folge davon

Baroque-Oliven in allen mögist zur Zeit ein Mißverhältnis

lichen Steinen als Zwischenzwischen Produktions- und

teile für lange Ketten werden Aufnahmefähigkeit, ein Um

viel gearbeitet. Ob diese stand, der auch auf die Preis

Fantasie Sachen von langer verhältnisse von ungünstiger

Dauer sein werden, wird allEinwirkung sein muß. Wenn

gemein stark bezweifelt und auch die gegenwärtige Lage

ist deshalb Vorsicht geboten. Veranlassung zu geben

Amethyste und Topase sind scheint, mit etwas weniger

in letzter Zeit, hauptsächlich Besorgnis dem Sommer

gute Ware, sehr gesucht und geschäft entgegenzusehen, so

werden für feine Rohsteine, erscheint es doch fraglich,

die sogenannten „Spitzen“ ob bei der gesteigerten

bei den öffentlichen Auktionen Leistungsfähigkeit der hiesi

ganz horrende Preise verlangt gen Firmen den Erzeugnissen

und auch gezahlt, auch hierauch überall der größere AbPLAKETTE IN MARMOR GESCHNITTEN (EVA)

für sind die Amerikaner die satz zu teil wird. Hoffen wir in Stehrähmchen von Bronze, von A. Sautter, Bildhauer und Lehrer besten Käufer. das Beste! a. d. Großh. Kunstgewerbeschule, Pforzheim.

Die Diamantschleifereien Idar. Wie alljährlich um

arbeiten ebenfalls stets voll. diese Zeit, herrscht auch während der letzten

Die holländischen Arbeiter können sich allem Monate im hiesigen Industriebezirke reges

Anschein nach hier nicht heimisch fühlen, Leben. Sämtliche Fabriken arbeiten voll;

denn es herrscht stets ein Wechsel unter mitunter werden auch noch Überstunden

denselben. Es ist aber trotzdem noch immer gemacht. Allerdings hatten die alten Schleif

eine ansehnliche Anzahl hier. – Die Kettenmühlen mit Wasserbetrieb unter der empfind

industrie in Oberstein kann sich auch nicht lichen Kälte stark zu leiden und mußten

über flauen Geschäftsgang beklagen, sämteinige Stunden jeden Tag geopfert werden,

liche Fabriken haben vollauf Arbeit, besonum das große Wasserrad von den Eismassen SCHMUCKPLAKETTE ders sind die vergoldeten billigen langen Halszu befreien und gangbar zu machen.

von Professor A. Schmid,

ketten stets durch größere Aufträge verlangt. Ciseleur und Lehrer a. d. Gr. Kunstgewerbeschule,

Pforzheim.

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Kommissions- und Konsignations -Ware
im Geschäftsverkehr des Goldschmiedes.

Nicht immer wird vom Goldschmied auf feste Rechnung Börsen- oder Marktpreis haben, das ist jedoch bei Uhren, gekauft, obwohl dies der regelmäßige Warenbezug desselben Gold- und Silberwaren nicht der Fall. Der Goldschmied hat bleiben sollte.

also das Selbsteintrittsrecht des Kommissionärs nach § 400 Zuweilen kommt auch eine andere Form des Warenbezuges des Handelsgesetzbuches nicht. Er kann demnach, wenn er in Frage. Der Goldschmied will von größeren und kostbareren unredlich über das Kommissionsgut verfügt hätte, sich damit Stücken eine Auswahl haben, aber diese Stücke gehen seltner, nicht entschuldigen, daß er als Selbstkontrahent die Ware beund er will oder kann das Risiko nicht übernehmen, sie für halten und verkauft habe. feste Rechnung anzuschaffen. Er kann in seinem kleinen Ge Da nun Kommissionsgut im Eigentum des Lieferanten schäft nicht soviel Kapital festlegen, wie diese Stücke, nehmen bleibt, so kann es nicht nur seitens des Lieferanten vom Goldwir z. B. feinere Goldwaren, Ketten, Juwelenschmuck etc. an, schmied zurückgefordert, sondern auch von diesem zurückrepräsentieren würden.

gegeben werden, wenn die festgesetzte Zeit verstrichen ist. In diesem Falle versucht er Waren nur in Kommission zu Ist eine Frist nicht vereinbart, so kann nach Verlauf einer anerhalten. Solche Kommissionsware wird ihm auch in sein Ge- gemessenen Frist zurückgefordert und zurückgegeben werden. schäft gegeben, weil der Grossist oder Fabrikant ihm nicht für eine Beschädigung oder einen Verlust des soviel Kredit einräumen will, als nötig wäre, wenn er dem Kommissionsgutes hat der Goldschmied einzustehen, es Goldschmied die Ware gleich fest verkaufte. Derselbe hat sei denn, daß der Verlust oder die Beschädigung auf Umsich vielleicht eben erst etabliert. Seine Vermögensverhält ständen beruht, die auch die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufnisse sind bescheidene. Da ist Sicherheit notwendig.

mannes nicht abwenden konnte (S 390 des HandelsgesetzDas Bürgerliche Gesetzbuch kennt nun zwar in § 455 buches). Der Goldschmied muß das Kommissionsgut also einen sogenannten Eigentumsvorbehalt, d. h. der Verkäufer pfleglich aufbewahren, vor schädlichen Einflüssen der Witteeiner beweglichen Sache kann sich an dieser das Eigentum bis rung etc. schützen. Geht es bei einem Brand unter, zur Zahlung des Kaufpreises vorbehalten, und der Käufer er den er nicht verschuldet hat, oder bei einem Einwirbt erst Eigentum, wenn die Sache vollständig bezahlt ist; bruchsdiebstahl, so kann er nicht verantwortlich aber mit diesem Eigentumsvorbehalt ist im Geschäftsverkehr gemacht werden. unter Kaufleuten oder Gewerbetreibenden deshalb nichts zu Da der Lieferant Eigentümer der Kommissionsware bleibt, machen, weil der Goldschmied, wenn er sich nicht einer kann er auch im Konkursfalle des Goldschmiedes die Unterschlagung schuldig machen wollte, den Gegenstand ja Kommissionsware aus der Masse herausfordern. Er hat nach nicht eher verkaufen könnte als bis er bezahlt ist. Daher § 43 der Konkursordnung einen Aussonderungsanspruch, wird auch in solchen Fällen Kommissionsware geliefert. den er ohne weiteres geltend machen kann. Der Konkurs

Wie sind nun die Rechtsverhältnisse bei der Kommissions- verwalter hat ihm dann das Kommissionsgut, ohne daß es ware? Kommissionär ist jeder, der es gewerbsmäßig über- der Erfüllung besonderer Formalitäten bedürfte, auszuhändigen, nimmt, Waren für Rechnung eines anderen (des Kommittenten) da es dem Gemeinschuldner nicht gehört. in eigenem Namen zu verkaufen (8 383 des Handelsgesetz

Natürlich muß in den Fällen, wo das Kommissionsgut buches). Der Goldschmied, der Ware in Kommission erhält, reklamiert wird, bewiesen werden, daß Kommissionsgut vorist Kommissionär, der Grossist oder Fabrikant, der sie ihm liegt. Die Beweisfrage kann für beide Teile von Interesse liefert, ist Kommittent.

sein. Der Goldschmied soll die Ware bezahlen, obwohl sie Die hauptsächlichste Wirkung des Kommissionsvertrages von ihm nur als Kommissionsware auf Lager genommen ist also die, daß der Lieferant Eigentümer des Kom- worden ist. Der Lieferant verlangt die Ware zurück, weil missionsgutes bleibt, und der Kommissionär die Ware er sie anderweit unterbringen kann. Der Goldschmied benur für ihn verkauft. Der Grossist bleibt Eigentümer hauptet, es liege ein fester Kauf vor. Der Lieferant will den der Gold- und Silberwaren, und der Goldschmied ver- Goldschmied belangen, weil er rechtswidrig über den Warenkauft sie in seinem Geschäftslokale zwar in eigenem Namen, bestand verfügt hat. Er erstattet Anzeige wegen Unteraber für die Rechnung seines Lieferanten. Der Lieferant ist schlagung; der Goldschmied wendet ein, daß er fest gekauft also insoweit gesichert, daß der Goldschmied über die Ware habe. Der Grossist verlangt Aussonderung der Waren aus nicht in seinem Nutzen verfügen darf. Wenn er sie z. B. der Konkursmasse, weil sie nur in Kommission gegeben seien. verschleudert und den Erlös für sich vertut, wenn er sie auf Der Konkursverwalter bestreitet, daß Kommissionsware vordem Leihhaus versetzt etc., macht er sich der Unterschlagung liege. schuldig und kann in Strafe genommen werden. Der Kom

Wie wird in allen diesen Fällen nachgewiesen, missionär hat nach § 384 des Handelsgesetzbuches den Kom- daß Kommissionsware in Frage kommt? mittenten von dem Verkauf zu benachrichtigen und ihm den

1. Durch die Korrespondenz. Der Goldschmied hat erlangten Kaufpreis einzusenden. Verfügt er selbst über den

brieflich Ware in Kommission verlangt, der Grossist hat ihm Kaufpreis, so kann auch darin eine Unterschlagung gefunden

solche mit entsprechender Bestätigung gesandt. werden, wenn nur jeweilig nachgewiesen werden kann, daß er in eigenem Interesse das Geld zum Nachteil seines Kom

2. Durch Zeugen, wenn die Verhandlungen mündlich

geführt worden sind. Im Konkursfalle kann auch der Gemittenten ausgegeben hat. Wer also Waren auf Kommission 80

meinschuldner selbst als Zeuge darüber gehört werden, ob empfängt, muß dafür sorgen, daß er den Erlös aus ihnen jederzeit oder doch zu dem verabredeten Termin an den

Kommissionsgut vorliegt. Lieferanten abführen kann.

3. Durch Vorlage der Bücher. Der Lieferant legt Nun hat aber der Kommissionär nach Handelsrecht die sein Buch vor, aus welchem hervorgeht, daß er KommissionsBefugnis. als Selbstkontrahent aufzutreten. d. h. er kann ware sandte. Der Goldschmied wird zur Vorlegung seiner erklären. daß er die Ware selbst als Käufer übernehme. Man Bücher gezwungen. Ist die Ware auch in diesen als Komkönnte also glauben, daß der Goldschmied ohne weiteres über missionsware eingetragen, so wird ein Beweis geschaffen. das Kommissionsgut durch Selbsteintritt verfügen könnte. Dem Ist letzteres nicht der Fall, so ist kein ausreichender Beweis ist aber nicht so. Das Selbsteintrittsrecht ist dem Kommis- erbracht. sionär nur beim Verkauf von Waren gestattet, die einen 4. Durch Eideszuschiebung an den Gegner.

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SI

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