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Über die Kunst der Medaille.
Von Rudolph Bosselt in Darmstadt. (Aus: Liebhaberkünste, Hauskunst-Verlag Schulze-Köln, Darmstadt.)

(Schluß.) Frankreich war es, wo sich die Wiedergeburt der künst- wird ausgegeben, der Künstler gut bezahlt und die Stempel lerischen Medaille vollzog; und das ist nicht länger wie un sind Eigentum des Staates. Von allen diesen nun im Auftrage des gefähr 30 Jahre her, von einigen Vorläufern abgesehen. Chapu, Staates angefertigten Medaillen oder Plaketten kann sich jeder Oudiné, Pouscarme,

an der Münze ExemDegorge, um nur

plare kaufen, fast zum einige Namen zu

Herstellungswert. Die nennen, waren die

ganzen HerstellungsBahnbrecher und Re

kosten einschließlich formatoren, und auf

des Künstlerhonorars ihre Schultern stiegen

ruhen eben nicht mehr dann Chaplain und

darauf, und selbst Roty, deren Namen

wenn dies der Fall und deren Arbeiten

wäre, ist eben in in Deutschland, in

Frankreich die Aufder ganzen zivilisier

lage einer Medaille ten Welt so bekannt

so groß, sie wird sosind wie in ihrer

viel gekauft, und nicht Heimat, Charpentier,

am wenigsten von den Vernon, Patey alle

Ausländern, daß es die anderen, die

bei dem einzelnen nachher kamen, und

Stück nicht mehr viel die jüngste Genera

ausmacht; so kommt tion, die schon wie

es dann allerdings, der emporgewachsen

daß man z. B. eine ist, die Schüler der

silberne Medaille von Chaplain, Roty usw.

Roty oder Chaplain Welch eine Fülle

für 10 Frs. erwerben herrlichster Stücke

kann. Wo es sich ist in den letzten

aber um Arbeiten 2 bis 3 Jahrzehnten

handelt, die die Künstgeschaffen worden,

ler aus eigener Iniwieviel eigenartige,

tiative geschaffen hastarke Talente haben

ben und die Stempel wir dort kennen geFUR VERDIENSPE LIST DIE

oder Gußmodelle lernt, die mit ihren ANGEWANDTE

ihnen gehören, da alles in den Bereich

CHENIE

sind auch die Preise ihrer Darstellung

andere - ganz andere. ziehenden Arbeiten

Unterstützt einerden Ruhm der franLIEBIG-MEDAILLE

seits so der Staat zösischen Medaille von Rudolph Bosselt, Darmstadt.

durch reichliche und und damit den ihres

lohnende Aufträge die Landes und Volkes hinausgetragen haben in alle Welt.

Entwickelung und Vervollkommnung der modernen Medaille In Frankreich ist es der Staat, der seinen Künstlern Auf- und macht die Stücke durch Ausprägen zu ganz billigen träge zur Anfertigung von Medaillen oder Plaketten bei den Preisen jedermann zugänglich, so fördert er andererseits das zahlreichen passenden Gelegenheiten gibt. Die Summe dafür Heranwachsen der neuen Künstlergeneration durch die Schulen.

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MEDAILLE
DER AUSSTELLUNG DARMSTADT 1901.

(Vorder- und Rückseite.) .
Von Rudolph Bosselt, Darmstadt.

An der Ecole des Beaux-Arts besteht seit dem Jahre 1803 ein Grand Prix de Rome für die Medaille, der alle zwei Jahre zur Verteilung gelangt, was einschließt, daß an der Akademie eine Klasse für die Medaille besteht. Die Preisgekrönten sind verpflichtet, auf Aufforderung der Regierung während der Zeit der Studienreise, eine Medaille mit Revers herzustellen. Diese, sowie die Stempel der preisgekrönten Arbeit gehören dem Staat, und abermals sind die Prägungen davon jedermann zugänglich. Ich bin nun nicht der Meinung, daß man Künstler auf dem Gebiete der Medaille künstlich durch Schulen züchten kann, und wenn man die Liste der Preisgekrönten durchsieht, so vermißt man darunter manchen der Besten von heute, wie z. B. Charpentier, der dreimal vergeblich konkurrierte; aber die Mehrzahl der heutigen Meister ist doch vertreten, wie Dubois, Lagrange, Chaplain, Degorge, Dupuy, Roty, Bottée usw. Der ganze Zug der Aufmunterung. der Schätzung dieser Kunst, der in solcher Pflege liegt, der macht es, daß die Künstler dafür sich heranbilden.

Nichts dergleichen aber geschieht bei uns. Der Vorteil des Wiederauflebens der Medaille auch bei uns, wie wenig auch bisher davon zu verspüren, ist den Franzosen zugeflossen, denn es gibt kaum mehr eine öffentliche Sammlung in Deutschland, und sei es die kleinste, die sich nicht wenigstens die leichter und billiger zu beschaffenden Arbeiten der ersten französischen Künstler zugelegt hätte.

So gute Vorbilder das nun auch sind, so werden wir mit der einfachen Nachahmung derselben nichts erreichen. Der Wert dieser Arbeiten beruht nicht zum wenigsten darauf, daß sie so spezifisch französisch sind und nicht etwa Nachahmungen der Italiener. Das Niveau der französischen Medaille soll erreicht werden und ist zu erreichen, aber es soll eine deutsche Medaille werden. Und es ist auch Aufgabe des Volkes, mit dazu beizutragen durch Pflege und Unterstützung der deutschen Medaillenkunst. Ich erinnere nur an die Gesellschaften, die in Frankreich bestehen, ähnlich wie bei uns die zur Pflege der Originalradierung, und die in jedem Jahr von einem Künstler eine Medaille anfertigen lassen, die dann an die Mitglieder ausgegeben wird.

Wenn man so schlechthin von dem Unterschied zwischen den Medaillen der italienischen und deutschen Renaissance spricht und den modernen, so denkt man meistens nicht

daran, welch tiefgreifender Unterschied zwischen der Herstellung der damaligen und der jetzigen Medaillen obwaltet. Dieses andere Vorgehen in der Technik kann natürlich kein Grund und keine Entschuldigung sein für den Minderwert moderner Erzeugnisse; aber es ist für die Beurteilung der modernen Medaille von größter Wichtigkeit.

Die Modelle zu den Gußmedaillen der Renaissance, ob sie nun in Buchsbaumholz oder Kehlheimer Stein geschnitten oder in Wachs bossiert waren, sind immer in der Originalgröße gefertigt worden, die die Medaille haben sollte. Das Arbeiten in diesem kleinen Maßstab zwang dem Künstler eine gewisse Beschränkung auf, zwang ihn, nicht zu weit ins Detail zu gehen, zuviel Beiwerk zu geben; verhinderte ihn mit einem Wort: kleinlich zu werden. Wenigstens im Anfang, vor dem allmählichen Niedergang, war dies der Fall. So sehen wir denn auch auf den meisten Medaillen dieser Zeit die Komposition von größter Einfachheit, und wenn ganze Figuren gegeben werden, sind es nicht mehr als höchstens zwei oder drei. Das Arbeiten in der Originalgröße gab dem Künstler denn auch von Anfang an immer das Bild, das die Medaille bieten würde, und er brauchte nur auf die Wirkung in Metall Rücksicht zu nehmen.

Bei der modernen Medaille, hauptsächlich wo es sich um Prägemedaillen handelt, jedoch auch bei Gußmedaillen, werden die Modelle durchgängig in der drei-, vier-, fünffachen, ja zehnfachen Größe modelliert, und die Verkleinerung wird dann durch die vorhin erwähnte Reduktionsmaschine vorgenommen. Dieses Arbeiten in größerem Maßstabe bietet nun zweifellos dem Künstler eine große Erleichterung, birgt aber auch eine große Gefahr in sich. Die größere Fläche verlockt, mehr zu geben an Detail und Häufung der Motive, als dann nachher in der Verkleinerung gut aussieht und als man in Originalgröße gemacht haben würde. Es ist eins der ersten Erfordernisse für den jetzigen Medailleur, so zu arbeiten, daß es bei der fertigen Medaille nachher ohne weiteres glaubhaft erscheint, sie sei so, wie sie ist, in Originalgröße zu machen.

Als Beweis dafür führe ich die Rückseite des neuen französischen Kupfergeldes an. Ich hatte vor ungefähr zwei Jahren in Paris Gelegenheit, das Modell dazu zu sehen. Die kleinen Soustücke sind eine 15 fache Verkleinerung davon und man kann dem sonst so feinen, leider zu früh verstorbenen Medailleur Dupuis den

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Vorwurf nicht ersparen, daß er sich in der Wirkung dieser Rück- Der letzte Vortrag des Württ. Kunstgewerbevereins seite mit der weiblichen und der Kinderfigur in ganz flachem in diesem Winterhalbjahr, der gestern Abend im Viktoriahotel Relief über der Kartusche mit der Ziffer, total verrechnet hat. stattfand, beschäftigte sich mit dem kunstgewerblichen Zweig Das wäre selbst als Medaille noch verfehlt, geschweige denn der Herstellung von Medaillen und Plaketten, ihrer Verals Kupfermünze, die im permanenten Umgang ist. Auch Roty, wendung und ihrem ursprünglichen und heutigen Zweck. Das von dem das neue Silbergeld herrührt, diese herrliche, so fein Thema wurde von einem der berufensten Kenner dieses Gebiets empfundene Gestalt der République française, die den Samen behandelt, von Wilhelm Mayer, dem Seniorchef der Stuttgarter auswirft auf weiter Fläche, auf die die aufgehende Sonne Metallwarenfabrik Wilh. Mayer & Franz Wilhelm, der seit einer ihre ersten Strahlen sendet, ist von dem Vorwurf nicht frei- Reihe von Jahren zur Hebung und Würdigung der Medaillenzusprechen, eine Medaille gemacht zu haben statt einer arbeit in Deutschland beigetragen hat. Die Medaille, SO Münze. Chaplain, von dem das Goldgeld herrührt, ist es ge- führte der Redner aus, trage als Gedächtnisstück an Begebenlungen, den richtigen Ton zu treffen und wirklich Münze zu heiten und Personen einen streng privaten Charakter, der sie machen. — Diese geschilderte Herstellung der jetzigen Medaillen, von Münze und sog. Gedenkmünze unterscheide, da letzteren die natürlich auch sehr kostspielig ist, bedingt selbstverständ- stets ein Kurswert innewohne. Unterschieden von der lich einen gewaltigen Preisunterschied zwischen den jetzigen, Medaille müsse ferner die Plakette werden, die nur einseitig bei vorkommenden Anlässen geprägten Medaillen und den verziert meist rechteckige Form zeige. Sie ist auch mehr vorhin erwähnten zin

Kunstgegenstand, die nernen Schützenmünzen,

Medaille Erinnerungsund ich hoffe, daß meine

stück. Heute freilich ist Ausführungen dazu bei

die Plakette zur Medaille getragen haben, diesen

geworden, da sie ebenUnterschied verständlich

falls zweiseitig bildnezu machen. Zu oft wer

rischen Schmuck trägt. den ja bei uns solche

Wiewohl beide im Anlässe wahrlich nicht

Quattrocento Italiens in benützt; z. B. besitzen

der der heutigen Gestalwir fast auf keinen der

tung am meisten ähnelngroßen Männer des vo

den Form vorkommen, rigen Jahrhunderts eine

sind doch die geschichtMedaille.

lichen Anfänge der MeVon einer Rückkehr

daille viel weiter zurückzu der früheren Technik

zuverlegen. In den ankann keine Rede mehr

tiken Münzen tritt uns sein. Von den jetzigen

die Medaille in höchster jüngeren französischen

Vollendung entgegen, Medailleuren wären wohl

namentlich in den großdie allerwenigsten im

griechischen Diadochenstande, eine Medaille

porträts. Von den Andirekt in Stahl zu schnei

fängen im 7. Jahrhundert den, und wohl fast keiner

v. Chr. zu künstlerischer vermöchte seine Medail

Gestaltung im 5. Jahrlen selbst in Bronze zu

hundert gelangt, fand die gießen.

Medaillenkunst in der Eine Spezialisierung

Alexandrinerzeit höchste ist auch auf diesem Ge

Entfaltung und ihre Fortbiete vor sich gegangen.

setzung dann im römiAber es bedarf nur der

schen Kaiserreich, das Erfahrung des Künstlers

uns so viele Cäsarenund des durch dieselbe MEDAILLE, KINDERPORTRÄT.

köpfe in dem agerdecugewonnenen sicheren Von Rudolph Bosselt, Darmstadt.

matus hinterließ. Von Gefühls für das auf dem

da ab kam eine lange kleinen Raum einer Medaille noch Wirksame und Mögliche, Zeit des Verfalls, bis in Italien das Auffinden antiker Kunstum die mit der jetzigen Technik verbundene Gefahr, in die denkmäler vom 14. Jahrhundert an die Medaillenkunst neu Breite zu gehen, zu vermeiden, und es ist kein Grund ein- belebte; besonders Vittore Pisano, Victor Gambello und Johannes zusehen, warum nicht bei der Weiterentwickelung der mo- Cavinus von Pisa leisteten Vorzügliches. Von Italien lernte dernen Medaillenkunst auch im Durchschnitt wieder die Frankreich die Medaillenkunst und dann Deutschland, wo an künstlerische Höhe erreicht werden sollte, die sie zur Zeit Stelle des Gusses die Prägung trat. Mit dem 30 jährigen der Renaissance in den verschiedenen Ländern inne hatte, Krieg nahm aber auch dieser Kunstzweig ein jähes Ende; und die wohl jetzt von Einzelstücken der besten modernen erst zu des großen Kurfürsten Zeit nahm er einen neuen Meister schon erreicht wird.

Aufschwung, die Technik ging ganz zur Prägung über, die
Gelegenheitsmedaille kam wieder mehr in Aufnahme, jene

Tauf-, Hochzeits- und Sterbemedaillen, aber nach der Mitte Unser Aufsatz in dieser und der letzten Nummer Über des 18. Jahrhunderts trug die Technik mehr und mehr den die Kunst der Medaille“ bietet dadurch ein besonderes Inter- Sieg über die Kunstform davon. Eine Belebung im 19. Jahresse, daß er einen Auszug aus einem Vortrag darstellt, den hundert ging von Wien und Paris aus, dort von der Schule ein Fachmann, ein Medaillenkünstler in Darmstadt, hielt. Ein Anton Scharffs, hier von David d'Angers, und in Paris eigenartiger Zufall will es, daß wir zugleich von einen zweiten gelang es gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts, den Vortrag berichten können, den ebenfalls ein Fachmann, hier steifen Klassizismus der Akademie zu brechen und das Porder Leiter einer Prägeanstalt, über das gleiche Thema hielt. trät realistisch, die Darstellungen durchaus malerisch zu beWir entnehmen darüber dem „Schw. Merkur" folgendes: handeln.

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Im zweiten Teil seines Vortrages gab der Redner ein Bild der Entstehung und der Herstellung der Medaille. Im italienischen und französischen Mittelalter wog, wie schon angedeutet, der Guß vor, während die Antike die Prägung kannte, die mit Stempeln aus weichem Eisen erfolgte und wunderbar weiche Bilder erzeugte, zur Massenproduktion aber ungeeignet war. Die ersten Prägemaschienen, einfache Fallwerke, kommen im 15. Jahrhundert vor. In der Neuzeit mußte bis vor 25 Jahren der Medailleur Stempel zum Prägen herstellen, was dann eine mißliche Sache werden konnte, wenn derselbe kein ausgesprochener Künstler war. Heutzutage wird von der Skizze ein Wachsmodell gemacht vom Bildhauer, dann folgt ein Gipsabguß und dann einer in hartem Eisen. Von diesem wird auf der Gravier-Reduzier - Maschine eine erhabene Verkleinerung in Stahl angefertigt, die dann als Patrize dient und die in ein zweites Stahlstück eingesenkt wird zur Herstellung einer Matrize. Hierzu ist der Druck der Friktionspresse von rund 150 000 kg nötig. Zwischen diesen Stempeln wird das

zur Herstellung der Medaille bestimmte Metall, in der richtigen Größe ausgestanzt, geprägt durch 12mal wiederholte 4 Schläge, bis allmählich alle Teile des Reliefs darauf zur Geltung kommen. Nach einer Nachbearbeitung werden die fertigen Medaillen vergoldet, versilbert oder bronziert und dann in den Handel gebracht. Zum Schluß seines mit größtem Beifall aufgenommenen Vortrags wies der Redner darauf hin, daß bei uns in Württemberg derartige Erzeugnisse der Medaillenkunst wenig Abnahme finden, während in Norddeutschland, Bayern, Sachsen, Osterreich, Frankreich und Amerika dafür große Nachfrage vorhanden sei. - Eine große Zahl Zeichnungen, Modelle, Stempel, halbfertige und fertige Medaillen und Plaketten, die in hübscher Auswahl aufgestellt waren, illustrierte den Vortrag. Besonders interessant war eine Darstellung der einzelnen Phasen der Entstehung der Medaille vom Metallstück an und ferner ein Sortiment von vorzüglichen Kopien antiker Münzen, wie sie von der Stuttgarter Metallwarenfabrik zum Gebrauch in Lehranstalten hergestellt worden sind.

Moderne Kunstemaillierung.

Von R. Rücklin, Pforzheim.

(Aus: Kunstgewerbeblatt, Verlag E. A. Seemann, Leipzig.) Es ist eine in der Geschichte des Kunstgewerbes ver- Namentlich, da sie in der Glut der Farbenwirkung die Emailschiedenfach beobachtete Erscheinung, daß in Zeiten künst- malerei weit übertrifft und eine viel reichere und manniglerischen Niederganges die schwierigen, zu einfachen und faltigere künstlerische Mitwirkung des Edelmetalles gestattet, großen Wirkungen zwingenden Techniken vernachlässigt werden als jene. Wir haben bereits namhafte Vertreter der künstund an ihre Stelle solche treten, welche eine reichere, natura- lerischen Emaillierung auf Edelmetall, es seien nur in Englistischere und kleinlichere Arbeitsweise begünstigen. So ist land Alexander Fisher, in Frankreich E. Feuillâtre genannt; auch in der Kunst

ein kurzer Überblick des Emails, man kann

über die verschiedesagen jahrhunderte

nen technischen Ablang, die weißgrun

arten wird daher wohl dige, zierlich detail

am Platze sein. lierende Emailmalerei

Das Email ist eine bevorzugt worden, zu

Mischung von GlasUngunsten der sprö

masse und Metallderen, zu dekorativer

oxyden, welche die Arbeitsweise zwin

Eigenschaften hat, genden Emaillierung.

fest auf der OberDer technische Unter

fläche des Metalls zu schied zwischen bei

haften, auf welche es den kann am besten

aufgeschmolzen ist. damit klar gemacht

In Bezug auf seine werden, daß man

Lichtdurchlässigkeit sagt, der Emailmaler

lassen sich dreierlei reibt seine Farben

Emailfarben untermit Öl an und malt

scheiden: Ganzdurchmit dem Pinsel, der

sichtige, halbdurchEmailleur hingegen

sichtige oder durchmischt sein Farb

scheinende (opalisiepulver mit Wasser

rende Emaille) und und trägt es mit

endlich opake oder einem Metallstift auf.

undurchsichtige. Bei Es leuchtet ein, daß

durchsichtigem Emaildie eine Arbeitsweise

auftrag läßt sich das zur realistischen, die

darunter befindliche andere zur dekora

Metall so genau ertiven Wirkung drängt,

kennen, daß eine fein und es liegt in der

ausgeführte GravieKunstentwickelung

rung oder Ciselierung der letzten Jahrzehnte

desselben möglich begründet, daß die

und von außerordentkünstlerische Email

lich günstiger Wirlierung mehr und mehr

kung ist. Bei halbin den Vordergrund LIEBIG-MEDAILLE

durchsichtigem Email des Interesses tritt. Von Rudolph Bosselt, Darmstadt

wirkt die Farbe des

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Unterlagsmetalles noch mit, während die feinere Modellierung verschwindet. Opakes Email läßt den Metallgrund als solchen verschwinden.

Zum Emaillieren werden sowohl farblose Glasflüsse, als auch solche, denen Metalloxyde beigemengt sind, verwendet. Der Glasfluß besteht aus Kieselerde, das heißt aus gepulvertem Kiesel oder Silbersand, Mennige, ein rotes Bleioxyd, Nitrat oder kohlensaures Natron, oder Pottasche, was alles zusammen so lange in einem Schmelztiegel geschmolzen wird, bis keine Schmelzblasen mehr aufsteigen. Diesem Glasfluß wird nun das färbende Metalloxyd je nach Bedarf zugesetzt. Bis zu einem gewissen Punkte höchster erreichbarer Sättigung steigt die Tiefe und Fülle eines Tones mit der Größe des Oxydzusatzes. Jeder durchsichtige Emailsatz kann zu einem opaken gemacht werden durch einfachen Zusatz von Zinnoxyd, einer Mischung von calciniertem Zinn und Blei, oder auch durch Beimischung von weißem Arsenik, bezw. arseniger Säure. Ein Zusatz von Gold und Zinn zu farblosem Fluß gibt den sogenannten Cassiusschen Purpur, ein wundervolles Purpurrot, durch Beimischung von Kupferoxyd kann Grün, Blau und Rot erzeugt werden, durch Kobaltoxyd Blau, durch Eisen Braun und Orange. Ein Zusatz von Mangan gibt Purpur, von Silber und Gold Orangerot, von Zinnsäure oder Zinnoxyd ein opakes Weiß.

Aus diesen Tönen kann man durch Mischen im Schmelztiegel wieder neue erhalten. Die Schönheit der Farbe wird bedingt durch gleichmäßiges Schmelzen und inniges Mischen der Bestandteile. Der Umfang der auf diese Weise erreichbaren Farbenskala ist ein ganz unbegrenzter, mit Ausnahme von Zinnoberrot, das nicht darstellbar ist.

Emaillen sind weich oder hart, das heißt sie sind entweder bei verhältnismäßig niedriger Temperatur schmelzbar, oder sie verlangen dazu eine große Hitze, bis zu 1000 und 1200 Grad. Eine Emaille ist tadellos dargestellt, wenn durch ihre ganze Masse kein Schwanken in Bezug auf den Farbton oder die Durchsichtigkeit bemerkbar ist. Man prüft sie, indem man an der Spitze eines Kupferstäbchens etwas von der geschmolzenen Masse aus dem Schmelztiegel nimmt und

zu einem dünnen Faden sich ausziehen läßt. Nach dem Erkalten prüft man diesen zwischen Daumen und Zeigefinger, wodurch man die geringste Ungleichheit an der Oberfläche bemerkt. Auch die Farbe ist so am genauesten nachzuprüfen.

– Ohne auf die Fabrikation der Emaille hier näher einzugehen, wird es doch von Wert sein, einiges über ihre Zusammensetzung zu erfahren, da die Schönheit der Arbeit in hohem Grade von der Zusammensetzung der Grundstoffe abhängt. — Die Härte der verschiedenen Emaillen, und damit ihre Widerstandsfähigkeit gegen atmosphärische und chemische Einflüsse, hängt von dem Prozentsatz der Beimischung von Kieselerde ab, während ein stärkerer Gehalt von Blei und Pottasche eine größere Weichheit und Empfindlichkeit bedingen. Es ist verlockend, in der Arbeit die weicheren Emaillen zu bevorzugen, weil sie besonders brillante Töne haben und leichter zu behandeln sind. Aber sie sind im Augenblick des Schmelzens derart empfindlich gegen Staub und Fremdkörper, dass nur zu leicht die Glätte ihrer Oberfläche und die Durchsichtigkeit geschädigt werden. Wie schon gesagt, werden die farbigen Emaillen auf der Basis farbloser Glasflüsse, durch Beimischung färbender Metalloxyde zu diesen, erhalten. Man tut gut, im allgemeinen zu einer Arbeit nur Emaillen zu verwenden, deren Glasflüsse von gleicher oder ähnlicher Zusammensetzung sind, da sonst das vom Emailleur so gefürchtete Abspringen einzelner Teile leicht eintritt.

Den farblosen Glasfluß, die Basis sämtlicher Emaillen, nennt man Fondant. Je nach dem Metall, auf welches emailliert werden soll, ist dieser von verschiedener Zusammensetzung. Einige Beispiele solcher Zusammensetzungen, sowohl farbloser Glasflüsse, als auch für die Beimischung der färbenden Metalloxyde, sind untenstehend gegeben:

Kupfer und Goldfondant setzen sich zusammen aus: 4 Teilen Kieselerde, 6 Teilen Mennige, 12 Teilen salpetersaurem Kali oder 4 Teilen optisches Glas, 3 Teilen Mennige, 6 Teilen salpetersaurem Kali; Silberfondant enthält: 4 Teile Kieselerde, 6 Teile Mennige, 20 Teile salpetersaures Kali.

Um die verschiedenen Farben zu erhalten, werden zugesetzt:

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