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als vielmehr für die Zutaten und für die überaus mühevolle Verarbeitung zur Toilette Summen anzulegen, welche in gar keinem Verhältnis stehen zum Schmucke, der zu diesen Konfektionskunststücken getragen wird. Der Versuch, hier alle Gründe aufzuzählen, würde zu weit führen; es dürfte auch zwecklos sein, da der archimedische Punkt schon gefunden zu sein scheint, von dem aus eine Umwälzung der Gesamtanschauung über Kleidung bei unseren Damen sich langsam aber sicher bewirken läßt. Dieser Punkt liegt genau in der Linie unserer gesamten modern-künstlerischen Entwickelung. Von hier aus kommen die starken Anregungen, welche je länger, je mehr unsere Damen dazu bewegen, auch ihre Kleidung nicht mehr vom rein modischen, sondern vom ästhetischen Standpunkt aus zu beurteilen. Wer Ohren hat zu hören, der ist jetzt gar oft überrascht über Aussprüche wie: „Auf diese an sich sehr schöne Modeform muß ich verzichten, sie würde mich zu breit erscheinen lassen“, oder: „Diese verschiedenen Linien müssen nun durch einen Knoten, eine Agraffe oder dergl. zusammengefaßt werden, sie wirken sonst zu unruhig“, oder: „Nun sollte man alten oder Bauernschmuck haben, damit die schlichten Reformkleider einen ausdrucksvollen Reiz empfingen, durch Spangen, welche das Zusammenfassen einzelner Teile oder durch Ketten, welche das Bewegliche der Stofflinien noch besonders betonten.“ –

So fängt der neue Geist an bei unseren Damen sich zu äußern – jetzt ist die Zeit der Schmuckkünstler gekommen, jetzt heißt es mit feinem Ohr erlauschen, was unsere Damen brauchen, um ihre Bekleidungsideen durch Schmuck zu vollem Ausdruck zu bringen, durch Schmuck, nicht durch Bänder oder Passementerie. Hier ist die Klippe, an der wieder alles scheitern könnte: Bänder und Passementerie traten bisher an die dem Schmuck gebührende Stelle. Denn letzterer ließ sich nicht so vielseitig verwenden, daß er bei den verschiedenartigen Kleiderformen stets an der richtigen Stelle die beabsichtigte Funktion

KOSTÜM nach Entwurf von Prof. P. Schulze-Naumburg, ausgeführt von H. Gerson, Modehaus, Berlin.

SCHMUCKDETAIL

kommt die Mannigfaltigkeit reizvoller Linienführungen, welche durch die Ketten hervorgebracht werden, je nach der veränderten Stellung von Brosche, Spange und Schieber, wobei die Ketten stets beweglich durch diese hindurchgezogen werden

hätte übernehmen können. Für jedes Kleid konnte wohl eine besondere Passementerie oder dergl. gekauft werden, nicht aber für jedes ein besonderer Schmuck.

Mit den Schmuckstücken, die wir in unserer diesmaligen Schmuck- und Mode-Nummer, sowohl in Verbindung mit Kostümfiguren, als in naturgroßen Abbildungen vorführen, ist nun ein höchst bedeutsamer Schritt getan in der Erfindung von Schmucktypen, welche imstande sind, sich dem Schnitt der Kleidung anzupassen. Die Photographien der 4 Frauengestalten, welche die 4 verschiedenen Typen in Verwendung darstellen, vermitteln schon sehr verlockende Vorstellungen von dem eigenartigen Reize, der durch diese originelle Verbindung von Ketten mit Broschen, Spangen, und reich ausgestalteten Schiebern hervorgebracht wird. Sie beweisen zudem, daß diese Schmuckstücke sich ebensogut für modische wie für Reformkleidung eignen und endlich, daß dieser moderne Schmuck außer seinem ästhetischen, sogar noch ganz praktische Zwecke erfüllt als Träger von Uhr, Zwicker, Bleifeder, Flacon oder dergl.

Es bedarf aber noch eines aufmerksamen Betrachtens der Schmuckstücke in der Hand, um ganz in die Feinheiten dieser Erfindung sich einzuleben, um ganz zu erkennen, wie folgerichtig die Lösung des Problems von dem Künstler und dem Techniker angestrebt und erreicht wurde. Durch die praktischen und originellen Verschlußvorrichtungen, deren feine und doch kräftige Nadeln sich ohne Schädigung durch den Stoff führen lassen und ihre Sicherung in kleinen Vertiefungen am untern Teil der Klappe finden, ist die Möglichkeit gegeben, das Schmuckstück an jeder beliebigen Stelle des Kleides vollkommen sicher zu befestigen. Dazu

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KOSTÜM nach Entwurf von Prof. P. Schulze - Naumburg, ausgeführt von H. Gerson, Modehaus, Berlin.

Dazu: Neuer Kettenschmuck.

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Zu Diamanten. So lang am Sonnenlichte Das Auge sich erfreut Und tausendfach Gedichte Das Herz dem Frühling beut, So lang mit buntem Kranze Die Erde noch sich schmückt, Wird auch vom Demant-Glanze Der Menschen Herz entzückt. – Dir weih' ich Demantsteine, Und seh' ich dich geschmückt Mit ihrer hehren Reine Wie wird mein Herz entzückt!

MODERNES PARISER PELZKOSTÜM.

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PFORZHEIMER BESTECK- UND SILBERWAREN-FABRIK LUTZ & WEISS .:. PFORZHEIM

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