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hier das Meisterwerk zustande gebracht, bei aller Treue München, und C. Lortz in Würzburg hat der Künstler gegen die Überlieferung doch wahrhaft originell zu sein. ebenbürtige Mitarbeiter gefunden. Die Goldschmiede

An den von uns genannten Mitarbeitern, dem Bild- arbeit ist an den besprochenen Arbeiten eine in jeder hauer B. Schmitt und den Goldschmieden Harrach & Sohn, Beziehung vorzügliche und ihrer hohen Aufgabe würdige.

Zur Ästhetik der modernen Münze.

Von Dr. Heinrich Pudor.

durch die

werkersuchen gefehltid die Münzen

Es geht heute eine breite Strömung durch die werk in die Hand geben können. – Es hat nicht Lande, welche das Bestreben verfolgt, alle unsere Ge- an Versuchen gefehlt, die ästhetische Bedeutung der brauchsgegenstände, alles, was wir in die Hand nehmen Münze zu nutzen und die Münzen selbst schöner zu und täglich vor Augen haben, zu ästhetisieren, nicht gestalten. Im Jahre 1891 wurde in Berlin vom Reaber der Kunst nur als Sonntagskind, im Museum oder gierungsrat von Brakenhausen ein Vortrag über die im Glasschrank, in der guten Stube oder im Antiquitätenschrein seine Reverenz zu machen. Auch der Kaiser hatte kürzlich dieser Auffassung einer Popularisierung und zugleich Demokratisierung der Kunst, welche durchaus nicht eine Herabwürdigung der Kunst einschließt, Ausdruck gegeben. Gibt es nun aber einen Gegenstand, der eine größere Verbreitung hat, den wir öfter in die Hand nehmen, der in gleicher Weise durch die Hände des Reichen wie des Armen geht, als das Geld? Und wenn der Reiche mehr davon hat und unter Umständen mehr davon ausgibt, so dreht es dafür der Arme öfter in den Fingern herum. Hier hätten wir also ein Mittel, einen Einfluß ohne gleichen nach dieser Richtung auf die breitesten Volksmassen auszuüben. Bei den Palästen, bei den Statuen und Gemälden laufen die meisten vorüber, da sie nicht die Kunst zu sehen gelernt haben. Das Geldstück aber muß jeder anschauen, ehe er es ausgibt, und wenn es heute fast niemals auf seine künstlerische Schönheit und technische Ausführung hin betrachtet wird, so ist es nicht immer so gewesen: im Renaissancezeitalter war die Münze anerkennenswert volkstümlich. Einseitigem schnöden Geldmaterialismus könnte vielleicht gerade eine Erziehung des Volkes zur ästhetischen Würdigung der Münze die Wege abschneiden. Vergessen wir nicht, daß wir hier dem Volke A. LEUTFELD, HANAU.

SILBERBECHER-ENTWURF.

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Verschönerung der modernen Münzen gehalten, welcher stellt wird, und da. vor allem die Wirkung auf diese manche willkommene Anregungen gab, die nur leider Weise eine brutale und ordinäre wird: gerade die nicht befolgt wurden. In Hamburg setzte in den Feinheit und Delikatesse der Linie bestimmt die künstJahren 1890 bis 92 auf einem verwandten Gebiete eine lerische Wirkung des Flachreliefs. Die neuen FünfBewegung ein, welche auf eine Wiedererweckung der mark-Stücke vom Jahre 1903 sind nach dieser Richtung Medaille hinstrebte (vergleiche A. Lichtwarks gleich als eine Brutalisierung des edleren Münzstiles zu bebetitelte Schrift) und diese wiederum lehnte sich an zeichnen und erinnern an gewisse photoplastische Verdie in Frankreich auf das Jahr 1868 zurückgehende suche. In der Reliefplastik darf das Relief sich wohl Bewegung an: am 2. Mai 1868 nämlich hatte der an einzelnen Stellen frei im Hochrelief erheben, muß Chemiker Dumas einen Vortrag über den Niedergang dagegen an anderen Stellen flach abfallen und sich an des Medaillenstiles gehalten. Von da ab kann man den Hindergrund anlehnen, damit der einheitliche Zudie Bewegung zur Neugestaltung des Medaillenwesens sammenschluß von Hindergrund und Relief nicht gein Frankreich, dessen hervorragendste Vertreter Chap- stört wird. Bei den Fünfmark-Stücken tritt dagegen lain, Roty und später Charpentier waren, datieren. das Relief ringsum an allen Stellen scharf hervor, und Lichtwark sah die Arbeiten dieser Künstler in Kopen- hierzu kommt noch, daß die Silhouette, wie sich jeder hagen im Jacobson-Museum und war so entzückt, daß durch den Augenschein überzeugen kann, eine bedauerer sich in Paris einem gründlichen Studium derselben lich grobe ist. Von der Feinheit und Delikatesse der hingab und danach in Hamburg eine Bewegung der Silhouette hängt aber die ästhetische Wirkung des Medaille mit Erfolg einleitete.

Flachreliefs sehr wesentlich ab. Und da man das Relief Aber mit der Münze ist es darum doch noch vom Grunde stark abheben ließ, war man genötigt, nicht besser geworden, obwohl vieles, was für die den Rand ebenfalls hoch zu bilden, so daß die Wirkung Medaille gefordert wurde, auch von der Münze gelten auch hier brutalisiert wird, zumal der Rand auch noch konnte.

durch die erwähnte Einfassung betont ist. Wir müssen Vor einer Reihe von Jahren ließ man zwar von aber bedenken, daß die Linienführung des Kreises an Doepler einen neuen Reichsadler entwerfen, aber man und für sich eine zwingende Gewalt hat. kann nicht behaupten, daß derselbe einen wesent Abgesehen nun davon, daß die Münze schön lichen Fortschritt bedeutet oder daß die Münzen klingen muß und daß sie aus gutem Material bestehen wesentlich schöner geworden wären.

muß, muß sie Denkmünze sein, d. h. an das wichtigste Am meisten hindernd für eine Asthetisierung der Ereignis des Jahres anknüpfen. Vor allem aber muß Münzen war der Umstand, daß die Börse und die sie ihrem Charakter nach einerseits national und andererVerwaltungskassen verlangen, daß man die Münzen in seits volkstümlich sein. National sind die heutigen Rollen packen könne. Das schließt nämlich einerseits Münzen, volkstümlich sind sie nicht. Einer unserer eine starke Reliefbehandlung der Prägung aus und besten neudeutschen Plakettenkünstler, Alfred Bosselt, fordert andererseits einen scharf sich abhebenden Rand. Darmstadt, hat kürzlich mit Recht mit folgenden Worten Letzterer ist einer künstlerischen Behandlung der Münze den Stab über unser modernes Münzwesen gebrochen: ebenso wie der Medaille sehr hinderlich, und das „Mit der Kunst haben sie jeden Zusammenhang geRelief wird weniger wirkungsvoll sein, wenn es weniger brochen, denn diese schematischen, alle an derselben stark hervortritt. Da man die stärkere Reliefbehandlung Stelle mit geschwungener Linie guillotinierten Fürstenzwar nicht aus ästhetischen Gründen, wohl aber aus bildnisse können keinen Anspruch mehr darauf erheben. praktischen Gründen – daß nämlich die Schrift desto Und dann diese Rückseiten, diese ausdruckslosen Rückdeutlicher zu lesen sei - wünschte, half man sich, seiten mit der so korrekten, gutgesinnten, mit einzelnen indem man den Rand entsprechend stark hervortreten Buchstabenstempeln eingeschlagenen Schrift!" Mit ließ: vergleiche z. B. die neuen Zehnpfennigstücke, bei Recht verlangt Bosselt, daß man sich zur Herstellung denen die Vorderseite mit der großen Zehn außer- der Münzmedaille an Künstler wenden soll. ordentlich deutlich zu lesen ist, zugleich aber nicht An und für sich war der Gedanke, größere Münzen das geringste ästhetische Gefühl rege macht, es sei in Silber herzustellen, gutzuheißen. Nur ist nicht eindenn nach der negativen Seite.

zusehen, warum man nicht auch in Gold größere Einen ferneren wesentlichen Nachteil unserer Münzen prägen sollte. Von Brakenhausen schlägt sogar Münzen bildet die Schrift, welche in allen Fällen jeder vor, Hundertmark-Stücke aus Gold herzustellen. Vom Eigenart und jeden Charakters entbehrt. Dazu kommt, praktischen Gesichtspunkte aus würde man freilich hierdaß meistens zu viel Schrift aufgeprägt ist.

gegen Einwendungen erheben können, falls es sich Vergleicht man Münzen aus dem letzten Jahrzehnt wenigstens nicht um Denkmünzen handelt. Wohl aber mit solchen aus den siebziger Jahren, z. B. die be könnten ähnlich den französischen Vierzigfrancs-Stücken treffenden Zweimarkstücke, so ist ein Fortschritt un- und englischen Fünfpfund-Stücken Vierzigmark-Stücke verkennbar, der hauptsächlich darauf fußt, daß das in Gold geprägt werden, die auch unseren Börsen sehr Relief höher ist. Aber auch die Modellierung hat willkommen sein werden. Die Hauptsache aber ist, daß offenbar im ersteren Fall in weit geschickteren künst- die Münzprägung im allgemeinen nicht nur nach techlerischen Händen gelegen, als im letzteren Fall. Der nischen und praktischen Gesichtspunkten durchgeführt Rand und auf der Rückseite die Schrift verderben da- wird, sondern auch nach künstlerischen. Nicht nur gegen alles. Und was die hohe Reliefbehandlung be- praktisch und national soll die Münze sein, sondern trifft, so muß davor gewarnt werden, da einerseits auch schön im modern-künstlerischen Sinne und volkssich um so mehr Schmutz ansammeln kann und anderer- tümlich. Dann wird die Münze ein bedeutendes Mittel seits die Münze um so schneller abgegriffen, also ent- zur Ästhetik der Volksmassen bilden. -

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Die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ erscheint heute in neuem Gewande, in einem Umschlag, der mit einem Entwurfe von Professor P. Behrens in Düsseldorf geziert ist. Dieser Meister moderner Linienkunst hat damit eine Arbeit geliefert, von der wir hoffen, daß ihre schlichten und kraftvollen Linien unsern Lesern stets einen angenehmen und mit Freude begrüßten Anblick bieten werden. Unsre bisherige Titelzeichnung wird ebenfalls in Benutzung bleiben, dergestalt, daß am 1. jeden Monats der heutige, am 15. der bisherige Umschlag zur Verwendung gelangen wird.

Von dem gleichen Künstler, der vor kurzem von Darmstadt, wo er Mitglied der Künstlerkolonie war, als Direktor an die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule berufen wurde, bringt unsre heutige Nummer noch drei Tafeln, die gleich an dieser Stelle Erwähnung finden mögen. Die erste ist eine Tafel mit Monogrammen. Wir machen hier besonders auf die geschickte und originelle Art aufmerksam, in der die beiden Buchstaben einzelner Monogramme organisch auseinander herauswachsen, anstatt bloß durcheinander gesteckt zu sein. Auch der Verzicht auf jeden äußern Zierat und auf ornamentale Ausstattung der Monogramme ist bemerkenswert. Wie viele der Monogramme, wie sie heute so gang und gäbe sind, würden wohl noch etwas Genießbares vorstellen, wenn man sie aller Schnörkel und darumgehängter Zierate entkleidete? Die beiden ganzseitigen Illustrationen S. 122 und 123, die Schmucksachen und die Schreibtischgarnitur, zeigen wieder deutlich die künstlerische Eigenart Behrens', seine straffe, strenge Linienführung und sein Verzicht auf die Darstellung der Naturform.

Die Eingangsvignette mit dem Stadtwappen von Köln, dem diesjährigen Versammlungsort der deutschen Goldschmiede,

sowie die Textumrahmung dieser und der folgenden Seiten rührt von B. Wenig her, Maler und Lehrer an der Kgl. Zeichenakademie in Hanau. Das Wappen stellt, bei aller historischen Zuverlässigkeit und Treue, ein interessantes Stück moderner Heraldik vor, und dürfte von diesem Gesichtspunkte aus besonders unsre Graveure interessieren. Die originelle Textumrahmung zeigt die Bedeutsamkeit des von ihm umschlossenen Textes.

Der Entwurf zu einer modernen Tablette mit künstlerisch arrangiertem Schmuck, von Professor G. Kleemann an der Großh. Kunstgewerbeschule Pforzheim, ist als Illustration zu unserm Artikel: „Das künstlerische Schaufenster“, gedacht und erläutert sich dadurch wohl von selbst; und er zeigt besser, als Worte dieses vermögen, welch reizvolle künstlerische Aufgaben im Schaufenster des Goldschmiedes noch zu lösen sind. Professor Kleemann hat auch die Entwürfe zu den ebenso zierlichen als eigenartigen Gürtelschließen auf S.131 und 132 beigesteuert, die sich dadurch auszeichnen, daß der dazugehörige Gürtel so dekoriert ist, daß er mit der Schließe ein ornamentales Ganze bildet. Es wäre eine hübsche Aufgabe für unsere stickende und lederbearbeitende Damenwelt, sich nach diesen Anregungen zu einer schönen und wertvollen Schließe einen passenden Gürtel zu schaffen.

Die beiden hübschen Entwürfe von E. Beck, SchwäbischGmünd, auf S. 118 zeichnen sich durch die graziöse Verwendung stilisierter Blumenmotive aus. Eine vollseitige Abbildung stellt Arbeiten von Th. Fahrner in Pforzheim dar, welche Firma speziell Silberschmuck nach Künstlerentwürfen herstellt. Der obere Anhänger nach Entwurf von M. J. Gradi in Stuttgart, wirkt im Tragen sehr ruhig und diskret. Bei dem untern Stück, dem ein Entwurf von L. Knupfer in Pforz

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