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heim zu Grunde liegt, sind die Seitenteile sehr originell und schmiegsam. Das keulenförmige Mittelstück vermag damit freilich nicht organisch zusammenzugehen. Auf die Anordnung des Blattes sei noch besonders aufmerksam gemacht.

Im Text bringen wir noch zwei Arbeiten von M. Boutet de Monvel, eines Pariser Schmuckkünstlers, der in der letzten Zeit in den Vordergrund getreten ist, und zwei harmonisch wirkende Entwürfe von A. Leutfeld in Hanau (S. 128 u. 129).

Die ganzseitige Illustration auf S. 125 stellt ein Schreibservice von Walter Scherf & Co. in Nürnberg dar; dasselbe ist aus einer neuen Metallkomposition, Osiris, die einen schönen und unveränderlichen Silberton besitzt. Die einzelnen Stücke dieser Schreibtischausstattung sind mit dem Stempel „Nürnberger Handwerkskunst“ gezeichnet und dadurch gekennzeichnet als Werk einer Gruppe in und um Nürnberg entstandener kunstgewerblicher Arbeiten, die vom Bayrischen Gewerbemuseum auf ihren künstlerischen Wert hin geprüft und für gut befunden worden sind.

Die Abbildungen kirchlicher Arbeiten sind besonders besprochen.

Von unsern Tafeln stellen die zwischen Seite 116 und 117 sechs markig gezeichnete Entwürfe zu den gegenwärtig modernen großen Schmuckknöpfen in Silber oder Unecht dar, von Professor Döpler d. J. am Kgl. Kunstgewerbemuseum in Berlin. Hier ist, fast ohne Hinzuziehung des Ornamentes, mit frischer Darstellung der Natur gearbeitet, die sich willig und mit Geschick in die Schranken des gegebenen Raumes einpaßt.

Zwei Mustertafeln für Schmuck liegen unserem Hefte heute bei, die eine von Maler R. Langner in München, die andere von D. Buch-Pforzheim. Mit letzterem bringen wir zum erstenmal eine solche Schmucktafel in farbiger Ausführung und hoffen, unseren Lesern damit eine Freude zu

bereiten. Wenn es uns irgend möglich ist, sollen künftighin öfters farbige Tafeln erscheinen, da sie doch ein ungleich lebendigeres Bild des fertigen Gegenstandes geben als eine einfarbige Darstellung. – Die Entwürfe auf beiden Blättern sind für Ausführung in Gold oder vergoldetem Silber und reicher Emailausstattung gedacht.

Nach diesen freien Künstlerentwürfen möchten wir unsere Leser auf die beiden Extrabeilagen aus Hanau aufmerksam machen, die von den beiden rühmlichst bekannten Firmen W. Steinheuer und J. M. Krug herrühren. Hier zeigt sich die moderne Stilrichtung in ihrer industriellen Ausgestaltung, wie sie sich in der Fabrikations- und Verkaufspraxis eingebürgert hat. Und die peinlich sorgfältige und getreue Wiedergabe läßt die ganze Gediegenheit einer alteingesessenen Gold- und Juwelenindustrie erkennen. Während das Blatt von M. Krug Nachf. lediglich Juwelenarbeiten enthält, sind unter den Arbeiten von Steinheuer & Co. auch Mattgold, Farbsteine und schwarze Perlen, sowie an den Vogelköpfen) transparent Email vertreten.

Einen Handelsartikel, der erfreulicherweise eine lebhafte Aufnahme zu finden scheint, sehen wir auf dem Beiblatt von R. Unverferth - Pforzheim in den Norwegischen Filigranschmuckstücken, von denen wir ja auch schon in No. 11 einige Stücke abgebildet hatten.

Eine steigende Wichtigkeit wird in dem Gold- und Silberschmiedegewerbe den Etuis, Etalagen und Behältern für Schmuck und Silberwaren beigemessen. Wie auch hier von den betreffenden Spezialgeschäften den modernen Anforderungen Rechnung getragen wird, zeigt das Beiblatt der Firma J. & G. Gottschalck in Leipzig, auf dem in farbiger Darstellung eine Anzahl von typischen Formen für moderne Etuis und Besteckkasten vereinigt sind.

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Reformkostüm und Schmuck.

Nachdem die Leitung des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede dieses Thema auf die Tagesordnung des diesjährigen Verbandstages gesetzt hat, dürfen wir uns wohl gestatten, auch an dieser Stelle einmal offiziell auf dasselbe einzugehen. Es ist nicht unsere Sache, hier zu der Frage an und für sich Stellung zu nehmen, denn wir behandeln in erster Linie den Schmuck, in zweiter erst ziehen wir das Kleid als notwendige Grundlage für denselben in Betracht. Ganz besonders muß uns da natürlich der Wechsel des Geschmackes in der weiblichen Kleidung interessieren, und von diesem Gesichtspunkt aus sei zunächst auch diejenige neue Strömung betrachtet, deren Resultate man unter der Bezeichnung: „Reformkostüm“ zusammenzufassen pflegt. Die Frage, ob dasselbe sich dauernd einbürgern werde, können wir hier ruhig beiseite lassen. Wenn es nichts ist, als eine Mode wie jede andere auch, so können wir es ebensowenig unberücksichtigt lassen, als irgend eine Modeschwenkung, die für den Schmuck von Bedeutung scheint.

Und das Reformkleid scheint wirklich für den Schmuck von Bedeutung werden zu können. Seine großen, ruhigen Flächen, seine klaren, stark wirkenden Linien fordern zum Metallschmuck förmlich auf. Da aber der Raum in „Schmuck und Mode“ beschränkt ist, und Probieren bekanntlich über Studieren geht, so wollen wir uns heute damit begnügen, einige Beispiele von Reformkostümen mit Schmuck zu bringen und zu betrachten, dagegen auf theoretische Erwägungen allgemeiner Art zunächst zu verzichten.

Die nebenstehende Figur stellt eine bekannte moderne Schauspielerin vor (Madame Cavalieri), welche das Reformkleid zuerst auf die Bühne gebracht hat. Das Kostüm, in dem dieselbe hier abgebildet ist, zeigt sie in einem stark in die Taille geschnittenen Reformkostüm von ganz eigenartiger Zusammenstellung. Der Grundstoff ist schwarzer Sammet. Darüber her liegt schwarzer, reich mit glänzenden Pailleten gestickter Tüll. Es ist schon aus der Abbildung ersichtlich, welch großartig vornehme Wirkung dadurch erzielt wird und wie fein dieses Kleid mit dem dunklen Haar zusammengeht. Der Ausschnitt des Kleides ist besonders eigenartig und wirksam begrenzt. Der breite Brustgürtel und die kurzen Armel sind aus goldfarbigem, schuppenartig gemustertem Gewebe

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hergestellt, auf dem breite, schwarze Seidentressen aufgenäht wurden.

Zu einem solchen Kostüm muß ein reicher Brillantschmuck vorzüglich wirken. Einen solchen zeigt unsere Abbildung, wobei man allerdings gestehen muß, daß die Zusammenstellung des Schmuckes an aparter und vornehmer Wirkung sich mit dem Kleide nicht vergleichen läßt. Der Halsschmuck ist zu massiv und das Diadem unruhig und zerfahren in der Komposition. Kein Zweifel, daß, im ganzen betrachtet, sowohl das Diadem als auch das Brillantenkollier eine prächtige Ergänzung zu dem Kostüme bilden. Aber bedauerlich ist es, daß, namentlich bei dem Diadem, so wenig Ruhe und Feinheit darin herrscht.

Es ist überhaupt eine merkwürdige Erscheinung, daß der moderne Brillantschmuck sich so gar nicht zu einer künstlerisch wertvollen, typischen Formgebung durchringen kann. Allen Errungenschaften der modernen Kunstrichtung zum Trotz macht sich hier meistenteils ein sehr wenig feinfühliger Naturalismus breit, der ebenso gekünstelt wie unkünstlerisch gehandhabt zu werden pflegt. Welch ein sinnloser Formgedanke ist es doch eigentlich, wenn, wie auf unserer Abbildung, eine Anzahl brillantener Bandschlupfe auf eine Damenfrisur gesetzt werden, um die ganze Erscheinung krönend abzuschließen! Da ist doch das Kollier mit seiner anspruchlosen Reihung von karmoisierten Brillantfassungen unvergleichlich viel sachlicher und künstlerischer gedacht. Ich glaube

weniger damit abquälen sollte, durch gefaßte Brillanten anspruchsvolle und bedeutsame Formen darzustellen. Der Brillant wirkt für sich so stark und schmückend, daß die anspruchsloseste Form der Zusammenstellung für ihn auch die feinste und sinngemäßeste ist. Ruhe und Feinheit ist es, was der Brillantschmuck am ehesten verliert; seine künstlerische Verwendung müßte im wesentlichen darauf ausgehen, sie ihm zu wahren.

Bei Fig. 1 hat der Schmuck mit dem Kleide nur negativ etwas zu tun, insofern als er sich auf diejenigen Körperteile beschränkt, welche hier von der Bekleidung frei sind, also Kopf, Hals, Brust und Arme. Er könnte also natürlich und ohne weiteres auch zu einem Taillenkostüme getragen werden. Aber es schien uns interessant, an diesem Beispiel zu zeigen, wie gut sich das Reformkleid auch zu den Zwecken der höchsten Repräsentation eignet.

Unsere zweite Kostümabbildung zeigt ein Kostüm mit eigens dazu gefertigtem Silberschmuck. Beides ist nach dem Entwurfe eines namhaften Karlsruher Künstlers, des Malers Hellmut Eichrodt, ausgeführt. Daß es dazu kam, das hat seine kleine Vorgeschichte. Der „Verein zur Verbesserung der Frauentracht" in Karlsruhe hielt im Frühjahre eine Ausstellung von Reformkostümen ab, für welche der genannte Künstler ein von ihm entworfenes Kostüm angemeldet hatte. Auf Veranlassung der Redaktion der Deutschen Goldschmiede - Zeitung“ erklärte sich einerseits Herr

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