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BIN

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Wie singt doch Mirza Schaffy:

Ein graues Auge
Ein schlaues Auge;
Auf schelmische Launen
Deuten die braunen;
Des Auges Bläue
Bedeutet Treue;
Doch eines schwarzen Aug's Gefunkel

Ist so wie Gottes Wege, dunkel. Schwarze Augen sind aber auch sehr gefährlich. Hört man doch zuweilen, daß ihnen schon manches freiheitsdürstende Herz zum Opfer gefallen sei. Wie verführerisch sie ihr holdes Antlitz hinter dem durchsichtigen Fächer zu verbergen sucht. O, sie weiß es ganz genau, daß der Fächer die anmutsvollen Züge nicht verdecken kann. Der Wirkung ihrer feurigen Augen ist sie sich voll und ganz bewußt, diese moderne Nymphe Kalypso!

Fest schmiegen sich Rock und Taille an den üppigen Körper an. Über der freien Schulter eine Perlen- oder Brillantenschnur zu tragen, ist eine schöne Sitte, die sich mehr und mehr einbürgert. Heben sich Perlen und Steine doch so reizend von der durchsichtigen, rosigen Haut ab. Zwischen dieser und der Farbe der weichen Seide besteht nur ein geringer Unterschied – so geschickt ist die Nuance ausgewählt. Über der hellrosa farbenen Seide breitet sich ein zarter Mousseline aus, der mit eingestickten Sonnenblumen über und über besäet ist. Das lebhafte, frische Grün der Blätter steht in wirkungsvollem Gegensatz zu dem goldigen Gelb der riesigen Blüten, welche besonders der Taille einen eigenartigen Schmuck gewähren. Tief ausgeschnitten fällt jene vorn etwas bauschig herunter und aus ihren losen Falten schaut verstohlen eine feine Brillantenriviere hervor. Der halblange Ärmel aus alten, echten Spitzen gefertigt, flutet in weiten Puffen über den schön geformten Arm herab.

Dem Fächer sieht man den Kunstwert sofort an. Das weiße Perlmuttergestell mit seinem reichen Brillantenschmuck ist nur dazu angetan, die dunklen Augensterne noch gefährlicher zu machen. Heiß wird jedem Kavalier das Blut durch die Adern rinnen, wenn er sich mit ihrer schönen Besitzerin im Walzertakte wiegt. Dieser echte deutsche Tanz – Schleifer nennen ihn in manchen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes noch die Bauern – ist eigentlich nichts für jene Schöne, welche die Fächersprache so ausgezeichnet zu verstehen scheint. Mazurka, Krakowiak, recht feurig und wild, dünken uns ihrem Temperament mehr zu entsprechen.

Im Tanz äußert sich die Freude des Menschen. Aber auch das Tier tanzt vor Freude. Wer hätte noch nicht dem Spiele der Mücken zugeschaut, die in einem warmen Sonnenstrahl ihre schön verschlungenen Linien beschreiben. Vögel und Fische verstehen es meisterhaft, hoch oben in den Lüften oder tief unten im Wasser wundervolle scheinbar einstudierte Reigen aufzuführen, die den aufmerksamen Beobachter an unsere Gesellschaftstänze erinnern. Von unkultivierten Völkern wird uns berichtet, daß der Sieger vor Freude um den erlegten Feind herum springt. Durch Ordnung und Gesetzmäßigkeit in diesen Bewegungen hat sich der Tanz entwickelt. So ist er bei den alten Völkern auch in die gottesdienstlichen Handlungen aufgenommen worden, deren ietzte Reste uns in den Prozessionen der katholischen Kirche erhalten sind. Die ausgebreiteten Arme gen Morgen gerichtet, begrüßen mit sanften, gleichmäßigen Körperbewegungen die Orientalen die aufgehende Sonne.

BALLKLEID, dazu ein Perlmutterfächer mit Brillant-Schulterketten,

Ringe, Armband, Anhänger.

Der „Pfau“ scheint während eines Contres oder beim Tanzen einer Quadrille diese Bewegungen mit echt morgenländischer Grazie nachzuahmen. Wie sie den Arm schützend vor ihr Antlitz beugt, als flehe sie zu dem Sonnengotte, ihre Schönheit nicht unter den versengenden Gluten des Tagesgestirnes verdorren zu lassen.

Oder will sie uns nur den schönen antiken Schmuck zeigen, der fest die beiden Oberarme umspannt. Wie natürlich windet sich die Schlange dort empor! – Der große orientalische Ohrring! – Und nun das eigenartige Gewand, welches im Schnitt an ein Reformkostüm erinnert, durch die eingestickten Pfauenfedern aber dennoch an morgenländischen Kleiderschmuck gemahnt. Sie hat es meisterhaft verstanden, den Orient und den Occident in diesem Kostüm zu vereinigen.

Im alten Griechenland galt der Pfau als ein der Hera geheiligter Vogel, und heute noch bildet die Pfauenfeder bekanntlich im himmlischen Reiche das Rangabzeichen der Mandarinen. Auch bei der deutschen Ritterschaft im Mittelalter war die Pfauenfeder als Helmschmuck sehr beliebt, und die Edelfrauen fächelten sich Kühlung zu mit Wedeln aus Pfauenfedern.

Ein Stück Geschichte scheint an unserem Geist herüber zu ziehen, wenn wir diesen „Pfau“ betrachten.

Wie so ganz anders doch die junge Dame, welche das Lied versinnbildlicht. Während der „Pfau“ und die schöne Krakowiaktänzerin des Titelblattes durch ihrer Augen Gluten der Männer Herzen entzünden, überkommt uns eine weiche Stimmung, wenn wir „das Lied“ betrachten. Obwohl unser Bild es nicht farbig wiedergibt, erkennen wir dennoch die blonden Locken und echte, deutsche, blaue Augen.

Des Auges Bläue

Bedeutet Treue. Soll ein Siegeslied, ein Kriegergesang durch dieses Lied dargestellt werden? - Musik von Trompeten und Pauken?

Nein! Uns will es scheinen, als wolle die junge Dame ein lieblich Frühlingslied ausdrücken – Frühlingszauber – Lerchenjubel – Duft von Veilchen und Maiblumen. – Ein Lied, wie es Lenau, Freiligrath und Geibel gesungen - ein Lied von der blühenden, goldenen Zeit, ein Lied von den Tagen der Rosen.

Oder soll das Gewand ein einfaches, deutsches Volkslied bedeuten ? -- Ännchen von Tharau ? - Oder:

Ach wie ist's möglich dann,
Daß ich Dich lassen kann,
Hab' Dich von Herzen lieb,

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Das glaube mir.

Sie erscheint uns wie eine holde Maid Altgermaniens.

Aus den blonden Locken des Scheitels schaut hoheitsvoll ein zartes Diadem hervor, und obwohl das Kostüm antik erscheinen mag, folgt ihre schöne Trägerin doch ganz der Mode. Auch sie schürzt das Gewand über die freie Schulter hinweg mit einer doppelten Perlenschnur. Der leichte Armel aus Mull ist an dem Armband befestigt.

Die ganze Erscheinung macht einen feenhaften, ganz eigenartigen Eindruck.

Von Vergnügungen stehen die Kostümfeste im Vordergrund der Interessen. Es ist eine nicht abzuleugnende Tatsache, daß man von Jahr zu Jahr den Maskenball immer mehr meidet. Man kann nicht sagen, Kostümfeste seien jetzt Mode nein, es scheint vielmehr, als ob sich selbst im Vergnügen eine ernstere Lebensanschauung ausprägen wollte. Man kann diese Tatsache auch auf anderen künstlerischen Gebieten beobachten. Hat doch das Überbretti sich nicht lange zu behaupten verstanden. - Überall bevorzugt der Gebildete doch stets eine reine und solide Kunst. Diese Richtung mag daran schuld sein, daß man vom Maskenball nichts mehr wissen will. Bleibt er doch stets immer nur Mummenschanz.

Kostümfeste dagegen besitzen unzweifelhaft ein künstlerisch-erzieherisches Moment. Muß man doch erst lange reiflich überlegen und sorgsam ausprobieren, · bis der Anzug den modernen Anforderungen entspricht. Bei diesen Gelegenheiten wird stets auf einen vornehmen Schmuck großer Wert gelegt. Eine Dame würde sich gewiß einer sehr scharfen Kritik aussetzen, wollte sie auf einem Kostümfest im Theaterflitter erscheinen. Man will bei solchen Gelegenheiten keinen Schmuck sehen, der aus kostbaren Brillanten, Perlen und Edelsteinen zusammengefügt ist, sondern vielmehr Schmuck, dessen Wert lediglich in der künstlerischen Ausführung liegt.

Dieser edlen und stets zu unterstützenden Bestrebung trägt unsere moderne Schmuckindus trie voll und ganz Rechnung. Wir haben es nicht nötig, nach Paris oder Wien zu gehen, um passende Stücke zu finden. Unser deutscher Goldschmied hat Schule gemacht und versteht es seit einer Reihe von Jahren eigene Modelle zu einem angemessenen Preis zu liefern. Man soll nur einmal die Schaufensterauslagen betrachten. Goldene und silberne Ringe, Ketten, Broschen, Anhänger, Armbänder

und wie man das Rüstzeug der schmucken Frau Mode noch sonst zu bezeichnen pflegt, bieten sich unserem überraschten Auge dar. Man möchte sich fragen, ob all diese schönen Geschmeide denn eigentlich der modernen Industrie entstammen oder ob ein glücklicher Zufall uns die holden Gefilde der Antike eröffnet.

In der technischen Bearbeitung von Gold- und Silberwaren besitzen wir heute eine so große Praxis und reichliche Erfahrung, daß es uns nicht nur möglich geworden ist, antiken Schmuck der Form nach zu kopieren, sondern auch modernen Erzeugnissen einen solchen Schmelz des Aussehens zu geben, daß der Laie oft nicht glauben mag, daß Gold oder Silber vor ihm liege. Es hat langer Jahre bedurft, bis der deutsche Goldschmied eingesehen, wie richtig es ist, wenn auch der äußeren Ausstattung eines Schmuckes das richtige Interesse entgegengebracht wird. Zum Ruhme unserer deutschen Goldschmiedekunst sei es gesagt, daß sie es gelernt hat, solche Färbungen und Emaillierungen vorzunehmen, von denen man noch vor zehn Jahren annahm, daß nur ausländische Intelligenz sie fertig bringe. Früher ist das Ausland unser Lehrmeister gewesen und heute lernt man von uns.

Die Motive sucht der moderne Goldschmied ebenso wie die griechische Kunst in der Natur. In ihrer Auffassung ist aber im Laufe der letzten Jahre eine bedeutende Anderung eingetreten. Suchte man früher der Natur in ihrer äußeren Form möglichst nahe zu kommen, so bietet sie uns heute nur Anregung. Früher genügte Jedem ein goldenes Herzchen, ein Kreuzlein oder das Symbol der Hoffnung. Man bildete wohl Tiere oder Blüten nach, aber stets nur in der Absicht, äußere Umrisse zu gewinnen, deren Inneres mit Steinen ausgelegt werden sollte. Heute tritt diese naturalistische Idee ebenfalls allgemein hervor – allerdings in ganz anderer Weise. Entweder versucht man Form und Farbe genau nachzubilden oder man idealisiert das Tier oder einen schönen Pflanzenteil. Im genauen Gegensatz hierzu steht die Richtung, welche durch Linien, gerade oder in schönen Schwingungen reizende Effekte hervorbringt. Die letztere finden wir ausgeprägt in einer Gürtelschnalle aus oxydiertem Silber mit zwei roten Steinen. Edellinien nennt man diese Art der Ornamente. Auch die zweite Gürtelschnalle mit ihren eigenartigen Formen, die ein S darstellen, repräsentiert sich reizend in grünlichem Mattgold mit einem Lapislazuli. Die beiden Broschen müssen wir gleichfalls als dieser Richtung angehörig bezeichnen. Die eine halbmondförmig mit blauen Steinen, die andere aus oxydiertem Silber erregt den Anschein, als ob die äußeren Linien nur vorhanden seien, um die drei großen Steine zu tragen.

Den Übergang zu der naturalistischen Idee stellt jene Brosche dar, von der man genau sieht, daß die Anordnung der einzelnen Felder auf die Biene hindeuten soll. Sie nimmt sich übrigens reizend aus mit ihren erdbeerfarbenen Steinen und ihrem grünen und blauen Email. Der Anhänger, der leicht um unser Titelbild geschlungen scheint, muß unbedingt zu dieser Gruppe gezählt werden. Glatte und einige geschwungene Linien geben die Form, die von einem Blätterring zusammengehalten werden.

Wie ganz anders repräsentiert sich dagegen die Gürtelschnalle, die einen Greifenkopf darstellt. Im weit gesperrten Schnabel hält das Tier einen grünen Stein. Die übrigen Körperteile scheint sogar der aufmerksame Beobachter nicht zu vermissen, denn die äußeren Umrisse laufen sanft in schöne Linien aus, die der ganzen Schnalle ihre vorteilhafte Form geben. Übrigens trägt man zu derartigen Schnallen an einer langen Kette gern noch einen Anhänger, der das Bild der Schnalle verkleinert wiedergibt. In modernen Ringen vermögen unsere Schmuckkünstler eigenartige Erzeugnisse zu schaffen. Ein anmutiger Frauenkopf lacht uns entgegen – die Augen sind aber nicht etwa mit Steinen markiert, das wäre veraltet, - das offene Haar wirbelt lose um das schöne Haupt – der Wind scheint mit den Locken sein Spiel zu treiben, so daß wir es kaum bemerken, wie die langen Haarwellen schließlich den Finger umspannen.

Unsere Wetterpropheten hatten schon im Sommer einen strengen Winter vorausgesagt. Die gelehrten Herren sollen, wie man gern behauptet, sich gar oft irren, aber diesmal scheint ihr Rechenexempel doch richtig gewesen zu sein. Auf der spiegelglatten Eisfläche tummeln sich schon seit zwei Monaten unsere jungen Damen. Die Boa flattert im Winde und man könnte Angst haben, daß Boreas oder der rauhe Nordost die wärmende ,,Pelzschlange“ dem schönen Hals entführe. Aber der einfachen Mechanik einer modernen Boaschnalle können die bausbäckigen Winde jedoch nichts anhaben. An den wärmenden Pelzjaketts sieht man vielfach die talergroßen Knöpfe, die mit Steinen in den schönsten Farben geschmackvoll besetzt sind. Wirkungsvoll heben sie sich von dem dunklen Astrachan ab.

Der Pelz gehört zu denjenigen Bekleidungsstücken, die sich die Gunst der Frau Mode am längsten zu behaupten gewußt haben. Schon in grauer Vorzeit hat man Pelze getragen und damals ebenso wie heute nicht nur als Bekleidungsstück, sondern auch als Luxusartikel. Und eine merkwürdige Erscheinung ist es, daß die Mode seit Jahrhunderten befiehlt, in jedem Lande denjenigen Pelz zu tragen, der von möglichst weit herkommt. Von den alten Griechen und Römern

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DER PFAU.

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